Abschnitte aus dem Buch "Die Altausseer" von Ferdinand von Andrian (1835 - 1917), erschienen 1905, die sich mit Musik und/oder Tanz beschäftigen. Die Seitlfpefeiferei wird nur einmal kurz auf Seite 121 im Rahmen des Jahreslaufs als Teil des Schützenbrauchtums erwähnt. Auf S. 88 wird eine nicht näher bezeichnete "Flöte" neben zwei Geigen und Baßgeige als Bestandteil der Tanzmusik genannt.

Auszug aus:

Ferdinand von Andrian
Die Altausseer
ein Beitrag zur Volkskunde des Salzkammergutes Wien, 1905

zitiert nach dem unverändertem Nachdruck, Selbstverlag Erhard Beuchel/Peter von Kuczkowski, 1975


5. Kapitel: Haus, Hausindustrie, Hausbrauch

S. 54 f.
Eine Eigentümlichkeit der Altausseer bildet die Anfertigung von Musikinstrumenten. Unsere Erhebungen haben drei in Altaussee gefertigte Spinette ans Tageslicht gebracht. Es sei nur jenes aus dem Grillschen Hause, Salzbergstraße 36, beschrieben, welchem die beiden anderen vollkommen gleichen. Die Länge beträgt 90, die Breite 29, die Höhe 7cm. Der Kasten ist aus weichem Holze. Die Tasten und die mit denselben verbundenen, ziemlich unförmigen Hebel sind aus einem Ahornstück mit freier Hand geschnitzt. Der Hammer ist ein breitgeschlagener Eisenstift. Die Baßhebel sind gebogen. Die Klaviatur besteht aus ganzen und halben Tönen, Sie umfaßt 3 ½ Oktaven. Jeder Hammer schlägt eine Saite. Dieses Instrument stammt aus dem Hause "zum Ölsen" in der Lupitsch. Es gehört der Familie Hillbrand. Der Urgroßvater des jetzigen Besitzers Josef Hildbrand war ein gesuchter Geiger, er spielte auch das Spinett. Er ist Urheber des beschriebenen Exemplars.
Ein anderes Mitglied dieses überaus zahlreichen Geschlechtes ist der 1901 verstorbene Bauer Ludwig Hildbrand vulgo Jonz in Eselsbach 8. Derselbe hat von seiner Hand geschaffene Bratschen, Violinen, eine große Harfe zurückgelassen.
In der Lupitsch lebte ferner der 1903 im Alter von 83 Jahren verstorbene Bauer Waldhauser. Er machte Rechen und Heugabeln, außerdem zu seinem eigenen Gebrauche Zithern und Geigen. Eine musikalische Familie sind auch die Pucher in der Puchen. Pucher Sepp hat z.B. eine Flatschen gemacht, ein altes volkstümliches Musikinstrument, welches gegenwärtig nur zu Faschingsscherzen dient. In seinem Hause Puchen 17 fand sich auch eine alte Leier, welche wir ihm wohl unbedenklich zuschreiben dürfen. Die Leiern und Hackbretter waren bis ungefähr 1840 hier ziemlich verbreitet. Beim Pucher Steffl, Puchen 44, hat man ein jedenfalls von einem Familienmitgliede oder ihm selbst gemachtes Hackbrett gefunden.
Diese primitive Industrie ist aus dem Bedürfnisse, zu musizieren, entstanden. Es sind immer ausübende Musiker, welche sich ihre Instrumente offenbar nach dem Vorbilde von vollkommeneren Exemplaren verfertigen. Diese letzteren mögen hie und da in einem Beamtenhause ihnen zugänglich gewesen sein. Ihre Geschicklichkeit konnte somit die Hindernisse ihrer Mittellosigkeit einigermaßen ausgleichen.

S. 85
9. Kapitel: Vergnügen, Tanz - Unterhaltungen

Die junge Welt ergötzt sich am zweistimmigen Gesang, den ihr die Mutter schon in der Kinderstube gelernt hat. Sie tanzt nach der Mundharmonika oder spielt Gesellschaftsspiele.
Die Mundharmonika hat die früher gebräuchlichen Instrumente, Leier, Maultrommel, das Hackbrett, selbst die noch vom Bachwirt gespielte Zwecklzither verdrängt. Die letztere hatte mehrere gleichgestimmte Stahlsaiten, welche mit einem Fischbein (Zweckl) oder einem Holzplättchen gestrichen wurden. Die moderne Zither ist erst vor wenigen Jahren in Altaussee eingeführt worden. Die hiesigen Leute erlernen dieselbe sehr leicht. Auch die Gitarre wird viel gespielt. Das beliebteste Begleitinstrument zum Gesange bleibt jedoch die Mundharmonika. [...]

S.86
Die Männer betrieben früher bis vor ungefähr 20 Jahren im Herbste und im Winter bis zu den Faschingstagen neben dem Eisschießen das Stachlschießen. Der Stachl (die Armbrust) hat einen Bogen, der aus dem Aste einer Eibe hergestellt ist. Er heißt auch "Eibn". Es gab hier sehr kunstreich verzierte Stachln. Die Schießen finden Sonntags in der Scheibn beim Hammerhießen Zens statt. Er verfertigt auch die Stachln. Die Preise werden von den Schützen abwechselnd gegeben.
Die Stachelschießen fanden schon zur Zeit des Kaisers Maximilian I. hier statt.
Die Scheibenschießen wurden früher beim Seewirt, später bei der "Großen Mühle" abgehalten, bis endlich eine eigene Schießstätte zustande kam. Es wird in zwei "Passen" geschossen. Die "Alten" schießen bis 1. Oktober, von da an die "Jungen" bis zum Fasching. Die letzteren erhalten eine kleine Subvention vom Salinenärar. Der Schuß kostet 6 Heller. Auch hier sorgen die einzelnen Schützen abwechselnd für die "Besten". Die Altausseer Schützengesellschaft reicht sicher sehr weit - vielleicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. In Aussee fand 1617 ein Freischießen statt.

S. 88
Der eigentliche Nationaltanz ist der "Steirische". Er besteht aus acht dreiteiligen Takten. Seine Melodie bewegt sich im Dreiklang und im Dominantseptakkord. Er wird mindestens zehnmal meistens in der gleichen Tonart "aufgemacht" und durch einen "Ausgang" von vier bis sechs Takten beschlossen. Die jetzige Besetzung besteht aus zwei Geigen, einem Baß und einer Flöte. Die meisten Steirischen, namentlich die alten, werden auf der zweiten Lage (halben Applikatur) gespielt. [...]

S. 89
Der 1899 verstorbene Johann Walcher, ein aufgeklärter Förderer der neueren Entwicklung von Aussee, war ein tüchtiger Geiger, einer der letzten Schüler des hochgeschätzten Führers der alten Tradition German Roitner. Dieser letztere war auch bei kaiserlichen Hofe sehr beliebt und wurde dadurch mit Paganini zusammengeführt.
Walcher konnte es in späterer Zeit den Jungen mit seinen alten Melodien nicht mehr recht machen, weil ihm der moderne rasche Rhythmus widerstrebte. Der Verdruß über diesen Umschwung mag wohl den Wirt Franz Aschauer in Mitterndorf zur Vernichtung seiner reichen Sammlung von steirischen Tänzen getrieben haben (Dr. J. Pommer, Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereines. 1896, 113). Doch wird man deswegen dem Ausseer Steirischen nicht alles Interesse versagen dürfen, da auch die jetzige Weise durch die scharfe Betonung des Rhythmus und die Leidenschaftlichkeit der Bewegung noch immer ein höchst originelles Gepräge aufweist.

S. 90
Auch der Ländler wird mit Singen und Paschen getanzt. Er bewegt sich im Zweivierteltakt mit starker Markierung des zweiten Viertels, wurde jedoch früher im Dreivierteltakt geschrieben. Er stammt aus Oberösterreich und wurde noch vor vierzig Jahren nur wenig in Aussee getanzt. Weiter nach Steiermark hinein soll er nicht reichen. Auch dieser Tanz hat durch Beschleunigung und scharfe Betonung des Rhythmus in Aussee ein eigentümliches Gepräge erhalten, so daß die Ausseer Burschen schon in Goisern denselben nicht mehr mit den Einheimischen mittanzen können. Wegen des zweiteiligen Rhythmus eignen sich nur gewisse Vierzeilige zur Begleitung des Ländlers. Der gleiche Grund bedingt seine gelegentliche Verwendung, z. B. bei den Aufzügen der Rekruten, als Marsch.

S. 121
Das Jahr
[...] An den Faschingstagen findet ein Scheibenschießen statt, welches am Faschingssonntag in feierlichem Zuge unter Anführung des Zielers im Schalksnarrengewande eröffnet wird. Er trägt auf dem Rücken die Scheibe, auf welcher ein komisches Ereignis samt erläuternden Versen aufgemalt ist. Hinter dem Zieler folgen Trommler und Pfeifer, welche einen "Schleunigen", eine alte steirische Tanzweise, blasen. Darauf folgen Knaben mit den "Besten", und endlich die Schützen. Das Schießen wird Montag oder Dienstag mit einem fröhlichen Mahle beschlossen.

home