Hans Haid Vom alten Handwerk Edition Tau, Bad Sauerbrunn
1991, S. 223 ff.
Seit fünzig Jahren treffen sich auf einer Alm im Salzkammergut, einmal in der Gegend von Ebensee, dann wieder bei Ischl, Goisern, Altaussee, Gosau, Bad Aussee die SCHWEGEL-Pfeifer, diese auf dem alten Instrument der Querpfeife spielenden Menschen von der Umgebung, aus ganz Österreich, Südtirol und Bayern. Immer am 15. August. Seit fünfzig Jahren. Es gab Zeiten, da war das alte Instrument fast vergessen. Jetzt werden es immer mehr, vor allem junge Leute, die darauf spielen. Die Querpfeife oder Schwegel, die am Salzkammergut-Pfeifertag gespielt wird, stammt zu mehr als 90% vom HAUSA-SCHMIDL aus Treffen bei Villach in Kärnten.
Gäbe es den Pfeifertag ohne den Hausa-Schmidl?
Der gelernte Tischler ist jetzt weit über 80 Jahre alt. Seit nunmehr 60 Jahren erzeugt er die Schwegeln. Vorwiegend wird Birnenholz verwendet, aber auch das Holz vom Zwetschkenbauem, vom Nuß- und Eibenbaum. Sein letzter Versuch mit dem sehr leichten Holz des Essigbaumes zeigt, wie er nach wie vor an Hölzern und Tönen herumprobiert.
Das Holz mußmindestens drei Jahre gelagert sein. Die künstliche Trocknung ginge zwar schneller, aber das Holz wäre nicht so gut ausgereift.
Für die Herstellung verwendet er drei verschiedenen Schablonen und zwar für jede Länge. Die Länge besteimmt die Tonhöhe.
Die erste Schablone gibt Länge und Querschnitt der Hölzer an.
Die zweite Schablone gibt die Stärke der Bohrung vor und zeigt den fertigen Durchmesser und die Wandstärke.
Die dritte Schablone zeigt den Sitz der Grifflöcher; sechs Stück plus einem Anblasloch. Außerdem wird der genaue Sitz des Korkens am oberen Ende und damit die endgültige Länge der fertigen Schwegel fixiert.
Die Schablonen haben in der Mitte einen Schlitz. In diesem lassen sich die sieben Markierungspunkte beliebig verschieben und an der richtigen Stelle festschrauben. Um diese Stellen exakt zu finden, werden zuerst die Abstände berechnet. Das weitere geschieht durch Ausprobieren mit Hilfe des Stimmgerätes.
Barbara HAID hat Fertigung und Arbeitsgänge genau beschrieben und einzelne Vorgänge fotografiert (Anmerkung: ohne Literaturangabe). Es kann sein, daß der Sohn des HAUSA-SCHMIDL den Schwegelbau weiterführt. Jedenfalls kann das Werk dieses Handerks-Meisters auf diese Weise dokumentiert werden.
Die Arbeitsgänge:
Das Zuschneiden der Kanthölzer erfolgt nach Schablone Nummer 1, zuerst mit quadratischem Querschnitt, und dann werden sie durch Wegnehmen der Kanten acht-kantig gemacht.
Anschließend werden sie gebohrt: Das Kantholz wird eingespannt und automatisch gedreht: Zuerste wird mit einem dünnen Bohrer ganz durchgebohrt. Bei zylindrischen Schwegeln erfolgt das Durchbohren mit einem dickeren Bohrer. Bei konischen Schwegeln erfolgt die weitere Bohrung in zwei Schritten. Der erste Schritt ist das stufenweise Bohren mit immer dickeren Bohrern. Das Maß ist durch Schablone Nummer 2 vorgegeben.
Der zweite Schritt erfolgt mit dem Spezial-Konus-Bohrer, der nach Angaben von HAUSA-SCHMIDL extra angefertigt wurde.
Sodann werden die Schwegeln gedrechselt. Anschließend werden die Grifflöcher und das Anblasloch gebohrt. Das erfolgt mit Schablone 3. Die fertigen Schwegeln werden drei Tage in 90 Grad heißes Paraffin gelegt.
Der HAUSA-SCHMIDL ist ein überaus korekter Handwerker mit größter Sauberkeit und Präzision.
"Seine Werkstatt ist sehr klein, alles ist sauber in Kästen verstaut und jedes Stück extra beschriftet. Bohrer mit der Aufschrift "Eibe", auf den Schablonen genaueste Angaben über Maße, diese Schablonen wiederum feinsäuberlich hintereinander in einem kleinen Kasten aufgehängt. Dann natürlich ladenweise die zum Verkauf bestimmten Schwegeln, in einer Schachtel die "besonderen", das sind die eibenen oder die mit Ästen oder die verbogenen (und dadurch nicht schlechteren, aber die unverwechselbaren SChwegeln). Diese Stücke sind für solche Schwegler, die extra nach ihnen fragen. Die anderen bekommen die "gewöhnlichen"-birchenen. Nicht zu vergessen der Kasten in seiner Werkstatt, mit extra Beleuchtung mit einer Schwegelsammlung. Von jedem Versuch (gelungen oder nur Spielerei) und jeder Variation steht dort ein Exemplar. Die noch freien Plätze in seiner Werkstatt sind ausgeklebt mit Fotos, Plakaten..." (aus dem Erhebungsprotokoll von B. HAID).
Es hängt dort auch das Foto des schwegelpfeifenden Alois BLAMBERGER aus Bad Ischl, des alten "Blan Lois", des höchst begnadeten Volksmusikanten aus dem Salzkammergut, des langjährigen Organisators vom "Pfeifertag", also des Schwegelvaters und des Vorbilds für viele Musikanten.
Musikanten sind willkommen beim HAUSA-SCHMIDL, vor allem Schwegler und Spezialisten.
Der weit über achtzig Jahre alte HAUSA-SCHMIDL
ist Österreichs unumschränkt bester und einzigartiger Experte
in Sachen "SEITLPFEIFE" (Querflöte).
Seit über sechzig Jahren steht er in seiner kärntnerischen Werkstätte
und hat fast alle Seitlpfeifer Österreichs und von Bayern mit seinen Pfeifen ausgestattet.
Ein Blick in den Werkzeugschrank:
Alles ist überaus sauber und übersichtlich geordnet,
die ganze Palette der Schraubenzieher,
vor allem Stemmeisen und Hobel, der Feilen und Bohrer...
Die Pfeifen werden aus speziellen Hölzern, meist aus Birnenholz,
gedrechselt und mit Spezialbohrern ausgebohrt,
genau nach den selbstentwickelten Schablonen.
Die Nachfrage ist gut. Beste Handwerkskunst lebt weiter. Jetzt ist der Sohn bereits eingearbeitet. Die Zukunft scheint gesichert.