Auszug aus:
Karl Magnus Klier
Volkstümliche Musikinstrumente in den
Alpen
Bärenreiter-Verlag zu Kassel
und Basel, 1956
Kapitel
3
Quer-
und Langflöte
Die
Querflöte ist eines der ältesten Musikinstrumente und war einst in deutschen
Landen allgemein verbreitet und vorzugsweise gebraucht, wie die Bezeichnung
Flûte allemande, Flute german beweisen. Gegen Ende des 12. Jh.s in Deutschland
zum ersten Male nachweisbar, bleibt sie in der einfachsten Form fast ein halbes
Jahrtausend unverändert im Gebrauch. Dann erst begannen die Verbesserungen -
1. Klappe um 1660, die 2. 1726
- und die alte primitive Form erhielt sich lediglich als Volksinstrument in
den Alpen, nachdem die klappenlose Querpfeife auch im österreichischen Heer
im Jahr 1806 abgeschafft worden war. - Im Gegensatz zur heutigen Orchesterflöte,
die mit Metallklappen förmlich gepanzert ist, stellt sie eines der einfachsten
Instrumente dar, an dem auch Jahrhunderte nichts verderben können. Dieser Umstand,
sowie die leichte Herstellungsweise, der geringe Preis und die Bequemlichkeit,
mit der sie von den Gebirgsbewohnern in der eigens dafür angebrachten Innentasche
des Lodenrockes mitgeführt werden kann, haben sie am Leben erhalten.
Im
Salzkammergut von Ebensee bis Aussee und bis zum Wolfgangsee hin heißt das Instrument
„Seitenpfeife“, mundartlich „Seitnpfeiffn“, „Seitlpfeifn“. Die ältere bayrische
Bezeichnung „Zwerchpfeife“, „Zwerchpfeifn“, hat die gleiche Bedeutung wie „quer“
oder, wie es auf alten handschriftlichen Noten heißt: Flauto traverso. Aber
auch die Benennung „Schwegel“ ist volkstümlich für einfache Quer- und Langflöten,
und oft ist aus älteren Druckwerken des 19. Jh.s, wo eine „Schwegel“ ohne nähere
Kennzeichnung erwähnt wird oder in Weihnachtshirtenliedern, wo von einer „Pfeife“
die Rede ist, nicht zu entnehmen, um welche der beiden Arten es sich handelt.
- Während „Flöte“ und „Pfeife“ lateinischer Abstammung sind, ist „Schwegel“
und „schwegeln“ germanischer Herkunft. Schon in der gotischen Bibelübersetzung
Ulphilas aus dem 4. Jh. heißt es: „Wir schwegelten euch und ihr tanztet nicht“. Die Bezeichnung „Schwegel“ wurde später von „Pfeife“ verdrängt,
was besonders deutlich in dem Verhältnis der Personennamen zum Ausdruck kommt:
1914 gab es in Wien gegen 80 Pfeifer, 140 Pfeiffer und nur ganz vereinzelt Schwegel
(3), Schwegler und Schwebel.
Am
besten lebt die alte Überlieferung des Seitenpfeifens bis zum heutigen Tag im
Salzkammergut. Zahlreiche Nachrichten aus der Obersteiermark, aus Tirol, Oberbayern
und der Schweiz lassen die Verbreitung noch bis in die zweite Hälfte des 19.
Jh. erkennen. Der Reisende Sartori erwähnt in einem seiner Bücher 1811: „Die
Schwögelpfeife... ist ein nationales Instrument der Steyermärker, etwa zweimal
so groß als ein Piccolo und ebenso zu gebrauchen“
.
Er hörte schwögeln in der Eisenerzer Gegend und im Ennstal bei Radstatt. - Als
sich der Erzherzog Johann im August 1810 auf der Elmgrubenhütte im Toten Gebirge
aufhielt, kamen „Bauern“ mit ihren Querpfeifen aus dem Tal, um der Gesellschaft
die Zeit zu verkürzen. Jakob Gauermann, der Kammermaler des Erzherzogs, hielt in
einem Aquarell eine ländliche Tanzszene fest, die einen einzelnen Seitenpfeifer
zeigt (Abb. 27). - Eine ähnliche Darstellung verdanken wir J. Lederwasch, der
um 1800 ein steirisches Tanzpaar aus dem oberen Murtal nebst einem Schwegelpfeifer
malte. Noch in den 1840er Jahren stellte der Reisende J.G. Kohl
fest: „Im Brucker Kreise (Bruck a. d. Mur) ist die Schwegelpfeife allgemein“,
und war nach seinen Beobachtungen auch im Judenburger Kreise häufiger zu finden. In den 1840er Jahren mußte in Steiermark die „Schwebbelpfeife“,
wie J. V. Sonntag schreibt, bei der Tanzmusik häufig der Clarinette weichen. Im Lande Salzburg wurden besonders im Pongau die „sogenannten
Schwegelpfeifen“ von manchen Burschen fertig gespielt und dienten im Hangart
(bei Hausbesuchen) oder in der Schenke zur Belustigung der übrigen Anwesenden.
In
Tirol war die Schwegelpfeife als Hirteninstrument anfangs des 19. Jh.s „fast
in jeder Alphütte, insbesondere des Zillertales“ zu finden
,
aber auch die Schützen zogen mit ihren Klängen zum Scheibenschießen (Abb.24)
und zu festlichen Umzügen auf, wie eine Aufzeichnung vom Jahre 1835 aus der
Meraner Gegend gelegentlich des Frohnleichnmamsfestes zeigt. Diese Südtiroler Weisen stehen in unmittelbarer Verbindung
mit Pfeiferstücken der österreichischen Armee unter Maria Theresia, die auch
sonst in der Volksüberlieferung weiterleben. Beim Aufgebot des Tiroler Landsturmes in Kriegszeiten, etwa
1809, marschierten auch die Schwegler mit. - In Oberbayern war die Schwegelpfeife

neben der Zither
das nationale Instrument, die eigentliche Hausmusik der Berge
.
- In der Schweiz war die kleine Querflöte in manchen Berggegenden gebräuchlich
und ein Aufzeichner rühmt in den 1860er Jahren die „überaus feurigen und originellen“
Melodien; gleichzeitig wies er darauf hin, daß bei den Bergbewohner die Querflöte
hauptsächlich im Verein mit Geige und Baß gebraucht wird. Über die Wanderung solcher Melodien aus der Schweiz nach
Vorarlberg und Tirol kann etwa ein Fresko am Rosenwirtshaus zu Steinach am Brenner
vom Jahre 1631 belehren. (Abb. 28).
Die
Pfeifen werden seit altersher durch Drechsler erzeugt, da die Arbeit besondere
Werkzeuge voraussetzt. Alois Ganslmayr in Haiden bei Ischl (Abb. 35) stellt
nach Überlieferung seiner Vorfahren zwei Gattungen von Seitenpfeifen her:
gerade und konische. Die geraden entsprechen den im Mittelalter und noch später
üblichen Instrumenten (Abb.25, 4 und 5) und werden in vier Größen: 33, 37,
39 und 43 cm gefertigt. Die kleinsten heißen Goaßpfeifen, sind gellend und
häufig unrein, dir größten, Biri(g)pfeifen, sind „schwer zum d‘erblasen“,
wie die Einheimischen sagen. Am gebräuchlichsten sind die Mittelgrößen, 39cm
in A, 37cm in B oder H. - Die konischen Pfeifen (Abb. 25,6) sind offenbar
jüngeren Datums. Das Ende gegen das Mundloch zu erweitert sich konisch und
wird durch einen gedrechselten Pfropfen abgeschlossen, mit dem die Tonhöhe
etwas reguliert werden kann, z.B. beim zwei- oder dreistimmigen Spiel.
Von Holzarten wird gewöhnlich Ahorn, Zwetschke und Eibe - im Volksmund Iber
- verwendet; sehr gut sind Pfeifen aus Pfaffenkappel (=Spindelbaum, Eyonimus)
und Dirndl (Kornelkirsche, Cornus mas). Im allgemeinen ist das Instrument
um so besser, je härter das Holz ist. Der alte Ganslmayr sagte mir über die
Wahl des Werkholzes: „Da geht ma zum Blochhaufn aussuachn, und je größer der
is, desto besser. Manichs Holz is ganz tot, aber manchs, da klingt schon der
Bloch. Das Holz muß zur Musik gewachsen sein wie ein Mensch, das ist die Hauptklausel
bei der ganzen Sache!“ Dabei schlug er mit dem Hammer an den rohen Bloch und
erkannte mit geübtem Ohr das klingende Holz - das andere war gut genug für
Holzschüsseln, Nudelbretter und ähnliche Dinge des realen Lebens.- Der Stamm
wurde nun in kleine Scheiter geteilt, die austrocknen mußten. Dann erhielt
die rohe Holzleiste zunächst die Bohrung, dann wurde die Außenseite abgedreht
und mit einem Stichbrett der Platz für die Grifflöcher und das Mundloch angemerkt.
Hierauf wurden die Löcher entweder eingebrannt oder gebohrt, womit die Pfeife
im Rohzustand fertig war. Schließlich mußte am Mundlochende der Pfropfen eingesetzt
und die Außenseite poliert oder eingelassen werden (Abb. 26)
Außergewöhnlich
lange Instrumente, wie sie das Bild Gauermanns zeigt (Abb. 27) oder das Zeughaus
in Graz aufbewahrt, wurden auf abweichende Art verfertigt. Ein solches gerades
Rohr aus Tannen- oder Fichtenholz mit einer Wandstärke von 2 mm konnte der
ländliche Drechsler nicht herstellen. Das Holz erhielt zunächst eine Bohrung,
dann wurde ein genau passender Hartholzstab eingeschoben und die Außenseite
mit Hobel und Messer bis auf die gewünschte Stärke abgetragen.- Schließlich
gab es auch mehrteilige Pfeifen, deren Einzelteile aneinandergesteckt wurden.
Der
Spieler richtet eine neue Pfeife noch etwas zurecht: er ölt sie innen, feilt
die Grifflöcher nach, wenn dies nötig ist, und sieht besonders darauf, daß
das Mundloch eine scharfe, nach innen abgeschrägte Kante hat.- Vor dem Spielen
wird die Pfeife mit Wasser gefüllt und wieder entleert, damit sie leicht anspricht.
Weitbekannte
Hersteller von Quer- und Langpfeifen waren die Walch in Berchtesgaden, von
denen die Museen in Salzburg und Berchtesgaden Instrumente aufbewahren.
Die
Naturflöten gehören zu den transponierenden Instrumenten. Ein „Ländler“ etwa,
den der Spieler „im Griff“ hat, ertönt je nach der Pfeifenlänge in A-Dur (39
cm), in H-Dur (37 cm) oder F-Dur (48 cm). Die Niederschrift von Tonstücken
und Grifftabellen erfolgt dagegen so, als ob jedes Instrument in D und den
davon abgeleiteten Tonarten stimmen würde. Die sechs Grifflöcher sind nach
dem metrischen Prinzip in gleichen Abständen voneinander angeordnet, mitunter
auch in zwei Dreiergruppen mit einem etwas größerem Abstand zwischen dem 3.
und 4. Loch. Gewöhnlich hält der Pfeifer das Instrument vom Munde aus nach
rechts und greift die ersten drei Grifflöcher mit der linken, die entfernten
drei mit der rechten Hand, wobei Daumen und kleine Finger die Pfeife stützen.
Es gibt aber auch Pfeifer, die das Instrument nach links halten (Abb. 27,
29, 32). Der tiefste Ton entsteht, wenn alle Grifflöcher geschlossen sind
und mäßig stark angeblasen wird, der nächst höhere jeweils durch Heben des
letzten Fingers:
Die
zweite Oktave wird durch das sogenannte „Überblasen“ hervorgebracht, durch
veränderte Lippenstellung. Wenn die Unterlippe den vorderen Rand des Mundlochs
teilweise deckt und der Luftstrom mehr in die Pfeife geht, so kommen die tiefen
Töne zustande; wenn sich die Unterlippe entfernt, während das Kinn sich vorschiebt
und die Luft mehr über die Schneide geht, so entstehen durch dieses „Überblasen“
die hohen Töne. Durch „doppeltes Überblasen“ kann in der Höhe noch eine
halbe Oktave gewonnen werden, deren Töne hervorzubringen aber schon im 16.
Jh. Als schwierig galt. – Wird die Pfeife nicht waagrecht gehalten, sondern
etwas nach abwärts, so werden die Töne etwas höher, umgekehrt etwas tiefer,
wodurch nötigenfalls ein kleiner Ausgleich erzielt werden kann.
Im
Salzkammergut werden etwa 4/5 der Pfeiferstücke nicht in der Grundtonart, sondern
in jener der Oberquart gespielt, in der üblichen Schreibweise in G-Dur. Dabei
bleiben alle Griffe gleich, bis auf die cis, die erniedrigt werden müssen; dies
geschieht mit sogenannten „Gabelgriffen“. Für das tiefe c lautet der Fingersatz:
0 2 3 0 0 0, für das hohe c: 0 2 0 4 5 0. – Übrigens wird auch für das fis,
das meist etwas zu tief klingt (neutrale Terz) eine zweite Griffart angewendet:
1 2 3 0 5 6. – J. Steinegger, einer der zwei „Pfeiferlbuam“, hat für den Grafen
Wilczek eine große Anzahl von Pfeifermelodien aus dem Salzkammergut aufgeschrieben,
die in G stehen, z. B. eine Reihe von alten „Pfannhauser-Tänzen“ oder Schleunigen.
Sie sind musikalisch von mehr als einem Gesichtspunkt aus bemerkenswert; von
der Seite der Spieltechnik wäre auf die Oktavsprünge am Schluß von Nr. 2 und
in Nr. 3 zu verweisen, die bei gleichbleibendem Griff, nur durch Anblasetechnik
zustande kommen. –

In älterer Zeit kam es auch vor – wie gelegentlich noch heute -, daß Spieler
bei solchen Stücken in der Quarttonart dem Gabelgriff für c auswichen und wie
in D-Dur cis griffen, dem sie durch entsprechenden Ansatz die Schärfe nahmen.
So kam ein Ton zustande, der dem Alphorn-fa entsprach; während aber das fa des
Alphorns in den Gesetzen der Physik bedingt ist, hat jener Pfeifenton nur äußerliche,
grifftechnische Ursachen, wenn er auch dem Ohr des Älplers vom Alphorn her nicht
fremd klingen mochte. Ein älterer Beleg für diese Spielweise: im Jahre 1819
wurde in der Gemeinde Ritten bei Bozen die dort übliche Hochzeitsmusik aufgezeichnet,
darunter ein „Kehraus“ in C, besetzt mit zwei Geigen und Baß; im Trio aus F
kam zu den Streichinstrumenten eine Schwegel:
Der
Aufzeichner setzte nun zu seiner Niederschrift hinzu: „Weil die Spielleute in
den F-Ton sehr wenig bewandert sind, geht es gemeiniglich, wie es hier aufgesetzt
ist, daß sie statt b h greifen, und dieses klingt sehr komisch...“ Aber in
der Schweiz wird dieser „teuflische Tonschritt“ noch heute von den Pfeifern
gebraucht, und H. In der Gand bringt ein Beispiel aus einer 1529 gedruckten
Sammlung, in dem dieser Tonschritt zur Charakterisierung von Querflötenweisen
verwendet wird.
Mittels
weiterer Gabelgriffe könnte noch C- und F-Dur gespielt werden, was aber praktisch
nicht geschieht. Auch ist es möglich, durch halbe Deckung des letzten Griffloches,
z. B. des sechsten bei d, ein dis hervorzubringen, doch ist dies bloß ein Notbehelf.
Für die Spielweise sind Vorschläge und besonders Triller charakteristisch. Meist
wird gebunden gespielt, bei Märschen gelegentlich auch staccato. – Beim zwei-
und dreistimmigen Spiel werden ganz gleiche Pfeifen verwendet, was eine sehr
altertümliche Stufe der Musikübung sein dürfte, ebenso wie die Art des Zusammenspiels,
bei dem einer allein beginnt, während der andere oder die anderen später einfallen.
Ein Zusammenspiel mit Instrumenten in temper-

ierter Stimmung ist unmöglich, etwa mit chromatischer Zieharmonika, Zither oder
Gitarre; auch das Hackbrett müsste nach der Pfeife gestimmt werden, wenn es
vorher im Ensemble mit einer Harmonika gespielt und nach dieser gestimmt worden
war. Am leichtesten haben es geschulte Geiger, die je nachdem in reiner oder
temperierter Stimmung spielen können.
Der
Ton der Seitenpfeife ist durchdringend, daher für die Melodieführung bei der
Tanzmusik in alter, kleiner Form und bei der Marschmusik hervorragend geeignet.
In ihrer Art berühmt waren die Brüder Steinegger, vulgo „Willhelmer“ aus der
Grundlseer Gegend. Joseph (1819 – 1897) und Franz (1823 – 1882) waren meisterhafte
Seitenpfeifer, die sowohl bei den Feiern und Festen der Landleute aufspielten,
als auch vom Hochadel herangezogen wurden, zu Jagden im Gebirge und zu Veranstaltungen
im kleinen Kreise während des Winters in Wien (Abb. 34). Alexander Baumann,
der Wiener Mundartdichter, hat für sie eine Art Auftrittslied gemacht mit dem
Titel: „Die Pfeiferlbuam vom Grundlsee“, dessen Schlußjodler mit zwei Schwegelstimmen
umrankt wird
.
Graf
Hans Wilczek, der Wiederhersteller von Kreuzenstein, nahm bei Joseph Steinegger
Unterricht im Seitenpfeifen; er brachte es auch so weit, daß er bei einer Hochzeit
in Altaussee unerkannt, aber anerkannt, zum Tanz aufspielen konnte. Hans Canon
malte 1877 den Grafen in steirischer Tracht als Seitenpfeifer
. – Als Franz Steinegger das väterliche Anwesen
bei Bad Aussee übernahm, schmückte er den Holzgang mit einer Reihe aus hölzernen
Seitenpfeifern (Abb.31) (Anmerkung Christian Amon: Solche Geländer gibt
es im Ausseerland mehrere.
Als Beispiel eine Almhütte auf der Koppen-Alm: Siehe auch Emblem
der Pfeifenbauer K. und A. Mayer)– Wie alte Ischler Pfeifer zu erzählen
wussten, wurden sie auch zu Hofjagden des Kaisers Franz Joseph geholt, sogar
nach Mürzsteg, oder mußten bei der Hochzeit des Kronprinzen Rudolf oder beim
Besuch des Königs von Siam ihre Kunst vorführen. –
Nach
dem ersten Weltkrieg wurde mit gutem Erfolg der Versuch gemacht, das Absterben
der Seitenpfeifen zu verhindern und ihren Gebrauch neu zu beleben. Zunächst
ein einführender Aufsatz mit Grifftabellen und Musikbeispielen in einer Zeitschrift;
dann wurde von ihm ein handlicher Sonderdruck von 16 Seiten gefertigt. Diese
1000 Stück fanden innerhalb einiger Jahre den Weg ins Volk: unter den Beziehern
waren Holzknechte und Jäger neben Hofräten, Priestern und Landlehrern. Ganslmayr
in Haiden und Schmiedl in Heiligenblut drehten gleichzeitig hunderte von Pfeifen,
die wieder auf’s Land hinaus gingen. R. Zoder brachte den Brauch eines Treffens
der Seitenpfeifer am 15. August an einem Ort des Salzkammergutes auf; der erste
dieser „Pfeifertage“ war im Jahre 1925 (Abb. 32). Im Jahre 1931 erschien eine
„Neue Anleitung zum Schwegeln“. Daneben wurden alte Pfeiferweisen aufgeschrieben (Abb. 33),
mit dem Archivphonographen aufgenommen und durch Abdruck wieder bekanntgemacht. Der Erfolg dieser Arbeiten blieb nicht aus und wird nach
dem zweiten Weltkrieg wieder sichtbar: 1946 fand bereits wieder der Pfeifertag
statt, und Alois Ganslmayr, der im Krieg ein Bein einbüßte, hat schon
wieder Seitenpfeifen für die Ischler gemacht.
Beim
zehnten Pfeifertag in Ischl 1934 erschienen sieben Gruppen aus Oberösterreich,
Steiermark und Kärnten mit insgesamt 19 Pfeifern, darunter auch ganz junge
Leute. Hierbei bliesen die beiden Kärntner auf Langflöten, während alle anderen
Teilnehmer Seitenpfeifen handhabten.
Die
Langflöten sind in den letzten Jahrzehnten im Volk kaum mehr gebraucht worden,
obwohl bei ihrem Spiel die Schwierigkeit des Ansatzes wegfällt. Ein Paar Langflöten,
„Schwegeln“ aus dem steirischen Ennstal besaß Dr. Josef Pommer, der sie von
einer seiner Sammelfahrten mitgebracht hatte. Sie sind 43,5 cm lang, zylindrisch,
haben außen fünf gedrechselte Wülste und sechs schräge Grifflöcher. Das obere
Ende mit der Tonspalte ist gerade abgeschnitten, also nicht sehr mundgerecht.
Das Material ist schwarz gebeiztes Ahornholz. Der Grundton ist g (Abb. 25,I,
und Querschnitt auf der Tafel bei Klier, Neue Anleitung).- Der Maler
G. Sundblad zeichnete in den 1880er Jahren den „Tanz in einer Sennhütte“ im
Karwendel, bei dem ein Hirtenbub auf der Langflöte aufspielt. Hausa Schmiedl in Heiligenblut, nun in Greifenburg, hat in den Jahren vor
1938 auch Langflöten teils nach alten Mustern, teils mit eigenen Verbesserungen
hergestellt. – Die Grifftechnik ist genau die gleiche wie bei der Seitenpfeife.
Eine
Absonderlichkeit stellen die Altausseer Nasenpfeifer dar. Sie spielen Langflöten
mit einigen Metallklappen, die durch eine längliche Öffnung ihren Wind aus einem
Nasenloch erhalten (Abb. 30). – Der Vergleich mit exotischen Instrumenten dieser
Art drängt sich von selber auf
.
Hausa
Schmidl schreibt sich ohne "ie"
J. Fressl, Musik des baiwar. Landvolkes, a. a. O., S. 119.
Schmeller-Frommann, Bayr. Wörterbuch II, 628.
F. Sartori, Neueste Reise durch Österreich (Wien 1811),
I, S. 171; II, S. 95.
F. Ilwolf, Aus Erzh. Johanns Tagebuch (Graz 1882), S.19.
Mautner-Geramb, Steir. Trachtenbuch II (Graz 1935), S.
340.
J. G. Kohl, Reise in Steiermark u. im bairischen Hochlande
(Dresden-Leipzig 1842), S. 146.
J. V. Sonntag, Bemerkungen, a. a. O., S. 388
L. Hübner, Beschreibung des Erzstiftes Salzburg (Salzburg
1792 – 96)
J. M. Schottky, Bilder aus der süddeutschen Alpenwelt
(Innsbruck 1834),
A. Lewald, Tirol vom Glockner zum Orteles (München 1835).
K. M. Klier, Märsche aus der Zeit Maria Theresias. – In:
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K. Stieler, Die Musik in den bayr. Bergen, a. a. O.,
S. 296.
H. Szadrowsky, a. a. O., S. 344
J. J. Quantz, Versuch einer Anleitung, die Flöte traversière
zu spielen (Breslau 1789).
H. In der Gand, Pfeiferweisen aus dem Eifischtal. – In:
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R. Preiß, Unsere Lieder (Leipzig 1912), S. 192.
Abb. Bei E. Kinsky-Wilczek, Graf Hans W. erzählt seinen
Enkeln (Graz 1933) u. S. 332.
Ztschr. Das deutsche Volkslied XXV, 1923, S. 18-20 u. 34-37.
– Sonderdruck: Karl M. Klier, Die volkstümliche Querpfeife, Schwegel oder
Seitenpfeife und ihre Spielweise (Wien o. J., 1923).
Karl M. Klier, Neue Anleitung zum Schwegeln (Seitenpfeifen).
(Wien 1931). Mit 16 Notenbeispielen, 6 Grifftabellen u. einer Tafel.
Zoder-Preiß, Bauernmusi I, S. 84. – Nr. 19. – Bolterauer-Haager,
Fest- u. Tanzmusik aus Österreich (Wien 1928).- Mit 9 Nrn. für 2 „Seitelpfeifen“.
– Korda-Klier, Volksmusik aus Steiermark und Burgenland (Wien 1938), S. 10f.
– Mit 4 dreist. Jodlern.
Abb. Bei H. Noe, Deutsches Alpenbuch I, Salzkammergut,
Oberbayern, Allbäu (Glogau o. J.), S. 21.
C. Sachs, Real-Lexikon, S. 269. – R. Andree, Die Nasenflöte
u. ihre Verbreitung. – In: Blobus LXXV, 1899, S. 150, 195, 375. – Siegried
Wolf, Zum Problem der Nasenflöte (Leipzig 1941).
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