Abschrift von:

Karl Magnus Klier
Neue Anleitung zum Schwegeln (Seitenpfeifen)
Mit 16 Notenbeispielen, 6 Grifftabellen und einer Tafel
Verlag Eichendorf-Haus, Wien 1931

   Als im Jahre 1923 meine, zuerst in der Zeitschrift "Das deutsche Volkslied" gedruckte Anleitung zum Schwegeln (Seitenpfeifen) in der Form eines bescheidenen Heftchens erschien, da fand dieses über Erwarten allseits freundliche Zustimmung. So schrieb Kurt Sachs (Staatliche Instrumentensammlung, Berlin), wohl der berufenste Beurteiler, in der "Zeitschrift für Musikwissenschaft": "Der Denkmälerschutz, der heute in allen Kulturländern eine selbstverständliche Einrichtung geworden ist, beginnt jetzt endlich auch die bodenständigen Musikinstrumente einzubeziehen. Die Zeit drängt..., mit den alten Instrumenten verschwindet unrettbar die Volksmusik. Einen sehr erfreulichen Anfang machen die Österreicher mit dem sympathischen Heftchen..."

    Welchen Erfolg diese Arbeit im Volke selbst hatte, beweisen die gesammelten Bestellschreiben, die den Sektionschef des Innenministerium neben dem Holzknecht, den Bezirkshauptmann, den Lehrer, den Geistlichen, den "Jugendbewegten" in bunter Rehe zeigen, beweist aber noch mehr die Anzahlt der Instrumente, die Alois Ganslmayr allein in dieser Zeitspanne bis heute abgesetzte hab: sie beläuft sich auf über 2000! Nun ist auch das erwähnte Heftchen mit seiner Auflage von 1000 Stück vergriffen - nebenbei bemerkt, sind diese beiden Zahlen ein sprechender Beweis dafür, daß das Volk kein besonderer Freund des Gedruckten ist, sondern zum guten Teil mit der mündlichen Überlieferung auskommt. Wo diese nicht ausreicht, will auch die erneuerte Auflage hilfreiche Hand reichen.

    Es soll aber auch der Versuch gemacht werden, die Vergangenheit mit der Zukunft zu verknüpfen. Die sechslöchrige Langflöte eignet sich nämlich wie keine anderes Instrument dazu, Kinder in das Notenlesen und Musizieren einzuführen. Sie ist billig, unverwüstlich und ermöglicht natürlichsten, auch historisch und logisch begründeten Lehrgang. Die volkstümlichen, sechslöchrigen Flöten, Schwegeln, Seitenpfeifen sind in Tirol, Steiermark, Oberösterreich, besonders im Salzkammergut bis heute in Gebrauch, während andere Volksinstrumente, wie das Hackbrett oder das Alphorn, bereits zu Museumsgegenständen geworden sind. Die Bezeichnung "Schwegel" wird sowohl für Lang-, als auch für Querflöten gebraucht. Schon die Reisebeschreiber, die Österreich vom Beginn des 19. Jahrhunderts an durchwanderten, erwähnen des öfteren das "Schwögeln" als einer musikalischen Besonderheit (1). So Sartori in seiner "Neuesten Reise durch Österreich" 1811: "Die Schwögelpfeife...ist ein nationales Instrument der Steyermärker, etwa zweimal so groß als ein Piccolo und ebenso zu gebrauchen". Er hörte "schwögeln" in der Eisenerzer Gegend und im Ennstal bei Radstadt. Die Schwegel als ausgesprochen "nationales Instrument der Steyermärker" zu bezeichnen, ist eine nicht zutreffende Einschränkung. Um nur ein dieser Zeit entsprechendes Beispiel anzuführen: in der Sonnleithner-Sammlung (im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde zu Wien) ist eine Handschrift erhalten, die uns die Hochzeitsmusik der Gemeinde Ritten bei Bozen aus dem Jahre 1819 überliefert. Diese war besetzt mit zwei Geigen, einer Bassgeige und einer Schwegel (2).

    Arten der volkstümlichen Flöten. Der Drechsler Alois Ganslmayr in Haiden, Post Aigen-Voglhub bei Ischl, Oberösterreich, erzeugt seit altersher nach Überlieferung seiner Vorfahren zwei Gattungen Seitenpfeifen: gerade und konische. Die ersteren sind ein gleichweites Rohr, an den Enden durch Wülste oder Messingreifen gegen das Springen verstärkt, sie entsprechen den im Mittelalter üblichen Instrumenten. Ganslmayr kennt vier Größen: 33, 37, 39 und 43 cm. Die kleinsten heißen "Goaßpfeifen", sind gellend und häufig unrein. Die größten, auch "Birigpfeifen" (von Gebirge) genannt, sind schwer "zum d'erblasen", dafür hört man sie weit in die Ferne. Am empfehlenswertesten sind ei beiden Mittelgrößen, 39 cm in A-Dur, zum Zusammenspiel mit anderen Instrumenten besonders geeignet, und 37cm in H-Dur. Die zweite Art, die konische Seitenpfeife, dürfte aus jüngerer Zeit stammen. Das Ende beim Mundloch erweitert sich konisch und wird durch einen gedrechselten Pfropfen abgeschlossen, mit dem die Tonhöhe etwas geregelt werden kann.

    Der Drechsler und Holzbildhauer Hausa Schmiedl in Heiligenblut, Kärnten, erzeugt eine Reihe von Pfeifenarten nach Zeichnungen und alten Musterstücken, die ihm vom Verfasser zur Verfügung gestellt wurden, und ist um besonders reine Ausführung und Stimmung bemüht. Er verfertigt unter anderem: eine Querflöte (Schwegel) aus Nordtirol, 48 cm lang, F-Dur, ein sehr schönes Muster aus dem Besitz des Volkskunde-Museums in Wien; eine Langflöte aus dem steirischen Ennstal, 44 cm, G-Dur, aus dem Nachlaß Dr. Josef Pommers. Nach dieser ein verkleinertes Muster mit verbesserten Mundstück, für Kinder geeignet, 30 cm, D-Dur. (Man vergleiche dazu im Anhang die Tafel mit den Zeichnungen der Instrumente.)

    Die Wahl aus dieser Reihe zu treffen, ist nicht so schwierig, als es für den ersten Eindruck scheint. Die Langflöte hat den Vorteil, daß sie vom ersten Tag an ohne Schwierigkeiten richtige Töne gibt, während bei der Querflöte erst der Ansatz erlernt werden muß, wozu einiges Geschick und Geduld notwendig sind. Dafür ist der letzteren Ton bedeutend kräftiger und durchdringender, eignet sich also in erster Linie für Marsch- und Tanzmusik. Die Langflöte klingt sanfter und passt mehr für eine Hausmusik volkstümlicher Art, für Jodler, Liedweisen und dergleichen. Von Querflöten wähle man entweder die Größe 39 cm in A oder die Tiroler in F; von Langflöten für Erwachsene die Größe 44 cm, für Kinder 30 cm (3).

    Von Holzarten wird gewöhnlich Ahorn, Birne, Zwetschke und Eibe (4) (volkstümlich heute noch, wie in Mittelhochdeutschen "Iber") verwendet; sehr gut sollen Pfeifen aus Pfaffenkappel (5) und Dirndl (6) sein; im allgemeinen ist das Instrument umso besser, je härter das Holz ist. Ahornholz erlaubt eine beliebige Auswahl. Der alte Ganslmayr sagt: "Då geht mañ zum Blohaufen aussuchn, und je größer der is, desto besser: wia der Mensch: das ist die Hauptklausel der ganzen Sache." Der rohe Block wird nämlich mit dem Hammer angeschlagen an dem Ton erkennt das geübte Ohr das geeignete Holz. Aus diesem wird zunächst die Bohrung gearbeitet, dann die Außenseite abgedreht, zuletzt werden die Löcher gebohrt. Eine fertige Pfeife muß der Spieler noch etwas herrichten: innen wird sie geölt, die Löcher werden, wenn nötig, nachgefeilt, besonders das Mundloch muß eine scharfe Kante haben. Vor jedem Spielen lasse man in die Pfeife Wasser laufen und entferne das überschüssige durch Schwenken und heineinblasen.

    Die Naturflöten gehören zu den transponierenden Instrumenten. Ein Marsch zum Beispiel, den der Spieler "im Griff" hat, ertönt je nach der Pfeifenlänge in A-Dur (39 cm), in H-Dur (37cm), in F-Dur (48cm) und so weiter. Infolge dieser Verschiedenheit der Pfeifenlängen und damit der wirklich erklingenden Tonarten können hier die Weisen und Grifftabellen nur in einer einzigen angenommenen Tonlage wiedergegeben werde. Um nach Noten spielen zu lernen, stelle sich der Spieler vor, das Instrument stimme in D-Dur. Der tiefste Ton, alle Grifflöcher zu, wäre das eingestrichene d. Hiefür gilt die folgende Grifftabelle:

Grifftabelle D-Dur

    Punkte bedeuten offene Grifflöcher. Die Grifflöcher 1,2,3 werden mit der linken Hand, 4, 5, 6 mit der rechten gegriffen; Daumen und kleine Finger halten die Pfeife, Sind zwei Möglichkeiten, einen Ton zu greifen, so wähle man die besser klingende; das richtet sich nach der Pfeife, die ja als Volksinstrument nicht von mathematischer Genauigkeit ist.

    Der Ton entsteht dadurch, daß der Luftstrom die scharfe Kante des Mundloches schneidet. Die höhere Lippe deckt teilweise den vorderen Rand des Mundloches, der Luftstrom geht mehr in die Pfeife - es kommen die tiefen Töne; sie entfernt sich (während das Kinn sich vorschiebt), die Luft geht mehr über die Schneide - durch dieses Überblasen entstehen die höheren Töne (7) . Auch die Zunge ist von Wichtigkeit, besonders beim Stakkato-Spiel.

    Am Anfang gelingen die mittleren Töne am ehesten; am schwersten die tiefen, welche überhaupt etwas hohl klingen - daher die Redensart "auf dem letzten Loch pfeifen". Aber mit einiger Geduld gelingen bald alle Töne rein und ohne die lästigen Obertöne. Dann wären die Tonleiter, der Dreiklang und Septakkord (auf denen viele älplerische Melodien aufgebaut sind), sowie Lieder zu üben. Eine Anzahl von Jodlern für zwei Seitenpfeifen und auch Märsche finden sich bei Klier-Zoder, Volksweisen für zwei Querflöten (Wien 1927). Die Jodler heißen im Salzkammergut auch "Ludler". Von ihnen hat Spaun in seinen "Österreichischen Volksweisen" 1845 eine Anzahl gesammelt, die zum Teil heute noch bekannt sind.

    Die folgenden Stücke haben mir der alte und der junge Ganslmayr im Sommer 1922 vorgepfiffen.

    Nr. 1

Ein Steirer:

Ein Steirer

Nr. 2

Ein Landler:

Ein Landler

Nr. 3

Ein Walzer:

Ein Walzer

Nr. 4

Ein Marsch vom alten Kößler in der Hallstatt



Außer der natürlichen Tonreihe, die hier immer in D-Dur notiert ist, sind im gleichen Umfang noch drei Tonarten spielbar:
G-Dur
Grifftabelle G-Dur

Die beiden c, hier mit einem Sternchen versehen, sind besonders zu beachten. Sie müssen tiefer klingen als in der vorigen Grifftabelle das cis!

C-Dur
Grifftabelle C-Dur


Als neue Töne treten die beiden f hinzu.

F-Dur
Grifftabelle F-Dur
Neue Töne: die beiden b.




Einige Halbtöne
Einige Halbtöne


O bedeutet halbe Deckung des betreffenden Griffloches (nach einer volkstümlichen Grifftabelle aus Lauffen bei Ischl, mitgeteilt von R. Zoder). Auf einer Pfeife können also vier Tonarten, hier immer als D-, G-, C- und F-Dur bezeichnet, gespielt werde: die Möglichkeit, gis und dis greifen zu können, darf nicht zu der Annahme verleiten, daß nun auch in A- und E-Dur gespielt werden kann, Es ist dies bloß ein Notbehelf für gelegentlich vorkommende Erhöhungen.

    Die Flöten, und zwar sechslöcherige Lang- und Querflöten, waren eine Instrumentengruppe, welche die Durtonleiter als natürliche Tonreihe hatte zu einer Zeit, in der das Ohr noch an andere Tonfolgen gewöhnt war. Diese konnten zwar mittels der zuletzt dargestellten Gabelgriffe gespielt werde; aber vermutlich hat die Flötenfamilie seinerzeit wesentlich dazu beigetragen, daß die Durtonarten vorherrschend wurden.

Einige Stücke in den entfernteren Tonarten vom alten Kößler in Hallstatt:

Nr. 5

Ein Steirer in G:

Ein Steirer in G


Nr. 6

Ein langsamer Ludler in C:

Ein langsamer Ludler in C



Nr. 7

Ein Landler in F:

Ein Landler in F


Bei Ischl gibt es noch Pfeifer, die bei besonderen Anlässen ihre Kunst zeigten, wie gelegentlich einer Hofjagd in Mürzsteg, bei der Hochzeit des Kronprinzen Rudolf oder beim Besuch des - Königs von Siam. Aber gerade für die Wertschätzung und Pflege des Althergebrachten waren derlei "Produktionen" von einer erheblichen Bedeutung. Berühmte Pfeifer waren zur Zeit Erzherzog Johanns die Brüder Wilhalmer (8), die "Pfeiferlbuam vom Grundlsee" (in Steiermark). Oft mußten sie im Winter nach Wien kommen, um sich im Palais Wilzek hören zu lassen. Von ihnen handelt ein Lied, das heute noch gesungen wird, und dessen Schlußjodler zwei kunstvoll geführte Schwegelstimmen umranken (9).

Die ländlichen Spieler nehmen zum Zusammenspiel gleich große Pfeifen; meistens wird zwei- oder dreistimmig gespielt. Die dreistimmigen Stücke sind durchaus nicht immer rein homophon, sondern zeigen stellenweise recht selbständige Stimmführung. Man beachte zum Beispiel die Sekundenschritte im neunten und zehnten Takt dieses Stückes:

Nr. 8

Dreier Ludler aus St. Wolfgang (Oberösterreich):

Dreier Ludler aus St. Wolfgang (Oberösterreich):
Überliefert von Josef Hödlmoser (Wien) im Jahre 1922. Niederschrift des Verfassers.





Nr. 9

Dreier aus Altaussee

Dreier aus Altaussee


Vorgespielt gelegentlich des "Pfeifertages" auf der Blaa-Alm bei Ischl am 15. August 1928 von den Alt-Ausseer Schützenpfeifern Leopold Khals, Josef Pucher und Herman Moser. Aufzeichnung des Verfassers. Der Rhythmus entspricht nicht genau dem Dreivierteltakt; jene Takte, in denen drei Achtel mit Balken verbunden sind, könnten beinahe im Zweivierteltakt mit je zwei Triolen notiert werden. (Man vergleiche dazu die vorhergehende Nr. 6 im zweistimmigen Satze!) Solche Stücke werden meist ohne jede Notenkenntnis, nur nach dem Gehör, erlernt und überliefert. Bloß eine Art Tabulatur in Ziffern, um eine Tonfolge anzudeuten, fand ich einmal bei einem Pfeifer in Hallstatt.

    Ein sehr geübter Spieler bringt durch "doppeltes Überblasen" eine Rehe noch höherer Töne hervor, die aber schon im Mittelalter als schwierig galten. Durch diese ist es möglich, manche Melodien auch in hoher Lage zu spielen, was gelegentlich des Zusammenspielens mit anderen Instrumenten wichtig ist (Siehe Notenbeispiele Nr. 10 und 16.)
Die höchsten Töne


    Wird die Pfeife nicht waagrecht gehalten, sondern das entfernte Ende etwas nach abwärts gesenkt, so werden die Töne höher, umgekehrt werden sie etwas tiefer, wodurch nötigenfalls ein kleiner Ausgleich erzielt werden kann.

Nr. 10

Hochzeitsjodler aus dem Salzkammergut

Hochzeitsjodler aus dem Salzkammergut
Vorgespielt von Großvater und Enkel Ganslmayr im Sommer 1923. Niederschrift des Verfassers.


    Für die Spielweise sind Vorschläge und besonders Triller charakteristisch. Der Trillerfinger ist meistens der letzte:
Triller


    Werden ganze Tonreihen mit einem ununterbrochenen Luftstrom erzeugt, so ist das ein gebundenes Spiel; dabei entstehen oft unangenehme Zwischentöne, Diese werden beim Stakkatospiel vermieden, bei dem jeder Ton mit der Zunge "gestoßen" wird. Die alten Armeepfeifer des 18. Jahrhunderts gebrauchten diese Spielweise, um ein möglichst reines Zusammenspiel zu erreichen. Nach der Vorschrift vom Jahre 1794 durfte ein Infanterie-Regiment insgesamt 20 "Pfeifers zur Aufmunterung der Regiments-Streich" haben; dazu kamen noch 52 "Tambours". Die Zusammenstellung: zwei Querpfeifen und Trommel ist noch heute bei den Schützen des Salzkammergutes üblich (10). Es ist eine uralte Musik von eigenartigem kriegerischen Charakter. So wurde auch der heute in Vergessenheit geratene Schwerttanz im Salzkammergut von zwei Pfeifen und einem Trommler begleitet (11).

"Dås Trummln, und dås Pfeiffn-Spül
Is schen bei Tåg und Nåcht,
En Leut'n g'fållt es åll'n vül
Wea do a Leb'n håt,

heißt ein Salzburger Vierzeiler Anno 1796.

Aus Niederösterreich ist überliefert (12) folgender

Nr. 11

Original-Marsch der Sensenschmiede:

Original-Marsch der Sensenschmiede



    Er ist bis auf Unwesentliches gleichlautend dem "Grenadier-Marsch der Pfeifer" im österreichischen Heer unter Maria Theresia. Diesen hat der Armee-Kapellmeister Leonhardt anno 1857 nebst der Tag-Reveille und dem Zapfenstreich nach der Angabe des Pfeiferveteranen Moriko aufgezeichnet, um diese Stücke, wie er selbst sagt, der Vergessenheit zu entreißen. Das Original steht in G-Dur; damit stimmt überein, daß die einzige spielbare Querpfeife des Heeresmuseums in Wien, sowie acht Pfeifen im Grazer Zeughaus G als Grundton haben. Eine solche Armeepfeife kostete nach der Vorschrift vom Jahre 1774 in Wien 2 fl. 45 kr. Vereinswährung. Eine getreue Nachbildung nach der Zeichnung des Verfassers liefert der Drechsler A. Ganslmayr in Haiden bei Ischl.

    Der Grenadiermarsch war seinerzeit sehr verbreitet. So erscheint er unter anderen als Übungsstück in einer volkstümlichen Handschrift der Wiener Nationalbibliothek "Fundament für die Zittern" 1774, als "Süddeutscher Grenadiermarsch" in K. M. v. Webers Kantate "Kampf und Sieg" 1815 (13). "Tagreveille" und "Zapfenstreich" folgen nach Leonhardts Aufzeichnungen.

Nr. 12

Tag-Reveille der Pfeifer (Um 1780):

Tag-Reveille der Pfeifer (Um 1780)



    In veränderter Form treffen wir dieses Stück als "Tageswacht" noch um 1835 in der Gegend von Meran (Südtirol) an. Es wurde am Tag des Fronleichnamsfestes von Pfeifern und Trommlern gespielt, um die Einwohner zu wecken (14). Bis in die jüngste Gegenwart waren derartige Weisen in Übung, zum Beispiel als "Jungfrauen-Aufwecken" aus Schladming (Steiermark) (15).

Nr. 13

Zapfenstreich der Pfeifer (Um 1780):

Zapfenstreich der Pfeifer (Um 1780)

Wie die alten Pfeifermärsche der Landsknechte gewandert sein mögen, soll in den folgenden Musikbeispielen angedeutet werden. Lehrreich ist in dieser Hinsicht auch eine Freskomalerei am Hotel "Rose" in Steinach am Brenner, Nordtirol. Das im Jahre 1930 erneuerte Bild zeigt "Die Heimkehr der 7 Krieger im Jahre 1631 aus der Schweiz, welche von 200 ins Feld ausgerückten Mannen aus dem Gerichte Steinach nach 6jähriger Abwesenheit zur Zeit des 30jährigen Krieges noch übrig geblieben waren..." Einer der Heimkehrer spielt auf der Querflöte, ein zweiter trommelt.

Nr. 14

Alter Schweizer Feldschritt

Alter Schweizer Feldschritt
Zum Andenken an die Schlacht bei Sempach im Jahre 1386 setzte zum 500. Gedenktage 1886 Franz Bettschart die alten eidgenössischen Pfeiferstücke in Noten. Dieser Ausgabe ist obiges Stück entnommen (16) .

Nr. 15

Vorarlberger Pfeifermarsch

Vorarlberger Pfeifermarsch


    Überliefert durch Hans Hofer, Fabrikant in Lustenau, Vorarlberg, 1929; mitgeteilt von Prof. August Schmitt (Wien).

Nr. 16

Tiroler Standschützenmarsch

Tiroler Standschützenmarsch
Mitgeteilt von Frau Schmidt im Jahre 1929 nach der Überlieferung ihres Vaters Michael Maaß. In der Gegend von Ried im Oberinntal in den Siebzigerjahren üblich.

    Zur Weihnachtszeit begleiten oft Schwegelpfeifen in der Kirche die Hirtenlieder, wie bei dem "Weihnachtslied" aus Schladming (17) oder bei jenen aus Hopfgarten in Kohls Tiroler Liedern. Dem eigentlichen Lied, der Aria, ging ein Vorspiel voraus, ein Nachspiel folgte als Abschluß. In dieser Art ist mancherorts bis heute die Ausübung längst vergangener Tage erhalten.

    Während vieles Alte unwiederbringlich dahin ist, weil die Zeit fortschreitet, so könnte doch wieder vieles andere bei einigem Verständnis erhalten bleiben. Die althergebrachte Gebirgstracht mit Lederhose und Lodenrock ist nicht nur schöner, sondern auch haltbarer als der Anzug aus der Kleiderfabrik. Die alten Lieder sollen gesungen werden, nicht weil sie alt sind, sondern weil sie mehr sagen als die städtischen Operettenschlager; und statt ein Grammophon loszulassen und damit Lärm zu erzeugen - Musik kann man das nicht nennen - wäre es besser, es setzten sich ein paar zusammen und spielten die alten Tänze und Märsche, so wie ich sie an einem schönen Septembersonntag 1921 bei der Simonyhütte am Dachstein hörte, wo zwei schnauzbärtige Seitenpfeifer, die zu einer großen Gesellschaft aus Ebensee gehörten, unermüdlich ihre "Stückln" pfiffen.

    Daß das Schwegeln nicht in wenigen Tagen zu erlernen ist, wird jeder bestätigt finden, der es einmal versucht. Eine Fertigkeit läßt sich nicht über Nacht erwerben, sondern nur durch beharrliche Ausdauer und Beachtung alles dessen, was andere erprobten und für gut fanden; das alles hofft der Verfasser zier zusammengetragen zu haben, um dem wichtigen, nämlich dem praktischen Zweck in erster Linie zu dienen.

   
Tafel mit Pfeifenmaßen
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[Anmerkung: Folgende Information stimmt seit Jahrzehnten nicht mehr]
Durch das Eichendorf-Haus in Wien I, Stadiongasse zu beziehen:
Alle Gattungen Querflöten und Langflöten

Alle Notenausgaben mit Musikstücken für Quer- und Langflöten wie:

    Volksweisen (Märsche, Tänze und Lieder) für zwei Querflöten und kleine Trommel. Gesammelt von Karl M. Klier und Raimund Zoder. Wien 1927

    Fest- und Tanzmusik aus Österreich für zwei Geigen (Schwegelpfeifen) und Klampfe, herausgegeben von L. Bolterauer und M. Haager. Wien 1928

    Bauernmusi. Österreichische Volksmusik, bearbeitet für zwei Geigen und Gitarre, herausgegeben von R. Zoder und R. Preiß. Leipzig 1925. - Der II. Teil enthält zahlreiche Stücke für Seitenpfeifen.




(1) Über das "Schwegeln" vgl. Schmeller, Bayrisches Wörterbuch II, 628, und Mendl-Reißmann, Musikalisches Konversations-Lexikon, Berlin 1878

(2) Die genannte ältere Literatur über die Flöte verzeichnet H. Halbig, Die Geschichte der Klappe an Flöten und Rohrblattinstrumenten bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts (Archiv für Musikwissenschaft, VI, S. 1 ff.)

(3) Alle angeführten Instrumente sind durch das "Eichendorff-Haus" in Wien I, Stadiongasse 9, zu beziehen.

(4) Taxus baccata L.

(5) Spindelbaum, Eyonymus europaeus L.

(6) Kornelkirsche, Cornus mas L. - Über die im Salzkammergut verwendeten Holzarten vgl. Dr. J. A. Schultes, Reisen durch Oberösterreich etc. Gotta 1809, II. Band. S. 108 f.

(7) "J. J. Quantzens Versuch einer Anleitung, die Flöte traversière zu spielen..." Breslau 1780. Quantz war der berühmte Flötenlehrer Friedrichs II.

(8) J. Stöger, Die zwei Pfeiferbuben. Kalender der Josef-Bücherbruderschaft, Klagenfurt 1906, S 88 f.

(9) R. Preiß, Unsere Lieder (Hofmeister 1912, S. 192)

(10) Konrad Mautner, "Alte Lieder und Weisen aus dem steyermärkischen Salzkammergut", Wien 1919, S. 366;

K. M. Klier, Bericht über phonographische Aufnahmen österreichischer Volksmusik 1928. Anzeiger der phil.-histor. Klasse der Akademie der Wissenschaften in Wien, Jahrgang 1929,

L. Bolterauer - M. Haager, Fest- und Tanzmusik aus Österreich, Wien 1928 (F. Baumgartner)

(11) Johann Steiner, "Der Reisegefährte durch die österreichische Schweiz", Linz 1820.

(12) Durch Friedrich Schiffner, Chormeister in Waydhofen. Abgedruckt in Th. Zelinka, "Waidhofen a. d. Ybbs", Wien 1874

(13) K. M. Klier, Märsche aus der Zeit Maria Theresias. Zeitschrift "Das deutsche Volkslied", XXIX (1927), S 65- 70.

(14) A. Lewald, Tirol vom Glockner zum Orteles, München 1835

(15) Abgedruckt nebst einer großen Anzahl von Märschen, Tänzen und Liedern bei Klier-Zoder, Volksweisen für zwei Querflöten und Trommel. Wien 1927, Bundesverlag

(16) Andenken an die Sempacher Schlachtfeier, den 5. Juli 1386. alte eidgenössische Pfeifer- und Tambour-Ordonanz, Verlag K. und N. Bentzinger, Einsiedeln (1886)

(17) "Das deutsche Volkslied", XIII (1911), S. 190


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