Auszug aus:

Alfred Komarek
Kulturschätze im Salzkammergut
Verlag Krenmayr & Schieriau, 2000, S. 120 ff.

Nach dem Zusammenbruch der Donaumonarchie konnten freilich auch sorgsam gesicherte Schätze der Volksmusik nichts mehr am Wandel der Zeiten ändern. [...] Wer mochte da noch vorgestrig vor sich hinmusizieren? Jedenfalls blickte ein gestandener Musiker, der "Ischler Khals", Leopold Khals mit bürgerlichem Namen, voller Sorge um sich, weil er fürchten musste, bald nur noch allein auf seiner Seitelpfeife spielen zu können. Aber er war ein Mann der Tat, pfiff zusammen, was an seinesgleichen noch aufzutreiben war, und schuf eine einzigartige Institution, den "Pfeifertag". Außerdem war er der Meinung, dass eine solche Veranstaltung nicht auf die Bühne passte und nicht einmal ins Wirtshaus. Also fanden sich am 15. August 1925 an die 15 Musikanten auf der Blaa-Alm ein. Khals erfand auch gleich das Ehrenamt des "Pfeifervaters" und war selbst der erste. Er organisierte den Pfeifertag, betreute die Musikanten und führte eine Teilnehmerliste. Außerdem ordnete er nachdrücklich an, dass jeder Seitelpfeifer junge Musiker heranbilden sollte, um sie zum nächsten Pfeifertag mitzubringen. Die Saat des "Ischler Khals" ging auf: Es kamen nicht nur immer mehr Musiker auf die Alm, auch das Interesse der Zuhörer stieg. 1929 war dann auch schon der Rundfunk dabei, und Andreas Reischek ließ im Dialog mit dem Volksmusikkundler Raimund Zoder keine Gelegenheit aus, die Veranstaltung medienwirksam und herzerwärmend unters Volk zu bringen. Erfolg hat allerdings auch immer unerwünschte Begleiterscheinungen. Lois Blamberger, der "Blå(n) Lois", war 1965 Pfeifervater geworden und ärgerte sich mehr und mehr über Zaungäste, die keine Ahnung von Volksmusik hatten, und Musikgruppen zweifelhafter Qualität, die sich publikumswirksam in den Vordergrund spielen wollten. Der Erfolg des Pfeifertages wurde zur größten Gefahr für ihn. Nichts gegen heimische Stubenmusik oder gegen einen ordentlichen Viergesang, aber die Original kreuzfidelen Polsterzipfdodeln? Nein, danke. 1989 wurden dann die Brüder Thomas und Kurt Simenschitsch aus Altaussee zu Pfeifervätern. Nicht eben zart gebaut und mit harten Schädeln ausgestattet, haben sie die Geschäftemacher aus dem Tempel gejagt und durch eine klare Ordnung wieder fröhliches Durcheinander- und Miteinandermusizieren auf der Alm ermöglicht. Ganz früh, um 7.00 Uhr fangen die Pfeifer an, und sie musizieren bis Mittag. Dann sagt einer der Pfeiferväter ein paar gewichtige Worte, der Schau- und Hörplatz des nächsten Pfeifertages wird verkündet und ein verhaltener Jodler untermalt die Gedenkminute für verstorbene Pfeifer. Dann mag musizieren, wer, womit und wie er will, und zwar bis zum Morgengrauen. [...]

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