Auszug aus:
Gerd Pöllitsch
Garchinger Schwegelschule
Eigenverlag, 1977
Ich möchte in diesem
Kapitel nicht erzählen, wie ein Steinzeitmensch an einem Knochen nagt, ein Loch
hineinbohrt und sogleich die Querflöte erfindet [...] Es gibt keinen eindeutigen
Beweis dafür, dass die Querflöte im Altertum bekannt war. Bildliche Darstellungen
lassen nicht erkennen, wie die Flöten angeblasen wurden. Bei den antiken Instrumenten
sind Rohrblätter wahrscheinlich. Praetorius zeigt in seiner Syntagma Musicum
II neben den Querflöten [...] auch einige Dolzflöten; das sind quer gespielte
Blockflöten. Deshalb sind auch die ersten abendländischen Darstellungen quer
gespielter Flöten nicht unbedingt als Nachweis für die Querflöte zu betrachten.
Noch größer aber ist die Ungewißheit bei Texten: Eine der Siren aus dem "Hortus
Deliciarum" (12. J.h.) spielt ein Instrument mit drei Löchern (quer nach
links gehalten) indem sie anscheinend ein eines der Löcher bläst. Das Instrument
wird im Text als "swegel" bezeichnet. Das ist verwirrend, denn Sebastian
Virdung bezeichnet in seiner "Musica getutscht" (1511) mit Schwegel
die dreilöchrige
Einhand(block)flöte, die im Mittelalter und auch noch später in der Renaisance
häufig mit einer Trommel zusammen gespielt wurde. (In Frankreich trifft man
sie gelegentlich heute noch an.) Die Querflöte nennt er Zwerchpfeiff. Luscinus
übersetzte 1536 Virdungs Buch ins Lateinische, übernahm die selben Abbildungen,
nur, um die Verwirrung komplett zu machen, vertauscht er die Bezeichnung Schwegel
und Zwerchpfeiff, so daß Schwegel die Querflöte bezeichnet. Im Alpenraum werden
mit Schwegel sowohl Quer als auch Blockflöten gemeint. In der Südsteiermark
nennt man sogar die dort übliche Panflöte "Schwergl". Es ist heute
üblich (in der Literatur) mit Schwegel die alte Querflöte mit sechs Grifflöchern
zu bezeichnen. [...]
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