Artikel aus Traunspiegel, 5. Jg, Folge 52/Juni 2000
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Seitlpfeifer-Lieder bewahrt


Weshalb macht sich jemand die Mühe und schreibt ein Notenbuch für Seitlpfeifer? Es ist der innere Drang, Kulturgut zu erhalten, es anderen zugänglich zu machen. Leopold Schiendorfer aus Perneck geht aber noch einen Schritt weiter. Der Seitlpfeifer fertigt inzwischen selbst Pfeifen an und trägt so dazu bei, daß unser Kulturgut lebendig bleibt. Ein Beispiel für das Bewahren von Werten.



Foto: Traunspiegel
Sehr vielen Kindern lassen die Eltern ein Instrument lernen und meist besuchen sie dafür eine Musikschule. Bei Hermann und Leopold Schiendorfer war das anders. Ihr Vater arbeitete mit dem begnadeten Musiker Alois Blåmberger (Blå Lois) im Pernecker Salzberg zusammen. Und eines Tages fragte der Vater, ob der Oberbergmeister Blå Lois seinen Buben nicht das Seitlpfeifen lernen könne. Dieser war einverstanden, ja, sogar ein wenig stolz darauf, wieder zwei junge Schüler zu haben. Bereits nach zwei Jahren durften sie schon beim Heimatabend im Ischler Kurhaus mitspielen. Für die 9- und 10-jährigen Buben eine aufregende Sache. Aber wie so oft, will man in der Pubertät genau das Gegenteil davon tun, was die Eltern wollen. Die Mutter von Hermann und Leopold war vor das selbe Problem gestellt, fand aber eine kluge Lösung: "Ihr könnt schon mit dem Spielen aufhören, aber ihr sagt es dem Blå Lois selbst."
Damit hatte sie gewonnen, denn der Respektsperson Blåmberger so etwas sagen, hätten sie sich nie getraut. Also wurde weitergeübt. Zum Glück für die Volksmusikszene, denn heute spielen die zwei Schiendorfer-Brüder bei den Pernecker Seitlpfeifern. Bei vielen Veranstaltungen und Schützenmahlen sind sie zu hören.
"Damals als Buben konnten wir keine Noten lesen, also hat uns der Blå Lois die Jodler, Steirer und Märsche anders aufgeschrieben und zwar mit Zahlen statt Noten. Diese Zahlen zeigten die Löcher an, die zu schließen waren. Ein Steirer schaute etwa so aus: 2 6 4 2 6 / 1 6 3 1 6 / 2 6 4 2 6 4 3 6 1...Für die Buben eine optimale Lösung, für andere ein Orakel.
Leo Schiendorfer bewahrte die Noten auf, bis ihm die Idee kam, die Zahlenschrift in eine normale Notenschrift umzuwandeln, damit sie auch von anderen Musikern gelesen werden kann. Als Baßflügelhornist und späterer Obmann der Musikkapelle Jainzen hatte er natürlich längst das Lesen und Schreiben von Noten gelernt.
Viele der Jodler von Blå Lois und der Simon Geigenmusi waren noch nie aufgeschrieben worden und daher interessant für andere Musiker. Ein Computerprogramm war bei der Erstellung der Noten sehr behilflich und so waren nach vielen Stunden insgesamt 38 Stücke übersetzt worden.
Bei den meisten Stücken fehlte die dritte Stimme, auch die schrieb Leo Schiendorfer dazu. So entstand ein Marschbuch (auch in der Größe), das nun von den Seitlpfeifern problemlos verwendet werden kann. Alle drei Stimmen sind in getrennte Bücher geschrieben.
Der leidenschaftliche Volksmusikant Leo Schiendorfer tut aber noch mehr für die Volksmusik. Obwohl er ein gelernter Maschinenschlosser ist, beschäftigt er sich lieber mit Holz. Er absolvierte mehrere Schnitzkurse und fertigt sich inzwischen seine Krippenfiguren selbst an. Aber er hat auch vor drei Jahren das Herstellen von Seitlpfeifen gelernt.
Als Holz werden außer heimischen Obstbaumsorten auch Eiben verwendet. Das Stimmen in H-Dur erfolgt nach einer Schablone. Schiendorfer ist inzwischen der einzige, der die Seitlpfeifen nach der alten Ischler Form anfertigt, wie es in den 60er Jahren Alois Ganslmayr aus Haiden bei Bad Ischl tat. Die übliche Form ist jene von Hausa-Schmiedl [*] .
Wer das Notenbuch für Seitlpfeifer von Leo Schiendorfer (Preis 100 S) bestellen möchte, kann dies unter der Tel.-Nr. 06132/28138 tun.

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