Artikel aus Traunspiegel, 4. Jg, Folge 44/Oktober 1999
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Der Schützentrommelmacher

von Alexander Savel

Ein Schützenmahl ohne Trommelmusik ist undenkbar. Genauso wie eine Schützenmusik ohne Schützentrommel. Diese aus den Landsknechttrommeln entstandenen Instrumente stellt heute noch ein Mann her, der dieses Handwerk vom bekannten Musiker Alois Blamberger (Blån Lois) übernommen hat. Wir besuchten Robert Unterberger in seiner Werkstätte in St. Agatha.


Foto: Traunspiegel
Das Schützenmahl im Oktober bildet den Abschluß jedes Schützenjahres. Und wenn gefeiert wird, dann darf auch die Musik nicht fehlen. Bei den Schützenmahlen ist das eine ganz besondere Musik, bestehend aus zwei bis drei Seitlpfeifen und einer Trommel. Die Trommel, die wohl aus der Zeit der Landsknechte kommt, unterlegt die Schützentänze der Seitlpfeifer mit rollenden Rhythmen, von denen der im Alpenraum einmalige 5/8-Takt der seltsamste ist. Ein 3/4 Takt wird dabei auf 5/8 verkürzt und ergibt die eigene Dynamik der Steirer und Schleunigen, die die Tänze des Zielers bei gelungenen Treffern musikalisch begleiten. Beim abendlichen Schützenzug hilft die Trommel den fahnltragenden Kindern und den Schützen beim Schritthalten.
Diese Trommel wird - wie es sich für das Salzkammergut gehört - von Hand hergestellt. Daß diese Tradition weitergeführt wird, ist eigentlich einem Zufall zu verdanken. "Schlömmer" Robert erinnert sich: "Es war 1982 als Hofrat Dipl.-Ing. Dr. Winfried Aubell in Leoben eine Feier veranstaltete, zu der er eine Schützenmusik brauchte. Er lud den Blån Lois (Alois Blamberger), den Putzn Christl (Christian Pramesberger) und mich ein. Der Blån Lois hat damals auch die Schützentrommeln gebaut und ich fragte ihn, ob ich das nicht auch lernen könnte. Der Lois hat zugesagt und mir seinen Korpus geborgt, den man für die Anfertigung braucht". Alois Blamberger war genauso Tischler wie Robert Unterberger.
Vor zehn Jahren starb der "Blån Lois" und das Anfertigen der Schützentrommeln wäre möglicherweise in Vergessenheit geraten, wenn es Robert Unterberger nicht inzwischen gelernt hätte. "Ich fragte zuerst die Witwe von Alois Blamberger, ob sie mir den Korpus zur Verfügung stellen könnte und schließlich hat ihn mir die Tochter übergeben". Seither fertigt also Robert Unterberger die Schützentrommeln an und das ist gar nicht so einfach. Um den Korpus wird ein Buchen-Sperrholz gebogen und verleimt. Am oberen und am unteren Ende wird dieser Holzzylinder durch zwei Ringe verstärkt. Um die Felle befestigen zu können, werden außen am Holzzylinder ebenfalls zwei Ringe aus Eschenholz angebracht. Das Trommelfell stammte früher von einem ungeborenem Kalb, weil dieses keine Haare hat. Robert Unterberger verwendet heute Ziegenpergament, weil dieses annähernd die Festigkeit eines Kalbfells hat, aber preislich günstiger ist. Gespannt werden die Felle mit einem Hanfseil, das er sich aus Istambul besorgt, weil es bei uns keine Seiler mehr gibt. Diese Seile werden mit Lederringen verbunden, die zum Stimmen der Trommel dienen. Je nach Wunsch kann über das Fell eine Darmsaite gespannt werden, die für einen schnarrenden Klang sorgt. Schließlich muß die Trommel noch angemalt werden. Meist werden traditionelle Muster verwendet, in der Steiermark sind diese nach den Landesfarben grün-weiß, in Oberösterreich rot-weiß.
Unterberger läßt sich für die Schützentrommeln auch eigene, stärkere Schlägel aus Esche anfertigen und auch einen Tragegurt braucht die Trommel, die fertigt eine Sattlerei in Bad Ischl an. Bei sorgfältiger Behandlung kann so eine Trommel schon ein paar Jahrhunderte überleben.
Viele Schützenmusiken haben Trommeln von "Schlömmer" Robert und er selbst spielt natürlich auch auf seiner eigenen. Etwa 40 Trommeln hat er bisher angefertigt. Die eigene Leidenschaft zur Musik war somit die Voraussetzung für die Erhaltung dieser Tradition. Robert Unterberger ist seit 51 Jahren Musikant. Angefangen hat er als Trommler bei der Agatha-Musikkapelle, dann spielte er bei der Bürger- und Werksmusik und bei der Goiserer Bauernmusik, die im Ausland für Goisern Werbung machte. Unterberger war auch bei der Gründung der Steeger Buam dabei, die als erste Gruppe in Bad Goisern auf Schallplatte zu hören war. Und er war es auch, der zusammen mit Kurdirektor Karl Pilz die Gamsjagertage (Gamsbartolympiade) ins Leben rief. Seit 20 Jahren spielt er nun die Schützenmahltrommel, als Nachfolger von Godl Krenn.

Anmerkungen Christian Amon:
Für den Korpus wird ein Blatt dünnes Sperrholz um den Model gewickelt. Während Lois Blamberger den Stoß, dort wo sich das Sperrholz überlappt, sichtbar ließ und oft noch durch Mauskopfnägel betont hat, schleift Robert Unterberger den Stoß vollständig glatt.
Auf der steirischen Steite des Pötschenpasses werden hauptsächlich Trommeln mit einer Resonanzsaite (Darmsaite) gespielt. Das liegt wohl am Vorbild der noch vorhandenen alten Trommeln (Schießstattrommel-Altaussee, Trommel der Altausseer Schützenmusi, Trommel der Eselsbacher Stachelschützen, siehe Bild), die alle über eine solche Saite verfügen. Eine Besonderheit dabei ist, dass üblicherweise auf Seite mit der Saite geschlagen wird.
Im oberösterreichischen Salzkammergut werden meist Trommeln ohne Resonanzsaite verwendet.

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