Abschrift von:
Konsulent Robert Zeppetzauer
St. Wolfganger Seitlpfeifer der Tradition verbunden
aus: Ischler Woche, Wochenzeitung für das innere Salzkammergut
Folge 238, 5. Jahrgang, 8. August 2007, S. 24 f
Das Buch von Sandra Galatz mit dem Titel "Volksmusik im Salzkammergut - Der Pfeifertag" ist sicher eine interessante und wertvolle Abhandlung und betrifft eben vorwiegend den Pfeifertag, der seit 1925 jeweils am 15. August, dem großen Frauentag, stattfindet. Darin sind auch alle Pfeifertage listenmäßig erfasst.
Das erste Treffen der Seitlpfeifer fand - wie im Buch dargelegt - am 15. August auf der Blaa-Alm statt. Diese war zu Fuß oder mittels Fahrrad aus dem Salzkammergut leicht zu erreichen und auf Grund der Lage im abseits gelegenen Talkessel zwischen Loser und Sandling für eine interne Veranstaltung bestens geeignet.
Man hatte, wie es scheint, sogar einen Fotografen eingeladen, der ein Gruppenbild anfertigte, das allen Beteiligten zugestellt wurde.
Auf diesem Foto - zur Verfügung gestellt von Maria Strobl - ist erkennbar Johann Strobl (Altroider) als Fünfter v. l., als Vierter v. l. Alois Ganslmayer (Haiden-Ischl), als Siebter v. l. Lois Putz (Ischl)
Es dar angenommen werden, dass noch der eine oder andere Wolfganger dabei war, weil Strobl sicher nicht allein sich auf den Weg gemacht haben dürfte. Jedenfalls gibt das Buch von Sandra Galatz für mich den Ausschlag über die St. Wolfganger Seitlpfeifer zu berichten, die ja seit Anfang auch immer dabei waren.
Es gab in St. Wolfgang bzw. Umgebung mehrere Gruppen, die bei örtlichen Festen und Feiern in Gasthäusern, auf der Alm, bei Hochzeiten usw. aufspielten. Das Instrument eignete sich besonders gut, weil es leicht mitgenommen werden konnte und das mehrstimmige Zusammenspiel von Liedern, Jodlern und Tänzen eine angenehme Unterhaltung bot, wobei mit dem Fuß oft kräftig gestampft wurde; originell und urwüchsig ihr Vortrag.
So nahm sich auch die Volkskunde dieses uralten Instrumentes an. Raimund Zoder und Karl M. Klier sind da zu nennen. Vom letzteren gibt es ein Büchlein mit dem Titel "Neue Anleitung zum Schwegeln", welches mir mein Volksschullehrer Josef Huber (Ischl) im Jahre 1935 nach einem Auftritt bei einer Schulfeier schenkte. Aber auch Übertragungen im Rundfunk, erstmals 1929 durch RAVAG auf der Blaa-Alm (Galatz S. 28) moderiert von Andreas Reischeck, fanden statt.
Die Pfeifertage waren meist gut besucht und dienten auch dazu, junge Bläser vorzustellen. Wir "Unterecker Pfeifer" waren mit unserem Lehrer Alois Putz aus Reiterndorf (er war später jahrelang Trommler in der Ischler Gruppe) beim Peifertag 1937 im Keferkeller in Goisern. Gelernt hat uns Putz das Instrument so, dass er die Melodie vortrug und dann aufschrieb, aber nicht durch Musiknoten, sondern durch Angabe der Griffe, wobei die offenen Löcher durch Ziffern angegeben waren. Die Tonhöhe konnte durch einen Strich über der Ziffer bezeichnet werden. Die Tonleiter sah daher so aus:
Die Oktave erklingt besser, wenn das oberste Griffloch offen ist.
Nach der Gosauer Seitlpfeiferschule und den Anleitungen zum Schwegeln von Klier entspricht dies der D-Dur Tonleiter, die aber je nach Pfeifenart (Länge 39/37/33/43 cm) anders klingt, aber dies brauchte der Schüler nicht zu beachten.
Wenn von Seitlpfeifern in St. Wolfang gesprochen wird, tauchen die Namen Altroider (Johann Strobl), Moarbauer (Johann Eisl), Grafbauer (Hödlmoser Georg, Matthias), Hanslbauer (Hörack Heinrich Vater und Sohn), Aschinger (Hödlmoser), Franz Schubert, vorwiegend auf.
Nicht selten wurde nach Feierabend Zeit und Muße gefunden sich auf der Hausbank zusammenzusetzen, den Tag ausklingen zu lassen und die Freude über die gute Zeit durch fröhliches Musizieren auszudrücken, wie hier zwei Wolfganger Originale Franz Schubert und Johann Strobl auf der Hausbank beim Altroider.

Die zwei Wolfganger Originale Franz Schubert und Johann Strobl auf der Hausbank beim Altroiderer.
Ein seltenes Foto aus den Zwanzigerjahren zeigt vier Seitlpfeifer vor dem Aufbruch; sie waren mir alle sehr bekannt und galten als hervorragende Meister am Instrument.

Von links: Johann Eisl (Moarbauer), Johann Strobl (Altroider), Ernst Hödlmoser (Kaufmann), Georg Hödlmoser (Grafbauer).
Zur Ehre darf ich hier den einmalig klingenden "Grafensteirer" so anführen, wie ich ihn vor vielen Jahren beim Altroider aufgezeichnet und später weitergegeben habe (Teil 3)

Das Foto meiner Schüler (5. Klasse VS St. Wolfgang) entstand im Jahre 1950 bei einem "Auftritt".

Es spielen: Josef Plamberger, Johann Falkensteiner, Josef Stadler, Anton Riedl, Josef Appesbacher, Johann Hödlmoser, Franz Riegler.
Eine andere weitum bekannte Pfeifergruppe waren der Hanslbauer Heinrich Hörack, sein Sohn Heinrich und später sein Enkel Sepp. Nach einem Auftritt bei Tobias Reiser in Salzburg waren sie sogar eingeladen bei einem Gala-Abend des Prinzen Albert von Bayern im Jahre 1949 aufzuspielen. Diesmal war es der "Voglhuber Michl Steirer" benannt nach einem Seitlpfeifer aus Abersee) den sie auf besonderen Wunsch des Prinzen pausenlos vortragen mussten.
Das Foto zeigt die beiden beim Pfeifertag 1950 beim Almwirt in Bad Aussee.

Von links: Alois Plamberger (Blao Lois), Heinrich Hörack jun., Heinrich Hörack sen. und Pramesberger (Goisern).

Die Hödlmoser Brüder v. l.: Wolfgang, Hans, Matthias, vielleicht spielen sie beim Gedenken an ihre Vorfahren den "Grafsteirer"
Die Pfeifertage gaben auch Gelegenheit andere zu hören aber auch mit Bläsern aus anderen Orten zu spielen. Von so einem Ereignis besitzt Frau Strobl nachfolgendes Foto.

Wir sehen links ihren Vater Strobl (Altroider) beim Spiel mit einer Gruppe aus Bad Ischl
In St. Wolfgang gibt es zur Zeit weniger Seitlpfeifer; die Jugend strebt eifrig zu den zwei Blasmusiken, die ausreichend Nachwuchs haben, der durch die Musikschule eine grundlegende Ausbildung erfährt.
Aber die Brüder Hödlmoser ("Graf Hias, Hans, Wolfgang") besuchen doch meistens den Pfeifertag und halten die Verbindung aufrecht. Es wäre zu wünschen, dass die Tradition nicht ausstirbt uns sich wieder junge Seitlpfeifer zusammenfinden, die mit Freude und Eifer die schönen Weisen lernen und weitertragen und das einfachste aller Instrumente, die Seitlpfeife im Volke auch am Wolfgangsee wieterlebt.
NS: Soweit mir bekannt, soll der heurige Pfeifertag im Ausseerland (Ausseer Weißenbach) stattfinden.