2 DIE FUNDORTE

 

 

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Bevor wir uns den Fundorten im Umland von Teurnia zuwenden, erscheint es vorteilhaft, einen kurzen Überblick über die latènezeitlichen Funde vom Holzer Berg voranzustellen. Von allen genannten Plätzen ist der Holzer Berg durch die jährlich ab 1971 vom Landesmuseum für Kärnten durchgeführten Grabungen am intensivsten erforscht. Das Resultat dieser Bemühungen ist ein vergleichsweise großes Fundspektrum aus den uns interessierenden drei Jahrhunderten. Nicht zuletzt ist Teurnia auch der antike Verwaltungsmittelpunkt dieses Gebiets, dessen Rolle in der Zeit vor der römischen Okkupation gerade deswegen von besonderem Interesse ist.
 
2.1 Teurnia
 

Der Holzer Berg erhebt sich im Lurnfeld als ein markanter, siedlungstopographisch begünstigter Punkt. Abgesehen von seiner Südostseite kann man ihn als einen durch Steilabhänge natürlich geschützten, inselartigen Höhenrücken bezeichnen, der direkt am Nordufer der in der Antike sicher stärker mäandrierenden und von einem breiten Auengürtel gesäumten Drau lag. Die Siedlungsflächen auf der Hügelkuppe und den vor allem im Südosten plateauartig erweiterten Abhängen erscheinen deswegen ungefährdet vor Hochwasserkatastrophen. Verkehrsgeographisch gesehen liegt der Holzer Berg zudem am Schnittpunkt zweier wichtiger Fernstraßen, der Drautal- und der Tauernroute (Abb. 1). Latènezeitliche Siedlungsstrukturen oder Gräber sind vom Holzer Berg oder seiner Umgebung vorerst noch nicht bekannt, dafür jedoch eine Reihe bemerkenswerter Funde und Fundensembles, die sich nahezu über den gesamten Hügel und sein Umfeld verteilen (Abb. 4).


Zu den ältesten Münzen vom Holzer Berg gehören zwei ganz besondere, heute verschollene Raritäten: in seinen 1877 erschienenen "Studien über Teurnia" listet F. Pichler [2] noch einen Goldstater, nach seiner Ansicht mit dem Porträt von Alexander III. (336-324 v. Chr.) [3], und eine Tetradrachme auf. Bei diesen beiden außergewöhnlichen Münzen muß offen bleiben, ob es sich um makedonische Originale oder um keltische Nachprägungen handelte, obwohl der versierte Numismatiker Pichler beide Münzen als griechisch ansprach. Bei den Originalen der Alexanderstatere, aber wahrscheinlich auch ihren Nachprägungen, geht man von einer Laufzeit im späten 4. und vor allem 3. Jahrhundert v. Chr. aus . [4] Die Tetradrachme mit der Aufschrift MAKEDONON PROTES auf dem Revers [5] wurde um 1835 unter dem Mesnerstadel gefunden (Abb. 4,7).

 
Abbildung 4
Teurnia - Holzer Berg: latènezeitliche und frühestkaiserzeitliche Funde (ohne augusteische Terra Sigillata). - Digitales Geländemodell: M. Doneus. - Kartierung/Graphik: Ch. Gugl.
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Von den insgesamt 42 bekannten westnorischen Großsilbermünzen aus Teurnia wurden 33 Münzen der jüngeren Prägeschicht (ESCINGOMA, ADNAMATI, NEMET, ATTA) konzentriert am Hügelplateau im Westteil der Parz. 1047 vor allem zwischen 1900-1938 [6] und 1981 [7] aufgelesen (Abb. 4,5). Die Wahrscheinlichkeit, daß es sich dabei um einen einzigen verstreuten Münzschatzfund handelt, ist sehr groß. [8]

Schon von A. Lippert und F. Glaser ausführlicher behandelt wurde ein Sammelfund eiserner Waffen, der 1845 am westlichen Hügelabhang, nahe des Westtores der spätantiken Stadtmauer, zusammen mit Nägel, Knochen, Schlacken, zwei römischen Münzen und reichlich (römischer) Keramik in einer Brandschicht geborgen wurde (Abb. 4,2). [9] Zehn latènezeitliche Schildbuckel wiesen Spuren intentioneller Deformierung auf. Dieser "Waffenfund" gab Anlaß zur Vermutung, daß sich am Holzer Berg ein keltisches Heiligtum befunden hat, in dem die Schildbuckel deponiert worden wären.

Unter den anderen Metallkleinfunden sind zwei eiserne Latènefibeln, darunter eine Fibel vom Mittellatèneschema mit flachgewölbtem Bügel (Abb. 4,1; 5,1-2) [10] aus dem Grabungsareal Westnekropole sowie als Altfunde eine 13,0 cm lange bronzene Spiralbogenfibel (Abb. 5,6) und eine Bronzefibel des Typs Alesia (Abb. 5,5) [11] zu erwähnen, die beide in die Spätlatènezeit zu setzen sind. Ebenfalls in das spätere 1. Jahrhundert v. Chr. gehören eine eiserne geschweifte Fibel Almgren 18a (Abb. 4,12; 5,3) [12] und eine weitere bronzene Alesia-Fibel (Typ Ljubljana) aus dem Bereich der Wohnterrassen an der Ostseite des Holzer Bergs (Abb. 4,12; 5,4). [13] Ein bronzener Gürtelkettenanhänger von der Hügelkuppe, dessen Bügelenden in zwei stilisierte Tierköpfe auslaufen, war in der Mittellatènezeit ein wichtiger Bestandteil der Frauentracht (Abb. 4,9; 5,7). [14] Ferner gehören zwei Fragmente von Glasarmringen mit Schrägrippen [15] aus dem Gelände der frühchristlichen Bischofskirche und des Hospitiums zum mittellatènezeitlichen Frauenschmuck (Abb. 4,3; 5,8-9). Vom östlichen Hügelplateau kommt ein dritter kobaltblauer, glatter, LT D-zeitlicher Armring mit einfachem D-förmigem Profil (Abb. 4,11). [16]

Erst jüngst kam bei einem Suchschnitt des Jahres 1998 ca. 48 m östlich der Bischofskirche eine spätlatènezeitliche dunkelblaue Glasringperle mit weißen und gelben Schraubenfäden (Abb. 4,4) [17] zum Vorschein.

Neben der über das ganze Hügelareal streuenden Graphittonkeramik und der feinen grauen Ware (graue Drehscheibenware) ist hinsichtlich der Importkeramik vor allem schwarze republikanische Glanztonware anzuführen, darunter vier Schiefwandschalen mit abgesetzter Lippe Morel F 2652-2654 und ein Bodenfragment mit einem 1,0 cm großen, konkaven Palmettenstempel, die sich auf das Areal Bischofskirche/Hospitium (Abb. 4,3) konzentrieren. [18]

 
Abbildung 5
Teurnia - Holzer Berg, Auswahl an latènezeitlichen Metall- und Glasfunden: 1-3 Eisen. - 4-7 Bronze. - 8-9 Glas. - o. M.
   
Im Gegensatz zum noch nicht bearbeiteten Fundmaterial der Urnenfelder- und Hallstattzeit scheint sich mit der Latènezeit nicht nur eine Zunahme der Fundmenge, sondern auch eine Streuung über weitaus größere Flächen des Holzer Bergs abzuzeichnen (Abb. 4). Trotzdem ist der Fundanfall im Vergleich zu den römischen Funden des 1. bis 6. Jahrhunderts n. Chr. verschwindend gering. [19] Obwohl es doch schon gerechtfertigt ist, auf dieser Basis eine Latènesiedlung auf dem Holzer Berg zu postulieren (vgl. Kap. 3.1), ist es momentan noch völlig verfrüht, kleintopographisch enger einzugrenzende Schwerpunkte in der Fundverbreitung im Hinblick auf mögliche Siedlungsverlagerungen während der Mittel- und Spätlatènezeit zu interpretieren. Wie nicht anders zu erwarten, kam die Masse der LT-Funde bei langjährigen Grabungsprojekten, wie Bischofskirche/Hospitium (1985-1992) und - in geringerem Umfang - Gebäude HA (1979-1984) sowie Friedhofskirche/Westnekropole (1993-1998), zutage. Auffallend an der Fundverteilung ist jedoch, daß in den zwischen 1971-1978 ergrabenen Wohnterrassen am östlichen Hügelfuß (Abb. 4,12) keine Funde vorhanden sind, die zwingend nach LT C/D1 datiert werden müssen. Entsprechendes Fundmaterial findet sich stattdessen oben auf dem Hügel, am westlichen Hügelabhang (Abb. 4,2) und in der Flur Anger (Abb. 4,1). Dies läßt eine siedlungsgeschichtlich bedeutsame Tendenz erkennen, auf die weiter unten noch näher eingegangen wird.
 

[2] F. Pichler, Studien über Teurnia. Mitt. k.k. Central-Comission N.F. 3, 1877, XCIX Nr. 1-2.
[3] Original: N. J. Price, Alexander the Great and Philipp Arrhidaeus II (Zürich/London 1991) Taf. III,225. - Imitation: R. Paulsen, Die Münzprägung der Boier (Wien/Leipzig 1933) Taf. 1,13.17. - Imitationen von Nikestateren aus Oberösterreich: B. Prokisch, Keltische Fundmünzen aus Oberösterreich. Die römischen Münzen des Stadtmuseums Nordico in Linz. Linzer Arch. Forsch. Sonderbd. 16 (Linz 1993) 34 f. Nr. B11-B13. - Die Bestimmung der beiden "griechischen" Münzen einschließlich der Literaturhinweise verdanke ich B. Ziegaus (München).
[4] H. Polenz, Münzen in latènezeitlichen Gräbern Mitteleuropas aus der Zeit zwischen 300 und 50 vor Christi Geburt. Bayer. Vorgeschbl. 47, 1982, 128 f. Tab. 2 (mit Verweis auf die Grabfunde von Dobian und Hostomitz). - G. Kurz, Keltische Hort- und Gewässerfunde in Mitteleuropa. Deponierungen der Latènezeit. Materialh. Arch. Baden-Württemberg 33 (Stuttgart 1995) 63.
[5] Original: E. u. W. Szaivert/D. R. Sear, Griechischer Münzkatalog I: Europa (München 1980) 226 Nr. 1677 (zwischen 158 und 149 v. Chr. geprägt). - Imitation: R. Göbl, Ostkeltischer Typenatlas (Braunschweig 1973) Taf. 45,601-603. - Zum Umlauf vgl. K. Pink, Die Münzprägung der Ostkelten und ihrer Nachbarn. Diss. Pann. II 15 (Budapest 1939) 120.
[6] G. Moro, Carinthia I 128, 1938, 128 ff. - R. Paulsen, Fundbeobachtung keltischer Fürstenmünzen in Teurnia. Carinthia I 128, 1938, 127. - G. Moro, Carinthia I 129, 1939, 215.
[7] F. Glaser, Die Ergebnisse der Ausgrabung in Teurnia 1981. Carinthia I 173, 1983, 81 ff. Abb. 1,1-11.
[8] R. Göbl, Typologie und Chronologie der keltischen Münzprägung in Noricum (Wien 1973) 56. - Die keltischen Münzen vom Holzer Berg sind zusammengestellt bei: Gugl 2000, 120 ff. Münzliste 2.
[9] A. Lippert, Ein latènezeitlicher Opferplatz in Teurnia bei Spittal an der Drau. In: A. Lippert/K. Spindler (Hrsg.), Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Universitätsforsch. Prähistor. Arch. 8 (Bonn 1992) 285 ff. - F. Glaser, Der behauptete Brandopferplatz und der tatsächliche Fundort eiserner Waffen in Teurnia. Carinthia I 183, 1993, 289 ff.
[10] A. Lippert, Ein latènezeitlicher Opferplatz in Teurnia bei Spittal an der Drau. In: A. Lippert/K. Spindler (Hrsg.), Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Universitätsforsch. Prähistor. Arch. 8 (Bonn 1992) 285 ff. - F. Glaser, Der behauptete Brandopferplatz und der tatsächliche Fundort eiserner Waffen in Teurnia. Carinthia I 183, 1993, 289 ff.
[11] H. Meller, Studien zu spätlatènezeitlichen Fibelformen aus dem Reitia-Heiligtum von Este-Baratella. Ungedr. Diss. München (München 1993) 131; 163 ff. (Verbreitung); 176 ff. (Datierung). - Zu Fibeln des Typs Alesia aus Spanien neuerdings: M. Luik, Fibeln vom Typ Alesia aus den römischen Lagern um Numantia. Arch. Korrbl. 27, 1997, 463 ff.
[12] Th. Völling, Studien zu Fibelformen der jüngeren vorrömischen Eisenzeit und ältesten römischen Kaiserzeit. Ber. RGK 75, 1994, 156 Abb. 15; 180 ff.; 188 ff.; 233 f. Beilage 4. - Demetz 1999, 117 f. (Almgren 18a2).
[13] B. Vicic, Zgodnjerimsko naselje pod Grajskim gricem v Ljubljani, Gornji trg 30, Stari trg 17 in 32. Arh. Vestnik 45, 1994, 48 f. Taf. 1,8-9 (Fibeln des Typs Ljubljana in einer Schicht vergesellschaftet mit schwarzer republikanischer Glanztonkeramik).
[14] T. Knez, Keltische Funde aus Novo mesto. Ausstellungskat. Novo mesto (Novo mesto 1977) Nr. 14 (ehemals mit Emaileinlagen). - J. Dular u.a., Befestigte prähistorische Siedlungen in der Mirenska dolina und der Temeniška dolina. Arh. Vestnik 42, 1991, 132 Taf. 46,18. - D. Pirkmajer, Kelti na Celjskem. Ausstellungskat. Celje (Celje 1991) Taf. 21,141. - D. Boži¹, Instrumentum 2, 1995, 15 mit Abb. - Die Bestimmung und kulturhistorische Einordnung des Teurnienser Exemplars verdanke ich D. Božic (Ljubljana).
[15] R. Gebhard, Der Glasschmuck aus dem Oppidum von Manching. Ausgr. Manching 11 (Stuttgart 1989) 128; 135 Abb. 50,5 Taf. 10,145.148 (Reihe 12). - Glasarmringe und Glasperlen von der Gurina und vom Magdalensberg: P. Jablonka, Die Siedlung auf der Gurina im Oberen Gailtal. Carinthia I 185, 1995, 134 Abb. 5,7-9. - B. Czurda-Ruth, Die römischen Gläser vom Magdalensberg. Arch. Forsch. Grabungen magdalensberg 6. Kärntner Museumsschr. 65 (Klagenfurt 1979) 204 ff. Kat.Nr. 2078-2079.
[16] Gebhard (Anm. 15) 21; 134 Abb. 53,2-7 Taf. 40,510-537 (Reihe 38 schmal).
[17] Gebhard (Anm. 15) 178 f.; 248 Taf. 53,805.
[18] Gugl 2000, 126 f. Taf. 3,22-26.
[19] Einen Überblick vermittelt: Gugl 2000, 120 ff. Taf. 1-6.

 

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