2.2 Pattendorf

 

 

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Wenn Sie einen genaueren Blick auf
Abbildung 2 werfen wollen, so klicken Sie hier:
[te_terri.jpg, 94k]

 

Im April 1994 wurde bei Bauarbeiten am Südrand der Parzelle Nr. 1006 der KG Möllbrücke I eine profilierte marmorne Inschriftplatte (1,035 x 0,69 x 0,13 m) von einem Grabmonument entdeckt:

Atestas Attonis f(ilius) / Lutussa Bittonis f(ilia) mater / Bucca Gannici f(ilia) uxor / Matugenta (filia).

Aufgrund der Tatsache, daß ausschließlich keltische Personennamen genannt sind, datierte F. Glaser die Inschrift in das 1. Jahrhundert n. Chr. [20] Die Fundstelle des Grabsteins befindet sich am Westende des Lurnfeldes nahe des Mündungsgebiets der Möll in die Drau, am Nordrand des rund 1 km breiten Talbodens. Wahrscheinlich lag das Grabmonument an einer wichtigen Straßenverbindung, die in das obere Mölltal und von dort weiter über die bereits in der Antike genutzten Tauernpässe führte. Der genauer Verlauf dieser Straßentrasse ist allerdings unten im Mölltal selbst nicht bekannt, jedoch sind einerseits von Obervellach ausgehend alpine Altstraßen in einer Seehöhe zwischen 1600 bis 2460 m über den Korntauern und die Mallnitzer Tauern nachgewiesen, wo neuerdings ein keltisch-römisches Paßheiligtum am Mallnitzer Tauern lokalisiert werden konnte [21] bzw. andererseits sich ein hochalpines Paßheiligtum am Hochtor (Großglockner) befunden hat. [22]

Entlang des Mölltals findet man eine Reihe von Fundpunkten, die eine doch beachtliche Aufsiedlung dieser Talschaft vor allem in ihrem Unterlauf bezeugen, beginnend im Raum Möllbrücke-Mühldorf bis hinauf nach Stallhofen [23] und Obervellach. Siedlungen im unteren Mölltal dürften gleichermaßen von ihrer Lage an der Tauernroute und ihrer Nähe zu Teurnia wirtschaftlich profitiert haben. Die antike Mölltalstraße mußte auch den Fuß des Danielsberges passieren, auf dessen Gipfel sich eine heute dem Hl. Georg geweihte Kirche befindet. Im Kircheninneren an der Nordseite der Apsis ist eine Grabinschrift (0,58 x 0,72 m) eingemauert (CIL III 4727):

C(aio) Rhesio / Dextro q(aestori?) / Redsomarus / Brito(marus?) et Litug[e] / [na p(atri) v(ivo) f(ecerunt)].


Wie auf der Marmorplatte aus dem nahe gelegenen Pattendorf trugen die Stifter der Inschrift keltische Namen, während der Verstorbene, ein möglicherweise in der städtischen Finanzverwaltung von Teurnia tätiger Quästor, [24] bereits römisches Bürgerrecht besaß.

 
2.3 Lampersberg
 

Der Lampersberg ist Teil eines Höhenrückens, der vom Goldeck nach Nordwesten zieht und dabei das Drautal auf der Höhe von Sachsenburg bis auf wenige hundert Meter einengt. Wendet man sich nach Westen, ist von diesem Gebirgsrücken aus das Oberdrautal zu erreichen. Der Lampersberg befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite über der heutigen Ortschaft Rosenheim an den nordostseitigen Abhängen dieses Höhenrückens.

1956 kam bei Straßenbaumaßnahmen auf der Parz. 674, KG Gschieß, Gem. Baldramsdorf, ein augusteischer Münzschatzfund zutage. Nachdem bereits im unmittelbaren Umfeld der Fundstelle zuvor unkontrollierte Grabungen bei Einzäunungsarbeiten vorgenommen worden waren, über die aber nichts näheres bekannt ist, erscheint die Geschlossenheit des Münzfundes vom Lampersberg nicht gesichert. Die Fundstelle liegt nach einem Bericht von H. Dolenz, der eine Nachgrabung in die Wege leitete, "in einer Höhe von 1048 m am schattseitigen Hang des Lampersberges, des westlichsten Ausläufers der Goldeckgruppe". 56 Denare, angefangen mit einer Prägung des Jahres 145 v. Chr. bis zu einem unter Augustus 29/27 v. Chr. geprägten Denar, konnten ihm noch zugewiesen werden. [25]

Obwohl keineswegs gesichert erscheint, daß der Lampersberger Münzfund vollständig geborgen wurde, ist auffällig, daß er nur republikanische und frühaugusteische Denare umfaßt, sodaß mit einiger Wahrscheinlichkeit von einer Deponierung in (früh-)augusteischer Zeit ausgegangen werden kann. In bezug auf seine Zusammensetzung ist er in Kärnten singulär, da er ganz anders aufgebaut ist als beispielsweise der (postulierte) Hortfund keltischer Großsilbermünzen aus Teurnia (vgl. oben) oder der erst im April 1997 geborgene Schatzfund aus Koschach im Maltatal (Abb. 2), [26] die beide ausschließlich keltische Großsilberprägungen und keine republikanisch-römischen Münzen aufweisen. Er setzt sich damit auch von den "gemischten Hortfunden" I-IV vom Magdalensberg ab, die keltisches Klein- und Großsilber, republikanische Münzen (Schatzfunde II-IV), aber auch noch griechische Prägungen umfassen (Schatzfund I). [27]

Entscheidend für eine weiterführende Bewertung wäre neben der Zusammensetzung das topographische Umfeld des Fundes. H. Dolenz stellte einen Zusammenhang her zwischen dem Depotfund und dem etwa 4 km südlich davon gelegenem Siflitzgraben (Abb. 1), einem der bekannteren Kärntner Goldbergbaugebiete. [28] Er bezeichnete das Gebiet um die Fundstelle als siedlungsfeindlich und bringt deswegen den Schatzfund mit im Siflitzgraben beschäftigten Bergleuten in Verbindung. Allerdings finden sich durchaus auch siedlungsgünstige Flächen in unmittelbarer Nähe der Fundstelle, die bis in unser Jahrhundert von landwirtschaftlichen Betrieben genutzt wurden. Die Interpretation des Denarschatzfundes vom Lampersberg ist also vor diesem Hintergrund höchst problematisch: Vom gesamten Gebirgsrücken - einschließlich des Siflitzgrabens - sind ansonsten keine Funde bekannt, sodaß es schwer fällt, einen schlüssigen siedlungsarchäologischen Kontext herzustellen.

 
2.4 Faschendorf
 

Bei den Untersuchungen des Jahres 1999 im römischen Grabbezirk von Faschendorf (Parz. 397, KG Gschieß, Gem. Baldramsdorf) kamen völlig überraschend unter der in flavisch-/trajanische Zeit datierten Grabanlage ältere Siedlungsreste zum Vorschein, die aufgrund von Graphittonkeramik und früher grautoniger Gebrauchskeramik in die späteste Latène- bzw. frühe römische Kaiserzeit datiert werden können. [29]

Die Siedlungsstelle liegt südlich des Flusses knapp an der Hangkante einer Niederterrasse der Drau mit freien Blick auf den Holzer Berg. Die mindestens zwei noch erhaltenen Feuerstellen sind die ersten spätlatène- bis frühestkaiserzeitlichen Siedlungsbefunde, die aus dem Umland von Teurnia bekannt geworden sind. Die Erhaltungsbedingungen bzw. die Bodenbeschaffenheit sind allerdings nicht entsprechend günstig, um Pfostenlöcher bzw. Fundamentgräbchen sicher nachweisen und damit auch Hausgrundrisse rekonstruieren zu können. Die Grabungen sollen im Jahr 2000 von der "Archäologieland Kärnten gem. GmbH" (J. Polleres) in Kooperation mit dem Kärntner Landesmuseum (F. Glaser) fortgesetzt bzw. zum Abschluß gebracht werden.

 
2.5 Baldramsdorf
 

Aus Baldramsdorf waren bisher nur zwei reliefierte, in der Pfarrkirche vermauerte kaiserzeitliche Marmorfragmente bekannt, [30] bevor in den 90-er Jahren Herr H. Kurrent dem Kärntner Landesmuseum mehrere Keramikscherben, die auf seinem Grundstück (Baldramsdorf 112) zum Vorschein gekommen waren, übergab.

Die Fundstelle (Parz. 836/29, KG Baldramsdorf) befindet sich vor Hochwasser geschützt auf einer Niederterrasse der Drau rund 1 km südlich des Flusses. Zwischen der Fundstelle und der regulierten Drau erstreckt sich etwas tiefer gelegen auf der Talsohle das Baldramsdorfer Feld, das heute landwirtschaftlich genutzt wird, in der Antike jedoch sicherlich innerhalb des Auengürtels im überschwemmungsgefährdeten Einzugsbereich der Drau lag.

Das Fundspektrum, dessen nähere Fundumstände nicht bekannt sind, setzt sich aus einem Bodenfragment eines Graphittongefäßes (Taf. 1,15) und in erster Linie aus grautoniger Gebrauchskeramik zusammen, darunter ein handgemachter Topf mit Innenlippe (Taf. 1,2), vier Auerbergtöpfe (Taf. 1,3-6) und andere Topfformen mit teilweise sich fettig anfühlender Oberfläche, die in zwei Fällen Wellenband- (Taf. 1,7) bzw. Kammstrichdekor (Taf. 1,8) aufweisen. Eine reduzierend gebrannte Wandscherbe eines dünnwandigen Schälchens mit Barbotinedekor (Taf. 1,1) ist der einzige Vertreter von frühkaiserzeitlichem Tafelgeschirr. Mangels chronologisch relevanter Funde ist das Ensemble aus Baldramsdorf - genauso wie die vergleichbaren frühen Funde aus Faschendorf - schwierig zeitlich einzuordnen, sie lassen sich aber ganz gut mit den am Magdalensberg auftretenden Formen korrelieren.

In Baldramsdorf fehlen eindeutig in die mittlere oder späte Kaiserzeit zu datierende Funde. Dies ist bemerkenswert, weil die reliefierten, in der Pfarrkirche eingemauerten Marmorfragmente von F. Glaser in das 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. datiert werden. Diese Bruchstücke könnten allerdings auch vom nahe gelegenen mittelkaiserzeitlichen Gräberfeld von Faschendorf stammen, [31] denn einer der in der Pfarrkirche vermauerten Spolien, ein Reliefblock, vermutlich mit einer Kriegerdarstellung, dürfte den oberen Abschluß einer Grabaediculawand gebildet haben. Die Zusammensetzung des (spätlatènezeitlich-) frühkaiserzeitlichen Fundspektrums aus Baldramsdorf spricht eher für einen Siedlungs- und weniger für eine Interpretation als Bestattungsplatz.

Abgesehen vom augusteischen Denarschatzfund vom Lampersberg und den jüngsten Entdeckungen in Faschendorf sind die auf der Taf. 1,1-15 abgebildeten Funde momentan der einziger Hinweis auf eine frühe Besiedlung südlich der Drau im Raum zwischen Sachsenburg und Spittal/Drau. Hinsichtlich der folgenden Jahrhunderte besitzen wir eine etwas bessere Quellenlage für die Beurteilung der Terrassenbesiedlung am Fuße der nördlichen Ausläufer des Goldecks. In dem bereits genannten Gräberbezirk beim Weiler Faschendorf dürften auch Angehörige der städtischen Oberschicht Teurnias bestattet gewesen sein, zumindest möchte man dies aufgrund einer Grabinschrift eines IIvir et praefectus iure dicundo, der in der knapp 1,2 km westlich davon entfernten Kirche von Rosenheim eingemauert ist, [32] und wegen der zahlreichen, teils lebensgroßen Skulpturfragmente aus dem direkten Umfeld des Faschendorfer Grabbezirks annehmen. Ungefähr 400 m westlich der Grabanlage wurde 1973 bei unkontrollierten Grabungen ein Gebäuderest mit Hypokausten nachgewiesen, vielleicht Teil eines Gutshofs oder einer Villa.

Wo es bei Teurnia einen Drauübergang, etwa in Form einer Furt gegeben hat, läßt sich aufgrund der tiefgreifenden landschaftlichen Veränderungen - stetige Rodung des Auwaldes, Trockenlegung von Sümpfen zur Gewinnung von Ackerland bzw. im Zuge des Straßen- und Eisenbahnbaus ab den 60-er und 70-er Jahren des 19. Jahrhunderts sowie Drauregulierung in der Nachkriegszeit - nicht mehr klären. Im Mittelalter gab es jedenfalls einen Übergang bei Rosenheim, denn die Bezahlung eines Fährmanns ist dort überliefert. In Rosenheim (früher Gschieß) kennt man ein köttlach-karantanisches Gräberfeld, [33] die zugehörige Siedlung ist noch nicht lokalisiert. Damit ist aber nicht gesagt, daß dieser Drauübergang bereits in römischer Zeit existierte, denn ab dem Frühmittelalter ist doch von einschneidenden Änderungen in der Siedlungstopographie des Lurnfeldes auszugehen, wobei man mit der Anlage von neuen Siedlungen durchaus auch andere Möglichkeiten, den Fluß zu überqueren, erschlossen haben könnte.

In der Antike wie auch heute noch verläuft die Hauptverkehrsverbindung entlang des Drautals im Raum Teurnia nördlich des Flusses. Der genaue Trassenverlauf der römischen Drautalstraße ließ sich bisher im Umland Teurnias nur in Edling, am östlichen Ortende von Spittal/Drau, klären, als man bei Bauarbeiten auf die Schotterung des Straßenkörpers sowie auf vier Meilensteine, darunter noch lesbar einer des Severus Alexander und ein weiterer des Gordianus III. mit der Meilenangabe I, stieß. [34] Eine Verkehrsverbindung von untergeordneter Bedeutung wäre allerdings auch südlich der Drau durchaus denkbar, die am Hangfuß des Goldeckmassivs entlang ins Unterdrautal Richtung Oberamlach geführt hätte, wo mit Baldramsdorf chronologisch vergleichbares Fundmaterial beobachtet wurde (vgl. Kap. 2.9).

 

[20] F. Glaser, Grabinschrift einer keltischen Familie. Arch. Österr. 5/1, 1994, 24.
[21] A. Lippert, Zwei römische Paßstraßen über die hohen Tauern. In: H. Friesinger/J. Tejral/A. Stuppner (Hrsg.), Markomannenkriege - Ursachen und Wirkungen. VI. Internat. Symposium "Grundprobleme der frühgeschichtlichen Entwicklung im nördlichen Mitteldonaugebiet", Wien 1993 (Brno 1994) 407 ff. - G. Dembski/A. Lippert, Keltische und römische Münzopfer am Mallnitzer Tauern. In: K. Bott, Gold der Alpen. 4000 Jahre Schmuck und Münzen - Funde aus der Alpenregion. Ausstellungskat. Klagenfurt (Klagenfurt 1999) 37 ff.
[22] F. Moosleitner in: Kult der Vorzeit in den Alpen. Opfergaben - Opferplätze - Opferbrauchtum. Ausstellungskat. Innsbruck (Innsbruck 1997) 25.
[23] Zu römischen Grab- und Siedlungsfunden aus Stallhofen, KG Pfaffenberg: F. Glaser/S. Schretter, FÖ 32, 1993, 736 ff. Abb. 573-591.
[24] R. Wedenig, Epigraphische Quellen zur städtischen Administration in Noricum. Aus Forsch. u. Kunst 31 (Klagenfurt 1997) 236 T3: die Auflösung als q(aestor) ist keineswegs gesichert!
[25] G. Bruck, Münzfund am Lampersberg, Gemeinde Baldramsdorf (Nähe Sachsenburg, Drautal). Carinthia I 153, 1963, 297 f. - FMRÖ II 3, 5/2 (2) mit gegenüber G. Bruck modifizierten Datierungen.
[26] R. Göbl, Der norisch-keltische Münzfund von Malta/Koschach 1997. Carinthia I 188, 1998, 69 ff.
[27] H. Bannert/G. Piccottini, Die Fundmünzen vom Magdalensberg. Arch. Forsch. Grabungen Magdalensberg 2. Kärntner Museumsschr. 52 (Klagenfurt 1972) 53 ff.
[28] Zu Gold- und Silbervorkommen in Kärnten mit weiterer Lit. vgl. die Beiträge von W. H. Paar und K.-H. Ludwig in: Grubenhunt & Ofensau. Vom Reichtum der Erde. Ausstellungskat. Hüttenberg/Heft, Bd. 2 (Klagenfurt 1995) 51 ff Abb. 1 bzw. 169 ff. sowie ebd. 104 Abb. 3.
[29] J. Polleres, Der römische Grabbezirk von Faschendorf. Forum Archaeologiae 19/VI/2001. http://farch.n3.net.
[30] F. Glaser, Teurnia. Römerstadt und Bischofssitz. Ein Führer zu den Ausgrabungen und zum Museum in St. Peter in Holz sowie zu den Fundorten im Stadtgebiet von Teurnia (Klagenfurt 1992) 129. - F. Glaser, Die Skulpturen des Stadtgebietes von Teurnia. CSIR II 6 (Wien 1997) Nr. 31; 100.
[31] Polleres (Anm. 29). - Glaser 1997, 11 Textabb. 1.
[32] Wedenig (Anm. 24) 243 f. T10.
[33] F. Glaser/K. Gostencnik/G. Gruber, Ein frühmittelalterliches Gräberfeld in Baldramsdorf/Rosenheim. Carinthia I 180, 1990, 213 f.
[34] Glaser 1992, 76 Nr. 63a.b; 140.

 

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