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Als H. Müller-Karpe 1951 erstmals systematisch die latènezeitlichen Funde aus Kärnten zusammenstellte, befand sich darunter auch ein im Durchmesser 8,3 cm großer Bronzering mit dreireihigem Knöpfchenbesatz aus Seeboden, [66] von dem heute nur mehr zwei kleinere Fragmente erhalten sind (Taf. 2,18). Bronzene Knotenringe sind in erster Linie eine charakteristische Schmuckform der Spätlatènezeit, [67] kommen allerdings auch noch in frührömischen Fundkontexten vereinzelt vor. [68] Im Fundbestand lassen sich weiters Fragmente von mindestens vier eisernen Bügelscheren identifizieren. Für die Latènezeit rechnet G. Jacobi Eisenscheren zum Toilettegerät, womit sie in der jüngeren Eisenzeit wohl überwiegend zum Haarschneiden und weniger zur Schafschur bzw. zum Stoffschneiden verwendet wurden. [69] Anhand des vorliegenden Materials ist es kaum möglich zu entscheiden, welche Bügelform - u-förmig oder omegaförmig? - bei den stark fragmentierten Seebodener Stücken zu ergänzen ist. Eindeutige Hinweise auf eine omegaförmige Gestaltung des Bügelendes lassen sich jedoch nicht finden. In der Latènezeit sind eiserne Bügelscheren - häufig in Kombination mit Messern - keine ungewöhnliche Grabbeigabe. In gewissen Regionen - beispielsweise am Mittelrhein oder im südalpinen Gebiet - findet man sie auch noch in frührömischen Gräbern. [70] Während der römischen Kaiserzeit sind Scheren unter den Siedlungsfunden durchaus vertreten, in Grabzusammenhängen stellen sie allerdings - zumindest in Rätien, aber auch in weiten Teilen Noricums [71] - eine Ausnahme dar. Im römischen Grabbezirk von Faschendorf (vgl. Kap. 2.4) sind sie allerdings auch noch später vertreten, [72] sodaß die teilweise deformierten und brandverkrusteten Bügelscherenbruchstücke in Seeboden auch in frühkaiserzeitlichen Grabkontexten nicht überraschen würden.
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Auch bei den Messerfunden erschwert häufig der Erhaltungszustand eine genauere Formansprache. Die stark korrodierte Oberfläche machte es unmöglich, eventuell vorhandene Klingenverzierung oder selbst Blutrinnen eindeutig zu erkennen. In vier Fällen ist gesichert von einer geschweiften Klingenform auszugehen (Taf. 3,25.27; 4,28-29). Auch die Klinge des Griffplattenmessers mit geknicktem Rücken (Taf. 3,24) könnte sich zur Spitze hin wieder nach oben gebogen haben. [73] Der in Holz oder Bein angefertigte Griff war entweder auf einer Griffplatte (Taf. 4,28) oder einem Griffdorn (Taf. 3,25.27; 4,29) befestigt. Im Unterschied zu Bügelscheren sind Eisenmesser auch während der Kaiserzeit gerne als Grabbeigabe mitgegeben worden. In der nordwestnorischen Nekropole von Bedaium-Seebruck am Chiemsee besaßen von 16 Messern zwölf eine geschweifte Klinge. Die charakteristische Form dieser Eisenmesser läßt sich im Alpengebiet und im ostkeltischen Bereich bis in die Mittel- und Spätlatènezeit zurückverfolgen, [74] während unter den reichen Eisenmesserfunden aus Manching keine Serie an geschweiften Messern vorliegt. [75] Neben einem Griffdornmesser mit geradem Rücken (Taf. 4,31) [76] ist ferner ein noch 10,4 cm langes Rasiermesser (Taf. 3,26) vorhanden, für das der sehr dünne Klingenquerschnitt bei relativ starker Klingenbreite und der kurze, eingerollte Griffdorn kennzeichnend ist. [77] Zu den Besonderheiten unter den Eisenfunden aus Seeboden zählt ein noch 32 cm langes, einschneidiges Hiebmesser mit Griffplatte und Ringgriff (Taf. 3,23). Während in der entwickelten Mittellatènezeit (LT C) Hiebmesser mit einem Knoten in der Mitte des Griffs und einem Knopf oder Ring am Griffende charakteristisch sind, datiert die vorliegende Form mit Ringgriff bereits in die Spätlatènezeit. [78] Obwohl sie besonders im Südostalpengebiet und im jugoslawischen Donauraum häufiger in Männergräbern, vergesellschaftet mit einem Rundschildbuckel, einem Langschwert, einer Lanze oder einem Eisenhelm, auftritt, [79] ist ihre Funktion als Waffe nicht unumstritten. [80] Das trifft in noch stärkerem Maße auf das leicht geschweifte, etwas kleinere Griffplattenmesser (Taf. 4,32) zu, bei dem man ein ringförmiges Griffende ergänzen muß. Für eine Verwendung von Ringgriffmessern als Tranchiermesser oder Fleischerhandbeil würde der Fund eines 38 cm langen Exemplars vom Magdalensberg - allerdings mit doch schon deutlich aufgebogener Schneide - sprechen, das in der Taberne OR/17 neben einem Herd liegend angetroffen wurde. [81] Den Inventarnummern des Kärntner Landesmuseums nach zu schließen, gehört zu den 1930/31 in Seeboden ergrabenen Funden auch ein Eisenarmring mit umschlungenen Enden (Taf. 4,33) [82] und eine Eisentülle (Taf. 4,34), die man am ehesten als Lanzenschuh wird ansprechen können . [83] |
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Die zugehörigen Keramikfunde weisen folgende Gemeinsamkeiten auf: Viele Gefäßfragmente zeigen deutlich sekundäre Brandspuren. Eine genauere Fabrikatsbestimmung, wie sie vor allem bei der importierten mediterranen Feinkeramik interessant wäre, ist aus diesem Grund kaum möglich. Die Gefäße sind darüber hinaus in der Regel sehr kleinteilig fragmentiert. Eine genaue Ansprache der Gefäßformen, vor allem bei der feinen grauen Ware ("drehscheibengefertigte, feintonige Latènekeramik"), läßt sich deshalb nicht immer im gewünschten Ausmaß durchführen. 2.6.3.1 Italische Terra Sigillata Chronologisch relativ präzise einzuordnen sind zwei Platten mit weit ausladendem, profiliertem Rand Consp. 10.1 (Taf. 4,35-36), [84] die zu den frühesten, ins 3./2. Jahrzehnt v. Chr. zu datierenden Importstücken roter italischer Sigillata gehören (frühes Service I). In die früh- bis mittelaugusteische Zeit datieren auch eine Platte mit schräger Wand Consp. 1.1.4 (Taf. 4,37) und wohl auch das nicht sehr signifikante Randfragment (Taf. 4,38), vermutlich von einer Schale Consp. 13/14. In der Tendenz etwas jünger, etwa mittelaugusteisch bis spätaugusteisch/frühtiberisch, sind die Platte und der Teller mit gekehltem Steilrand Consp. 18.2-3 im Service II (Taf. 5,39-40). Der Teller mit glattem Steilrand Consp. 20.4 (Taf. 5,46) wurde frühestens in tiberisch-claudischer Zeit produziert. Mit mindestens fünf halbkugeligen Schalen mit nach unten gebogenem Rand Consp. 43.1 (Taf. 5,48-52) erstreckt sich das Sigillata-Spektrum jedoch noch sicher in die zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. hinein. Südgallische Reliefsigillata, die ab flavischer Zeit verstärkt in Fundkomplexen des Südostalpenraums auftritt, [85] ist nicht vorhanden. 2.6.3.2 Feine graue Ware und sonstige Importkeramik Im Verhältnis relativ zahlreich vertreten ist die feine graue Ware, bei der man sowohl in reiner Latènetradition stehende Formen als auch - vor allem ab der ausgehenden Latènezeit - Nachahmungen italischer Gefäße feststellen kann. Die Schüssel mit markantem Schulterabsatz und nach außen gebogenem, wenig verdicktem Rand (Taf. 5,56) ist noch mittellatènezeitlichen Formen verpflichtet, aber besonders für LT D kennzeichnend. [86] Der hohe, schlankovale Topf ohne besondere Randbildung (Taf. 5,61) ist mit Kerbreihendekor verziert und läßt sich formal auch mit tonnenförmigen Töpfen im groben, grautonigen Fabrikat vom Magdalensberg vergleichen, die dort vermutlich in der Nachfolge von auf der Drehscheibe hergestellten, feintonigen LT-Tonnen ab mittelaugusteischer Zeit üblich wurden. [87] Die Randfragmente Taf. 6,73 - und eventuell auch die Wandfragmente Taf. 6,74 - dürften zu einem zylindrischen Becher mit Stempelverzierung (mit Bögen verbundene konzentrische Kreise) zu ergänzen sein. [88] Als Nachbildungen mediterranen Trinkgeschirrs sind feine graue Schalen anzusehen (Taf. 5,57.58-60?), die entsprechende Formen der spätrepublikanischen Glanztonkeramik (schwarze Sigillata) zum Vorbild haben. [89] Während bei der feinen grauen Ware wohl von einer Produktion auf regionaler Ebene ausgegangen werden kann, wurde der Acobecher Taf. 6,69 zusammen mit der augusteischen Sigillata (Taf. 4,35-38; 5,39-40) aus Italien importiert. [90] In den Umkreis der padanischen Sariusware, die zumindest bis in tiberische Zeit exportiert wurde, [91] gehört auch das Wandfragment Taf. 6,70, das wie der Acobecher Taf. 6,69 heute verschollen ist und nur dank der Aufzeichnungen L. Ohlrenroths [92] wiedergegeben werden kann. Die Rundwandplatte mit pompejanisch rotem Überzug (Taf. 6,76) gilt als gängige Importkeramik ab tiberischer Zeit. Sie tritt jedoch am Magdalensberg schon erstmalig in Komplex 2 (Oberadenhorizont) auf und etablieren sich erst in der Folge als die bevorzugte Teller-/Plattenform. [93] 2.6.3.3 Grautonige Gebrauchskeramik und Graphittonkeramik Das Spektrum an früher grautoniger Gebrauchskeramik läßt sich dem Ensemble aus Baldramsdorf zur Seite stellen. Vertreten sind Töpfe mit Innenlippe (Taf. 6,78-79), mehrere Auerbergprofile (Taf. 6,80-84), Töpfe mit nach außen gebogenem, unterschiedlich profiliertem Rand (Taf. 7,85-90) und zwei frühe Dreifußschüsseln (Taf. 7,91-92). Nicht näher bestimmen lassen sich Bodenfragmente von mindestens zwei Graphittongefäßen (Taf. 7,93-94). |
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[66] Müller-Karpe 1951,
644 Abb. 11,1. |
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