|
|
||||||
|
|
||||||
|
Die in ca. 800 m Seehöhe gelegene malerische Ortschaft Laubendorf liegt auf dem sonnseitigen Abhang der Millstätter Alpe, von wo aus sich ein großartiger Blick über weite Teile des Millstätter Sees eröffnet. Der Ort ist heute sowohl von Millstatt als auch von Seeboden aus zu erreichen. Bei Bauarbeiten des Jahres 1957 stieß man westlich neben dem Hof Klinar (Laubendorf Nr. 6) auf eine frühchristliche Kirche, [107] in der Spolien vermauert waren, darunter ein als Standplatte des Tischaltars sekundär genutzter frühkaiserzeitlicher Grabstein aus Marmor mit folgender Inschrift:
Die Inschrift wurde 1961 von R. Egger ergänzt und separat als Anhang zu einem Magdalensberg-Grabungsbericht publiziert, "weil der Fund mit dem Magdalensberg zusammenhängt". [108] Die vier auf der Grabinschrift genannten Personen tragen sowohl keltische (Trouca, Suadrus, Exapia) als auch einen griechischen Namen (Anchialus). Sie sind Freigelassene (liberti) der bekannten italischen Unternehmerfamilien der Barbii und Cispii. R. Egger, der den Stein wahrscheinlich aufgrund der altertümlichen Formulierungen in die Zeit um 30 v. Chr. datierte, dachte an Handelsvertreter, die sich vor allem für die Granatvorkommen der Millstätter Alpe interessiert hätten. [109] Eine so präzise und vor allem frühe Datierung, wie von R. Egger vorgeschlagen, wird man jedoch aus heutiger Sicht kaum aufrecht erhalten können. |
||||||
|
|
Abbildung
9 Laubendorf: frühkaiserzeitliche Grabinschrift, Marmor (Höhe: 90 cm) (aus: G. Piccottini, Die Römer in Kärnten [Klagenfurt 1989] Abb. 53). |
|||||
|
Der ursprüngliche Aufstellungsort der Inschrift läßt sich nicht mehr eruieren. Unter Umständen wurde er in der Spätantike von Seeboden in das rund 2,5 km entfernte Laubendorf als Baumaterial für die frühchristliche Kirche verschleppt. Möglicherweise gab es jedoch auch in Laubendorf eine Vorgängersiedlung, die zumindest bis in das 1. Jahrhundert n. Chr. zurückreichte. Hinweise darauf wären ältere Baureste unter dem Kirchenboden, die allerdings nicht ausreichend untersucht wurden. |
||||||
| 2.8 Baldersdorf | ||||||
|
Im Zuge des Reichsautobahnbaus unternahm H. Dolenz im Jahre 1939 begleitende archäologische Untersuchungen in Baldersdorf, nachdem man hier bereits 1899 an der Südostecke des Hofes Frohner (Baldersdorf Nr. 12) auf der Parz. 406 (KG Baldersdorf) einen Münzschatzfund des späteren 3. Jahrhunderts n. Chr. mit mindestens 2645 Antoninianen der Kaiser Trebonianus Gallus bis Aurelianus geborgen hatte. [110] Die projektierte Autobahntrasse querte eine römische Siedlung, in der H. Dolenz "Wohnbauten, Anlagen zur Eisenverhüttung und Tempelanlagen" freilegen konnte, wobei es sich bei letzteren tatsächlich um kaiserzeitliche Grabbezirke handelt, innerhalb derer Grabmonumente standen. [111] Nach den Angaben des Ausgräbers verteilten sich die verschiedenen Siedlungsspuren, offenbar deutlich voneinander getrennt, über eine Länge von rund 800 m. Die Baustrukturen lagen auf einer hochwassersicheren Drauterrasse, die durch einen kleineren Geländeeinschnitt eines von Baldersdorf zur Drau hin führenden Bachs gegliedert wird. Östlich erstreckt sich der Wolfsberg, ein dicht bewaldeter, bis zu 876 m hoher Höhenrücken, der das Unterdrautal vom Millstätter See trennt. In seinem 1942 erschienenen Bericht [112] legte H. Dolenz einen Lageplan 1 : 500 bei, der jedoch nur den zentralen Teil der Siedlung im Bereich der Parz. 390/2, 401/1 und 400/4, KG Baldersdorf wiedergibt. H. Dolenz ging davon aus, daß die Siedlung von Baldersdorf bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. bewohnt war, seine Ursprünge aber in die Spätlatènezeit zurückreichen. Das abgebildete Fundmaterial beschränkt sich jedoch auf mehrere beinerne Zierbeschläge aus einem Grabbau sowie auf eine hellgrüne Glasschale aus dem nördlichen Abschnitt der Grabungsflächen. [113] Bei einer Durchsicht der im Stadtmuseum Villach aufbewahrten Funde konnten allerdings auch noch deutlich jüngere Objekte identifiziert werden, die eine bis in die Spätantike fortdauernde Besiedlung wahrscheinlich machen. [114] Bei der Vorlage des Fundspektrums beschränken wir uns auf die Gefäßkeramik, die sich heute keinem bestimmten Gebäudekomplex mehr zuordnen läßt. [115] Problematisch ist das kleinteilige Randfragment (Taf. 7,1), bei dem es sich um den Rest einer (padanischen?) Sigillata-Schale Consp. 13/14 handeln dürfte, das in augusteische Zeit zu setzen wäre. Von den insgesamt drei Gefäßen an feiner grauer Ware ist ein bis auf den fehlenden Boden nahezu vollständig erhaltener Topf mit nach außen gelegtem, etwas rundlich-verdicktem Rand und Halswulst (Taf. 7,2) hervorzuheben. Bei der grautonigen Gebrauchskeramik aus Baldersdorf wurden nur die spätlatène-/frühkaiserzeitlichen Gefäße herangezogen. Mehrere großformatige Vorratstöpfe (Dolia) mit Auerbergprofilen (Taf. 7,6-7) bzw. einer davon abgeleiteten Randform (Taf. 8,8) sowie mit kantig-verdicktem, nach außen gebogenem Rand und eingeschnürtem Hals (Taf. 8,12) weisen eine fettige Oberfläche auf. Sie wurden häufig handgemacht und nachgedreht, der Rand ist meistens angedreht. Bei besser erhaltenen Gefäßen (Taf. 8,12; 9,16-17.20.22-23) läßt sich gut die Verzierung - ein- und mehrzeilige Wellenbänder, Kammstrichdekor, horizontale Rillen - erkennen, die zumeist unter der etwas gerippten Halspartie ansetzte. Von den Vertretern der Graphittonkeramik lassen sich die Töpfe mit kleiner, ausbiegender Randlippe (Taf. 9,29-30), der Topf mit ausgebogener, leicht verdickter Randlippe (Taf. 9,27) und das Gefäß mit nach außen umgelegten, etwas unterschnittenem Rand (Taf. 9,31) problemlos im LT D-zeitlichen Formengut unterbringen, das aber auch am Magdalensberg noch in spätrepublikanischen bis frühtiberischen Schichten in Erscheinung tritt. [116] Einzig der Graphittontopf mit massivem Wulstrand (Taf. 9,28) besitzt bessere Parallelen in mittellatènezeitlichen Kontexten. [117] An Metallkleinfunden erwähnt H. Dolenz mehrere kleinere Bronzeringe aus dem Areal unmittelbar nordwestlich der von ihm kartierten Befunde. Im Umkreis einer Feuerstelle fanden sich ein Eisenhammer, ein kleiner Amboß, drei Bogensägen, ein Messer, ein Ring und ein Hakenschlüssel, während aus dem Bereich der Gräber mehrere verschmolzene Bronzen und Glasbruchstücke sowie einige kleine Messerklingen stammen. [118] Ein wesentliches Ergebnis der Notgrabungen des Jahres 1939 waren Überreste, die H. Dolenz als Anlagen zur Eisenverhüttung und Eisenverarbeitung interpretierte. [119] Es handelt sich dabei um mehrheitlich rechteckige Öfen von einer Größe bis zu 2,20 x 1,70 m, in deren Umgebung unter anderem offensichtlich ergiebig eisenreiche Schlacke gefunden wurde. F. Ucik (Landesmuseum für Kärnten) vermutete, daß in Baldersdorf eher Sumpferze zur Verhüttung kamen. Es gibt jedoch nördlich von Baldersdorf ein Stollensystem im Felsen, auf dem die Kirche St. Magdalena steht, wobei jedoch noch nicht geklärt ist, aus welcher Zeit die Stollen stammen, was hier abgebaut wurde bzw. ob hier überhaupt Bergbau betrieben wurde. [120] Es
wurde schon erwähnt, daß die von H. Dolenz als gallorömische Umgangstempel
gedeuteten Bauten wohl eigentlich Grabanlagen darstellten, die wahrscheinlich
an der von Edling kommenden und nach Molzbichl führenden römischen Reichsstraße
lagen. In Molzbichl sind ferner in der Pfarrkirche St. Tiburtius mehrere
Marmorfragmente von Grabbauten eingemauert, die möglicherweise aus dem
nahegelegenen Baldersdorf stammen, darunter auch ein Grabtitulus aus dem
barocken Altar mit der Inschrift: |
||||||
| 2.9 Oberamlach | ||||||
|
Von Baldersdorf aus gesehen schräg gegenüber auf der anderen Seite des Drautals befindet sich die Ortschaft Oberamlach. Die beiden Punkte liegen in Sichtweite nur 2 km Luftlinie voneinander entfernt, sind allerdings durch den Draufluß getrennt. In den Jahren 1997/1998 konnte F. Sagmeister (Kleinsaß) bei Böschungsarbeiten hinter der bäuerlichen Schlachtstätte auf der Parz. 824/1, KG Amlach eine im Profil bis zu 40 cm dicke Kulturschicht mit reichlich Holzkohle ausmachen, unter der eine - damit stratigraphisch nicht direkt in Zusammenhang stehende - etwa 2,40 x 2,0 m große Steinsetzung zum Vorschein kam. Im Umkreis der Fundstelle, die am Talrand deutlich über der Drautalsohle liegt, fanden sich neben prähistorischer, antiker und jüngerer Keramik außerdem Schlackenreste mit Versinterungen und wenige kleine verziegelte Lehmbrocken. Doch ist gerade die Beziehung der hier vorgelegten Keramik zu dieser "Aschenschicht" nicht vollständig geklärt. Bemerkenswert ist der geringe Fundanfall mit - im Gegensatz zur Situation in Baldersdorf - auffallend kleinteilig zerbrochenen Gefäßen. Das Fundspektrum umfaßt Bruchstücke von einem Graphittontopf mit keulenartig verdicktem Rand (Taf. 9,5), von früher grautoniger Gebrauchskeramik (Taf. 9,2-4) und einem tardopadanischen Sigillata-Gefäß der Form Consp. 39/43 (Taf. 9,1). Ein Boden- und ein Randfragment in Sigillata Chiara C, vermutlich von einem Teller Hayes 45, datieren schon ins fortgeschrittene 3. Jahrhundert n. Chr. Bei der geringen Fläche des Grabungsaufschlusses ist es momentan noch etwas verfrüht, ein Urteil über den Charakter der Siedlungsstelle abzugeben. Die Schlackenfragmente erinnern natürlich an die 1939 in Baldersdorf zutage gekommenen Produktions- bzw. Verarbeitungsabfälle. Ob bzw. in welcher Form ein Drauübergang zwischen Oberamlach und Baldersdorf existierte, ist - wie auch im Raum Teurnia - vollkommen offen. Die Möglichkeit einer Wegtrasse rechts der Drau, als Pendant zur römischen Drautalstraße am anderen Flußufer, wurde schon oben angesprochen (vgl. Kap. 2.5). Die Oberamlach am nächsten gelegene römerzeitliche Siedlungsstelle drauabwärts auf der rechten Talseite liegt rund 12 km entfernt etwas südlich von Nikelsdorf. [122] Es wäre wirklich überraschend, wenn es zwischen beiden Punkten keine direkte Verkehrsverbindung gegeben hätte. |
||||||
|
|
||||||
|
[107]
Glaser 1992, 152 f. Abb. 48. - F. Glaser, Frühchristliche Denkmäler in
Kärnten. Ein Führer (Klagenfurt 1996) 80 ff. Abb. 38. |
||||||
|
|
||||||
| © Christian Gugl 2000 - http://members.aon.at/ch.gugl/ | ||||||