3.2 Archäologische und epigraphische Quellen zur Bevölkerungszusammensetzung - Evidenz für den norischen Stamm der Ambidravi?

 

 

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Gerade vor dem Hintergrund sich offenbar ändernder Siedlungsstrukturen sind Untersuchungen zur Bevölkerungszusammensetzung von besonderem Interesse. Die Ausgangslage dafür ist im Umland Teurnias zumindest besser als an anderen Plätzen in Kärnten und Osttirol, bieten sich hier doch die zahlreichen Funde aus Gräbern, Siedlungsspektren und Grabinschriften für eine diesbezügliche Auswertung an. In Teurnia und Umgebung sind keine modern ergrabenen, kontinuierlich von der Spätlatène- bis in die Kaiserzeit belegten Nekropolen erforscht. Allerdings erscheinen die keinen geschlossenen Grabinventaren mehr zuzuordnenden Trachtbestandteile und Beigaben der Nekropole von Seeboden durchaus aussagekräftig hinsichtlich des Totenbrauchtums und der Herkunft der dort bestatteten Bevölkerung.

Die in diesem Kontext besonders hervorzuhebenden Fibeln, die als Kleidungszubehör und Trachtbestandteile einen besonderen regionalspezifischen Bezug aufweisen, bilden einen charakteristischen Querschnitt durch die einheimisch-keltische Formenwelt vor allem des 1. vor- und nachchristlichen Jahrhunderts. Hervorzuheben sind die paarweise an der Schulter getragenen Flügelfibeln (Taf. 1,9; 2,10-11.13) als wesentliche Bestandteile der norischen Frauentracht, die alle als Erzeugnisse des hoch entwickelten, einheimisch-norischen Bronzehandwerks [139] anzusehen sind. Männerfibeln lassen sich ungleich schwieriger herausfiltern, es wäre aber gut denkbar, daß vor allem Spangen wie die eiserne geschweifte Fibel (Taf. 1,3) und die einfache Drahtfibel (Taf. 1,4) einen schweren, von Männern getragenen Mantel verschlossen. Auch Elemente des Schmucks, wie der bronzene Knotenring (Taf. 2,18) und der eiserne Armreifen (Taf. 4,33) weisen deutlich in das keltische Milieu. Nicht zuletzt sind die aus den alten Fundberichten zu erschließende Waffenbeigabe, aber auch die Auswahl bestimmter, auffallend häufig auftretender Beigaben (Eisenmesser, Bügelscheren) sowie die intentionelle Deformierung von Bügelscheren und Fibeln als Hinweise auf autochton-keltisch geprägte Bestattungssitten zu deuten. Im Gegensatz dazu kann römisch-mittelitalisch beeinflußter Beigabenbrauch, der in der Regel durch einfache Brandgräber mit wenigen "Standardbeigaben" wie Balsamarien, eine Lampe, einen Krug und ein Trinkgefäß gekennzeichnet ist, [140] aufgrund der unklaren Befundsituation weder ausgeschlossen noch stringent nachgewiesen werden.
Einen interessanten epigraphischen Beleg hätte die Namensangabe auf dem Seebodener Grabstein (Abb. 6) zu liefern, doch kann man auf diesem nur noch die Buchstaben [...]REMI / .../ ... am Ende der ersten Zeile lesen. [141]

Von den vier liberti auf der frühkaiserzeitlichen Grabinschrift aus Laubendorf (Abb. 9), die wahrscheinlich auch aus dem nahe gelegenen Seeboden stammt und somit mit der oben vorgestellten Nekropole zu verbinden wäre, tragen drei hingegen keltische (Trouca, Suadrus, Exapia), einer aber einen griechischen Namen (Anchialus).

Keltische Personennamen erscheinen auch auf den in das 1. Jahrhundert n. Chr. zu datierenden Grabinschriften aus Pattendorf (Lutussa Bittonis filia, Bucca Gannici filia, Matugenta), vom Danielsberg (Redsomarus, Brito[marus?], Litugena) und aus Baldersdorf/Molzbichl (Boionius Primus). Eine Reihe von Belegen für keltische Eigennamen finden wir natürlich in Teurnia. [142]

Die metallenen Trachtbestandteile und der Schmuck aus dem Siedlungsspektrum von Teurnia sind ein zweiter großer Komplex im Zusammenhang mit der ethnischen Bewertung des Fundmaterials. Anders als in Seeboden begegnen in Teurnia neben den zu erwartenden Latèneformen (Eisenfibel vom MLT-Schema, geschweifte Fibel Almgren 18) auch zwei Scharnierbogenfibeln des Typs Alesia, die sich schon anhand ihrer Verschlußkonstruktion als Fremdformen zu erkennen geben. Alesia-Fibeln gelten als eine im weitesten Sinn wohl römische Fibelform, die vor allem "in Gebieten und an Fundorten mit starker römischer Präsenz und Aktivität, wie im Raum um das Caput Adriae (58/57 bis 35/33 v. Chr.), am Magdalensberg, in Helvetien und auch im Alpenvorland zwischen Isar und Lech auffallend oft belegt" sind. [143] Vom Magdalensberg bzw. aus dem norischen Kernland sind St. Demetz zufolge mehr Exemplare bekannt als im restlichen Alpengebiet. Als Träger einer Alesia-Fibel mit einem eigentümlichen quergestelltem, abgeplattetem Fußfortsatz (Abb. 5,4), die zusammen mit einer früh- bis mittelaugusteischen Sigillata-Schale Consp. 13 in den Teurnienser Wohnterrassen gefunden wurde, käme aufgrund von Parallelfunden am ehesten eine aus dem Adriabogen stammende Person in Frage. [144]

 

Abbildung 12
Latènezeitliche Gürtelkettenanhänger aus Kärnten.
1 Teurnia (H. 7,1 cm).
2 Straßfried (H. noch 6,9 cm). - Bronze.
 

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In einen völlig anderen Kontext gehören die in keltischer Tradition geopferten Schilde, aber auch der keltische Glasschmuck (Abb. 5,8-9) und ein bronzener Gürtelkettenanhänger (Abb. 12,1) der keltischen Frauentracht von der Kuppe des Holzer Bergs, die chronologisch bis in die Mittellatènezeit zurückreichen. Mit dem zoomorph verzierten Gürtelendglied aus Teurnia sowie einem weiteren ähnlichen Anhänger aus Straßfried bei Arnoldstein in Kärnten (Abb. 12,2) [145] lassen sich sogar im Hinblick auf das Trachtzubehör Beziehungen zur latènezeitlichen Mokronog-Gruppe in Slowenien knüpfen, mit der der LT-Fundstoff in Kärnten generell zu parallelisieren, wenn nicht gar im Sinne der archäologischen Kulturgruppenbildung gleichzusetzen ist. [146]

Autochton-keltische Bevölkerungsgruppen bestatteten auch im schon erwähnten Brandgräberfeld von Pockhorn im oberen Mölltal. Dafür sprechen das ortsübliche, teilweise deformierte Trachtzubehör (Abb. 8,2-3) und die zahlreichen Eisenmesser (Abb. 8,4-12), die auf ein Totenbrauchtum schließen lassen, wie es auch in Seeboden ausgeübt wurde. Als Fremdform auszuscheiden ist die eiserne Alesia-Fibel (Abb. 8,1), bei der aber letztendlich wie in Teurnia kaum entschieden werden kann, unter welchen näheren Umständen die Fibel an den Fundort und schließlich in das Grab gelangte. [147]

In Teurnia und in dessen Umland sind von der Mittellatène- über die Spätlatènezeit bis in die frühe Kaiserzeit keltische Bevölkerungsgruppen anhand von Einzelfunden, gestörten Gräbern und - verstärkt für die Zeit nach der römischen Okkupation 15 v. Chr. - auch in Form von epigraphischen Denkmälern faßbar. Aus archäologischer Sicht erscheint es vorerst nicht möglich, die hier siedelnden Kelten von denen in anderen Siedlungszonen in Unterkärnten und Osttirol anhand ihrer materiellen Kultur mit den Mitteln der archäologischen Fundanalyse zu unterscheiden. Aufgrund der schriftlichen und epigraphischen Zeugnisse wissen wir jedoch von mehreren keltischen Stämmen im südlichen Noricum Bescheid, wobei den beiden, zwischen 11 und 2 v. Chr. am Magdalensberg aufgestellten Ehreninschriften an Mitglieder des iulischen Kaiserhauses besondere Bedeutung zukommt, auf denen acht keltische Stämme, allen voran der führende Stamm der Norici, als Stifter genannt sind, jedoch kein norischer regulus mehr namentlich aufscheint. [148] Die Magdalensberger Ehreninschriften, die als "offizielle Zeitzeugnisse" die bestehenden keltischen Stammesverhältnisse kurz nach der römischen Okkupation besonders nachhaltig widerspiegeln dürften, sind für die ethnisch-stammesspezifische Bewertung des LT-Fundmaterials von Teurnia und seines Umlandes eine erstrangige Quelle.

Vieles spricht dafür, daß das Unterdrautal und teilweise auch das Oberdrautal zum Stammesgebiet der Ambidravi gehörten. [149] Aufgrund ihres Namens sind sie zweifellos als Bewohner des Drautales ausgewiesen. In Frage käme folglich das Drautal in Kärnten, weniger wahrscheinlich in Osttirol, wo als Nachbarn der im Pustertal lokalisierten Saevates - wegen der Ähnlichkeit ihres Stammesnamens mit dem modernen Ortsnamen Lienz? - die Laianci angesiedelt werden. Als Siedlungsbereich der Ambidravi wäre aber auch noch das Drautal in Mittel- und Unterkärnten, aber wohl nicht bis hinunter in die Gegend von Poetovio, [150] in Betracht zu ziehen. Ein weiteres Argument für eine Lokalisierung der Ambidravi in der Gegend um Teurnia bzw. im Unterdrautal ist der frühkaiserzeitliche Grabstein des Ambidrabus aus Paternion, eines mit 20 Jahren verstorbenen Auxiliarreiters, dem seine Eltern Tinco und Banana im Umfeld der Görz ein Grabmal setzten. [151] Es ist sicher naheliegend, eine Verbindung zwischen diesem Grabstein und dem Stammesgebiet der Ambidravi herzustellen, allerdings ist die Namensgleichheit einer Einzelperson auf einem privatem Grabstein mit einem uns bekannten Stamm noch kein verläßliches Indiz für die exakte Lokalisierung eines Stammesgebietes. Andererseits wäre es sehr erstaunlich und eigentlich unerklärlich, daß die keltischen Stammesgruppen des Ober- und Unterdrautals nicht namentlich auf den öffentlich aufgestellten Magdalensberger Inschriften angeführt wären, wenn gleichzeitig ihre westlichen (Laianci, Saevates) und östlichen Nachbarn (Norici) dort als Stifter in Erscheinung treten. Somit erscheint derzeit eine Gleichsetzung der archäologisch faßbaren keltischen Bevölkerung des Unterdrautals und der Umgebung Teurnias mit den epigraphisch dokumentierten Ambidravi am plausibelsten, doch wird man ohne neue epigraphische Denkmäler, die weitere Möglichkeiten einer präziseren geographischen Einordnung bieten, in dieser Frage kaum Fortschritte erzielen.

 

Abbildung 13
Siedlungsgebiete keltischer Stämme des Ostalpenraums um die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr.
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Die in Teurnia und in Pockhorn auftretenden Alesia-Fibeln (Abb. 5,4-5; 8,1) werden häufig in der Forschung als "Militärfibeln" bezeichnet, wobei die reichsweite Verbreitung der verschiedenen Varianten dieser Scharnierbogenfibel bevorzugt mit der Dislokation römischer Truppen erklärt wird. Alesia-Fibeln treten sicher auch gehäuft an Fundorten mit militärischem Charakter auf, [152] weswegen sich die Frage aufdrängt, ob die drei Exemplare aus dem oberen Drau- und dem Mölltal nicht doch auch als Indiz für die Anwesenheit römischer Truppen in augusteischer Zeit verstanden werden könnte, deren Angehörige in Italien oder in einem schon intensiver romanisierten Gebiet rekrutiert worden wären.

Die historischen Rahmenbedingungen, unter denen eine Präsenz römischen Militärs auf der Grundlage der Schriftquellen und Inschriften am ehesten vorstellbar wäre, würden im Zusammenhang mit dem römischen Feldzug gegen die Ambisonten bestehen, der als einziger norischer Stamm im Jahre 15 v. Chr. Widerstand leistete und wohl aus diesem Grund auch nicht auf den dem Kaiserhaus huldigenden Inschriften am Magdalensberg aufscheint. Sollten die Ambisonten tatsächlich an der oberen Salzach und im Pinzgau gesiedelt haben mit dem Biberg bei Saalfelden als ihrem Vorort, [153] hätten die von Oberkärnten und Osttirol aus zu erreichenden und nach Salzburg führenden Hochgebirgspässe der Hohen Tauern doch eine gewisse strategische Bedeutung besessen. Es wäre zumindest in römischem Interesse gewesen, diese Straßenverbindungen zu kontrollieren, um ein mögliches Übergreifen der gegen Rom gerichteten Widerstandsbestrebungen auf die angrenzenden Stämme südlich des Alpenhauptkamms (Saevates et Laianci, Ambidravi) zu unterbinden. Selbst unter diesen Voraussetzungen hätte man nur mit einer äußerst kurzfristigen Anwesenheit von römischen Truppen an strategisch wichtigen Punkten im oberen Drautal zu rechnen, während vermutlich eine mehrjährige Stationierung von militärischen Einheiten bestenfalls im Stammesgebiet der Ambisonten nach ihrer gewaltsamen Unterwerfung erfolgt wäre. Mit dem Beginn des pannonischen Krieges 12 v. Chr. wären sicherlich auch die dort stationierten Truppen reduziert bzw. sogar abgezogen worden, soweit es die Situation zugelassen hätte.

Ernüchternd muß man festhalten, daß ein Nachweis römischer Truppen in den Jahrzehnten nach der römischen Okkupation, abgesehen von den zahlreichen Funden römischer Militaria am Magdalensberg, wo in mittelaugusteischer Zeit außerdem in der Fabrica OR/17 römische Militaria produziert wurden, [154] in unserem Arbeitsbereich archäologisch nicht zu führen ist. Unter den Waffenfunden und militärischen Ausrüstungsgegenständen aus Teurnia ließe sich nur eine bronzene Cingulumschnalle mit eingerollten Bügelenden aus den Wohnterrassen chronologisch mit möglichen militärischen Handlungen infolge der Ereignisse des Jahres 15 v. Chr. in Beziehung setzen. Die Cingulumschnalle könnte jedoch genauso gut einem Veteranen gehört haben, der sich nach seinem aktiven Dienst in Teurnia zur Ruhe setzte. [155]

Eindeutig als frühkaiserzeitliche Militaria anzusprechende Fundstücke fehlen auch an den anderen Fundorten im Umland Teurnias mit der einzigen Einschränkung, daß die in den alten Fundberichten erwähnten Waffen aus Seeboden (Pilum und Kurzschwert?) nicht mehr beurteilt werden können (vgl. Kap. 2.6.4). Trotz des nicht zufriedenstellenden Forschungs- und Publikationsstandes möchte man diese Beobachtung auch auf Osttirol und den norischen Zentralraum (Unterkärnten) ausdehnen. Vom römischen Militär wurden zwar auch dreiflügelige Pfeilspitzen benutzt, wie sie in einem Exemplar vom Lavanter Kirchbichl vorliegen, [156] doch für den Nachweis aktiver militärischer Einheiten infolge der Okkupation und einer militärischen Besetzung Noricums in augusteischer Zeit sind derartige, feinchronologisch nicht enger zu datierende und nur punktuell auftretende Einzelfunde aus unbekanntem Schichtzusammenhang keineswegs ausreichend. Ferner muß in diesem Zusammenhang erwähnt werden, daß mir aus Kärntner Museumsbeständen keine doppelpyramidenförmigen oder spindelförmigen Schleuderbleie bekannt sind, die beispielsweise an zahlreichen Fundplätzen Sloweniens - sowohl im Kontext von einheimisch-keltischen Siedlungen als auch römischen Neugründungen [157] - aufgetreten sind und als Bewaffnung von römischen funditores im republikanischen und augusteischen Heer abhängig vom jeweiligen Fundkontext auch als Indiz für Kampfhandlungen interpretiert werden könnten. Vor dem Hintergrund einer nahezu vollständigen Absenz römischer Militaria sind letztlich ebenso die frühkaiserzeitlichen Soldatengrabsteine vom Zollfeld, aus dem Raum Feistritz/Drau und Liebenfels (Glantal), mit denen noch G. Alföldy okkupationszeitliche Militärlager zu lokalisieren versuchte, [158] diesbezüglich wenig überzeugend.

Wahrscheinlich sind wir zu optimistisch, wenn wir mit archäologischen Mitteln römische Truppenbewegungen im Zuge der Unterwerfung der Ambisonten nachweisen wollen, es sei denn, es lägen ähnliche außergewöhnliche Fundkonzentrationen vor wie in Kalkriese (Ldkr. Osnabrück) oder am Döttenbichl (Oberammergau). [159] Unzweifelhafte Hinweise auf eine längerfristige militärische Besetzung des oberen Drautales, die doch auch archäologische Spuren hinterlassen hätte, sind folglich bis dato nicht gegeben. Obwohl man römische Truppen am Magdalensberg voraussetzen kann, die dem illyrischen Heereskommando in Poetovio unterstellt waren, ist generell eine direkte militärische Kontrolle der mehrheitlich kampflos unterworfenen norischen civitates, die zumindest noch in claudische Zeit als Stammesorganisationen epigraphisch in Erscheinung treten, in den Jahrzehnten von der Okkupation bis zur Konstituierung des Provinzstatus spätestens unter Kaiser Claudius zur Zeit weder archäologisch noch aus den Schriftquellen [160] abzuleiten.

Man ist also besser beraten, bei den oben angesprochenen Alesia-Fibeln nach anderen Ursachen für ihr Auftreten in den Talschaften Oberkärntens zu suchen. In diesem Sinne wird die formelle Unterwerfung des regnum Noricum im Jahre 15 v. Chr. unter die römische Oberhoheit sicherlich italischen Händlern und Kaufleuten wesentliche neue Erwerbsmöglichkeiten geboten haben, die von den bereits zuvor etablierten Händlerniederlassungen ausgehend ihre Geschäftsbeziehungen ausweiten konnten. Diese intensivierten wirtschaftlichen Beziehungen und die damit verbundene erhöhte Mobilität bzw. der verstärkt einsetzende Zustrom von zivilen Personengruppen aus dem Süden, vor allem aus dem Bereich des caput Adriae, die von italischer Lebensweise und Kultur geprägt waren, wäre neben dem Auftreten von Alesia-Fibeln in weiterer Folge eine hinreichende Erklärung für die Zunahme italischen Tafelgeschirrs auch in den Haushalten besser situierter norischer Herren.

 

3.3 Entwurf einer siedlungsgeschichtlichen Entwicklung im Kleinraum
Lurnfeld-Millstätter See

 

Bereits bei der Publikation der Grabplatte aus Laubendorf (Abb. 9) bezeichnete R. Egger die römischen Kaufleute als "Schrittmacher der Romanisierung". [161] Aus römischer Sicht waren sicherlich die unsicheren Verhältnisse im Hinterland von Aquileia, wo 16 v. Chr. Pannonier und norische Stammesteile plündernd eingefallen waren, [162] Grund genug, in die inneren Strukturen des regnum Noricum einzugreifen und sämtliche norischen Stämme zur Unterwerfung zu nötigen. Eine militärische Notwendigkeit zu einer flächendeckenden Kontrolle der norischen Gebiete bestand damals offenbar nicht. Vielmehr scheinen hauptsächlich wirtschaftliche Interessen dafür ausschlaggebend gewesen zu sein, daß sich nach den, unter offenbar militärischem Druck veränderten, politischen Verhältnissen ab den beiden letzten Jahrzehnten v. Chr. italische Unternehmer, Händler, Kaufleute und ihr Gefolge stärker und ungebundener als zuvor in Binnennoricum engagierten. In die Zeit unmittelbar davor fällt auch der frühaugusteische Denarhortfund vom Lampersberg (vgl. Kap. 2.3), der ein Schlaglicht darauf werfen mag, daß der römische Denar sich schon vor 15 v. Chr. als monetäre Basis für die Geschäftsbeziehungen zwischen den Römern und Norikern zu etablieren begann. [163]

Diese umwälzenden, auch im Lurnfeld spürbaren Vorgänge werden nicht verständlich ohne die Einbeziehung des Hinterlandes von Teurnia, einem landschaftlichen Umfeld, in dem die tieferen Ursachen dieser wirtschaftlichen Motive in Form von Gebirgsketten wie der Hohen Tauern, der Goldeck- und der Reißeckgruppe mit ihrem Edelmetallvorkommen deutlich vor Augen treten. Mit der Unterwerfung der norischen Stämme eröffnete sich ein ungehinderterer Zugriff auf die geschätzten Bergbauprodukte, vor allem auf das berühmte norische Eisen in Unterkärnten [164] und die Edelmetallvorkommen in Oberkärnten, Salzburg und Osttirol. [165] Angesichts der römischen Finanz- und Wirtschaftsinteressen als der treibenden Kraft versuchten Angehörige italischer Unternehmerfamilien, wie sie auf der Laubendorfer Grabinschrift mit den Freigelassenen der Barbii und Cispii überliefert sind, in den Bergbaugebieten bzw. ihrem Vorfeld - sei es als neue Eigentümer oder Pächter - verstärkt Fuß zu fassen. Für eine differenzierte Beurteilung dieser Vorgänge liegen leider die Eigentumsverhältnisse der norischen Gold-, Silber- und Eisenerzlagerstätten vor und in den Jahrzehnten nach der römischen Okkupation weitgehend im Dunklen, [166] spätestens unter Caligula gelangten aber die Goldlagerstätten bzw. -wäschereien in kaiserliches Privateigentum. [167] Die vorteilhafte wirtschafts- und verkehrsgeographische Lage Teurnias ist die Grundvoraussetzung für das nun einsetzende wirtschaftliche Engagement, da die Siedlung gut plaziert an einem zentralen Wegkreuz lag, von dem ausgehend die römischen Geschäftsleute und in deren Diensten stehende Sklaven und Freigelassene ihre auf das Hinterland von Teurnia ausgerichteten Tätigkeiten organisieren und abwickeln konnten.

In den Mittelpunkt der römischen Interessen traten somit auch die Verkehrswege und Pässe über den Alpenhauptkamm Richtung Norden: Hochtor (2505 m), Mallnitzer Tauern (2450 m) bzw. Korntauern (2460 m) und die Verbindung über den Leisnitzgraben (1783 m) und Radstädter Tauern (1740 m) (Abb. 2). Die Römer waren nicht nur mit der Kontrolle, sondern auch dem finanziell äußert aufwendigen Ausbau und dem Unterhalt dieser Bergstrecken konfrontiert. Während in Rätien für die Brenner- und Reschenroute dank intensivierter archäologischer Straßenforschung neben den beiden schon lange bekannten claudischen Meilensteinen erstmals konkrete Anhaltspunkte zum frühkaiserzeitlichen Straßenbauprogramm vorliegen, [168] können wir über die Bedeutung der einzelnen, bereits in prähistorischer Zeit genutzten Wegtrassen über die Hohen Tauern, über ihren Zustand und den erstmaligen, von der römischen Verwaltung initiierten Ausbau nur mutmaßen. Obwohl auch in Noricum für die Regierungszeit von Kaiser Claudius mit einem bei Virunum gefundenen Meilenstein ein Beleg für Straßenbautätigkeiten vorhanden ist, [169] erlaubt dieser keine Rückschlüsse auf bereits in augusteischer Zeit erfolgte Arbeiten zum landesweiten Ausbau der Infrastruktur. Nur indirekt ergeben sich Möglichkeiten, über die Nutzung von Paßheiligtümern und die Entstehung von Straßenstationen die Bedeutung von damit in Zusammenhang stehenden Straßenverbindungen zu erschließen.

Das römische Immurium-Moosham im Salzburger Lungau, am Kreuzungspunkt der von Teurnia bzw. von Virunum kommenden und nach Iuvavum führenden Straßen, ist - soweit erforscht - erst in claudischer Zeit entstanden. [170] Seit einigen Jahren liegen auch neue Ergebnisse zu prähistorischen Paßheiligtümern auf dem Hochtor und dem Mallnitzer Tauern vor, die in römischer Zeit ebenfalls noch frequentiert wurden. Auf beiden Seiten des Mallnitzer Tauern-Passes fanden sich konzentriert Münzdeponierungen vor allem von keltischen Kleinsilbermünzen, während aus der römischen Kaiserzeit nur ein einziger As des Antoninus Pius (138-161 n. Chr.), aus der Spätantike hingegen wieder 15 Prägungen von Constantinus I. (306-337 n. Chr.) bis Theodosius I. (379-395 n. Chr.) gefunden wurden. [171] Die Münzfunde von der Paßhöhe des Hochtors an der Glocknerroute setzen mit neun Aes-Prägungen der römischen Republik, geprägt zwischen 211 und 135 v. Chr., und zahlreichen keltischen Kleinsilbermünzen des 1. vorchristlichen Jahrhunderts ein, umfassen aber auch noch elf Fundmünzen der frühen und mittleren Kaiserzeit und eine größere Anzahl von Münzen des 4. Jahrhunderts n. Chr. [172] Die weiteren Forschungen sollten Klarheit darüber bringen, ob die alten Wegtrassen über das Hochtor und den Mallnitzer Tauern in vorclaudischer Zeit sogar in stärkerem Ausmaß frequentiert wurden als die vielleicht erst später ausgebaute Route über den Lungau, die als wichtigste Nord-Süd-Verbindung zwischen Teurnia und Iuvavum, gesäumt von zahlreichen Meilensteinen, möglicherweise erst mit einer unter Claudius durchgeführten Reorganisation des Straßensystems aufgewertet wurde.

Vor diesem Hintergrund erfolgte der Zuzug neuer Siedler aus dem Süden, wahrscheinlich in erster Linie von italischen Zuwanderern, die sich - erkennbar in einem ersten Fundniederschlag im Bereich der Teurnienser Wohnterrassen - zu Füßen eines schon länger bestehenden keltischen Gemeinwesens niederließen. Diese Platzwahl bot viele Vorteile: eine ausgezeichnete Anbindung an das Fernstraßennetz am Schnittpunkt der Tauern- mit der Drautalroute sowie die Sicherstellung wichtiger infrastruktureller Grundbedürfnisse (Wasserversorgung, Schutz vor Hochwasser). Für die weitere Siedlungsentwicklung Teurnias ist es geradezu kennzeichnend, daß diese enge Bindung der daraus entstehenden Unterstadt mit den noch unzureichend erforschten bzw. aufgearbeiteten frühkaiserzeitlichen Siedlungsstrukturen auf dem Holzer Berg in der Folge bestehen blieb.

Über die Ursachen, weswegen man sich im Laufe des 1. Jahrhunderts n. Chr. nicht entschloß, den Hügel überhaupt aufzugeben und die durchaus zur Verfügung stehenden, einfacher zu erschließenden Siedlungsflächen im Talboden zu nutzen, kann nur spekuliert werden. Grundsätzlich ist der Holzer Berg, der sein Umland durchschnittlich bloß um 50 bis 70 m überragt, geomorphologisch keineswegs mit dem Magdalensberg, Ulrichsberg oder Hemmaberg zu vergleichen. Obwohl der Hügel und das angrenzende Flachland städteplanerisch nur in Form von groß angelegten Terrassierungsmaßnahmen und finanziell aufwendigen Straßen- und Kanalbauten in eine urbanistische Einheit zu bringen waren, hat man sich dennoch dieser Mühe unterzogen und vor allem an der Ost- und Südostseite des Holzer Berges mit mehreren großen, künstlichen Terrassen Bebauungsflächen geschaffen.

Ob sich am Holzer Berg nicht doch ein bedeutendes Heiligtum befunden hat, das auch schon A. Lippert bei der Veröffentlichung des "Waffenfundes von 1845" vor Augen hatte, und dem sich die einheimisch-keltische Bevölkerung , aber auch die Neuzuwanderer tief verbunden fühlten? Der Gedanke, daß daraus das später epigraphisch nachgewiesene Heiligtum des Granus Apollo [173] entstand, das topographisch an eine Quelle auf der Kuppe des Holzer Berges gebunden war und zu dem nicht nur ein Temenos, sondern auch Badeanlagen und andere Einrichtungen gehörten, hat einiges für sich! Neue Lösungsmöglichkeiten zur Siedlungsgenese des römischen Teurnia sind nur infolge weiterer gezielter Grabungen zu erwarten, da die Topographie des claudischen Munizipiums, vor allem oben auf dem Hügel, in weiten Zügen noch nicht zufriedenstellend erforscht ist. Dies betrifft besonders die Interpretation von ausgedehnten öffentlichen Thermen mit nördlich vorgelagerter Platzanlage, die von R. Egger zwischen 1911 und 1915 ergraben und als Forum interpretiert wurden, und die unmittelbar darüber gelegene "Tempelterrasse", wo die Bauinschrift für das Granus Apollo-Heiligtum zum Vorschein kam. [174]

Im Kontrast dazu zeichnet sich eine deutliche Siedlungsverlagerung statt dessen im Fall des flavischen Munizipiums Solva und der keltischen Vorgängersiedlung auf dem Frauenberg bei Leibnitz ab, die dem oben skizzierten Siedlungsmodell von Teurnia gegenübergestellt werden soll. Zumindest von der Stufe LT C2 über die Spätlatènezeit bis in die römische Kaiserzeit hinein war der Frauenberg durchgehend besiedelt, wobei entsprechende Funde und neuerdings auch sensationelle Befunde für ein regional bedeutendes kultisches und wohl auch politisch-wirtschaftliches Zentrum sprechen. [175] Eine Veränderung tritt ein, als spätestens in mittel- bis spätaugusteischer Zeit eine erste Siedlungstätigkeit, rund 3,5-4,0 km davon entfernt, nahe eines Altarms der Mur im Bereich der Insula XL des späteren Munizipiums Solva einsetzt. [176] Die Rahmenbedingungen sind sicher andere als im Lurnfeld, befindet sich doch ein wichtiger römischer Truppenstandort in der Zeit nach der Okkupation in Poetovio, nur knapp 50 km südöstlich des Leibnitzer Feldes. Infolge der Kontakte zwischen der neuen, vermutlich überwiegend von italischer Lebensweise geprägten Niederlassung an der Mur und der alten keltischen Siedlung am Frauenberg finden sich dort ab augusteischer Zeit erstmals mediterrane Feinkeramik und Kleidungszubehör. [177]

Die Beschreibung der komplexen Wechselwirkungen zwischen Teurnia, einer ab augusteischer Zeit offenbar prosperierenden Ansiedlung, und den zahlreichen Kleinsiedlungen des Hinterlandes (Dörfer, Weiler und Gehöftgruppen), von denen uns nur ein Bruchteil bekannt ist und über deren genaue Größe und Bedeutung wir aufgrund der Quellensituation in keinem Fall auch nur ansatzweise zufriedenstellend Bescheid wissen, bleibt zukünftigen Forschungen vorbehalten. Die feststellbaren Veränderungen im Siedlungsbild in den Jahrzehnten um die Zeitenwende sind sehr wahrscheinlich auf neue wirtschaftliche und in weiterer Folge auch auf administrative Strukturen zurückzuführen, die mit dem Zuzug italischer und anderer, bereits stärker romanisierter Bevölkerungsgruppen Eingang gefunden haben. Hier wären neue Flächengrabungen wünschenswert, um größere zusammenhängende Baustrukturen abzuklären und auf der Basis eines größeren Fundspektrums verläßlichere Angaben zum Beginn, zur Art und zur Dauer der Besiedlung zu erhalten. Besonders interessant wären Vergleiche zwischen Siedlungsformen direkt an den Kommunikationsachsen und in den von den Verkehrsachsen abgelegenen Gebieten. Zeugnisse für Akkulturationsprozesse bzw. Vorgänge, die gemeinhin mit dem Begriff "Romanisierung" verbunden werden, liegen in bescheidener Anzahl bereits vor. Erinnert sei an die bereits genannten Grabsteine von Personen mit keltischen Eigennamen (vgl. Kap. 3.2), die in dieser Hinsicht italisches Totenbrauchtum nachahmten. Für weiterführende Studien zum vielschichtigen, kulturellen Prozeß der "Romanisierung der Ambidravi" sind die Voraussetzungen nicht gegeben, weder in Form von auswertbaren Siedlungsbefunden noch anhand von Gräberfeldanalysen.

Wie lange die Stammesorganisation der Ambidravi Bestand hatte, ob und in welcher Form sie in die munizipale Verwaltung Teurnias und seines Territoriums integriert wurde, ist nicht bekannt. Die westlich benachbarte civitas Saevatum et Laiancorum tritt jedenfalls noch in claudischer Zeit in Erscheinung, indem sie C. Baebius Atticus, dem ersten namentlich bekannten procurator Tiberii Claudi Caesaris Agusti in Norico, in Iulium Carnicum zwei Ehreninschriften widmete. [178]

Das beharrliche, identitätsstiftende Traditionsbewußtsein der Noriker kommt auch noch während des 2. Jahrhunderts n. Chr. in weiten Teilen der römischen Provinz in Form von Selbstdarstellungen auf Grabreliefs und in der großen Anzahl von Grabfunden mit norischen Trachtzubehör zum Ausdruck. Für das Territorium von Teurnia sind die Belege dafür allerdings weitaus spärlicher als im norischen Zentralraum um die Provinzhauptstadt Virunum. [179]

 

[139] A. Böhme-Schönberger, Das Grab eines vornehmen Kriegers der Spätlatènezeit aus Badenheim. Neue Forschungen zu den Schwertscheiden mit opus interrasile-Zierblechen. Germania 76, 1998, 217 ff., bes. 239 ff.
[140] P. Fasold, Romanisierung und Grabbrauch: Überlegungen zum frührömischen Totenkult in Rätien. In: M. Struck (Hrsg.), Römerzeitliche Gräber als Quellen zu Religion, Bevölkerungsstruktur und Sozialgeschichte. Kongreßber. Mainz 1991. Arch. Schr. Inst. Vor- u. Frühgesch. Johannes Gutenberg-Univ. Mainz 3 (Mainz 1993) 381 ff.
[141] Nach freundlicher Auskunft von M. Hainzmann (Graz) gibt es tatsächlich eine solche Zeichenkette als Namensbestandteil, nämlich bei BREMIATIS (ILLPRON 719 - Grabinschrift aus Wieting in Kärnten).
[142] Glaser 1992, 52 Nr. 15.17; 57 Nr. 28; 77 Nr. 67.
[143] Demetz 1999, 162: als Träger der Alesia-Fibeln ist nicht nur das Militär in Betracht zu ziehen, sondern zivile Träger und Herstellung sind ebenso anzunehmen.
[144] Gugl 2000, 99 f.
[145] AO: Privatbesitz (Höhe noch 6,9 cm. - Breite noch 4,9 cm). - Das Foto wurde mir dankenswerter Weise von F. Glaser zur Verfügung gestellt.
[146] Lippert (Anm. 9) 299 Abb. 7. - M. Guštin, TAURISCI - Verknüpfung der historischen und archäologischen Interpretation. In: E. Jerem/A. Krenn-Leeb/J.-W. Neugebauer/O. H. Urban, Die Kelten in den Alpen und an der Donau. Kongreßber. 1992 (Budapest/Wien 1996) 435 Abb. 3. - Zuletzt zusammenfassend zur Mokronog-Gruppe: D. Božic, Die Erforschung der Latènezeit in Slowenien seit dem Jahr 1964. Arh. Vestnik 50, 1999, 192 ff.
[147] Vgl. dazu auch das spätestlatènezitliche Körpergrab einer vermögenden Dame (Keltin?) aus Sion-Passage de la Matze, in dem man u.a. neben einheimischem Schmuck und keltischen Münzen qualitativ hochwertige Gewebereste und drei Alesia-Fibeln fand: J.-Ch. Moret/A. Rast-Eicher/P. Taillard, Sion: les secrets d´une tombe "sédune". Arch. Schweiz 23/1, 2000, 10 ff.
[148] J. Šašel, Huldigung norischer Stämme am Magdalensberg in Kärnten. Historia 16, 1967, 70 ff. - G. Winkler, Noricum und Rom. ANRW II 6 (Berlin/New York 1977) 199. - E. Weber, Pannonien, Noricum und das Gebiet an der Donau. RÖ 15/16, 1987/88, 194 f. - G. Piccottini/H. Vetters (Hrsg.), Führer durch die Ausgrabungen auf dem Magdalensberg 5(Klagenfurt 1999) 122 f. Abb. 36.
[149] Bei P. W. Haider, Zu den "norischen Tauriskern". Eine quellen- und literaturkritische Studie. In: A. Lippert (Hrsg.), Hochalpine Altstraßen im Raum Badgastein-Mallnitz. Böcksteiner Montana 10 (Wien 1993) 270 Abb. 7 ("Kenntnisse in Rom 101 - ca. 70 v. Chr.") findet man die Ambidravoi im Ober- und Unterdrautal, die Ambilikoi im Gailtal, die Ambisontoi im Salzachtal, die Alaunoi/Sevakes (?) im späteren Nordwestnoricum. - Alföldy 1974, 68 lokalisiert die Ambidravi ebenfalls in der Region um Teurnia (zwischen Greifenburg und Villach).
[150] Das Latène-Fundmaterial aus Ptuj wird von der slowenischen Forschung als Evidenz für eine tauriskische Siedlung interpretiert: M. Šašel Kos, The End of the Norican Kingdom and the Formation of the Provinces of Noricum and Pannonia. In: B. Djuri¹/I. Lazar (Hrsg.), Akten des IV. Internationalen Kolloquiums über Probleme des provinzialrömischen Kunstschaffens, Celje 1995. Situla 36 (Ljubljana 1997) 21 ff., 37 mit der älteren Lit.
[151] Glaser 1992, 175: Tinco Redsati f(ilius) / et Banana Venimar(i) / f(ilia) uxor v(i)v(i) f(ecerunt) / Ambidrabo f(ilio) / equiti auxsiliario / a(nnorum) XX h(ic) s(itus) est.
[152] M. Guštin, Les fibules du type d´Alésia et leurs variantes. In: A. Duval (Hrsg.), Les Alpes à l´"ge du Fer. Kongreßber. Yenne-Chambery. Rev. Arch. Narbonnaise Suppl. 22 (Paris 1991) 434. - Demetz 1999, 162 f. - Moret/Rast-Eicher/Taillard (Anm. 147) 13; 17.
[153] M. Hell, Keltisch-römische Hauskeramik aus Salzburg. Arch. Austriaca 34, 1963, 37 f. - F. Moosleitner, Das Saalfeldener Becken in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. In: F. Kowall, 50 Jahre Diabas-Tagbau in Saalfelden 1927-1977. Leobener grüne Hefte 170 (Wien 1977) 27 ff., 44 ff. - Haider (Anm. 149) 25 Anm. 14 mit der älteren Lit. - F. Moosleitner, Die Salzburger Gebirgsgaue in der Latènezeit. In: E. Jerem u.a. (Hrsg.), Die Kelten in den Alpen und an der Donau. Symposium St. Pölten 1992. Archaeolingua 1 (Budapest/Wien 1996) 253. - Als durchaus erwägenswertes, alternatives Siedlungsgebiet der Ambisonten ist das Isonzo-Tal im Gespräch: Šašel Kos (Anm. 150) 23 f. Abb. 1.
[154] H. Dolenz/Ch. Flügel/Ch. Öllerer, Militaria aus einer Fabrica auf dem Magdalensberg (Kärnten). In: Provinzialrömische Forschungen. Festschr. G. Ulbert (Espelkamp 1995) 51 ff. - Dolenz 1998, 112 ff.
[155] Gugl 2000, 139 ff. Abb. 42,8.
[156] Gugl 2000, 143 Abb. 39,6.
[157] J. Horvat, Svinceni iztrelki za praco jugovzhodnoalpskem podrocju. In: Ob 100-letnici muzeja in muzejskega društva. Pokrajinski muzej Ptuj 1893-1993. Ptujski Arh. Zbornik (Ptuj 1993) 331 ff. - J. Horvat, Notranjska na zacetku rimske dobe: Parti pri Stari Sušici, Ambrocevo gradišce in Baba pri Slavini. Arh. Vestnik 46, 1995, 177 ff. Taf. 14,11-22. - D. Bozic, Tre insediamenti minori del gruppo protostorico di Idrija pri Baci dell´Isontino. In: S. Santoro Bianchi (Hrsg.), Studio e conservazione degli insediamenti minori romani in area alpina. Kongreßber. Forgaria del Friuli 1997. Studi e Scavi 8 (Bologna 1999) 73 Abb. 3,11; 4,8-11; 5,5-8.
[158] Alföldy 1974, 65 f.
[159] W. Schlüter (Hrsg.), Kalkriese - Römer im Osnabrücker Land. Archäologische Forschungen zur Varusschlacht. Ausstellungskat. Osnabrück 2(Bramsche 1993). - W. Schlüter u.a., Kalkriese - Ort der Varusschlacht? Römer im Osnabrücker Land. In: J.-S. Kühlborn (Hrsg.), Germaniam pacavi. Germanien habe ich befriedet. Archäologische Stätten augusteischer Okkupation (Münster 1995) 145 ff. - W. Zanier, Eine römische Katapultpfeilspitze der 19. Legion aus Oberammergau - Neues zum Alpenfeldzug des Drusus im Jahre 15 v. Chr. Germania 72, 1994, 587 ff. - W. Zanier, Ein einheimischer Opferplatz mit römischen Waffen der frühesten Okkupation (15-10 v. Chr.) bei Oberammergau. In: W. Groenman-van Waateringe u.a. (Hrsg.), Roman Frontier Studies 1995. Oxbow Monogr. 91 (Oxford 1997) 47 ff.
[160] G. Dobesch, Die Okkupation des Regnum Noricum durch Rom. In: Studie zu den Militärgrenzen Roms III. 13. Internat. Limeskongr. Aalen 1983. Forsch. u. Ber. Vor- u. Frühgesch. Baden-Württemberg 20 (Stuttgart 1986) 308 ff., bes. 313. - Šašel Kos (Anm. 150) 32 f.
[161] Egger (Anm. 108) 208.
[162] Dobesch (Anm. 160) 308 f. - Šašel Kos (Anm. 150) 32.
[163] F. Glaser/S. Schretter, Antikes Wirtschaftsleben auf dem Boden Kärntens. In: Kärntner Landeswirtschaftschronik (Klagenfurt 1992) I/30. Piccottini (Anm. 109)139 ff.
[164] Piccottini (Anm. 109)139 ff.
[165] Zu Gold- und Silbervorkommen in Kärnten mit weiterer Lit. vgl. die Beiträge von W. H. Paar und K.-H. Ludwig in: Grubenhunt & Ofensau (Anm. 109) 51 ff Abb. 1 bzw. 169 ff. sowie ebd. 104 Abb. 3. - Zum Bergbau auf Silber, Kupfer und Blei in Osttirol während des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit vgl. G. Mutschlechner in: Silber, Erz und weißes Gold. Bergbau in Tirol. Ausstellungskat. Schwaz (Schwaz 1990) 264 ff.
[166] H. Graßl, Zur Problematik des Ferrum Noricum. Eine Kritik neuerer Forschung. In: Bericht über den 17. Österr. Historikertag, Eisenstadt 1987. Veröffentl. Verbandes Österr. Geschichtsver. 26, 1989, 54 ff.
[167] G. Piccottini, Gold und Kristall am Magdalensberg. Germania 72, 1994, 467 ff., bes. 471 f.
[168] E. Walde (Hrsg.), Via Claudia. Neue Forschungen (Innsbruck 1998).
[169] G. Winkler, Die römischen Straßen und Meilensteine in Noricum-Österreich. Schr. Limesmus. Aalen 35 (Stuttgart 1985) 46; 68 f. Nr. 4.
[170] R. Fleischer/V. Moucka-Weitzel, Die römische Straßenstation Immurium-Moosham im Salzburger Lungau. Arch. Salzburg 4 (Salzburg 1998) 47 Abb. 5.
[171] Dembski/Lippert (Anm. 21) 38 ff.
[172] Moosleitner (Anm. 22) 25 f.
[173] F. Glaser, Ein Heiligtum des Grannus Apollo in Teurnia. Jahresh. Österr. Arch. Inst. 52, 1977, 121 ff.
[174] Gugl 2000, 149 ff.; 153 ff.
[175] W. Artner, Der Frauenberg bei Leibnitz - ein keltisches Siedlungszentrum in der Mittelsteiermark. In: Die Zeit der Kelten. Schild von Steier Kl. Schr. 18, 1998, 27 ff. - G. Tiefengraber, Ein spätlatènezeitliches Heiligtum am Frauenberg bei Leibnitz? Ebd. 43 ff. - Schachinger (Anm. 130). - W. Artner, Der Frauenberg bei Leibnitz (Stmk.) in der Spätlatènezeit und vorclaudischen Kaiserzeit (Ausgrabungen des Landesmuseums Joanneum 1979-1985). Ungedr. Diss. Wien (Wien 1999) 70 ff. - Für die Siedlungschronologie noch wesentlich sind zwei bronzene Fibeln vom Mittellatèneschema, davon eine der Variante Gemeinlebarn des Typs Mötschwil (LT C2), und ferner eine bronzene Schüsselfibel (LT D1b/LT D2): A. Puhm, Römerzeitliche Fibeln vom Frauenberg bei Leibnitz aus den Grabungen der Jahre 1991-1995. In: G. Erath/M. Lehner/G. Schwarz (Hrsg.), Komos. Festschr. Th. Lorenz (Wien 1997) 222 Nr. 1-2; 230 Nr. 26.
[176] St. Groh, Die Insula XLI von Flavia Solva. Ergebnisse der Grabungen 1959 und 1989 bis 1992. Österr. Arch. Inst. Sonderschr. 28 (Wien 1996) 107; 164 Abb. 72. - In mittel- bis spätaugusteische Zeit datiert auch eine Fibel mit beißendem Tierkopf TKF IIa aus Flavia Solva (Landesmus. Joanneum, Inv.Nr. 19492): Demetz 1999, 147; 267.
[177] Hervorzuheben sind eine eiserne Alesia-Fibel mit eingerolltem Fußfortsatz und zwei bronzene Aucissa-Fibeln: Puhm (Anm. 175) 228 Nr. 19. - Artner 1998 (Anm. 175) 28 Abb. 5.
[178] G. Winkler, Die Reichsbeamten von Noricum und ihr Personal bis zum Ende der römischen Herrschaft. Sitzungsber. Österr. Akad. Wiss. Phil.-Hist. Kl. 261 (Wien 1969) 33 ff. Nr. 1. - E. Weber, Rapporti amministrativi fra Pannonia e Norico. In: G. Hajnóczi (Hrsg.), La Pannonia e l´impero romano. Kongreßber. Rom 1994 (Mailand 1995) 45 Anm. 8.
[179] Glaser 1997, 35 ff. Nr. 12-13.

 

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