4. Das keltische und römische Feldkirchen

 

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4.1. Ausdehnung der Siedlung - Verteilung der Fundstellen

Die bekannten archäologischen Fundstellen in Feldkirchen liegen abseits des mittelalterlichen und neuzeitlichen Stadtkerns (Abb. 2). Sie verteilen sich - sowohl am linken als auch am rechten Tiebelufer - über eine beachtliche Fläche von rund 650 x 700 m. Die archäologische Zone beginnt somit südlich des heutigen Bahnhofs (Fundstellen 4-5) und reicht bis in den Bereich südlich der Stadtpfarrkirche (Fundstelle 17). Die meisten Fundpunkte liegen dabei auf den Niederterrassen der Tiebel, vor Hochwasser geschützt, entlang der 10. Oktoberstraße, die auch die heutige Hauptverkehrsachse und das wirtschaftliche Zentrum in Feldkirchen bildet. Hier konzentrieren sich die Fundpunkte von Nordwesten nach Südosten auf einer Länge von etwa 800 m.

Geomorphologisch wird das Gelände geformt durch den in den Untergrund eingeschnittenen Flußverlauf der Tiebel, die mit ihrem fächerartigen Armen das Siedlungsgebiet von Norden nach Süden durchschneidet. Bis in die 70-er Jahre des vorigen Jahrhunderts hatte es den Anschein, daß sich die antike Siedlung auf die Terrassen am linken Tiebelufer beschränkt, wo auch eine mittellatènezeitliche Nekropole bei Bauarbeiten entdeckt worden war. Vom römischen Feldkirchen waren damals vor allem das Gräberfeld (Fundstelle 3-5), Funde aus einem Iupiter Dolichenus-Heiligtum (Fundstelle 1), aber keine aussagekräftigen Siedlungsbereiche bekannt (Fundstellen 6 und 16).

Wie zufällig dieses Siedlungsbild war, zeigte sich in den folgenden Jahrzehnten, als westlich der Tiebel entlang der 10. Oktoberstraße zahlreiche Bauvorhaben realisiert wurden. Mit den neu hinzugekommenen Fundstellen 7-15 scheint nun das Zentrum der römischen Siedlung am linken Tiebelufer zu liegen. Die römischen Fundstellen brechen aber offensichtlich auf der Höhe des Schillerplatzes, also noch vor der Einmündung der Kirchgasse in die 10. Oktoberstraße ab. Nicht mehr zum engeren Siedlungsbereich zu rechnen ist Fundstelle 17, wo ein severischer Denar gefunden wurde.

Abbildung 2
Archäologische Fundstellen in Feldkirchen.

 
Als Grundlage für einen archäologischen Kataster erschien es sinnvoll, zunächst sämtliche latènezeitlichen und römischen Funde aus Feldkirchen zu kartieren, wobei mehrere benachbarte Parzellen oftmals unter einer Nummer zusammengefaßt wurden. In Form eines Fundstellenverzeichnisses werden die wichtigsten Daten zu den Fundstellen zusammengefaßt (Parzellenangaben bzw. Hinweise zur Lokalisierung, Befunde, Funde, Literaturhinweise, Bemerkungen, Aufbewahrungsort der Funde und der Dokumentation, sofern vorhanden) [6]. Die digitalen Daten zu den Fundbereichen sollen der Stadtgemeinde Feldkirchen für ihr kommunale Geographisches Informationssystem zur Verfügung gestellt werden, um bei zukünftigen Bauvorhaben auch im Hinblick auf die Belange der Denkmalpflege aktuelle Entscheidungsgrundlagen bei der Hand zu haben.  
 
4.2. Fundstellenverzeichnis


Fundstelle 1

Parz. 184, 191/1, 194/4, 199/1, 352/2.
Befund: latènezeitliche Gräber, die im Herbst 1938 beim Bau einer Umfahrungsstraße zutage kamen.
Funde: mittellatènezeitliche und römische Keramik, Eisenfunde, römische Weiheinschrift und Torso einer Iupiter Dolichenus-Statue.
Literatur:
H. Dolenz, Archäologischer Fundbericht 1938. Carinthia I 129, 1939, 208 ff. - Dolenz 1941, 145 ff. - Ders., Die Verehrung des Iupiter Dolichenus in Kärnten. Carinthia I 144, 1954, 148 ff. - Müller-Karpe 1951, 636 f. Abb. 7.
Bemerkungen: H. Dolenz erwähnte "Reste eines zerstörten Hochofens, dessen zeitliche Bestimmung mir nicht mehr möglich war, da seine Abtragung bereits vor meiner Verständigung erfolgte. Es dürfte aber eine mittelalterliche oder neuzeitliche Anlage gewesen sein." Im Umfeld des Ofens beobachtete er noch "Eisenschlacken in größerer Menge".
Aufbewahrungsort der Funde: es ließen sich nur mehr das zusammengefaltete LT-Schwert und Reste der Scheide im Mus. Villach identifizieren. - Römische Marmorfunde im LMfK.
Dokumentation: LMfK.

Fundstelle 2
Im Jahre 1956 beim Ausbau der Bundesstraße Feldkirchen-St. Veit/Glan, im Umfeld der Grabungen von 1938. - Im Jahre 1958 "anschließend an das keltische Gräberfeld bei Abtragung der Tiebelterrasse" (genaue Lokalisierung unklar).
Befund: latènezeitliche Gräber, darüber Reste römischer Mauern (1956) bzw. römischer Brunnenschacht (1958).
Funde: latènezeitliche und römische Keramik, Bronze- und Eisenfunde; profilierte römische Architekturfragmente, darunter auch eine "große Fundamentplatte aus Marmor".
Literatur: H. Dolenz, Keltische und römische Funde in Feldkirchen. PAR 7, 1957, 34. - Ders., Ein Brunnen in Feldkirchen. PAR 9, 1959, 2. - Ders., FÖ 7, 1956-1960 (1971) 76.
Bemerkungen: H. Dolenz beobachtete "bis 15-20 cm starke einplanierte Schichten einer sehr erzhältigen Eisenschlacke, welche auf Grund der in dieser gefundenen Keramikreste - Relief-Sigillata und gewöhnliche Gebrauchskeramik - eindeutig als römerzeitlich, etwa 2. Jh. n. Chr., datiert werden kann."
Aufbewahrungsort der Funde: LMfK (römische Funde nicht auffindbar).
Dokumentation: LMfK.

Fundstelle 3
Bahnhofsgelände (genaue Lokalisierung unklar), beim Bahnbau 1867/1868.
Befund: römische Grabbauten.
Funde: römische Grabinschriften, Münzen, Keramik und Metallkleinfunde.
Literatur: Jabornegg-Altenfels 1870, 161 f. Nr. 404-408. - FMRÖ 1/2 (1) Nr. 1-2.
Bemerkungen: nach einer Notiz im LMfK wurden zusammen mit dem Grabstein CIL III 4990 (vgl. Kap. 4.4.2.6 Nr. 3) noch ein Kapitell einer korinthischen Säule, Fragmente einer weiteren kleinen Säule, drei Bronzemünzen, eine Fibel und eine Lampe gefunden. Abgesehen von der Fibel (Taf. 8,1), der Lampe (Taf. 10,26) und zwei Asses (vgl. Kap. 4.4.2.4 Nr. 3; 5) sind die anderen Funde nicht mehr auffindbar. Offensichtlich handelte es sich bei den Architekturteilen um Reste eines römischen Grabbaus.
Aufbewahrungsort der Funde: LMfK.
Dokumentation: -

Fundstelle 4
Parz. 422/4, Baggerarbeiten 1960.
Befund: -
Funde: römische Grabinschrift.
Literatur: H. Dolenz, Eine Grabinschrift aus Feldkirchen in Kärnten. PAR 10, 1960, 25. - Ders., FÖ 7, 1956-1960 (1971) 93.
Bemerkungen: eine römische Grabanlage konnte nicht beobachtet werden.
Aufbewahrungsort der Funde:Amthofmuseum Feldkirchen.
Dokumentation: -

Fundstelle 5
Parz. 428/8, Erdaushubarbeiten im Mai 1976.
Befund: -
Funde: römische Grabinschrift.
Literatur: G. Piccottini, Zwei neue römische Grabinschriften und ein Relief aus Kärnten. PAR 27, 1977, 6. - Ders., Archäologische Mitteilungen aus Kärnten III. Carinthia I 168, 1978, 28 ff. Abb. 26-27.
Bemerkungen: eine römische Grabanlage konnte nicht beobachtet werden.
Aufbewahrungsort der Funde: LMfK.
Dokumentation: LMfK.

Fundstelle 6
"neben dem Bahnhof, bei zerstörter Kirche"
Befund: -
Funde: römische Keramik und Mörser aus Stein.
Literatur: -
Bemerkungen: Oberflächenfunde, die offenbar beim Abbruch der Heilig-Geist-Kirche neben dem ehem. Bürgerspital zutage traten.
Aufbewahrungsort der Funde: LMfK.
Dokumentation: -

Fundstelle 7
Parz. 86/7, aus der Baugrube für das Schuhhaus Wadl, August 1979.
Befund: römische Mauern.
Funde: römische Keramik (darunter Terra Sigillata).
Literatur: F. Glaser, Römische Baureste in Feldkirchen. Carinthia I 169, 1979, 26 ff.
Bemerkungen: -
Aufbewahrungsort der Funde: Amthofmuseum Feldkirchen.
Dokumentation: LMfK.

Fundstelle 8
10. Oktoberstraße, Höhe Bank für Kärnten (11.05.1993).
Befund: -
Funde: römische Keramik.
Literatur: -
Bemerkungen: -
Aufbewahrungsort der Funde: Amthofmuseum Feldkirchen.
Dokumentation: -

Fundstelle 9
10. Oktoberstraße, Einfahrt Eisenhandlung Klaus, im Bereich der Parz. 87/3, 87/7.
Befund: -
Funde: römische Keramik.
Literatur: -
Bemerkungen: hier sollen aufgrund der groben Magerung und von Wellenbandverzierung als spätantik klassifizierte Scherben aufgetreten sein.
Aufbewahrungsort der Funde: LMfK.
Dokumentation: -

Fundstelle 10
Parz. 86/1 (ehem. Hafnerei Buxbaum).
Befund: -
Funde: römische Münzen?
Literatur: F. Glaser, Römische Baureste in Feldkirchen. Carinthia I 169, 1979, 26.
Bemerkungen: beim Hausbau sollen laut F. Glaser ca. sieben römische Silbermünzen gefunden worden sein.
Aufbewahrungsort der Funde: unbekannt.
Dokumentation: -

Fundstelle 11
Parz. 86/3 (Gartenbau Wedenig).
Befund: römische (?) Mauern.
Funde: -
Literatur: F. Glaser, Römische Baureste in Feldkirchen. Carinthia I 169, 1979, 26.
Bemerkungen: beim Hausbau sollen römische (?) Mauern zu beobachten gewesen sein.
Aufbewahrungsort der Funde: -
Dokumentation: -

Fundstelle 12
Parz. 70 oder .57 (Thun-Passage).
Befund: -
Funde: Marmorsäule mit der Inschrift PHOEBIANI.
Literatur: vgl. Kap. 4.4.2.6 Nr. 15.
Bemerkungen: aus der Baugrube für die Thun-Passage.
Aufbewahrungsort der Funde: Amthofmuseum Feldkirchen.
Dokumentation: -

Fundstelle 13
Parz. 82/2, 83/3, teils 338/2 (beim Tiebelzentrum sowie angrenzende Bereiche der 10. Oktoberstraße und der Oberen Tiebelgasse, ab 1985).
Befund: römische Mauern, "zahlreiche sehr große Schachtöfen", mächtige Eisenschlacken- und Holzkohleschichten.
Funde: römische Ziegel, Keramik.
Literatur: H. Huber, Feldkirchen - ein Zentrum antiker Eisenverhüttungsindustrie. Kulturspiegel 1992/1, 5 ff.
Bemerkungen: unter den römischen Ziegeln ließen sich Boden-, Wandheizungs- und Dachziegel unterscheiden.
Aufbewahrungsort der Funde: LMfK. - Privatbesitz.
Dokumentation: LMfK.

Fundstelle 14
Parz. 83/1, 83/5 (Duschlbaur, 1993)
Befund: Holzkohle- und Schlackenschichten mit Bruchstücken von Ofenmänteln.
Funde: römische Keramik und Glas.
Literatur: S. Schretter, Ein frührömischer Fundkomplex aus Feldkirchen. Carinthia I 186, 1996, 193 ff.
Bemerkungen: -
Aufbewahrungsort der Funde: Amthofmuseum Feldkirchen. - LMfK.
Dokumentation: LMfK.

Fundstelle 15
Parz. .55/1, .55/2, .119/2 (Areal Raunikar-Reßmann, 2000).
Befund: römisches Gebäude mit Fußbodenheizung, römische Mauern, Eisenschlackenschichten mit Bruchstücken von Ofenmänteln.
Funde: römische Ziegeln, Keramik, Glas, Kleinfunde, Münzen.
Literatur: -
Bemerkungen: -
Aufbewahrungsort der Funde: LMfK.
Dokumentation: LMfK.

Fundstelle 16
Parz. 190/4, 190/5 (Areal Nusser-Meinl, 1995), 190/3, 190/10, 106/1.
Befund: -
Funde: römische Keramik (darunter Terra Sigillata).
Literatur: H. Dolenz, Die Verehrung des Iupiter Dolichenus in Kärnten. Carinthia I 144, 1954, 150.
Bemerkungen: die Funde von 1995 wurden teilweise erst auf der Aushubdeponie aufgelesen. - Auf den Parz. 106/1, 190/3 und 190/10 wurden bereits 1938 römische Keramikfragmente, darunter auch Terra-Sigillata-Bruchstücke, und ein Handmühlstein gefunden, die jedoch nicht mehr auffindbar sind.
Aufbewahrungsort der Funde: Amthofmuseum Feldkirchen. - LMfK. - Privatbesitz.
Dokumentation: -

Fundstelle 17
Parz. 6/1 ("Feuerwiese")
Befund: -
Funde: römische Münze (vgl. Kap. 4.4.2.4 Nr. 9).
Literatur: -
Bemerkungen: -
Aufbewahrungsort der Funde: Amthofmuseum Feldkirchen.
Dokumentation: -

Fundstelle 18
Parz. 192/5, beim Hausbau 1943 gefunden.
Befund: -
Funde: römische Kapselgewichte.
Literatur: F. Glaser, Fast ein Unikat: Römische Kapselgewichte aus Feldkirchen. Rudolfinum 1999 (2000) 58 ff.
Bemerkungen: -
Aufbewahrungsort der Funde: LMfK.
Dokumentation: LMfK.

 


[6] Der Aufbau des Fundstellenverzeichnisses orientiert sich an: G. Matter, Der römische Vicus von Kempraten. Jahrb. SGUF 82, 1999, 194 ff.

 

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