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Als
im Zuge von Bauarbeiten auf den Parz. .55/2, .55/3, .119/2 und .119/6
(KG Feldkirchen) entlang der 10. Oktoberstraße, einer archäologisch brisanten
Zone in Feldkirchen, im Aushubmaterial antike Funde und reichlich Schlacken
zum Vorschein kamen, wurden Herr M. Fuchs (Bundesdenkmalamt) und Herr
F. Glaser (Landesmuseum für Kärnten) verständigt (Abb. 3). Die einige
Jahre zuvor aufgelassene Spirituosenfabrik Raunikar und die ehemalige
Reßmann-Mühle waren zum Abbruch freigegeben worden. F. Glaser besichtigte
am 26. Mai die Baugrube und stellte fest, daß man die genannten Gebäude
bereits abgetragen hatte und daß das Gelände für die weiteren Bauvorhaben
schon eingeebnet, teilweise sogar etwas abgetieft worden war. Am Nord-
und Südrand des für die Bebauung vorgesehenen Areals konnte er offenbar
Kulturschichten in Form von schwarzbrauner Erde, die auch bei benachbarten
archäologischen Fundstellen immer wieder aufgetreten war, beobachten.
Über das gesamte Gelände verstreut fanden sich Eisenschlacken und römische
sowie nachantike Keramikfunde. Aufgrund des einplanierten Bauschutts war
es jedoch unmöglich abzuschätzen, in welcher Form und in welchem Ausmaß
noch römische Baureste zu erwarten wären.
Daraufhin
kontaktierte F. Glaser die "Archäologieland Kärnten GmbH" und bat um Unterstützung
für eine kurzfristig anberaumte Notgrabung, um zumindest diese vielversprechenden
Fundbereiche vor der endgültigen Zerstörung zu untersuchen. Die "Archäologieland
Kärnten GmbH" erklärte sich einverstanden, von den im Amphitheater in
Virunum bereits angelaufenen Ausgrabungen kostenneutral Arbeitskräfte,
Ausrüstung und Transportmittel bereitzustellen. Dies war allerdings organisatorisch
und finanziell nur für einen beschränkten Zeitraum möglich, weil in Virunum
die Ausgrabungen erst in einem weniger arbeitsintensiven Anfangsstadium
steckten. Mit einem Team, das neben dem Verf. noch Herrn A. Galik und
drei Arbeitskräfte, die alle aus Virunum abgezogen wurden, umfaßte, wurde
im Zeitraum vom 29. Mai bis 5. Juni eine fünftägige Notgrabung durchgeführt.
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Ein
Niveauausgleich erfolgte durch graubraunen sandigen Lehm (Schicht 13),
wobei unklar bleibt, ob dieses Stratum intentionell angeschüttet wurde
oder sich im Laufe der Zeit aufgrund von beständiger Materialablagerung
ansammelte. Bei der darüber lagernden, teils sehr homogenen, schwarzbraunen
lehmigen Erde, die stellenweise mit Holzkohle, etwas Ziegelsplitt und
einigen Linsen von verbranntem Lehm und Mörtel durchsetzt war (Schichten
6-6a) handelt es sich ohne Zweifel um eine Kulturschicht. Ihre Entstehungszeit
muß offen bleiben.
Im
Gegensatz zu den jüngsten nivellierenden Anschüttungen (Schicht 4 und
wohl auch Schichten 7, 13-14) fielen die älteren Straten der allgemeinen
Geländeneigung entsprechend deutlicher von West nach Ost ab (vor allem
Schichten 8-9 und 15). Dies betraf besonders eine hellbraune Lehmschicht
(Schicht 9 und 15), die an der Oberfläche eine bis zu 3 cm dicke Brandschicht
aufwies. Dabei könnte es sich durchaus um ein Außenniveau gehandelt haben.
Diese Interpretation ist auch für die darunterliegende Lehmschicht 15a
in Betracht zu ziehen. Die zuunterst angeschnittene Schicht 11, deren
Unterkante nicht erreicht wurde, bestand aus graubraunem, etwas sandigem
Lehm mit reichlich Steinen und Mörtelgrieß sowie etwas Ziegelsplitt: eventuell
umgelagerte Überreste eines Gebäudes. Sie enthielt darüber hinaus eine
geringe Anzahl an Eisenschlacken, einige Tierknochen und Wandscherben
von römischen Amphoren.
4.3.2.2.
Areal II (Südostschnitt)
Hier
mußte wie im Südschnitt zuerst der gegen die Grundstücksgrenze anplanierte
Bauschutt händisch beiseite geschafft werden. Darunter kamen sehr bald
mehrere alternierende Schichtpakete von braunem sandigem Lehm bis graubraunem,
schottrigem Lehm zutage, die von 542,01 m ü. NN bis auf eine Tiefe von
541,34 m ü. NN abgetragen wurden. Offensichtlich handelte es sich bei
diesen sterilen Straten um den "gewachsenen Boden", der nach Osten zum
Tiebelbett hin deutlich absank. Nachdem sich in diesem Areal abzeichnete,
daß keine Baustrukturen abzusehen sind, wurden die Grabungen in diesem
Bereich eingestellt.
4.3.2.3.
Areal III (Nordostschnitt)
Im
Nordosten des für die Bebauung vorgesehenen Bereichs konnte eine Fläche
von 3,0 x 3,50 m südlich der Mauer M7, die noch zur ehemaligen Reßmann-Mühle
gehörte, untersucht werden. Nach dem Abtragen von modernem Bauschutt und
lockerer schwarzer Erde, die wenige Fragmente neuzeitlicher Keramik enthielten,
stießen wir auf mehrere Mauerzüge.
Die einen rechten Winkel bildenden Mauern M4 und M5 waren noch ein bis
vier Steinscharen hoch erhalten. Die aus Roll- und Schieferbruchsteinen
gebauten Trockenmauern mit Lehmbindung wird man zwar als gleichzeitig
einstufen können. Ein plausibler Datierungsansatz ergab sich jedoch nicht.
M4 und die dieselbe Flucht aufnehmende Mauer M3 saßen auf einer kompakten,
schwarzen Erd- und Schlackenschicht, die sich südlich der beiden Mauern
fortsetzte, jedoch kein datierendes Fundmaterial enthielt. Die Mächtigkeit
dieser Schicht konnte hier nicht geklärt werden.
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Die
noch erhalten gebliebenen zwei bis drei Steinscharen von Mauer M3 (Breite:
rund 0,70 m) waren mit einem gelblichen Kalkmörtel gebunden, der eine
vergleichbare Konsistenz aufwies wie das Bindemittel der römischen Südmauer
M2 im Nordschnitt (vgl. unten). Nördlich von M3 fand sich in dieser asche-
und schlackenhaltigen Schicht eine römische Münze (As der Lucilla/Crispina?
- vgl. Kap. 4.4.2.4 Nr. 8) unter der Fundament-Unterkante, die zumindest
einen Terminus post quem für die Entstehung von M3 abgibt. Obwohl kein
weiteres stratifiziertes, aussagekräftiges Fundmaterial geborgen werden
konnte, möchte man Mauer M3 am ehesten in die römische Kaiserzeit datieren.
Nicht
näher interpretiert werden kann Steinlage M6, eine Anhäufung von mehreren,
teilweise rot verbrannten Schieferbruchsteinen ohne Mörtelbindung, die
in Südwest-Nordost-Richtung, teils schräg gestellt, geschichtet waren
und in das Nordprofil hineinzogen (erhaltene Höhe: 541,93 m ü. NN). Auf
diesen Befund nahm sowohl westlich als auch östlich von M6 ein fettes,
hellbraunes Lehmniveau (541,72 m ü. NN) Bezug, das an der Oberfläche manchmal
verziegelt oder mit Asche bedeckt war. Darüber lagerte die bereits genannte
schwarze Erde mit Asche und Schlacken.
4.3.2.4.
Areal IV (Nordschnitt)
Im
Norden der Parzelle mußte ebenfalls zuerst eine große Menge an modernem
Bauschutt beiseite geschafft werden, der aber bereits ein Tubulusfragment
und eine Wandscherbe einer Amphore enthielt. Beim weiteren Abtiefen kam
dann bald auf einer ergrabenen Fläche von knapp 7 x 5 m der Südteil eines
hypokaustierten Gebäudes zum Vorschein. Erhalten waren noch die Fundamentreste
der Ostmauer M1 und von einem Großteil der Südmauer M2 sowie zwei Reihen
à fünf Hypokaustpfeiler P1-P10, während im Bereich der Westmauer nur mehr
der Fundamentgraben einer bereits abgerissenen Innenmauer des Raunikar-Gebäudes
zu beobachten war, den man im Zuge der laufenden Bauarbeiten vor allem
mit modernem Bauschutt zuplaniert hatte. Auch ein Teil des südlich angebauten
Präfurniums war diesen Baumaßnahmen schon zum Opfer gefallen.
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Die
Untersuchungen des Präfurniums und der Südmauer M2 ergaben, daß das Gebäude
zumindest als zweiphasig anzusehen ist. Dem ältesten Bauzustand sind die
0,80-1,0 m breite Ostmauer M1 und eine ältere Südmauer zuzuordnen, wobei
von letzterer nur Ausschnitte im Bereich des später eingebauten Schürkanals
freigelegt werden konnten (Abb. 6-7). Es handelte sich um regelmäßig gesetzte
Zweischalenmauern aus mit Kalkmörtel gebundenen Roll- und Schieferbruchsteinen.
Bei einem 40 cm breiten Schnitt gegen die Außenflucht von M2, der erst
nach dem Einsatz eines Baggers gegen Ende der Notgrabung ermöglicht wurde,
konnte die Fundamentunterkante bei 541,82 m ü. NN erreicht werden.
Die
Südmauer wurde in der Folge bis in die Fundamente abgetragen und durch
die breitere Mauer M2 überbaut, von der sich nur noch eine Steinschar
erhalten hatte. Die neu aufgezogene Mauer M2 bestand aus anderem Steinmaterial
(größere Rollsteine), war unregelmäßiger gesetzt und besaß zudem mit einer
Fundamentstärke von 0,95-1,10 m eine deutlich größere Mauerbreite, so
daß sie über die ältere Südmauer hinauskragte. Wohl gleichzeitig war außerhalb
des Gebäudes schottriges Material angeschüttet worden, auf dem die vorkragenden
Partien der neuen Südmauer auflagen. Die neue Südmauer M2 setzte in Fuge
an M1 an.
Anlaß
des Umbaus dürfte die Ausstattung des Raumes mit einer Hypokaustheizung
gewesen sein, wobei das Präfurnium mit dem Schürkanal in die Südmauer
M2 integriert wurde (Abb. 8). Um den Schürkanal einzuziehen, wurde die
ältere Südmauer bis auf ein Niveau von 542,33 m ü. NN einfach durchbrochen.
Die rot angeglühten Wangen des Schürkanals waren im Bereich dieses Durchbruchs
folglich nicht geradlinig abgemauert, ganz im Gegensatz zur jüngeren Überbauung
M2, die ebenfalls stellenweise Brandspuren aufwies und mit einem Mauerhaupt
abschloß.
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Südlich
von M2 ließ sich ein Mörtelniveau mit Verputzresten und Steinen nachweisen
(542,23 m ü. NN). Es dürfte sich um den Abbruchschutt der älteren Südmauer
handeln, denn die westliche der beiden Präfurniumsmauern war auf dieses
Stratum gebaut. Die 0,50-0,70 m breiten Präfurniumsmauern waren mit Lehm
gebunden und begrenzten ursprünglich die Bedienungsgrube der Heizanlage,
deren Südende sich aufgrund einer modernen Störung nicht mehr ermitteln
ließ.
Wegen der vorangegangen unkontrollierten Bauarbeiten waren die Chancen
gering, im unmittelbaren Anschluß an das hypokaustierte Gebäude ein zugehöriges
Außenniveau zu finden. Nur in der Nordwestecke des Nordschnitts erhielt
sich noch auf einer Fläche von rund 0,50 x 0,60 m ein hellbraunes verbranntes
Lehmniveau, das dementsprechend interpretiert werden könnte.
Im
Inneren des Raums waren noch zehn Hypokaustpfeiler vorhanden, die bis
zu einer Höhe von 0,54 m über dem Niveau des gemörtelten Unterbodens (542,43
m ü. NN) aufrecht standen. Die unterschiedlich großen, in der Grundfläche
bis zu 40 x 40 cm messenden Pfeiler P1-P10 bestanden aus Schieferbruchsteinen
mit Kalkmörtelbindung. Im Präfurnium sowie im Schürkanal fanden sich noch
Reste von mindestens einem Benutzungshorizont, von dem aus die Anlage
beheizt wurde: ein fetter hellbrauner Lehm (542,60 m ü. NN), der an der
Oberfläche zumeist verziegelt war und Aschenflecke aufwies. Der Lehm,
der die abgebrochene ältere Südmauer überlagerte, setzte sich im Hypokaustum
zwischen den Pfeilern P3-P8-P9 fort. Beim Abtragen des Lehms im Rauminneren
stellte es sich heraus, daß mehrere Bänder von braunem, teilweise verziegeltem
Lehm, Asche und brauner Erde aufgebracht worden waren. Dies war deswegen
geschehen, weil zwischen den Hypokaustpfeilern P3-P4-P8-P9 der Unterboden
herausgebrochen worden war, so daß man die Rollierung zu sehen bekam,
deren Unterkante bei 542,08 m ü. NN lag. Diese mehrmaligen Ausbesserungsarbeiten
gehen möglicherweise auf Verschleißerscheinungen in diesem Bereich der
Fußbodenheizung zurück, da hier die mit Abstand größte Hitze herrschte.
Bei der Ausgrabung wurde davon Abstand genommen, den Unterboden abzutragen,
weil bis zum Ende der Untersuchungen noch nicht feststand, ob bzw. in
welchem Ausmaß der Befund konserviert wird.
Im
Inneren des hypokaustierten Raums konnten zwei Verfüllschichten unterschieden
werden, die bereits mit der Aufgabe und dem Verfall des Bauwerks zusammenhängen.
Unmittelbar auf dem Unterboden lag eine durchschnittlich 15-20 cm mächtige,
schwarze, holzkohlehaltige Erde, die zahlreiche Tierreste, einige Glasgefäß-
und Keramikfragmente, mehrere Beinnadeln sowie etwas Schlacke enthielt
(Fbl.Nr. FE00/12 + FE00/16). Die obere Verfüllschicht, die bis zur erhaltenen
Höhe der Hypokaustpfeiler reichte, bestand aus schwarzbrauner Erde mit
reichlich Mörtelgrieß, vereinzelten Tubulifragmenten und Schieferplattenbruchstücken
(Fbl.Nr. FE00/15).
Die Schieferplatten, von denen mehrere Fragmente noch in Versturzlage
angetroffen wurden, waren sicherlich einst Teile der Suspensur. Im Hinblick
auf die Höhe des ursprünglichen Fußbodens sowie der einstigen Innenausstattung
ließen sich keine sicheren Hinweise ausmachen. Nur ein kleines rotes Wandmalereibruchstück
kam in der Verfüllung des Hypokaustum zum Vorschein. An Ziegeln fanden
sich zwar reichlich Tubuli, jedoch keine Imbrices und bloß zwei Tegulae.
Trotzdem ist es vorstellbar, daß das Gebäude mit Dachziegeln gedeckt war,
die man eventuell nach dem Auflassen des Baus an anderer Stelle wiederverwendete.
Unsicher bleibt auch, ob der Hypokaustraum mit Glasfenstern versehen war,
denn es kam nur eine bescheidene Menge an Fensterglas zutage (Taf. 9,24).
Nach
dem Ende der eigentlichen Grabung stand am 14. Juni kurzfristig ein Bagger
zur Verfügung, mit dessen Hilfe die Grabungsfläche geringfügig nach Süden
erweitert und abgetieft wurde. Überraschenderweise zeigte sich, daß offenbar
das gesamte Gebäude auf eine mächtige Schlackenschicht aufgesetzt worden
war, deren Unterkante jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht ergraben werden
konnte. Aus der damals bis zu einer Tiefe von etwa 30-50 cm freigelegten
schwarzbraunen, schlackenhaltigen Schicht konnten zahlreiche Proben eingesammelt
werden.
In
der Folge nahm der Verf. mit Herrn G. Sperl (Montanuniversität Leoben)
Kontakt auf, um gemeinsam mit ihm am 5. August einen Lokalaugenschein
durchzuführen. Dabei wurden weitere Schlackenproben entnommen. Mit dem
Fortschreiten der Bauarbeiten wurde das Gelände auch im Nordteil der Parzelle
weiter abgetragen und das römische Gebäude weitgehend entfernt. Erhalten
blieben nur die nördliche Hypokaustpfeilerreihe und der im Profil steckende
Ansatz der Ostmauer. Die weitere, unkontrolliert durchgeführte Materialentnahme
hatte wenigstens eine positive Begleiterscheinung. Es entstand dadurch
ein West-Ost-Schnitt durch das Gelände einschließlich des hypokaustierten
Raums, den der Verf. am 15. August fotografisch dokumentieren konnte (Abb.
9).
Die
Aushubarbeiten waren bis auf eine Tiefe von 541,27 m ü. NN fortgeschritten
und erlaubten somit einen umfassenderen Überblick über die stratigraphische
Situation im Bereich des ehemaligen Nordschnitts. Im Profil waren jetzt
auch noch die letzten Fundamentreste der römischen Westmauer zu sehen,
die von einer ehemaligen Nord-Süd-Mauer des Raunikar-Gebäudes überbaut
worden war. Westlich des Schürkanals befanden sich also nur mehr zwei
Hypokaustpfeiler pro Reihe, so daß sich eine Raumbreite von 3,90 m rekonstruieren
läßt.
Besonders aufschlußreich war der Schichtverlauf westlich des römischen
Gebäudes (Abb. 9). Der anstehende Boden, ein kompakter hellgraubrauner
Lehm, wies in diesem kurzem Abschnitt ein West-Ost-Gefälle von rund 0,57
m auf (von 542,34 m bis 541,77 m ü. NN). Darauf lagerte in einer Stärke
bis zu 0,60 m recht homogener Schotter, der ebenfalls nach Osten hin abgeböscht
war und im Bereich der römischen Westmauer ausdünnte. Diese Situation
erinnerte an die geologischen Verhältnisse im Südostschnitt, wo auch mehrere
sterile Lehm-Schotter-Schichten nach Osten hin Richtung Tiebelfluß abfielen.
Im Gegensatz aber zum Südostschnitt war am Nordrand des Raunikar-Areals
die Senke mit Schlacken aufgefüllt worden. Dabei wurde ein Niveauunterschied
von etwa 1,25 m ausgeglichen: von 541,77 m ü. NN im Bereich unter der
römischen Westmauer bis ca. auf eine Höhe von 543,02 m ü. NN drei Meter
westlich davon. Dieses Niveau korrespondierte mit dem bei der Grabung
nordwestlich des Hypokaustraums festgestellten zugehörigem Außenniveau
(542,98 m ü. NN). In diese aufgeschüttete Schlackenhalde war das römische
Gebäude hineingesetzt worden.
4.3.2.5.
Zusammenfassende Auswertung
Bei
den zwischen 29. Mai und 5. Juni durchgeführten Notgrabungen auf dem Raunikar-Reßmann-Areal
konnten erstmals in Feldkirchen zusammenhängende römische Baubefunde untersucht
werden. Am Nordrand der Parz. .55/2 traten die Reste eines römischen Gebäudes
mit Fußbodenheizung zutage (Abb. 6-7), von dem noch die Ost-, Süd- und
Westmauer sowie im Inneren des 3,90 m breiten Raumes zwei Reihen zu je
fünf Hypokaustpfeiler und ein südlich angebautes Präfurnium erhalten waren.
Das römische Gebäude, das ursprünglich - soweit ergraben - keine Fußbodenheizung
besessen hatte, sondern erst in einer späteren Bauperiode mit einem Hypokaustum
ausgestattet worden war, setzte sich nach Norden, unter die heutige 10.
Oktoberstraße hinein laufend, fort.
Das
Gebäude dürfte noch im 1. Jahrhundert n. Chr. errichtet worden sein, eine
genauere Datierung der Entstehungszeit verbietet sich jedoch, da die Fundamente
in eine mächtige Eisenschlackenschicht eingetieft worden waren, die abgesehen
von wenigen Fragmenten römischer Gebrauchskeramik keine näheren chronologischen
Anhaltspunkte bot. Stehen für die Erbauungszeit des römischen Gebäudes
somit keine stratifizierten Fundensembles zur Verfügung, so datieren die
ältesten Funde aus dem Raunikar-Areal (italische Terra Sigillata im Service
II) bereits in die mittel- bis spätaugusteische Epoche, also in einen
Zeitraum knapp nach der römischen Okkupation 15 v. Chr. Das Auflassen
des römischen Gebäudes kann über die Funde aus den Verfüllschichten des
Hypokaustraumes etwa in das fortgeschrittene 3./frühere 4. Jh. n. Chr.
gesetzt werden. Allerdings sind in diesen Straten ebenfalls nur wenige
feinchronologisch relevante Fundobjekte vertreten.
Der Grundriß und die Innenausstattung des Bauwerks sind leider nicht signifikant
genug, um die genauere Funktion des Gebäudes zu präzisieren. Diesbezüglich
wäre es auch hilfreich, mehr über das unmittelbare archäologische Umfeld
Bescheid zu wissen (Abb. 3) - ein Wunsch, der dazu Anlaß geben sollte,
bei zukünftigen Bauvorhaben auch auf den ersten Blick "unwichtig" erscheinende
archäologische Relikte wenn nicht zu erhalten, so doch bestmöglich zu
dokumentieren.
Die
Grabungen im Raunikar-Reßmann-Areal zeigten ferner, daß das römische Gebäude
erst errichtet worden war, nachdem man eine große Menge an Eisenschlacken
anplaniert hatte. Das Gelände fiel nämlich nach Osten zur Tiebel hin steiler
ab und wurde offenbar schon vor der römischen Bebauung zur Entsorgung
von bei der Eisenherstellung anfallenden Produktionsabfällen genutzt.
Es war dies nicht das erste Mal, daß bei Grabungen in Feldkirchen antike
"Schlackenschichten" ans Tageslicht kamen. Die archäologischen Ergebnisse
der Raunikar-Grabungen in Verbindung mit den im Anschluß daran erfolgten
metallurgischen Untersuchungen ließen es notwendig erscheinen, sämtliche
Beobachtungen von Eisenproduktions- und Eisenverarbeitungsrückständen
in Feldkirchen zusammenzufassen und in einen entsprechenden archäologischen
und epigraphischen Kontext zu stellen (vgl. Kap. 5.2).
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