Oranger Himmel-Weißes Land, 1997/98
Öl auf Leinwand
210 x 210 cm

Die jüngsten Bildwelten von Gunter Damisch sind Ergebnisse eines Prozesses, der geprägt ist von Reduktion und Konzentration auf ein klares Vokabular, von einfach kodierten Zeichen und dominanten Farbakkorden. In diesem Stadium von Formverknappung bei gleichzeitiger Farbintensivierung erreichen seine Bilder einen neuen, objekthaften Charakter.
Gunter Damisch begann seine Beschäftigung mit Malerei als Schüler von Max Melcher und Arnulf Rainer an der Akademie der bildenden Künste. Neben Hubert Schmalix, Siegfried Anzinger, Josef Kern und Alois Mosbacher, die bereits Mitte der 1970er Jahre als Kerngruppe einer neuen Künstlergeneration in Österreich auftraten, zählt der 1958 geborene Gunter Damisch heute zu den bedeutendsten Vertretern der sogenannten Neuen Malerei, Es entstand eine expressive, auf den Möglichkeiten der Farbe begründete Malerei im Dialog mit der Kunstgeschichte, die das Weitertreiben von in der Vergangenheit nicht zu Ende gebrachter Ansätze im Visier hatte. Damisch, dessen theoretischer Hintergrund fest in der Kunst des 20. Jahrhunderts verankert liegt, hat dabei die Möglichkeiten der Farbe am konsequentesten reflektiert. In ihrer Farbvitalität und Intensität erinnert seine Malerei an die leuchtenden Arbeiten des Belgiers James Ensor und des Abstrakten Expressionisten Hans Hofmann.
Gunter Damischs Malerei scheint sich durch Verschränken vibrierender und flimmernder Farbintervalle wie pulsierender Oberflächen aufzubauen. Gesetzen der Musik gleich, taucht der von ihm angestrebte Gesamtklang der Bilder erst aus dem Zusammenspiel von Farbflächen auf, wo sich das Eigenlicht einzelner Farbtöne durch jedes andere Aufblitzen intensiviert. Durch eine solche Verflechtung kann eine lediglich an die Möglichkeiten der Farbe gebundene Lichteinheit erzeugt werden, an der sich Vorstellungsmuster von Verweisen der Bildelemente auf naturalistische Inhalte brechen sollen. Dieses gegenseitige Aufladen von Flächen und Formen zieht den Blick auf die Textur der Farben. Satt und pastos bleiben sie bei Gunter Damisch als Relikte eines expressiven Malgestus auf der Leinwand stehen. Einzelne Partien werden abgeschabt und verwischt oder manifestieren sich als Spuren des direkten Gießens auf die Bildfläche. Transparenz und opake Schichtung wechseln und können in einem einzigen Bild aufeinandertreffen genauso wie feinteilige Pinselhiebe und ein über ein Farbfeld gespanntes Liniennetz. Wolfgang Drechsler beschreibt die Arbeiten von Gunter Damisch als „Farbballungen, -anhäufungen und -verkrustungen, die die Farbe unmittelbar als Masse erfahrbar machen“. Die Farbe als materielles Substrat besitzt daher Eigenreferenz und verweist darüber hinaus auf den Prozeß, in dem sie auf die Leinwand aufgetragen wurde. Damisch steht somit in einer Tradition der Malerei, die sich den Möglichkeiten der Selbstreflexion der Bildmittel zuwendet und mit dem Amerikanischen Abstrakten Expressionismus der 1950er Jahre am spektakulärsten formuliert wurde. Im Unterschied dazu ist bei Gunter Damisch die Be-deutung des Materiellen und das Prozeßhafte seiner Malerei mit einem Formenvokabular aus ikonographischen, immer wiederkehrenden Zeichen und erzählerischen Inhalten verknüpft. Bezeichnungen wie Kopf, Steher, Welt, Weg und Feld tauchen in seiner Arbeit sowohl als sprachliche Elemente in den Bildtiteln wie auch als Benennungen seiner Symbole auf und stehen für einen ausdrücklichen Naturbezug. In den Bildern von Gunter Damisch entsteht jedesmal ein sich neu artikulierender Kosmos, in dem Welten und Köpfe, Makro und Mirkro aufeinandertreffen, um eine Sicht auf das Selbst zu schaffen: „Dieses Weltthema resultiert daher, daß ich Malerei als etwas Identitäts- und Sinnstiftendes empfunden habe. Man lernt sich da kennen und ausdrücken und begibt sich in einen Prozeß, wo man nicht nur passiv ausgeliefert ist, sondern auch gestalterisch eine Menge bewirken kann.“

Rosemarie Burgstaller


GALERIE EDITION AUKTION CONTEMPORARY