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Schleierbild, 1999
Leimfarbe auf Karton und Holz
71 x 45,5 cm
IDer Titel eines der bekanntesten der frühen Texte, mit denen Arnulf Rainer selbst immer wieder sein Werk begleitet hat, dieses teils erklärend, teils literarisch umschreibend, lautet Malerei, um die Malerei zu verlassen. Angesichts der neuen, in den letzten Jahren entstandenen Schleierbilder erhält nicht nur diese Formulierung von 1952, sondern Rainers Werk überhaupt einen neuen, unerwarteten Akzent. Wieder einmal hat es Arnulf Rainer verstanden, sein Publikum zu überraschen und zu verwirren. Zu offensichtlich stehen diese sanften, hellen Farbbahnen den dunklen Übermalungen oder der betonten Gestik der Fuß- und Handmalereien entgegen.
Im Sommer dieses Jahres würdigte das Kunstforum Wien Arnulf Rainer mit einer großen Retrospektive zum 70. Geburtstag. Der Katalog zu dieser Ausstellung enthält drei Beiträge, die jeweils - unterschiedliche Ansätze wählend - den Bogen spannen von Rainers Anfängen bis zu den Schleierbildern. Die jeweils anders gesetzten Gewichtungen des Gesamtwerks führen dabei zu leicht unterschiedlichen Sichtweisen der späten Bilder - besonders auch in Hinblick auf deren Verhältnis zum früheren Werk. Für Ingried Brugger ist wesentlich, daß in den Schleierbildern alles aus Farbe und ihrer unterschiedlichen Dichte entwickelt ist. Die Bilder seien - im wörtlichen Sinn - Meditationen über das Verschwinden. (...) Was unter den Farbschleiern liegt - leere Leinwand oder totale Malerei? - ist ein Surrogat dessen, womit sich Arnulf Rainer fast ein ganzes Künstlerleben lang beschäftigte. Die Konstanz ergibt sich somit durch die Überwindung des einst Nötigen.
Auch Werner Hofmann sieht das vorangegangene Werk als wichtige Voraussetzung für die Schleierbilder: Rainer mußte Begriff und Praxis des Kunstwerks der wohlfeilen Vereinnahmung durch das interesselose Wohlgefallen entziehen, ehe er den Wohlklang in seinem formalen Haushalt unterbringen konnte.
Antonia Hoerschelmann hingegen, die den wechselnden formalen Ansätzen bei Rainers zeichnerischen und malerischen Praxis folgt, sieht in den Schleierbildern Resultate einer Arbeitsmethode, die einen Kompromiss zwischen den rasch gesetzten&Mac226;Expressionskürzeln und den langsam entwickelten Übereinanderschichtungen findet.
Wolfgang Drechsler
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