
1 Max Weiler, In: Max Weiler.
Wie eine Landschaft.
Bilder von 1961-1967, Ausst.-Kat. Österreichische Galerie Belvedere,
Wien 1995
2 Otto Breicha, Weiler und die
Landschaft 1933 - 1995. Eine Rekapitulation, in: Max Weiler.
Wie eine Landschaft. Bilder von
1961-1967, Ausst.-Kat.
Österreichische
Galerie Belvedere, Wien 1995,
S. 124
3 Max Weiler. Wie eine Landschaft.
Bilder von 1961-1967, Ausst.-Kat. Österreichische Galerie Belvedere,
Wien 1995, S. 162
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Farbenspiel, 1990
Eitempera auf Leinwand
130 x 90 cm
Meine Malerei, nur von ihr kann ich reden, ich weiß von ihr etwas, gibt sich mit Nicht-Ausdenkbarem, Nicht-Durchschaubarem, Nicht-Planbarem, Nicht-Ausrechenbarem und Nicht-Aussprechbarem ab. Ich will, daß sie in einer reinen (puren) Weise Malerei sei, so Malerei an sich, daß sie alle Möglichkeiten der Malerei ausschöpft, alles, was man mit Malen gut oder allein mit Malen machen kann, was der Mensch mit seinem Verstand und mit seinem Gemüt, wenn er eine Fläche und einen Stift Farbe hat, machen kann und nicht auch mit anderen Mitteln, also Worten, Noten oder Gebärden (...)1 So beschreibt der Künstler selbst seinen Umgang mit dem Medium Malerei und deren Anliegen.
Der 1910 in Absam bei Hall in Tirol geborene Künstler gilt längst als Doyen der österreichischen Malerei des 20. Jahrhunderts. Daß seine Tiroler Umgebung ihn stark prägte, zeigte sich bereits während seines Studiums an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Karl Sterrer. Trotz der Vorliebe seines Lehrers für Bildnisse und mitunter ins Monumentale gesteigerte Figuren wandte sich Weiler sehr bald der Natur zu. Die Menschen darin sind zumeist, ebenso wie die Landschaften, stilisiert und vereinfacht, entsprechen nicht einem Realismus im Sinne akademischer Natürlichkeit. Vielmehr tritt in diesen mitunter archaisch anmutenden Werken bereits die Auseinandersetzung mit der seither prägenden Thematik zutage, der verwesentlichten Darstellung von Phänomenen, die ihm, bis heute, aus Landschaftlichem zufließen.2
Nach dem zweiten Weltkrieg gewann der Topos der Landschaft für Weiler weiter an Bedeutung, Figuren finden sich in seinen Bildern immer seltener. Mit der Serie der Flügelbilder versuchte er den Schritt in den Raum zu tun, blütengleich öffnen und schließen sich die verschiedenen, auch Assoziationen an Flügelaltäre zulassenden, klappbaren Seitwände. Wachstumskraft, das Entfalten und Vergehen von Natur klingen hier ebenso an wie die Idee einer Parallel-Welt, die aus der Schöpfungskraft der Natur ihre Energie bezieht und diese gleichsam in einem Akt der Rekreation nachvollzieht.
Eindeutig determinierte Spuren landschaftlicher Erscheinung wichen zunehmend einer adäquaten inneren Ensprechung, wurden vornehmlich durch den Titel transportiert. Die Andeutung landschaftlicher Situationen läßt sich vielleicht noch mit der von Weiler verehrten altchinesischen Tuschmalerei vergleichen. Auch in dieser ist ein Schaffensprozeß nachvollziehbar, der sehr behutsam und bedacht vor sich geht. So hatten Weilers eruptive Farbkaskaden nie mit der Zufälligkeit und Konzentration auf einen kurzen Moment des Informel zu tun. Vielmehr ist es das Prozeßhafte des Gestaltungsvorganges selbst, auf das sich Weiler zunehmend konzentrierte und in das er Strukturen seiner Naturerfahrung und -empfindung einfließen läßt, indem er (...) versucht hat, sich bem Malen nicht nur der Natur, die er inständig im Sinn hat, sensitiv und gefühlvoll anzunähern, sondern es zugleich darauf anlegt, es ihr gleichzutun; indem er seine Bilder (und indem er es auf seinen Bildern) wachsen und werden läßt, wie die Natur das von ihr Geschaffene (ihre Geschöpfe also) hervorbringt.3
Michaela Pappernig
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