Der Apetloner Dialekt
(mit freundkicher Genehmigung von Ökonomierat Leopold Thell)
In unserem Burgenland hat wohl jede Ortschaft eine eigene Ausdrucksweise in ihrer Umgangssprache, den sogenannten Dialekt entwickelt. unser Dialekt kann weder mit dem Haizarischen verglichen, noch unter einer Wörtersammlung den Haideboden betreffend, subsummiert werden. Der Apetloner Dialekt hat sich bis heute ohne jeden modernen oder urbanen Einfluss erhalten . Das wahre Charakteristikum ist nicht, wie in vielen anderen Dialekten der Doppelvokal ui , obwohl es diesen auch bei uns , wie z.B. in den Wörtern Bub - Bui, gut - guit, Hut - Huit, Gruss - Gruiss gibt. Das wesentliche Merkmal für unsere Umgangssprache ist das eu! Dieses eu wird einerseitsganz normal ausgesprochen, wie in dem wort Feuer, viel öfter aber durch die Nase wie in dem Wort Scheune. Unser Dialekt enhält viele Begriffe die nur mehr dem Sinne nach wiedergegeben werden können. Die Aussprache hat sich bis heute vollkommen rein erhalten. Keinen Wahlapetloner ist es bisher gelungen, unseren Dialekt einwandfrei nachzusprechen. Er wird auch wenig mitbekommen, wenn sich gebürtige Apetloner miteinander unterhalten. Ich erachte es daher sehr wichtig, diese offenbar im deutschsprachigen Raum einmalige Umgangssprache, mit all ihren Besonderheiten, soweit dies möglich war aufzuzeichnen.
Die bestimmenden Merkmale unseres Dialektes sind:
1. Doppelvokale, die normal oder durch die Nase ausgesprochen werden.
2. Dreifach- und Vierfachvokale, die immer nasal auszusprechen sind.
3. Wortbegriffe die nur mehr dem Sinne nach übersetzt werden können.
Bei den Mehrfachvokalen ist der letzte Buchstabe fast immer ein "i". Diese Mehrfach-Vokalverbindungen sind immer nasal auszusprechen. Sie verschmelzen zu einem etwas gedehnt gesprochenem Vokal! Von dieser gedehnt und nasalen Ausprache sind nur einige Doppelvokale ausgenommen.
Betrachten wir einmal das Wort Bohne. Um dieses Wort apetlonerisch auszusprechen benötigen wir vier Vokale, z.B.: "Beoui", beim Wein hingegen hingegen drei Vokale: "Weui". Dieses eu nun ausgesprochen wie im Wort Scheune und dann das i kurz angehängt, ergibt die korrekte Aussprache für Wein. (...)

(...) Bei den Konsonanten muss auf das "L" und den Doppelkonsonanten "ng" geachtet werden. Das "L" wird wie in unserer Schriftsprache einmal wie das Wort Liebe und auf die zweite Art wie in dem Wort Schule ausgesprochen. Der Doppelkonsonant "ng" steht immer am Schluss des Wortes und verschmilzt zu einem Laut. Es gibt aber auch Ausnahmen, wo Wörter mit Zwielauten wie in der Schriftsprache gesprochen werden, z.B. Haus, Maus, Laus, Faust, u.dgl.m.

Eine Besonderheit in unserem Dialekt nimmt das Zahlwort "zwei" ein. (...)
zwaei........................................................zwei Männer
zweo.........................................................zwei Frauen
zwoa..............ein Mann und eine Frau oder zwei Kinder
(...) Wesentlich in unserem Dialekt ist auch die Betonung der jeweiligen Silbe in einem Wort. Die erlernt man aber nur durch praktisches Sprechen. (...)
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Dies sind auszugsweise die ersten drei Seiten eines von Ökonomierat Leopold Thell verfassten Büchleins, dass über die Eigenheiten unseres Dialekts Auskunft gibt. Weiters sind darin auch lustige Anekdoten aus Apetlon und einiges mehr zu lesen. Erhältlich beim Kaufhaus Reinprecht.