Die heutige Gemeinde entstand im Jahre 1410 auf dem Platze, wo sie jetzt
steht. Vor dieser Zeit bestand sie mehr westlich gegen den Neusiedler
See und hieß "Vitézfölde".
Am sogenannten "Don" (Dorn), 1/2 km westlich gegen den Neusiedler See
gelegen, dürfte sich diese ursprüngliche Ansiedlung befunden haben, da
dieser Platz heute noch im Volksmunde "Häuserg'stetten" heißt und auch
Mauerreste gefunden werden. Durch den ansteigenden See mußten die Bewohner
flüchten, gründeten die jetzige Gemeinde und nannten sie "Apetlon". Von
wo der Name stammt, ist ungewiß. Es behaupten einige ältere Bewohner,
daß der Name richtig "Apátlon", das ist ungarisch und heißt "vaterlos".
Und wieder wird behauptet, daß der Name griechisch - römischen Ursprungs
sei und "überschwemmungsfrei" heißen soll. Fest steht, daß ein Apetlon
auch in der Schweiz besteht. Der Name wurde früher "Appetlohn" geschrieben.
Es sind auch alte Heiratsbriefe etc. vorhanden, wo er so geschrieben wurde.
Die Familien Trinkl und Winkler, Nachkommen sind heute noch vorhanden,
waren von den ersten Ansiedlern. Die Bewohnerschaft ist deutsch - schwäbischer
Abstammung aus der Gegend des Bodensees und gleicher Art wie die von Illmitz
und den anderen Orten. Vor 1410 fehlen jegliche Daten, da eine Chronik
etc. nicht geführt wurde. Die Bewohnerschaft war lutherisch und, wie bereits
erwähnt, vertriebene Schwaben. Die alte Kirche stand gegenüber des heutigen
Pfarrhofes neben dem Hause Nr. 75, es zog sich auch der Friedhof herum
und wird heute noch der evangelische Friedhof genannt. Der evangelische
Pfarrhof befand sich im Hause Nr. 66 und es war die Familie Tschida die
letzte evangelische Familie.
Die heutige Kirche wurde 1792 - 1797 erbaut, der Friedhof 1794. Patronatsherr
ist Fürst Esterhazy.
Apetlon ist seit 1. 10. 1702 selbständige Pfarre, seit 1728 werden die
Geburtsmatriken geführt.
Als die Herrschaft 1674 auf die Esterhazy überging, mußte die Bewohnerschaft
wieder katholisch werden. Der frühere Herrschaftsbesitzer war Nadasdy,
der 1671 wegen Hochverrat hingerichtet wurde.
Wo heute der Berghof steht, hieß es und heißt es noch im Volksmund ebenfalls
"Häuserg'stetten", und es war dort eine kleinere Ortschaft. Dieser G’stetten
gegenüber der Straße Apetlon - Wallem bei km 7 hegt die "Martenhof - Ried".
Es soll dort ein Meierhof gleichen Namens gestanden sein, und will man
diese Ortschaft mit Martenhof in Verbindung bringen, so erzählt die Sage,
daß die Bewohner ihren Grundbesitz an Apetlon verschenkten, um sich in
Apetlon ansiedeln zu können. Tatsächlich heißen die Häuser in der sogenannten
"Hinterzeile" mit den Nr. 1-40 die Martendörfler.
Auf diesen Martenhof - Äckern wurden wiederholt Ziegel ausgeackert.
Die Übersiedlung nach Apetlon geschah noch vor den Franzosenkriegen (oder
1529 nach der Zerstörung durch die Türken).
Pater Winkler schreibt in seinem Werk "Die Zisterzienser am Neusiedlersee"
von einem Michldorf, das in der Nähe von Pamhagen gelegen, wahrscheinlich
1529 von den Türken zerstört wurde.
1809 flüchteten die hiesigen Bewohner mit ihren Habseligkeiten vor den
Franzosen auf den bereits erwähnten "Don" (Dom) und auf die Tafel Neudeck.
Die Franzosen requirierten zwar streng, ansonsten taten sie der Bevölkerung
keinen Schaden. Ein Franzose blieb zurück und errichtete in dem Fischerhaus
auf der sogenannten "Franzlhöh" eine Spinnerei, auf die sich ganz alte
Leute noch erinnern können.
1713 herrschte die Pest, die sehr viele Opfer forderte. Die Ortschaft
war mit Militär abgesperrt. Auf dem Wege gegen Frauenkirchen, auf den
Fuchsenloch - Äckern, fand die Übernahme der Lebensmittel, der Bretter
für Särge etc. statt. Auf diesem Hügel ließ der wohlhabende Fuhrwerker
Tschida Toni aus dem heutigen Apetlon, der um diese Zeit auswärts weilte
und nicht zurückkehren konnte, mit drei seiner Leute die heute noch stehende
Rosalienkapelle erbauen. Von dort holten die Apetloner die Waren ab. Diese
wurden über den Hügel heruntergerollt, damit die Menschen nicht in gegenseitige
Berührung kommen. Desgleichen wurde eine Kapelle am Ortsausgange gegen
Illnütz aus dem gleichen Anlasse von einer Fam. Tschida im gleichen Jahre
erbaut und dem Hl. Rochus gewidmet. Diese verfiel, wurde im Jahr 1923
abgetragen und von den Eheleuten Johann und Katharina Kögl Nr. 112 näher
an der Straße neu erbaut.
1831 herrschte die Cholera sehr stark, und es starben sehr viele Leute,
auch im Jahre 1849.
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