Titel: Dudi, Hugo und der Maus
Text: Immer dann, wenn ein paar Multimillionäre in Ungarn oder Österreich
sehr schnell im Kreis fahren wollen, macht die French Connection mobil.
Die Franzosen haben mit Alesi und
Prost nichts am Helm, sie kommen aus dem Burgenland und werden deshalb
so genannt, weil sie zu ihrer Heimatgemeinde Apetlon Owelaun sagen.
Heute Früh reist eine 15-köpfige Fan-Delegation zum Formel-I-Grand-Prix
nach Spielberg. Mit von der Partie sind Manfred, Ernst und Martin, die
aufgrund ihrer körperlichen Vorzüge Dudi, Hugo und Maus genannt werden.
Alle drei haben einen unmittelbaren Bezug zur Rennfahrerei. Dudi, 40,
pilotiert im echten Leben einen Bagger, Hugo, 33, einen Lkw, Maus, 35,
hat einen Führerschein und ist Gemeindebediensteter in Owelaun. Seit
15 Jahren macht das Trio die Campingplätze unsicher. Im Gepäck: 300
Dosen Bier, 15 Kilo Brot, 50 Eier, 60 Würstel, 40 Koteletts, 10 Flaschen
Schnaps, 30 Doppler Wein. "Mia geb'n durt koa Göd aus. Koust' eh des
Drei-Toges-Ticket schou mehr ois drei Taus'nda", sagt Maus, der heuer
samt Kollegenschaft zum ersten Mal beim GP in Sao Paulo war und sich
dort in die Samba-Königin Suheli verschaut hat. "A guata Hos." Das Ticket
hat Maus schon weggeschickt, Suheli fliegt im August auf Apetlon. Dann
wird der Maus der Maus erzählen, wie er am 13. Juli das Zelt aufgebaut
und sich das erste von sehr vielen Belohnungs-Bieren genehmigt hat.
hs.APETLON HEUTE (1)
Titel: Das Nest von der Maus 
Text: Die burgenländische Fanschaft ist gestern teilweise um 13 Uhr
in Spielberg angekommen. "Da Dudi und da Hugo loss'n mi aufbaun und
setz'n si daun auf'd Nocht ins gmochte Nest", schimpft Maus, der 300
m in der Zone "Camping Gelb" mit Pflöcken und rotweißrotem Band absteckt,
nachdem er ein Schild "Camp Apetlon" montiert hat. Die Mühe lohnt sich,
Maus belohnt sich mit dem ersten Bier. Dass elf Menschen bis Sonntag
300 Dosen Bier und 30 Doppler Wein schlucken werden, ist für Maus normal.
"Mia hack'ln des gaunze Joah, jetz haumma Urlaub und wuin a Gaude haum.
Außadem foah ma do net mit'n Auto." Am Abend kommen Dudi und Hugo, der
zum ersten Mal seinen 13-jährigen Sohn Markus mitgebracht hat. "Der
hot a Muadsfreid. Er woa in da Schui so brav", sagt Hugo, "und er is
no mea Fan ois wia i." Die Apetloner, die mit Wurz-Leiberln herumgelaufen
sind, seit es Wurz gibt, haben für heute einen Plan: Jeder zieht ein
Häkkinen-T-Shirt an. "Damit ma uns richti vastengan: Mia san imma no
Östarreicha. Owa da Wuaz bringt koa Leistung. Der suacht die Föhla imma
bei aundare. Fia dee Gaasch muaß er a wos bringan. Da Häkkinen is supa",
sagt Maus, der nur zum Finnen hält, weil er nicht will, dass Schumacher
gewinnt. "Es is owa besser, wenn des die Daitschn am Campingplotz erscht
Montag erfoahn." Dann geht er mit Dudi, Hugo und ein paar Deutschen
zu einem offenen Standl, trinkt einen Absacker, wie er das nennt, schmiegt
sich im Iglu-Zelt an Dudi und träumt vom ersten Bier. hs.APETLON HEUTE
(2)
Titel: Keine Frau für Maus
Text: Die Burgenland-Sportbotschafter in Spielberg haben eine kurze
Nacht hinter sich. Dudi, Hugo und Maus haben beim Heimgehen bei jedem
Standl einen letzten Schnaps getrunken, um zwei Uhr waren sie sehr müde
und sind ins Zelt gefallen. Hugo war um sieben Uhr nicht der einzige,
der ein Bier zum Frühstück gegessen hat. Von den 300 Dosen sind nicht
mehr viele übrig. Heute kommt Nachschub aus der Heimat, Rosi wird die
einzige Frau im 11-köpfigen Apetlon-Camp sein. "A Ausnaum", sagt Junggeselle
Dudi, "weü im Urlaub wuimma unsa Rua hom von die Weiwaleit." Der traurige
Maus nickt. Das Flugticket für seine Bekanntschaft vom Grand Prix in
Sao Paulo, das er weggeschickt hat, damit sie auch einmal das Burgenland
sieht, ist nicht angekommen. "Sie warat die erschte Brasilianarin in
Owelaun. A Thailändarin haumma scho, de von Zwerg." Die drei Holländer
von nebenan kommen auf Würstl. "Supaburschn", sagt Dudi, "weü mit Nochborn
kaunst a Pech a haum." Maus lacht wieder und erzählt: Beim Ungarn-Grand-Prix
1998 pinkelte ein Deutscher Zeltnachbar unseren Burgenländern spätnachts
in den Grillkessel. Maus hat's gesehen. Man wollte Rache, aber wie?
Dudi, Hugo, Maus & Co. gruben eine Rinne, deren Delta-Mündung das deutsche
Zelt war. Dann tranken sie sehr viele Biere und verrichteten glücklich
ihr Tageswerk. "Mia woarn zu dreißigst. Kaunst da voastölln, wia's gstunk'n
hot", grinst Hugo, und klopft einem Holländer auf die Schulter. Der
versteht Gott und die Welt nicht mehr. Und Hugo schon gar nicht. hs.APETLON
HEUTE (3)
Titel: Ohrenstöpsel gegen Feeling
Text: Die Apetloner Fan-Delegation in Spielberg freut sich schon auf
Montag. Nicht, weil das Auto-Rennen und das Bier-Trinken dann
endlich ein Ende hat, sondern weil in der Heimatgemeinde Kirtag ist.
"Duat geb ma uns die Gurk'n", sagt Hugo, den man bereits zu Mittag nicht
mehr versteht. "De aundan san no dichta ois wia i." Das Qualifying war
wieder einmal ein Erlebnis. "De McLaren haum den schenst'n Sound, de
Minardi-Kraxn san net zan auhean", berichtet Maus, der Ohrenstöpsel
ablehnt. "Da Mogn muaß eini- und aussifoahn. Sunst host koa Feeling."
Dudi ist am Campingplatz geblieben. Das Schwergewicht hat mit Hugo und
dessen Sohn Markus ein paar der 40 mitgebrachten Koteletts gegrillt.
"I woa froh, dass i net mit bin. Waü daun taunz i im Zöht wieda ois
wia da Travolta und geh net hoam." Weil Küchenrolle nicht wirklich gut
brennt, brauchte Dudi drei Stunden, um das Feuer zu entfachen. Den Frust
hat er mit einer halben Flasche Whiskey bekämpft. "Ollewaü des Bia -
mia graust scho", sagt er, bevor er mit seiner berüchtigten 89er-Trockenbeerauslese
zu den Hannoveranern ins Nebenzelt geht. "De Trouttln haum glaubt, des
kau ma sauf'n ois wia an Spritza. Und daun woan's fett ois wia de Haubitzn."
Der Regen und der daraus resultierende knöcheltiefe Gatsch macht unseren
Apetlonern nichts aus. "Des gspia ma goa neamma", sagt Maus, der nicht
mehr traurig ist. Seine eingeladene Brasilianerin hat das Flugticket
bekommen, sie kommt in drei Wochen. "Daun nemmas zan Ungarn-Grand-Prix
mit. Des wird ihr sicha taug'n." hs.APETLON HEUTE (4)
Titel: Letzte Ölung vor der Abfahrt
Text: Dudi, Hugo, Maus und der Rest der elfköpfigen Kumpanie schliefen
sich in Spielberg den Restalkohol aus den burgenländischen Luxuskörpern,
brachen ihre Zelte ab, packten
den Bus und düsten Montagmittag nach Apetlon. Am Abend hatte der Seewinkel
seine großen Fan-Söhne wieder. Und Maus durfte endlich so richtig duschen.
"In vier Tog kummt scho a Dreck zaumm." Die letzten Highlights: Hugo,
der pro Tag 40 Bier getrunken hat und "togsüber nia schlof'n geht",
schlief sich Samstagnachmittag seinen 20. Vollrausch in 4 Tagen aus
und musste aufs Klo. Er ging mit einem Schlapfen und einem Turnschuh
zum Bauern, schnallte sein Bauchtascherl ab und ließ es im WC liegen.
Tags darauf kam er drauf, das Tascherl war noch da, 4000 S waren weg.
Damit ist Hugo der Einzige, der statt 10.000 Schilling 14.000 ausgegeben
hat. "Hauptsoch des Ticket woa no drin." Dudi, der pro Tag eine Flasche
Whiskey getrunken hat und "den Alkohol üwahaupt net g'spiat", verspürte
ausgerechnet Sonntagfrüh Seitenstechen. Er blieb im Zelt. "I bin kraunk.
Owa die Auto hob i eh scho hundatmoi gseh'n." Maus und Hugo versteckten
zwei Flaschen Wein auf dem Rücksitz eines Gendarmerie-Autos. "Geb'm
kemmas eana net. Owa a bissl a Bestechung kau nia schod'n vorm hamfoahrn",
sagt Hugo. Das Resümee: "Waumma oabeit'n, daun oabat ma. Und waumma
sauf'n, daun sauf ma", sagt Maus, der morgen hinter seinem Schreibtisch
sitzen und sich auf das viertägige Daueröl im nächsten Jahr freuen wird.
hs.APETLON HEUTE (5)
|