Unser allgegenwärtiges, alltägliches Gewissen
Ich frage mich fast täglich, wenn mir wieder einmal ein besonders augenfälliges Beispiel von gedankenloser Energie-/ Ressourcen- Vergeudung gegenwärtig wird, ob den Menschen eigentlich egal ist, ob sie damit unsägliches Leid verursachen oder 'bloß' die Zusammenhänge nicht kennen. Dabei denke ich, es ist so einfach, einfach zu denken. Nur mit einfachem, kindlich neugierigem Betrachten und Denken kann man wirkliche Erkenntnisse gewinnen. Auch in der Natur, bei großen Entdeckungen und Erfindungen wird eutlich, dass Geniales immer einfach ist. Umgekehrt sind unsere hochkomplizierten Abläufe, Maschinen und Denkweisen oft fehlerhaft, fehleranfällig und unbeholfen einseitig.
Einfaches Denken entlarvt auch unser Wirtschafts- und Geldsystem, als das was es ist, ein perfektes Potemkinsches Dorf mit dem allen vorgaukelt wird, dass gleichwertige Leistungen ausgetauscht werden. Dabei müßte jedem Denkenden klar sein, dass weder durch - ich will niemandem zu nahe treten, aber beispielhaft - Herumstehen in Nobelboutiquen, Sitzen bei Besprechungen, Bedienen von Kopierern, schreiben von Memos, noch durch Kinderbeaufsichtigen, Autofahren, Eingängebewachen, etc. die Werte geschaffen werden, mit denen wir uns umgeben, die wir konsumieren, von denen wir meinen sie gerecht gegen unsere 'Leistungen' einzutauschen.
Dabei hat sich die Situation seit Jahrhunderten nicht im Geringsten geändert. Wir sind verdeckte Raubritter, wir sind getarnte, aber rücksichtslose 'Eroberer', die wertlose Glasperlen geben für lebenswichtige Dinge.
Man braucht sich bloß die Arbeitsgänge, die aufgewandten Energien und Ressourcen in unseren Konsumgütern zu vergegenwärtigen, um zu sehen, dass diese nicht durch einige Stunden Abtippen, einige Minuten Taxifahren, einige Sekunden Telefonieren geschaffen werden, sondern durch schweißtreibendes und treibstoffverschwendendes Bewegen von Tonnen an Aushubmaterial, durch Gelenkruinierendes Akkordfleischern, durch unvorstellbares Tierleid, usw.
Nun ist es sicherlich nicht Jedermenschs Sache, all diese Produkt- Informationen im Detail zu kennen. Doch im Groben sollte jedem klar sein, sollte jeder nachempfinden können was es bedeutet 1 Liter Rohöl zu fördern, zu raffinieren, zu transportieren, etc., nur eine Stunde auf einem Rost in einer fäkalstinkenden 'Telefonzelle' zu stehen, London - Rom durchzufahren, 10 Stunden an einer Nähmaschine zu sitzen, etc.
Mit diesem Bisschen an Wissen, gepaart mit etwas alltäglicher Bewusst- bzw. Wachheit ist eine Balkenwaage vorstellbar, auf die man auf eine Seite den benötigten Gegenstand, das ersehnte Stück mit der momentanen Freude und der voraussichtlichen Nutzung(sdauer) legt. Auf die andere Waagschale kommen all die dafür aufgewendeten Handgriffe, Materialien, Transporte mit ihren 'Vorgeschichten/ Vorarbeiten'. Das Ergebnis könnte eine nochmal erhöhtere Freude oder auch ein leichter, gern geleisteter Verzicht sein. Beides würde die Welt um ein kleines Stückchen heller, freundlicher, lebenswerter machen.Uns sollte in jeder Sekunde klar sein, dass alles was wir tun/ nicht tun, andere beeinflusst. Unsere Welt ist vorstellbar als unüberschaubar großes und komplexes Mobile, an dem kein Endpunkt verändert werden kann, ohne Auswirkungen auf's Ganze, auf andere zu haben. Das ist Fakt, damit müssen/ dürfen wir leben. Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen. Ob wir Feude machen/ haben wollen oder Leid verursachen/ ertragen werden.
Da wir alle fühlende Wesen sind und nach ähnlichen Prinzipien, in einem System leben, kann man dem Jesus- Wort 'liebe Deinen Nächsten, wie dich selbst' nur schlichte Genialität bzw. das Zeug zum einfachsten und dabei effizientesten Grundgesetz attestieren. Solange wir bescheißen, werden wir beschissen werden, solange wir misstrauisch checken, was der Andere gibt/ tut, werden wir misstrauisch gecheckt werden. Wenn wir freigibig geben, wird uns gerne gegeben werden.
Auch hier ist die Natur das wunderbarste Anschauungsmodell. Alles fließt, wächst, schenkt sich (ein kleines, aber wunderbar einfaches, ausgewogenes Beispiel ist die 'wie-von-alleine-Selektion' durch 'Kerne säen, Kotdüngen').
Ein Apfelbaum braucht weder sich zu plagen, noch Arbeitszeiten, Pläne, Chefs, Institutionen, eine Infrastruktur, ja nicht einmal eine Motivation oder auch nur Wissen (in menschlichem Sinn). Er 'ist' einfach, genügt sich damit und erhält und schafft damit auch noch Freude und Leben von und für unzählige(n) Mitwesen. Ebenso eingebunden sind alle anderen frei in der Natur lebenden Wesen, waren wir es selber über Jahrmillionen. Jeder kann die für ihn passenden Teile davon jederzeit wieder in sein Leben integrieren, anderen Freude durch seine Freude bereiten und ganz einfach Leid durch ein etwas bewussteres Verhalten vermeiden.
Vergiss den trügerischen Preis, all das egoistische Abschätzen. Sieh die 'wahren' Werte dahinter, denk an die beschriebene Freud/ Leid- Waage. Verwende unseren täglichen Luxus als (Gewissens-) Erinnerung ....
| - Startseite |