Wissenschaftliche Arbeiten, die das Thema RohkostErnährung
flankieren
Meine anfängliche Begeisterung über 'meine'
verblüffend einfachen und schlüssigen Erklärungen (1,
2,
3)
der Richtigkeit einer Rohernährung wich mit zunehmender Verbreitung
dem Erstaunen, wie weit die Menschen bereits von der Wissenschaft und einem
Schul/ LehrbuchDenken instrumentalisiert und vereinnahmt sind. Immer wieder
kommt die Frage nach Untersuchungen bzw. Quellen, die belegen könnten,
was jeder Hausverstands- Bestückte locker erfasst, innerhalb weniger
Wochen gefahrlos selbst ausprobiert werden kann oder durch genaueres Beobachten
unübersehbar ist. Aus letztgenannten Gründen habe ich mich jahrelang
o.g. Wünschen verweigert. Mittlerweile haben sich aber in meinen Dateien
einige Arbeiten angesammelt, die auch Wissenschaftsgläubigen diese
wunderbare Lebens- und Ernährungsform näherbringen könnte.
Es gibt, abgesehen von der nicht ganz befriedigenden Giessener Rohkoststudie
(Leitzmann et al), keine, mir bekannten reinen RohkostStudien aber sehr
viele Arbeiten, die Teilbereiche unserer NaturPur- Lebensform abdecken.
Eins + eins zusammenzuzählen bleibt somit jedem selber überlassen.
-
Einige Quellen zum wichtigen Thema der Rückkehr bzw.
dem Wiederbeleben der altgewohnten, emotional unentbehrlichen GruppenBindung
habe ich unter
HerzQuellen zusammengestellt.
-
Anatomische Aspekte für unseren FruchtesserKörper:
-
Brockhaus stützt sich auf die vergleichenden Zahnforscher
Richard Lehne und Hans Lüttschwager, wenn er ausführt: "Der Mensch
ist kein Fleischesser; [...] kein einziger Zahn in seinem Gebiß weist
auch nur andeutungsweise auf Fleischnahrung hin. Daß das Fleisch
nicht die natürliche Nahrung des Menschen ist, geht auch schon daraus
hervor, daß er versucht, es zu zerkauen. Das Zerkauen von Fleisch
ist aber an sich schon eine unnatürliche Betätigung, denn nicht
ein einziges freilebendes Tier kaut das Fleisch. Es wird in schluckgerechten
Bissen verschlungen. Ebensowenig ist der Mensch ein Omnivor, denn es fehlt
ihm der vordere karnivore Teil des Gebisses (wie etwa beim Schwein). Auch
ein Pflanzenesser ist der Mensch nicht. Seine Backenzähne haben nicht
einmal annähernd die Form und Struktur eines Pferdemolaren; er ist
auch kein Blätteresser, denn dann müßten seine Backenzähne
spitze Höcker haben. [...] Sie haben aber stumpfe Höcker." Brockhaus
beschreibt den Menschen zuletzt aufgrund seines Gebisses als Fruchtesser,
wobei Nüsse und Wurzeln zu den Früchten subsummiert werden (Brockhaus
1975).
-
Um hier einen Vergleich zu ermöglichen, kann man für
verschiedene Tierarten die Oberfläche des Magens, des Dünndarms,
des Dickdarms und des Blinddarms in einem vierdimensionalen Graphen gegeneinander
auftragen. Dabei ergeben sich recht eindeutig voneinander abgegrenzte Bereiche
für FleischesserInnen (inkl. InsektenesserInnen), FruchtesserInnen,
PflanzenesserInnen die im Magen fermentieren (WiederkäuerInnen) und
PflanzenesserInnen die im Darm fermentieren (z.B. Pferde). Die Art Homo
sapiens befindet sich, zusammen mit fast allen Primaten und z.B. den Eichhörnchen,
im Bereich der FruchtesserInnen, allerdings am Rand in Richtung FleischesserInnen
(David Chivers 1992, "Diets and guts", in: Cambridge Encyclopedia of Human
Evolution, Cambridge Univ. Press).
-
Eine Studie an der Cornell Universität in den USA hat
ergeben, daß Menschen sehr effizient Zellulose verdauen können.
Eine detaillierte Untersuchung an 24 männlichen Studenten ergab, daß
Bakterienkulturen im Dickdarm drei Viertel aller Zellwände von verschiedenen
Früchten und Pflanzen zersetzen konnten. Über 90% der Fettsäuren,
die bei der Zersetzung frei wurden, konnten im Blut der Probanden nachgewiesen
werden (Katharine Milton 1993, "Diet and Primate Evolution", Scientific
American August 1993).
-
Einige ältere Arbeiten an leider immer seltener werdenden
'minderzivilisierten'
Bevölkerungen zeigen ebenfalls, dass unsere Zivilisationserkrankungen
hausgemacht sind:
-
Bei einer Untersuchung von insgesamt 58 indigenen Jäger-Sammler
Menschengruppen zeigte sich, daß Fleisch normalerweise einen sehr
geringen Anteil an der Ernährung hat, ausser in den hohen nördlichen
Breiten, am Eisrand, wo Pflanzen nur spärlich vorhanden sind. "[...]
Die Jagd hat nur in den Teilen der Erde, die über dem 60. Breitengrad
liegen, einen dominierenden Anteil an der Nahrungsbeschaffung [bei indigenen
Jäger-Sammler Menschengruppen]" (David Harris 1992, "Human diet and
subsistence", in: Cambridge Encyclopedia of Human Evolution, Cambridge
Univ. Press).
-
Die !Kung Buschmänner in Südafrika leben in der
Steppe und betreiben Jagd. Aber "das Sammeln von Pflanzennahrung ist, selbst
in der Trockenzeit, die einzig zuverlässige und sichere Nahrungsquelle.
Pflanzennahrung macht tatsächlich den weit überwiegenden und
einzig beständigen Teil der Nahrung aus. [...] Sie benötigen
nur etwa 3 Stunden täglich für die Nahrungssuche" (Metz, Hart
und Hapending 1970, "Iron, Folate and Vitamin B12 - nutrition in a hunter-gatherer
people", Verlag Johannesburg).
-
1958 wurde die Ernährung der Bantu untersucht, die einen
großen Teil der südlichen Hälfte Afrikas bewohnen. Fleisch,
Fisch und Eier spielen in der Bantukost eine Ausnahmerolle, die kaum der
Rede wert ist. Milchprodukte kommen gar nicht vor. Die Nahrung besteht
durchwegs aus pflanzlicher Vollwertkost mit Mais als Grundlage. Die Bantu
wurden als praktisch frei von Zivilisationskrankheiten und als erstaunlich
gesund und leistungsfähig beschrieben. Die Kalziumbilanz war trotz
unternormaler Kalziumzufuhr günstig (Annals of the New York Academy
of Science 69-1958-989).
-
Bei einer Untersuchung der Gesundheit der schwer arbeitenden
Landbevölkerung in Java, deren Nahrung nur verschwindenen tierlichen
Anteil hatte, fand man, daß praktisch sämtliche Zivilisationskrankheiten
fehlten, und daß bei nur 2100 Kalorien und 51g pflanzliches Eiweiß
pro Tag trotz schwerer Feldarbeit das Körpergewicht und die Gesundheit
im Gleichgewicht blieben (Van Veen und Postmus 1947, "Vitamin A Deficiencies
in the Netherlands East Indies", Journal of the American Dietetic Association
August 1947).
-
Eine Untersuchung der Ernährung der indigenen Landbevölkerung
in China ergab, daß der Durchschnittskonsum von Fleisch, Fisch und
Eiern zusammen weniger als 3% der Gesamtnahrungsmenge ausmachte. Dazu fehlten
jegliche Milchprodukte. Die Nahrung bestand zu 88% aus Vollgetreide, ergänzt
durch Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse (Adolph 1946, Journal
of the American Dietetic Association Oct. 1946).
-
Im Hochland von Mexiko wurden die Tarahumare Indios untersucht.
50.000 Tarahumare bewohnen ein karges, zerklüftetes Gebirgsland von
130.000 Quadratkilometer Ausdehnung. Ihre Nahrung besteht zu 70-80% aus
Mais und Bohnen, sowie auch aus Wildsammelkost, enthält aber keine
Milchprodukte, und Fleisch nur als sehr seltene Ausnahme (Bircher 1975,
"Historische Gegebenheiten", in: Das Recht der Tiere in der Zivilisation,
Hirthammer Verlag).
-
Die Untersuchung von 1000 Indio-Kindern in Mexiko ergab,
daß sie wesentlich gesünder als bürgerliche, USAmerikanische
Kinder waren. Als Nahrung der Kinder wurden Vollmaisfladen, Bohnen, Malvenspinat,
etwas Pfefferschoten und Obst angegeben (Harris 1946, Journal of the American
Dietetic Association Nov. 1946).
-
Viele ähnliche Beispiele finden sich auch in den Arbeiten
Weston A. Price's, der jahrzehntelang den Verfall der Zahngesundheit zivilisationswandernder
Menschen aufzeichnete.
-
Auch R.Birchers 'Geheimarchiv der Ernährungslehre',
"Eskimoernährung und Gesundheit' und 'Das Recht der Tiere in der Zivilisation'
enthalten diesbezügliche Beispiele.
-
Ebenso ist die Ernährung der uns ähnlichen Tiere
bestens erforscht:
-
Am Yerkes Primate Center in Atlanta, USA, wurden anhand von
Fäkal- und Blutuntersuchungen die Verdauungsfähigkeit und -geschwindigkeit
von Schimpansen und gleich viele Menschen untersucht. Alle Testsubjekte
erhielten genau dieselbe Nahrung, die im Lauf der Experimente in ihrem
Zelluloseanteil variierte. Das Resultat war, daß sich Schimpansen
und Menschen in allen gemessenen Variablen völlig glichen. Offenbar
sind die Verdauungsapparate von Schimpansen und Menschen im wesentlichen
gleich (Milton und Demment 1988, Journal of Nutrition, Vol. 118, No. 9,
pg 1082).
-
Die Schimpansen von Kanyawara, Kibale Forest Reserve, Uganda,
und die Bonobos vom Lomako Forest, Zaire, ernähren sich wie folgt
(Chapman, Wright und Wrangham 1994, "Party size in Chimpanzees and Bonobos",
in: Chimpanzee Cultures, Harvard Univ. Press):
| Nahrung |
Bonobos |
Schimpansen |
| Früchte |
72.1% |
82.1% |
| Blätter |
24.9% 8.0% |
8.0% |
| Tierliches |
0.1% |
0.2% |
| Kräuter |
2.1% |
9.6% |
| Anderes |
0.8% |
0.1% |
-
Alle Primaten, bis auf 3 Halbaffenarten, haben sich aufs
Fruchtessen (zwischen 55% und 80% Nahrungsanteil), mit mehr oder weniger
pflanzlichen (und einige wenige sogar mit ein bißchen tierlichen)
Beigaben, spezialisiert. Es gibt keine Primaten, die als AllesesserInnen
zu bezeichnen wären (David Chivers 1992, "Diets and guts", in: Cambridge
Encyclopedia of Human Evolution, Cambridge Univ. Press).
-
Alle Menschenaffenarten gelten im erweiterten Sinn (Kräuter,
Blätter, Nüsse, Samen) als FruchtesserInnen und ernährten
sich praktisch überhaupt nicht von anderen Tieren (Andrews 1997, "What
environment did fossil apes live in?", in: The story of human evolution,
The United Exhibits Group).
-
Auch die Archäologie trägt Ihres dazu bei,
zu zeigen, dass das bis in die 60er- Jahre faforisierte Bild des Jägers
kaum mehr haltbar ist:
-
Die menschliche Jagd ist nicht älter als vielleicht
60.000 Jahre (Binford 1992, "Subsistence - a key to the past", in: Cambridge
Encyclopedia of Human Evolution, Cambridge Univ. Press).
-
Eine Strontiumanalyse von Knochenfossilien kann darüber
Aufschluß geben, ob die Lebewesen eher Fleisch oder Pflanzen gegessen
haben. Aufgrund der Strontiumanalyse der Knochen früher Menschen in
Südeuropa kann man sagen, daß sie "eine fast ausschliesslich
vegetarische Kost" ("an almost exclusively vegetarian diet" - gemeint ist
eigentlich "vegan") hatten (Fornaciari und Mallegni 1987, Anthropologischer
Anzeiger Dez 1987, 45 (4), pg 361).
-
Nicht zuletzt der modernen Krebsforschung verdanken
wir viele (leider nur punktuelle) Arbeiten. Bedauerlicherweise werden diese
Erkenntnisse aber nur als 'zur Krebsprävention tauglich' und ungenügend
kommuniziert. Wer sich aber den Blick fürs Ganze bewahrt, sieht sehr
gut, dass die Wissenschaft 'schon noch in die Naturpur- Gasse kommt' (siehe
'5 mal am Tag Obst und Gemüse'- Aktion u.Ä.).
-
Appel LW, Moore TJ, Obarzanek E, Vollmer WM, Svetkey LP,
Sacks FM et al.: A clinical trial of the effects of dietary patterns on
blood pressure. N Engl J Med 1997;336:1117-1124
-
Block G, Patterson BH, Subar A: Fruit, vegetable, and cancer
prevention: A review of the epidemiological evidence. Nutrition and Cancer
1992; 18:1-29
-
Jansen MCJF, Klerk M, van’t Veer P, Kok FJ: Fruits and vegetables
in chronic disease prevention. Division of Human Nutrition and Epidemiology,
Wageningen Agricultural University, 1998
-
Joshipura KJ, Ascherio A, Manson JE, Stampfer MJ, Rimm EB,
Speizer FE, Hennekens CH, Spiegelman D, Willett WC: Fruit and vegetable
intake in relation to risk of ischemic stroke. JAMA 1999; 282:1233-1239
-
Ness AR, Powles JW: Fruit and Vegetables, and cardiovascular
disease: A review. Int J Epidemiol 1997; 26: 1-13
-
Steinmetz KA, Potter JD. Vegetables, Fruit, and Cancer. I.
Epidemiology. Cancer Causes and Control. 1991; Vol. 2:325-357
-
Williams DE, Wareham NJ, Cox BD, Byrne CD, Hales CN, Day
NE: Frequent salad vegetable consumption is associated with a reduction
in the risk of diabetes mellitus. J Clin Epidemiol 1999; 52:329-335
-
World Cancer Research Fund/American Institute of Cancer Research:
Food, nutrition and the prevention of cancer: a global perspective. Washington,
DC, 1997
-
Wem das noch nicht reicht, der kann sich z.B. die IARC/ EPIC-
Konferenz-Abstracts zum Thema 'Ernährung & Krebs' besorgen. Da
zeigen mehr als 150 Wissenschafter, dass man - für 'Hausverstandsnutzer',
Sehende, Sensible und Tiere - Selbstverständliches auch kompliziert
zeigen und belegen kann
!