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Die heutige Mensch–Tier Beziehung wird von vielen äußerst
verschiedenen Einflüssen geprägt:
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| Das aristotelische Weltbild wirft seine Schatten noch bis in unsere
Zeit. Es ging davon aus, dass die Welt der Vollkommenheit zustrebt, und
sich alle einzelnen Exponenten in verschiedenen Stadien der Entwicklung
befinden. Die Welt war in Schichten aufgebaut wobei jeweils die untere
Schicht danach strebte die Vollkommenheit der jeweils oberen zu erlangen.
Unbelebtes strebte danach pflanzlich zu werden, Pflanzen strebten danach
Tiere zu werden, Tiere waren unvollkommene Menschen und Menschen unvollkommene
Götter. Aus der Wertung die aus diesem Weltbild hervorging wurde kein
Hehl gemacht. Im Gegenteil war es die Aufgabe der jeweils minderen Lebewesen
den höherstehenden bis in die letzte Konsequenz zu dienen. So waren
es "gute" Kriege in denen die Griechen "Barbaren"(= Nicht-Griechen bzw.
eben mindere Lebewesen) unterwarfen und versklavten. Und genauso positiv
und selbstverständlich wurde die Unterordnung der griechischen Frau
unter den "höherentwickelten" griechischen Mann bewertet.
Dieses Modell wurde seinem Prinzip nach von den Scholastikern (Thomas von Aquin, Augustinus) in die Glaubenslehre des christlich-katholischen Weltbildes übernommen. Vor allem auch über diesen Umweg gewann es an Einfluss und behielt diesen auch bis in unsere Zeit. |
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| Mit dem Aufkommen der Evolutionstheorie musste das Schichtmodell
der Lebewesen-Hierarchie revidiert werden. Aus dem eindimensionalen Modell
wurde ein Baum mit vielen Ästen und Verzweigungen. Nichts desto trotz
wurde die Position des Menschen als ultimativ höchst entwickeltes
Lebewesen weiterhin verteidigt. Zum Beispiel wurde das dadurch erreicht,
dass fälschlicherweise rezente Lebewesen wie z.B. Fische als Vorstufen
anderer –“höher entwickelter“ - Lebewesen dargestellt wurden. Es strebten
nun zwar nicht mehr alle Lebewesen dem Ideal „Mensch“ zu, trotzdem wurde
er aber als die vollkommenste, komplexeste Lebensform gesehen.
Aus der Krone der Schöpfung war die Krone der Evolution geworden. |
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| Dieser Stammbaum ist einer Darstellung aus dem Jahr 2000
nachempfunden. Mithilfe von DNA und RNA-Analysen ist es mittlerweile gelungen,
die Grade der Verwandtschaftsbeziehungen der Lebewesen untereinander in
einem hohem Masse zu objektivieren (Kladistik). Das Ergebnis dieser Analysen
zeigte, dass es im wesentlichen drei unterschiedliche Organismengruppen
gibt. Die erdrückende Mehrheit an Vielfalt von Organismen liegt im
Bereich der Bakterien. Pilze, Pflanzen und Tiere sind vergleichsweise äußerst
nahe miteinander verwandt. Der Mensch selbst taucht in der Darstellung
überhaupt nicht mehr auf, aber auch die Gruppe der Tiere (von denen
die Menschen eben eine Art bilden) sind nur eine Gruppe unter vielen.
Die Perspektive der Evolution als ständiges Ausdifferenzieren und Anpassen an verschiedene Eigenschaften der Wirklichkeit wird (im Gegensatz zur zielgerichteten Entwicklung) betont. Ausdruck findet das in der runden gleichberechtigten Darstellungsweise. Kein rezentes Lebewesen wird mehr als Vorstufe anderer Lebewesen gesehen. |
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| Besonders interessant ist in unserem Zusammenhang natürlich die Entwicklung des Bildes wie der Mensch sich in das Reich der Tiere einfügt. Noch vor zehn Jahren war es üblich anzunehmen, dass sich die Linie der Menschentwicklung sich vor etwa 25 Millionen Jahren von der der großen Menschenaffen getrennt hätte. Es war die Rede von einem unauffindbaren „missing link“ und von einem „Tier-Mensch-Übergangsfeld“. Es wurde zwar die große Ähnlichkeit zwischen Menschen und großen Menschenaffen erkannt, aber auf eine längere „Parallel-Evolution“ zurückgeführt. |
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| Mit den molekulargenetischen Analysemethoden ließ
sich aber Licht ins Dunkel der Menschentwicklung bringen:
Tatsächlich trennten sich die Linien von Schimpansen/Bonobos und Menschen vor erst ungefähr 5 Millionen Jahren. Das bedeutet, dass von Schimpansen/Bonobos aus betrachtet, der Mensch das am nächsten verwandte Tier ist. Der Mensch reiht sich somit zwanglos zwischen Gorillas und Schimpansen in die Reihe der großen Menschenaffen ein. |
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| Zu allem Überfluss stellte sich heraus, dass für den Menschen der gesamte Gattungsbegriff reserviert worden war, aber nun nach den einheitlichen, objektiven Klassifizierungsmethoden (Kladistik) die Schimpansen und Bonobos der gleichen Gattung zuzuordnen sind wie die Menschen. Da der Gattungsbegriff „Homo“ also „Mensch“ lautet, müssten eigentlich nun der Schimpanse als „Homo troglodytes“, der Bonobo als „Homo paniscus“ und der Mensch als „Homo sapiens“ angesprochen werden. Unsere haarigen Verwandten sind also im eigentlichen Sinn des Wortes zu Menschen "geworden". |
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| Nach dem die Erde und anschließend die Sonne aus dem Zentrum der Welt gerückt worden waren, wurde mit Darwins Evolutionstheorie der Mensch unter die Tiere eingereiht. Trotzdem wurde die Einzigartigkeit des Menschen in seinen geistigen Eigenschaften nicht angezweifelt und war eine weitere Bastion zur Verteidigung der eigenen Eitelkeit. Wir befinden uns nun in einer Phase in der wir erkennen müssen, dass Eigenschaften wie Bewusstsein, Kultur, Intelligenz auch bei tierlichen Verwandten anzutreffen sind und sind langsam gezwungen ein weiteres Stück unserer anthropozentrischen Weltsicht aufzugeben. |
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Dass der Übergang vom Menschen auf andere Tiere ein
fließender ist, lässt sich auch daran erkennen, dass es keine
einzelne Eigenschaft gibt die alle Menschen auszeichnen würde und
alle nicht-menschlichen Tiere ausschließen. Alle Eigenschaften, die
lange Zeit als dem Menschen vorbehalten gegolten haben, wurden mittlerweile
auch bei verschiedenen nicht-menschlichen Tieren gefunden.
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Hier geht es um eine Reihe von Positionen die in Bezug
auf den Menschen als schon überwunden oder zumindest nicht mehr salonfähig
gelten:
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Das Tierrechtskonzept schließt nun aus den vorangegangenen
Erläuterungen, dass die fundamentalen Interessen von Individuen gegen
die willkürliche Ausbeutung zum Vorteil anderer geschützt werden
müssen. Es wurden deshalb folgende Grundrechte formuliert, die jedes
bewusste leidensfähige Lebewesen betreffen:
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| Die unmittelbare Konsequenz der Tierrechtsforderung ist die Umstellung auf eine vegane Lebensweise. Das bedeutet, dass keinerlei Produkte tierlicher Herkunft mehr konsumiert werden (Fleisch, Eier, Milch, Wolle, Leder, Daunen, etc.), dass keine Nutzung nicht-menschlicher Tiere zu Tierversuchen erfolgt und auch sonst keine Tätigkeiten/Vergnügungen auf Kosten von Tieren ausgeübt werden (Jagd, Zoobesuch, Tierzirkusbesuch, Kunst, etc.) |
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