VITAFOODS, ein Anschlag auf unsere Gesundheit
Beobachtungen auf einem Pharma-Lebensmittel-Kongress über künftige Projekte der Nahrungsmittelindustrie. Von Stefan Duschl, München.
Profit statt Gesundheit. Gesundheit heißt jetzt 'Vitafoods', 'Funktional Food' o.ä.
Sie lernen schnell, sich anzupassen, die Marketingstrategen der Chemie- und Pharma-Industrie! Nachdem das Projekt Genfood am Widerstand der europäischen Verbraucher zu scheitern droht, nennt man Genfood jetzt 'Vitafoods'. Bei Vitafoods, zu deutsch Lebensmittel, handelt es sich um einen Cocktail aus Nahrungsmitteln, Zusatz-Ergänzungsmitteln, Arzneimitteln und Genfood. Mit diesem Frankenstein-Food will die Pharma-Industrie einen erheblichen Teil des Nahrungsmittelmarktes erobern, dessen Volumen weltweit mit 500 Milliarden Dollar beziffert wird. Die Vitafoods-Mixtur dient - so die Propaganda der Marketing-Strategen der Pharma-Industrie - vor allem der Gesundheit der Menschen. Denn, man höre und staune, die richtige Ernährung ist das Wichtigste bei der Vorbeugung und Heilung von Krankheiten. Während die von der Pharma-Industrie nahezu 100prozentig dominierte Schulmedizin jeden Zusammenhang zwischen Ernährung und Krankheit leugnet, während Krebspatienten gesagt wird, 'Sie können essen, was sie wollen', und während orthodoxe und pharmahörige Mediziner Lachkrämpfe bekommen, wenn man ihnen erklärt, daß man z.B. hyperaktive Kinder durch Ernährungsumstellung heilen kann, wird auf dem 2. Kongreß für Vitafoods in Genf von der gleichen Pharma-Industrie erklärt, das Wichtigste zur Vorbeugung und Heilung von Krankheiten sei die richtige Ernährung! Unglaubwürdiger geht es wohl kaum noch.
Natürlich kann die richtige, die wirklich gesunde und heilende, kurz die optimale Ernährung, nur die Pharmaindustrie gewährleisten, und zwar mit Vitafoods. Man ist nämlich jetzt in der Lage, so tönte es in Genf, sozusagen auf das Molekül genau, eine Ernährung zusammenzumixen, die jeder Anforderung gerecht wird. Man kann Vitamine, Enzyme, Kohlehydrate, Arzneimittel, Eiweiße, Fette, Spurenelemente usw. usw. in 'rein natürlich' (so heißt das jetzt, wenn es um gentechnisch manipulierte Nahrung geht) so ausgewogen und optimal der Nahrung beimischen, daß man künftig Lebensmittel für jeden Zweck erhält, für Wellness, Fitness, Streßabbau, Untergewicht, Übergewicht, Allergien, Hautkrankheiten, Blutkrankeiten, Rheuma, Gicht und Osteoporose, kurz für alles. Die Pharma-Industrie ist ja auch auf dem Arzneimittelsektor nicht gerade ängstlich mit ihren Heilungsversprechungen.
Dieses Denken in chemischen Bestandteilen, die man nur optimal zusammenzufügen braucht, ist in der Tierfutter-Industrie ja bereits seit Jahren gängige Praxis. Dort werden Tierkadaver, also zum Beispiel die an Schweinepest verendeten Tiere oder die an Giften verendeten Laborratten, zu Tiermehl verarbeitet, d.h. in ihre biochemischen Bestandteile wie Eiweiße, Kohlehydrate, Vitamine, Spurenelemente etc. zerlegt und unter Hinzufügung von ranzigen Fetten aus den Friteusen, zum Beispiel von Mc Donalds, den Tieren als 'Kraftfutter' wieder zugeführt. Dieser biochemische Kannibalismus ist seit Jahrzehnten üblich und führt gelegentlich zu Ausfallerscheinungen wie BSE. Als man neulich in Brüssel versuchte, auch Altöle aus Motoren dem 'Kraftfutter' beizumixen, ging es vorübergehend schief. Aber die Pharma- und Gen-Industrie wird auch Dioxin noch genießbar machen. Die durchaus positiven Erfahrungen auf dem Tierfutter-Sektor - was den Profit, weniger was die Tiergesundheit angeht - sollen jetzt offenbar auf den viel größeren Markt der Nahrungsmittel übertragen werden. Schon heute ist es ja gentechnische Praxis, aus Klärschlamm Fleischextrakt, aus Holzmehl Aromaten und aus Tierblut Schokolade zu machen. Man darf gespannt sein, was sich die Vitafoods-Industrie noch einfallen lassen wird. Denn natürlich ist bei all diesen Anstrengungen die Optimierung des Profits wichtiger als die Optimierung der Gesundheit, und bei der Suche nach billigen 'Rohstoffen' sind die Chemiker ungeheuer erfindungsreich, wie man aus dem Tierfuttermarkt weiß.
All diesen reduktionistisch-materialistischen Ansätzen der Chemischen Industrie, Nahrung vorwiegend labortechnisch zu erzeugen, wie das jetzt auf dem 2. Vitafoods-Kongress in Genf erneut präsentiert wurde, wird jedoch übersehen, daß das Wesentliche, das eine gesunde Nahrung ausmacht, eben nicht die Materie, sondern die Lebens-Energie, die Struktur und damit die Information ist. Grundnahrungsmittel, wie Getreide, Obst, Gemüse, benötigen normalerweise Monate, bis sie herangereift sind. In dieser Zeit nehmen sie Licht, Energie, Informationen auf, die ihnen Gestalt und Struktur geben (Erich Körbler: 'Nahrung ist gebundenes Licht'). Struktur und Information eines Grundnahrungsmittels sind qualitativ umso besser, je biologischer und natürlicher das Nahrungsmittel heranreift. Diese Qualität ist inzwischen mit verschiedenen Methoden meß- und beweisbar (Popp und andere). Dagegen ist künstlich hergestellte, nur durch Quantitätsverhältnisse bestimmte (soviel Eiweiß, soviel Kohlehydrate, soviel Vitamine, soviel Fette, soviel Arznei usw.) Nahrung nahezu strukturlos - und damit informationslos. Auch das läßt sich inzwischen messen und dokumentieren. Solche Nahrung, wie sie mit Vitafoods angestrebt wird, ist für den Organismus nicht nur wertlos, sondern, weil sie den Stoffwechsel belastet, ohne ihm die notwendige Energiezufuhr zu gewährleisten, auch schlicht ungesund (siehe hierzu auch 'Informationen zur Information' in raum&zeit Nr. 100). Die Energiezufuhr des Organismus erfolgt nämlich nicht, wie die Chemie und Biologie immer noch annimmt, durch 'Verbrennung' wie beim Otto-Motor, sondern durch die Zufuhr von Lebens-Energie auf eine viel komplexere Weise als bisher angenommen wurde. Dazu ein praktisches Beispiel, wie sich künstliche Nahrung auswirken kann: Jeder Europäer, der in die USA reist, wundert sich, wieviel wirklich fette junge Leute er dort sieht. Sie ernähren sich aber alle mit Low-Fat-. Diese fettreduzierte, künstlich manipulierte Nahrung ist unnatürlich und somit unstrukturiert. Informations- und Energiegehalt für den Organismus gleich Null. Der Stoffwechsel wird belastet und schon geschädigt. Die Menschen quellen auf. Das Wort 'Der Mensch lebt nicht vom Brot allein' hat hier seine ursprüngliche Bedeutung. Und noch ein drastischeres Beispiel, worum es hier geht: Ich nehme von einer Person sämtliche biochemischen Werte: Ihren Bestandteil an Eiweiß, Fett, Kohlehydrate,Vitamine, Wasser etc. Dann drehe ich diese Person durch einen Fleischwolf und nehme wieder ihre biochemischen Daten auf, es sind die gleichen wie vorher. Nur die Struktur der Person hat sich verändert, und zwar dramatisch. Diese formgebende Struktur bekam die Person im Laufe ihres Lebens aus den Bildekräften der Natur, die in gesunder Nahrung als Struktur, Information und Energie enthalten sind, und zwar sozusagen zwischen der Materie, nicht aber in der Materie. Zu den fundamentalsten Fehlannahmen unserer herrschenden Naturwissenschaft gehört die Behauptung, in Materie (wie z.B. in einem sogenannten Gen) sei Leben, Lebens-Energie, seien formgebende Kräfte enthalten. diesem Hintergrund muß man den 2. Vitafoods-Kongreß betrachten, den Stefan Duschl für raum&zeit in Genf besucht hat. Hier ist sein Bericht: Unter dem Oberbegriff 'funktionelle Nahrungsmittel' (engl. functional foods) begegnet uns bereits heute so manches Produkt in den europäischen Supermärkten. Möglicherweise hat Ihnen auch in letzter Zeit schon das probiotische Brötchen mit Bifido-Activator 1 aus der Vitrine des nächstgelegenen Großbäckers entgegengelächelt. Allgemein werden hierunter alle herkömmlichen Nahrungsmittel, in denen unter Berufung auf gesundheitsfördernde Aspekte natürliche Bestandteile künstlich zugesetzt sind, subsumiert. Jetzt sind sind sich Forschung und Industrie einig, daß dies noch lange nicht alles gewesen sein kann. Man verweist auf das Volumen dieses Marktsektors in Höhe von geschätzten 500 Mrd. US-$ weltweit und bläst zur globalen Mobilmachung bei der Auslotung der Absatzchancen und bei der Bekämpfung der heute fast überall sehr strikten legislativen Bestimmungen bei der Zulassung von Lebensmitteln, die noch dazu zwischen den einzelnen Nationen stark variieren. Auch ein Name ist für diesen Plan bereits gefunden: 'Vitafoods'.
Und unter diesem Titel fand vom 13.-15. April 1999 in Genf die 2. Internationale Vitafoods Konferenz statt. 'Vitafoods' definieren sich als 'natürliche Lebensmittel und natürliche Komponenten von Lebensmitteln, Pflanzen und Kräutern, die die Bedürfnisse des modernen, gesundheitsbewußten Verbrauchers befriedigen sollen, wobei sie dessen körperliche und mentale Lebensqualität verbessern, seine Widerstandsfähigkeit erhöhen oder zur Regeneration von Erschöpfungszuständen und Krankheiten beitragen. Sie können auch zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands des Verbrauchers oder zur Vorbeugung vor Gesundheitsrisiken dienen. Naturheilmittel werden ebenfalls unter diese Definition gerechnet. Begründet wird die Einführung dieses neuen globalen Arbeitstitels mit der verwirrenden Begriffsvielfalt, die heute auf dem Ernährungssektor bei der Klassifizierung künstlich angereicherter Produkte vorliegt. Dazu gehören: functional foods, medical foods, fortified foods, dietetic foods, sports foods u.v.m. An dieser Stelle kommt bereits die Tendenz zum Ausdruck, zu übersehen, daß sich die Gruppe der 'consumer' aus Individuen zusammensetzt, als solche mit individuellen Bedürfnissen. Kam diese Begriffsvielfalt nicht gerade wegen der Vielzahl individueller Bedürfnisse zustande? Besteht nicht jetzt die Gefahr, durch die Postulierung eines einheitlichen Konzepts die Konsumentengesundheit zu einem einheitlichen, universalgültigen Baukastensystem verkommen zu lassen?
Scheinheilige Begründungen
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wozu benötigen wir eigentlich Vitafoods? Nun, die Vitafoods-Promoter führen hierfür sieben klare Gründe an:Dann stellen wir doch bei so viel überzeugenden Argumenten als nächstes die Frage, warum das Vitafoods-Konzept nicht schon längst auf breiter Ebene Realität geworden ist. Auch hierzu gibt es zwei klare Antworten:
- Klinische Erfahrung: 'Die funktionelle und therapeutische Effizienz vieler bekannter und neuer natürlicher Nahrungsmittelkomponenten und Naturheilmittel wird gestützt durch klinische und epidemiologische Forschung. Resultate empirischer in vivo-Forschungen weisen mehr und mehr auf die zentrale Bedeutung von Ernährungsfaktoren bei der Ursachenforschung und der Behandlung einer stetig wachsenden Zahl von Krankheiten hin.'
- Wirtschaft und Politik: 'Wachsende Kosten im Gesundheitswesen drängen die Regierungen, eine Reduzierung der Krankheits- und Sterblichkeitsraten durch Förderung eigenverantwortlicher Gesundheitsvorsorge zu erreichen.'
- Verbraucher: 'Die Verbraucher haben heute ein hohes Gesundheitsbewußtsein entwickelt. Sie sind sich im klaren über die ursächlichen Beziehungen zwischen Ernährung und Krankheit sowie über die Bedeutung einer natürlichen Ernährung als Alternative zu künstlichen Zusätzen und Pharmamedizin. Diese Verbraucher haben in den letzten Jahren ihre Gewohnheiten drastisch in Richtung gesundheitsbewußter Ernährung umgestellt und werden dies weiterhin in immer größerem Maße tun.'
- Medien: 'Über Radio, Fernsehen und die Printmedien wird heute eine enorme Menge an Informationen über Naturheilkunde, Diät und Ernährung verbreitet.'
- Industrie: 'Die Industrie verstärkt auf der steten Suche nach einer verbesserten Marktaufteilung mehr und mehr die Erforschung neuer Möglichkeiten und verbesserter Produkte.'
- Technologie: 'Die vergangenen Jahre brachten wichtige Innovationen bei den Lebensmittelzutaten und in der Prozeßtechnologie mit sich.
- Lebensmittelauszeichnung: 'Mit dem steigenden Gesundheitsbewußtsein des Verbrauchers kann die Vermarktung der Qualitäten bestimmter Produkte immer effizienter betrieben werden. Eine Auszeichnung mit einem Siegel 'rein natürlich' ist ein definitiver Vorteil in diesem neuen Markt.'
Prof. Goldberg von der medizinischen Fakultät der Hebräischen Universität in Jerusalem führt in seinem Eröffnungsvortrag zur Vitafoods-Konferenz folgendes Beispiel an: 'Die Mengen, in denen natürliche Bestandteile normalerweise in Lebensmitteln vorkommen, sind (bei Konsumierung dieser Lebensmittel in den üblichen Mengen) häufig unangemessen, um optimalen gesundheitlichen Nutzen zu erreichen. Ein Beispiel, um die Notwendigkeit der Anreicherung bestimmter Nahrungsmittelbestandteile zu demonstrieren, ist b-Karotin (Vitamin-A-Vorläufer). Die bei durchschnittlicher Ernährung täglich konsumierte Menge liegt geschätzt bei 1,5mg. Die ideale zu konsumierende Menge läge jedoch in Bevölkerungsgruppen mit sehr niedrigen Krebs- und Herzgefäßerkrankungsraten bei 6mg täglich, in Risikopopulationen bzgl. dieser Erkrankungen sogar bei weit über 20mg pro Tag.'
- Erstens erhält laut den Vitafoods-Päpsten ein Vitafoods seine moralische und wissenschaftliche Legitimation durch den exakten wissenschaftlichen Nachweis des gesundheitlichen Profits durch ein bestimmtes Vitafoods. Dieser läßt sich nicht aus statistischen oder anderen empirischen Daten ableiten, sondern muß durch Offenlegung des Zusammenhangs zwischen Vitafoods-Komponente und gewünschter gesundheitlicher Auswirkung auf molekularer Ebene geführt werden. Dies sei erst in jüngster Zeit durch entsprechende Fortschritte der molekularbiologischen Forschung und Technologie möglich geworden. Ist dieser Nachweis einmal geführt, so könne exakt die Menge einer Komponente errechnet werden, die dem Nahrungsmittel hinzugefügt werden muß bzw. auf die eine bereits vorhandene Komponente angereichert werden muß, um den gewünschten Effekt zu erzielen.
- Zweitens unterliegt die Zulassung von Lebensmittelzusätzen bzw. die Trennlinie zwischen Lebensmittel und Arznei in den Industrieländern (und nur diese sind für Vitafoods interessant) strengen Vorschriften und ist darüber hinaus uneinheitlich. Die Etablierung von Vitafoods als bedeutendem Wirtschaftszweig erfordert entweder eine tiefgreifende Verschiebung der Trennlinie hin zu den Arzneimitteln oder, einfacher, die Einführung einer dritten Kategorie, die die Grauzone dazwischen abdeckt. Daß Vitafoods hier noch einen steinigen Weg vor sich haben, ist allen Involvierten klar. Daß dieser Weg noch mit erheblichem Widerstand nicht zuletzt durch die vielbeschworenen ,conscious consumersi (bewußte Verbraucher) beladen sein wird, ist ebenso klar. Dieser ,conscious consumeri wird daher also von vornherein per definitionem zum virtuellen Vitafoods-Verfechter deklariert.natürliche Nahrung enthält unangemessene Bestandteile.
In diesen Sätzen kommt bereits das gesamte Dilemma des Vitafoods-Konzepts zum Ausdruck. Die Meinung Prof. Goldbergs, der Vorratsschatz der Natur hätte alles zu bieten, was unsere Gesundheit benötigt, nur eben für die Bedürfnisse des modernen Menschen falsch verteilt, sollte uns zu denken geben. Ist es nicht umgekehrt so, daß die gesundheitlichen Bedürfnisse des 'modernen' Menschen aufgrund von Umweltverschmutzung und chemischen Belastungen ein Zerrbild der Bedürfnisse des natürlichen Menschen darstellen?
Des weiteren nimmt sich das Vitafoods-Konzept durch Aufweichung der Grenze zwischen Nahrungsmittel und Arzneimittel die Möglichkeit, mit ihren 'Errungenschaften' therapeutisch individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Wer wird sich später ans Supermarktregal stellen, den Verbraucher befragen und ihn beraten, welches Produkt nun für seine persönlichen Anforderungen geeignet ist und welches andere vielleicht doch ein wenig zu 'überangereichert' ist? Wird es nicht vermutlich eher so kommen, daß mit den verschiedensten Werbekonzepten Bedürfnisse geschaffen werden, die bis dato gar nicht vorhanden waren (nennen wir es mal das Handy-Syndrom), und bei deren kritischer Hinterfragung der gesundheitliche Laie ein wenig überfordert ist. Eine Grundlagendiskussion über die Frage, ob es nicht möglicherweise handfeste Gründe dafür gibt, daß die Industrienationen bis heute eine so strikte Trennung zwischen Nahrungsmittel und Arznei aufrecht erhalten haben (Ausnahme Japan, dazu später), würde einer glaubwürdigen Kampagne gut zu Gesichte stehen.
Schließlich fährt Prof. Goldberg mit seinem Beispiel unmittelbar wie folgt fort: 'Man muß sich bewußt machen, daß die Entwicklungen auf dem Gebiet Vitafoods, die bis in das Jahr 1964 zurückreichen, parallel verliefen zu den schnellen und bedeutsamen Entwicklungen in der Gentechnik, die ebenfalls um dieses Jahr herum begannen. Diese biotechnologischen Fortschritte können genutzt werden, um die eben zitierten Probleme bei der Konzentration von Nahrungsbestandteilen auf verschiedene Weise zu lösen:Zur Erzeugung neuer Nahrungsbestandteile führt Prof. Goldberg die Ergebnisse einer Forschungsgruppe um I. Potrykus vom Schweizer Technologieinstitut in Zürich an, der es gelang, Reispflanzen durch gentechnische Veränderung zur Produktion von b-Karotin anzuregen. Natürliche Reispflanzen produzieren diesen Bestandteil nicht. Möglichkeiten zur Transformation von Bestandteilen veranschaulicht er durch Forschungen von D. Della Penna und D. Slintani von der Universität von Nevada in Reno, die gentechnisch veränderte Aradopsis (ein Ackerkraut) dazu brachten, statt g-tocopherol (g-Vitamin E) a-tocopherbl (a-Vitamin E (als Isomere des Vitamin E) zu produzieren. Weitere Beispiele zu den genannten Methoden schließen sich an.
- durch Erzeugung neuer Bestandteile
- durch Transformation bestehender Bestandteile in andere neue
- durch Suche nach mächtigeren Bestandteilen
- durch Identifikation der sensibelsten Hemmschwelle
- durch Kombination von Bestandteilen
- durch Erhöhung der Absorptionsrate von Bestandteilen.
Wir können es uns hier jedoch ersparen, weiter in die den Experten vorenthaltene Begriffswelt der Biochemie einzudringen. Halten wir lieber fest, daß es schon als dreist bezeichnet werden muß, wie in der Eröffnungsrede zu diesem thematischen Komplex mit wenigen Sätzen gentechnische Veränderungen als ,rein natürlich verkauft werden. Wenn wir uns vor diesem Hintergrund nochmal die Definition von Vitafoods (s.o.) vor Augen halten, die nicht gerade sparsam mit dem Attribut ,natürlich umgeht und die vor allem Vitafoods als große Alternative dem Komplex der Pharmaprodukte gegenüberstellt, so ist die Frage berechtigt, ob uns im Vitafoods-Konzept nicht der Wolf im Schafspelz begegnet. Die Genfer Konferenz läßt aber auch hierzu jede Grundsatzdiskussion vermissen.
Stattdessen kommen die wahren Prioritäten dadurch zum Ausdruck, daß sich an den Eröffnungsvortrag drei Studien anschließen, die die rechtliche Zulassungssituation in den führenden Industrienationen bzgl. der durch Vitafoods abzudekkenden Grauzone beleuchten:Möglichst einheitliche Gesetzgebung wird angestrebt
Europa: Stefanie Geiser von European Advisory Services (EAS) in Brüssel führt die Uneinheitlichkeit der einschlägigen Zulassungsbestimmungen in Europa im Detail aus. Sie führt diese Uneinheitlichkeiten insbesondere auf die kulturell bedingten verschiedenen Ernährungsgewohnheiten zurück sowie auf die unterschiedlichen Krankheitsprofile in den verschiedenen europäischen Populationen. Zunächst werden die Zulassungsbestimmungen für Zusätze wie Fettsäuren, essentielle Aminosäuren, Peptide, Kräuter, Antioxidantien etc. im einzelnen beleuchtet, was EAS zum Schluß kommen lässt, daß die größten Handelsbarrieren im Nahrungsmittelsektor innerhalb der EU die Nahrungszusätze und die daraus erzeugten ,fortified foodsi (angereicherte Lebensmittel) darstellen.
Das zweite Hauptaugenmerk der EAS-Untersuchungen gelten den EU-Bemühungen, eine europaweit einheitliche Gesetzgebung herzustellen. Auf dieser Ebene wurden bisher außer der Novell Food Verordnung noch keine greifbaren Ergebnisse in die Tat umgesetzt. Die derzeit dabei meist diskutierten Fragen sind:USA: Stephen McNamara von Hyman, Phelps & McNamara in Washington skizziert die besonders restriktive Behandlung bei der Trennung zwischen foods und drugs in den USA durch die nationale Food and Drug Administration (FDA). Arzneimittel sind dort definiert als Produkte, die der Diagnose, Heilung, Linderung, Behandlung oder Verhütung von Krankheiten dienen sowie Produkte, die auf die Veränderung von Körperstrukturen oder -funktionen abzielen.
- Wünscht der europöische Verbraucher tatsächlich functional food und die damit verbundenen Produktauszeichnungen bzgl. gesundheitlicher Auswirkungen? Studien von 1998 sollen belegen, daß 90% der Verbraucher Interesse daran haben, ob ein bestimmtes Produkt krankheitsvorbeugende Funktionen in sich birgt. 83% sprechen sich dafür aus, solche Eigenschaften auf dem Produkt zu kennzeichnen. Dies sagt jedoch noch nichts darüber aus, ob der Verbraucher functional food an sich für sinnvoll hält. Auch kennt man nicht die Fragestellungen dieser Untersuchung.
- Wie kann das Ziel erreicht werden, daß Produkte, die ihre Zulassung in einem EU-Land erhalten haben, damit automatisch auch in allen anderen EU-Ländern zugelassen sind?
- Wie gelangt man trotz der unterschiedlichen Ernährungsanforderungen in den EU-Ländern zu allgemeingültigen Grenzwerten, die EU-weit als sicher anzusehen sind?
- Wie kann dem Verbraucher die freie Entscheidung über die Wahl zwischen manipulierten und nicht manipulierten Lebensmitteln garantiert werden?
- Welche Form der Produktauszeichnung kann als der beste Ansatz angesehen werden? Favorisiert wird heute der schwedische Ansatz, wo die heutzutage zugelassenen angereicherten Lebensmittel eine zweiteilige Etikettierung aufweisen müssen: zum einen eine allgemeine Aussage über die Zusammenhänge zwischen einem oder mehreren Produktbestandteilen und den korrespondierenden gesundheitlichen Auswirkungen. Darauf folgt die genaue Zusammensetzung des Produkts mitsamt allen seinen Bestandteilen.
In der Konsequenz daraus ist es generell untersagt, Lebensmittelprodukte mit Aussagen bzgl. ihrer möglichen Hilfe zur Heilung, Linderung, Behandlung oder Verhütung von Krankheiten zu versehen. Als besonders kurioses Beispiel zitiert McNamara hierzu das Beispiel eines amerikanischen Fruchtsaftherstellers, der auf dem Etikett des von ihm produzierten Johannisbeersafts die bekannte präventive Wirkung der Johannisbeere zitierte und dafür die Lizenz für seine Produkte zunächst entzogen bekam und erst nach mehrmonatigem Gerichtsprozeß wieder zurückerhielt.
1997 wurde nun jedoch von Bill Clinton ein Gesetz namens FDA Modernization Act (FDAMA) unterzeichnet, das der Lebensmittel-Industrie einen kleinen Spielraum bei gesundheitsspezifischer Etikettierung von Produkten einräumt. Produktaussagen sind seither dann erlaubt, wenn sie den genauen Wortlaut wissenschaftlicher Untersuchungen wiedergeben, die von einer für die öffentliche Gesundheitsvorsorge zuständige wissenschaftliche Körperschaft der Vereinigten Staaten erstellt wurden.
Die Aussage muß darüber hinaus in einer Weise verfaßt sein, die es auch dem Laien ermöglicht, den wissenschaftlichen Gehalt zu erfassen. Seine sehr ausführlichen Betrachtungen zu diesem neuen Gesetz schließt McNamara mit dem Fazit, daß in den USA der richtige Zeitpunkt gekommen sei, um einen neuen Markt wie Vitafoods durchzusetzen: " .... generell kann kein Zweifel mehr bestehen, daß wir uns inmitten einer Periode befinden, in der wir uns auf große Chancen bezüglich gesundheitsbezogener Etikettierung von Lebensmittelprodukten zu- bewegen."
Japan: Dieser zentrale Konferenzteil wird von Dr. Michael Heasman von der Tames Valley Universitöt/Großbritannien übernommen, der Japan als das leuchtende Vorbild der Vitafoods-Kampagne prösentiert. Dort nimmt eine Produktgruppe namens FOSHU (FOods for Special Health Use) bereits einen Markt mit einem Volumen in Höhe von 9 Mrd. US-$ ein. FOSHU ist dort bereits seit den 80er Jahren Realität und ist durch ein zentrales staatliches Zulassungsverfahren geregelt. Der japanische FOSHU-Konsument ist bereits heute in der 'glücklichen' Lage, etwa seiner Kariesvorsorge, der Regulierung des Cholesterinspiegels oder Vorbeugung gegen Bluthochdruck durch die Wahl bestimmter Lebensmittel Rechnung zu tragen. Eine ausführliche Analyse über gesundheitliche Entwicklungen infolge von FOSHU fehlten dem Vortrag jedoch. Wäre dies doch an dieser Stelle besonders interessant, denn das Vitafoods-Konzept vermeidet ja durch die geforderte alleinige Legitimation von Produkten durch wissenschaftliche Offenlegung molekularer Zusammenhänge die Diskussion über Langzeitstudien und mögliche weniger erwünschte Nebeneffekte.Neue Verpackung mit grünem Anstrich
Durch diese einführenden Vorträge wird schon unverhohlen klar gesagt, worum es bei Vitafoods geht: um die Eroberung gigantischer Marktanteile. Sollte es hier tatsächlich auch um die Förderung von Gesundheit gehen, so steht dies innerhalb der Kampagne bestenfalls in zweiter Reihe. Und schließlich wird man den Gedanken nicht los, daß es hier noch um etwas ganz anderes geht: nämlich darum, der traditionellen Pharma-Industrie, die durch einen grundlegenden Bewußtseinswandel in der Bevölkerung in Verruf geraten ist, eine neue Verpackung mit grünem Anstrich zu geben.
An diesem Punkt wird bei raum&zeit-LeserInnen möglicherweise die Erinnerung an das Kommunikationsprogramm wach, das vom PR-Konzern Burson Marsteller im Jahr 1997 für die in der Gesellschaft EuropaBio zusammengeschlos- senen Konzerne erstellt wurde (veröffentlicht in raum&zeit Nr. 91). Hierin werden die strategischen Grundlagen formuliert, die der anstehenden Vermarktung der modernen Biotechnologien zur gewünschten Verbraucherakzeptanz verhelfen sollen. Und tatsächlich spiegeln sich die zentralen Aussagen dieses Papiers in der Genfer Konferenz wider:Die Heilsversprechungen von Vitafoods
- Verhaltensvorgabe Burson Marsteller für die Pharma-Konzerne: "Um die gewünschten Wirkungen hinsichtlich der öffentlichen Wahrnehmungen und Meinungen zu erzeugen, müssen die Bioindustrien aufhören, als ihre eigenen Fürsprecher agieren zu wollen."
Die Definition von Vitafoods schließt ja die klassischen Pharmaprodukte (und damit implizit deren Hersteller) erklärtermaßen aus. An jeder passenden Stelle wird das Bild vom Verbraucher gezeichnet, der des Griffs zur klassischen Arznei überdrüssig ist und nach grundlegend neuen Alternativen sucht. Doch wer sonst außer den etablierten Pharma-Konzernen wird uns denn die Vitafoods anreichern?- Verhaltensvorgabe BM: "Als allgemeine Regel kann nicht erwartet werden, daß es der Industrie gelingt, in diesen Fragen eine erfolgreiche öffentliche Verteidigungsstellung den Kritikerstimmen gegenüber zu beziehen. .... Aber die Industrie muß akzeptieren, daß es an jenen liegt, die das Vertrauen der .Öffentlichkeit in diesem Bereich genießen - also den Politikern, Gesetzgebern und Behörden - die .Öffentlichkeit von der Unbedenklichkeit der Bio-Industrieprodukte zu überzeugen".
Das ist der Hintergrund, warum in der Diskussion dem Thema der gesetzlich geregelten Produktetikettierung so großer Raum eingeräumt wird. Allerdings scheint es derzeit noch so zu sein, daß sich die Vitafoods-Promoter mit einer Schar von Politikern konfrontiert sieht, die selbst erst noch überzeugt werden muß, bevor sie sich für die Unterstützung des Marketings einspannen lassen.- Verhaltensvorgabe BM: "Wenn es EuropaBio gelingen soll, den Übergang von einem effektiven Gesprächspartner für politische Fragen zu einer effektiven öffentlichen Stimme zu vollziehen, muß eine Verlagerung von einer sachfragenorientierten Kommunikation hin zu einer auf 'Geschichten' gestützten Kommunikation stattfinden. ... Gute Geschichten hingegen, gehen innerhalb von Minuten um den Globus. Nach diesen Regeln spielen unsere Gegner, und so muß die Industrie ebenfalls spielen".
Es geht also darum, die neuen Pläne stets in Verbindung mit neuen 'Heilvorstellungen' zu präsentieren. Diesem Gesichtspunkt wird in der Konferenz am ausgiebigsten Rechnung getragen: der zeitlich umfangreichste Teil der Konferenz widmet sich Fachvorträgen von Forschern aus Europa und den USA, die die zahlreichen zukünftigen Anwendungsbereiche für das Design von Vitafoods belegen sollen. Im folgenden soll ein kleiner Auszug gegeben werden aus dem, was in den Labors heute angedacht wird:Krebsvorbeugung: Dr. Ruud Woutersen vom TNO Nutrition and Food Research Institute / Niederlande präsentiert den Forschungsstand seines Instituts über Ernährungsfaktoren bei der Vorbeugung vor und Beeinflussung von Krebserkrankungen. Basierend auf langjährig gewonnenen experimentellen und epidemiologischen Daten kommt er zu dem Schluß, daß bei nahezu allen Krebsarten klare Beziehungen zur Ernährung nachgewiesen werden können. Genetische Disposition spielt dabei allenfalls eine untergeordnete Rolle. Insbesondere widmet er sich der Untersuchung der Auswirkungen der Vitamine A, C, D und E sowie von Selen, Calcium und Vitamin-B-Komplex. Er schließt mit dem Fazit, daß sich durch funktionelle Nahrungsmittel vermutlich große Chancen ergeben, gibt aber zu bedenken, daß die Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet noch völlig unzureichend sind. Insbesondere werden bis heute lediglich Ursache-Wirkungs-Beziehungen einzelner Nahrungskomponenten erforscht. Ein sinnvoller Einsatz von Vitafoods ist auf diesem Gebiet erst nach Erforschung der komplexen Zusammenhänge beim Zusammenspiel aller vorhandenen Nahrungskomponenten möglich.
Übergewicht: Prof. John Blundell, Lehrstuhlinhaber für Biopsychologie der Universität Leeds erforscht die Auswirkungen der Haupternährungsbestandteile wie Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate auf die Phänomene Sättigung (das Ende des Eßakts) sowie Sattheit (der andauernde Zustand des Nichtessens). Er sieht in der gezielten Manipulation der Nahrungsbestandteile mit hoher Energiedichte, vor allem Fett, sowie des Wasseranteils in funktionellen Nahrungsmitteln den Schlüssel zur Bewältigung des Problems Übergewicht in den Industriestaaten.
Lebensmittelunverträglichkeit und Allergie: Dr. Torben Sörensen von TBS Safety Consulting / Dönemark wurde als Experte zum Thema Allergien und Unverträglichkeiten geladen. Er macht heute zwei Hauptursachen als Allergieursachen aus:
- Eine ursächliche Rolle spielen Lebensmittelverunreinigungen, die durch unsaubere Verarbeitungstechniken eingebracht werden. Da diesem Punkt heute aber mehr und mehr Beachtung geschenkt und durch entsprechende Maßnahmen entgegengewirkt wird, erkennt Sörensen eine positive Entwicklung hier.
- Bei den originären allergenen Nahrungsinhaltsstoffen spielen nahezu ausschließlich globular proteins (kugelförmige Eiweiße) eine Rolle. Sörensen warnt daher zunächst vor Gefahren durch Gentechnik, die nach ihrem heutigen Wissensstand nicht absehen kann, ob und welche neuen Allergene sie durch Veränderung von Proteinstrukturen möglicherweise produziert. Im nächsten Schritt weist er allerdings auf jüngste Forschungsergebnisse hin, die erstmals zuverlässige Methoden für die Überprüfung der allergenen Eigenschaften natürlicher und manipulierter Proteine liefern.Sportmedizin: Dr. Fred Brouns von der Head Novartis Nutrition Research Unit / Maastricht präsentiert einen ausführlichen Überblick über die Mechanismen des Energieumsatzes bei Ausübung der verschiedenen Hochleistungssportarten. Anhand von Untersuchungen der Auswirkungen von Kreatin, Fett, Kohlenhydrate, Proteinen, isolierten Aminosöuren und L-Carnitin, Glutamin und Koffein unter den verschiedensten Formen körperlicher Belastungen versucht er zu zeigen, daß die dadurch beeinflußten Stoffwechselprozesse heute so erschöpfend erforscht sind, daß durch gezielte Komposition und Dosierung der genannten Nahrungsbestandteile dem Sportler die Grundlage zur Erzielung optimaler Energiekurven an die Hand gegeben werden können. Schließlich fehlt in seinem Vortrag nicht der Hinweis, daß die heutzutage machbare Ernährungskomposition keinerlei Gefahr mehr zur Verletzung der gültigen Dopinggrenzen in sich birgt. Er schließt mit dem Hinweis, daß seiner Meinung nach dieser neue Markt bis zum Jahr 2010 40% des gesamten Lebensmittelmarkts ausmachen wird, verbunden mit dem Appell an die Industrie, die Weichen frühzeitig zu stellen, um nicht auf der Strecke zu bleiben.
Die Liste der vorgestellten möglichen Zielgruppen für ein neues Vitafoods-Konzept ließe sich nun natürlich noch erheblich erweitern. Den Referenten, die auf dem Kongreß ihren Wissenstand zu bestimmten einzelnen Anwendungsmöglichkeiten von Vitafoods präsentierten, sei hier keinesfalls abgesprochen, daß sie ihre Untersuchungen nicht nach dem ihnen bekannten modernsten ernährungsphysiologischen Erkenntnisstand und unter Berücksichtigung aller ihnen bekannten Gefahren anfertigen. Den bitteren Nachgeschmack hinterlassen die Päpste, die das Konzept Vitafoods in seiner Gesamtheit promoten. Es ist wohl mehr als unwahrscheinlich, daß dieser Personenkreis ernsthaft selbst glaubt, zu wissen, welche möglichen unerwarteten Auswirkungen dieses alles abdeckende Konzept in seinem Gesamtzusammenspiel hervorruft! Und noch einmal: müssen wir wirklich das, was wir für unsere Gesundheit benötigen, künstlich anreichern oder gar 'künstlich natürlich' erzeugen? Das darf bezweifelt werden. Sind nicht vielmehr die abzudeckenden Bedürfnisse durch Marketingstrategen und durch die Lasten der modernen Industrialisierung künstlich erzeugt?
Merke in jedem Fall: nicht alles, was einen grünen Label trägt, dient letztendlich auch der Gesundheit.Anmerkung der Redaktion:
Siehe hierzu auch den Beitrag 'Ethik und Genetik' von Professor Ulrich Beck, München. Darin heißt es unter anderem:
"Wenn eine Regierung die Einführung genetisch manipulierter Nahrungsmittel hinauszögert, sieht sie sich nicht nur mit der Opposition der Nahrungsmittelgiganten konfrontiert, diese Regierung gerät auch in Konflikt mit der Welthandelsorgansation. Wer also beantwortet die Frage, wie wir leben wollen? Die Wissenschaft? Die Industrie? Die globalen Konzerne? Oder die nationalen Regierungen? Welche Möglichkeiten gibt es, den Ängsten der Menschen Gehör und Geltung zu verschaffen? Sind die Konsumenten und Wähler denn machtlos angesichts globalisierender Lebensmittelketten und Marktmonopole?"
PS: Wem so richtig schön schlecht werden will, der kann auch im Buch 'Die Suppe lügt' des Ex- Spiegel- Redakteurs Hans-Ulrich Grimm nachlesen was bereits alles an Abfällen, Kunstbakterien, Chemie, Giften, Genprodukten und anderen Widerlichkeiten im 'ganz normalen' Essen verpackt ist.
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