Die Heilkraft der Rohkost am Beispiel Diabetes

Teil 1                                                    Februar 2000
 

                        Von Wolfgang Friedrich
 

Übersicht Teil 1

    Einleitung

Kapitel 1: Was gilt mehr: persönliches Erleben oder Wissenschaft?

    Gesundheitliche Lebensgeschichte des Autors
    Ist Wahrheit relativ oder absolut?
    Was soll man nun essen?
    Relative Wahrheiten bei Roh- und Normalköstlern
    Offene Sicht
    Das Verhängnis
    Diabetes Typ 2: Das Problem
    Beobachtungen eines insulinspritzenden Diabetikers
    Diabetes: Erweiterte natürliche Therapie
    Unheilbare Krankheit
    Diabetes Typ 2, "Remissionäre" und andere Kranke: Heilung
    Wissenschaft
    Umstellungsprobleme und Reinigungskrisen
    Der Einstieg
    Erste Erfolge bei Typ-2-Diabetes
    Rohkostbücher
    Rohkostzeitschriften
 

Einleitung
 

In dieser Schriftenreihe möchte ich Ihnen, lieber Leser, einen recht ungewöhnlichen Weg vorstellen: Leben unter der Aufnahme ausschließlich roher, pflanzlicher Nahrung. Warum manche Menschen diesen Weg gehen, möchte ich einmal so formulieren: Der einzige wirkliche Bewahrer, Reparierer und Heiler für unseren Körper ist die Natur, und die Arbeitseinheit Natur/Körper wird geschont, entlastet und kann sich regenerieren, wenn man ihr über die Nahrung nicht dauernd fremde (unnatürliche, tote) Stoffe aufzwingt, sondern ihr stattdessen Natürliches, Lebendiges gibt. Das Ziel ist die Erlangung und die Erhaltung möglichst umfassender, natürlicher Gesundheit. Viele Berichte über Rohköstler, die sich von ihren, manchmal sogar allgemein als "unheilbar" geltenden, Krankheiten heilen konnten, sprechen eine deutliche Sprache.

Kochtopf, Bratpfanne, Backofen, Konserven und Fertigprodukte aus dem Laden, Fleisch, Milch, Eier, Fabrikzucker, Mehl, Produkte aus den vier letztgenannten, Kaffee, Alkohol, Rauchen, Drogen, Pillen: ohne all dies wird ausgekommen. "Ist eine solche Ernährung ausreichend?", "Kann man denn überhaupt so leben?": dies sind zwei von vielen Fragen, die oft zu hören sind, wenn man Menschen von einer Ernährung aus reiner Rohkost (= natürliche Nahrung) erzählt.

Trotzdem handelt es sich um nichts Weithergeholtes, ganz im Gegenteil: Ich vermute, die meisten von uns hatten schon, und sei es in früher Kindheit, Gedanken, die dem, was hier beschrieben wird, sehr nahestehen. Viele werden sie verdrängt haben, weil sie eben im Gegensatz zur "normalen" Lebensweise stehen.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff einer Ernährungsart "Rohkost" nicht einheitlich verwendet. Im Folgenden soll damit aber immer die genannte reine, ausschließliche Form gemeint sein. Verwandte, kompromißbereitere Ernährungsformen werden auch zur Sprache kommen, aber dann eben nicht unter dem Begriff "Rohkost".

Diese Textbeiträge sollen keine Konkurrenz zur bereits bestehenden, recht umfangreichen Rohkostliteratur sein. Jedoch möchte ich Menschen, die dazu bereit sind, anregen und anstoßen, Althergebrachtes einmal in Frage zu stellen und sich mit dem Thema natürliche Ernährung zu befassen, wozu dann auch (vor und während einer eventuellen praktischen Umsetzung) das Studium der genannten Literatur gehört. Ein paar Buchhinweise finden Sie am Ende von Kapitel 1.

Darüber hinaus möchte ich insbesondere auch Hilfestellung anbieten für den Fall, daß Gesundheit und Unabhängigkeit von der Medizin auch mit Rohkost nicht mehr ganz erreichbar sind.

Diese Fälle werden in den meisten Rohkostbüchern etwas stiefmütterlich behandelt. Dies liegt auch etwas in der Natur der Sache: Denn sehr viele (Zivilisations-)Kranke, die zur Rohkost übergingen, erlangen tatsächlich einen natürlichen, fast jugendlichen Gesundheitszustand zurück und kommen von allen Medikamenten und Behandlungen los. Klar, daß diese wunderbaren Erfolge in den Büchern über Rohkost und verwandte Ernährungsarten stolz präsentiert werden. Wird dagegen diese natürliche Gesundheit und Unabhängigkeit nicht komplett erreicht, ist eine individuell angepaßte und immer wieder zu hinterfragende Therapie nötig. Die Situation wird dadurch evtl. noch komplizierter, daß übliche Therapien und Therapieregeln sich nicht immer mit Rohkost vertragen (weil sie unnatürlich sind und die nun wieder intakte körpereigene Abwehr herausfordern und ständig belasten können).

Solche Dinge kann man natürlich nicht in einem Buch pauschal beschreiben, zumal entsprechende Erfahrungswerte absolute Mangelware sind. Aber auch und gerade in diesen Fällen lohnt sich eine Umstellung auf Rohkost, davon bin ich fest überzeugt!

Diese Überzeugung basiert insbesondere auf meiner eigenen Erfahrung, denn ich habe Diabetes (Zuckerkrankheit, und zwar vom "jugendlichen" Typ = Typ 1), der auch nach fast vier Jahren Rohkost nicht verschwunden ist, d. h. ich muß weiter Insulin spritzen (wenn auch viel weniger als früher). Genaueres darüber finden Sie am Anfang von Kapitel 1.

(Kleine Erläuterung für die Glücklichen, die damit nichts zu tun haben: Bei dieser Diabetesart hat die körpereigene Produktion des blutzuckersenkenden Hormons Insulin aufgehört. Insulin muß nun ständig von außen zugeführt werden, was mit einer Spritze, einem Pen oder einer Pumpe geschehen kann. Sonst würde der Gehalt an Zucker [Glucose] im Blut unermeßlich steigen. Normal sind Blutzuckerwerte von etwa 70-120 mg/dl. Andere Diabetesarten sind ebenfalls durch erhöhten Blutzucker gekennzeichnet, jedoch werden sie primär anders verursacht als durch absolut fehlendes Insulin. Oft ist "Insulinresistenz" [relative Unempfindlichkeit gegenüber dem Insulin] im Spiel).

Naturgemäß habe ich inzwischen über (nicht nur meine Form des) Diabetes einige Kenntnisse gesammelt, zu denen sich Erfahrung und Beschäftigung mit Rohkost gesellt haben. Ansonsten habe ich mich nie speziell mit einzelnen Krankheiten beschäftigt, bin weder Arzt, Therapeut noch Naturheilkundler. Was spezielle Vorschläge für die Therapie bestimmter Krankheiten angeht, werde ich mich daher auf den Fall Diabetes beschränken.

Was ich vorschlage, ist auch nie als eine Handlungsanweisung zur blinden Befolgung zu verstehen. Entscheiden muß jeder selbst: Bei der allgemein nicht anerkannten Rohkost gibt es keine Rechte und Pflichten gegenüber irgendeiner Instanz. Den Erfolg oder Mißerfolg einer Entscheidung spürt man dann selbst am gesundheitlichen Befinden. Aber es ist immer klug, Erfahrungen anderer aufzunehmen und ggf. zu berücksichtigen.

Für Diabetiker im allgemeinen (wie für viele andere Kranke auch) ist an sich großer Optimismus angebracht: Schaffen sie tatsächlich die "Beschränkung" auf reine Rohkost, so gibt es für die meisten Aussicht auf Heilung! (Dies schließe ich auch aus meiner persönlichen Erfahrung, daß die Insulinempfindlichkeit unter Rohkost rapide zunimmt.) Übrig bleiben wohl nur diejenigen (wie ich), bei denen die Bauchspeicheldrüse gar kein Insulin mehr produziert, auch unter Rohkost nicht (meist also wohl Typ-1-Diabetes). (Ich schließe bewußt die Möglichkeit nicht aus, daß es nach einer Umstellung auf Rohkost bei manchem, vornehmlich jungen, Typ-1-Diabetiker zu einer Wiederaufnahme der körpereigenen Insulinproduktion kommen könnte.)

Auch wenn der Diabetes trotz der natürlichen Ernährung bleibt: Die Gefahr für sogenannte diabetische Folgekrankheiten geht nach meiner festen Überzeugung drastisch zurück. Sie können sogar zurückgehen oder ganz verschwinden (ich kenne einen Rohkost-Typ-1-er, bei dem das der Fall ist; siehe auch "Natürlich Leben" 1/1999, S. 7 [Zeitschriftenliste am Ende von Kapitel 1]). Ist das nicht mehr als Grund genug, eine Umstellung ernsthaft in Erwägung zu ziehen?

Ganz abgesehen von den vielen Verbesserungen, die Rohkost erfahrungsgemäß bei praktisch jedem bringt (bringen würde, wenn er es versuchen würde): gesteigerte Energie, geistige Frische, gute Verdauung, Verschwinden der unangenehmen Körpergerüche, praktisch keine Erkältungen und Infektionen u.v.a.m. .

Völlig im Gegensatz zu diesen Erfahrungen steht die andere, die ich wie wohl fast alle Rohköstler habe machen müssen: Die allermeisten Versuche, Menschen von der "doch so unnormalen" Rohkost überzeugen oder sie auch nur mal zu einem Versuch mit Rohkost bewegen zu wollen, scheitern leider immer wieder. Dementsprechend gibt es auch nur sehr wenige Rohköstler.

Wenn ich dies beobachte und zu analysieren versuche, macht mich die immer wieder anzutreffende Starrheit und fehlende Offenheit sehr betroffen. Kaum ein Mensch hinterfragt noch sein eigenes Tun, ist noch auf der Suche nach Möglichkeiten, sein Leben zu verbessern: Dinge, die nach meiner Überzeugung unbedingt zur Menschlichkeit gehören.

Daneben gibt es auch einige Menschen, die sich zunächst aufgeschlossen zeigen, aber dann Probleme bei der praktischen Umsetzung haben. Sie lesen oft viele Rohkostbücher und wissen theoretisch Bescheid. Meist bleiben sie bei gewissen Kompromißlösungen stehen und bleiben dabei aber unzufrieden. Ihnen möchte ich sagen: Holen Sie sich immer wieder Motivation von Rohköstlern (Rohkostzeitschriften, siehe Liste am Ende von Kapitel 1). Falls es Ihnen in einer bestimmten Zeit (sagen wir in einem Jahr) nicht gelingt, zur hundertprozentigen Rohkost überzugehen, dann versuchen Sie, eine Lösung zu finden, zu der sie stehen können! Immer schlechtes Gewissen haben, das macht auch krank! Ich habe vor, in dieser Reihe auch solche "Kompromißernährungen" zur Sprache zu bringen, denn gerade dabei kommt es sehr auf das "Was" und "Wie" an. Wenn man es richtig macht, kann man auch damit den Körper schon erheblich entlasten und (relativ) gesunden lassen.

Ein Masseneffekt ist nach diesen Beobachtungen also nicht zu erwarten: Die (bereits sehr alte) Rohkostweisheit hätte sich sonst schon längst wie ein Lauffeuer verbreiten und durchsetzen müssen. Ja, leider: Wunder, und seien sie noch so groß und spektakulär, müssen erst gesehen werden, und das geht nicht mit geschlossenen Augen.

Andererseits könnte es insbesondere auch unter den Diabetikern viele potentielle Rohköstler geben: Einmal erzwingt dieser oft nur mit sehr viel Aufwand zu bewältigende ständige Begleiter im Grunde eine bewußte Lebensführung. Zum anderen könnte die (berechtigte) Angst vor möglichen oder bereits eingetretenen Folgeschäden vielleicht sehr motivierend wirken.

Zwar möchte ich mit meinen Beiträgen jeden ansprechen, gesund oder krank, eingeschlossen jeden Diabetiker. Doch liegen mir hauptsächlich Menschen am Herzen, die von sich aus bereits Suchende sind, die (vielleicht aufgrund starken krankheitsbedingten Leidensdrucks) zur Verbesserung ihrer Gesundheit gerne ihr Leben umstellen möchten, nur wissen sie (wie ich damals) nicht wie.

Mit kleinen Beiträgen in den Diabeteszeitschriften, in denen ich auf die Heilkraft der Rohkost und die Möglichkeit, weitere Informationen (das, was Sie jetzt lesen) bei mir anzufordern, hinweise, versuche ich, diese Haupt-Zielgruppe zu erreichen. Denn ich weiß aus eigener schmerzlicher Erfahrung, daß bei dieser das größte Problem darin besteht, überhaupt erst einmal Bekanntschaft mit der Rohkost und Heilungserfahrungen von Rohköstlern zu machen. Bei diesen (statistisch sicher recht seltenen) Menschen fehlt es nicht am Willen, sondern am ersten Anstoß.

Unabhängig davon, wie Sie im Moment zur Rohkost stehen, in diesem Punkt werden Sie mir vermutlich zustimmen können: Rohkost funktioniert auf die Dauer nur über den Kopf. Womit ich nicht so sehr Intelligenz und Bildung meine, sondern vielmehr Bewußtsein und Willen. Im Gegensatz zu z. B. Diätvorschriften oder ärztlichen Anweisungen (zur "blinden" Befolgung) muß man hier voll dahinterstehen, sonst bekommt man nicht die zu etwas so "Unnormalem" nötige Sicherheit. Das gilt erst recht, wenn Rohkost mit einer Therapie, z. B. mit Insulin, kombiniert werden muß.

Anders gesagt: Die Hinwendung zur ausschließlich natürlichen Nahrung macht nur in Erkenntnis voller Eigenverantwortlichkeit für seinen Körper und sein Leben Sinn. Von nun ab müssen wichtige Einzelentscheidungen autonom gefällt werden. Insbesondere auch bei insulinpflichtig bleibendem Diabetes muß immer sorgfältig abgewägt werden. Eine Entscheidung auch einmal gegen übliche Regeln muß zumindest als Möglichkeit in Betracht gezogen werden können. Ärzte, Diabetesberater, andere Diabetiker, sie alle haben nicht die ganzheitliche Sicht eines Rohköstlers. Andererseits vertreten Rohköstler die Auffassung, daß man sich ganz auf die Natur verlassen kann und soll. Daß letzteres bei gebliebener therapiepflichtiger Krankheit nicht vollständig möglich ist, ist uns allen klar. Also gibt es niemanden, auf den man komplett und immer hören kann.

Aus diesem Grund möchte ich in dieser Reihe ein Schwergewicht auch auf Grundsätzliches, zum Nachdenken, legen. Ich bitte darum, sich unbefangen (konkrete Umsetzungsfragen der Rohkost im persönlichen Umfeld hintenanstellen!) und möglichst intensiv damit zu beschäftigen (einmal spaßeshalber eine andere Sicht einnehmen).

Bitte glauben Sie mir: Am besten ist es, wenn die persönliche Entscheidung für oder gegen eine Änderung der Lebensart hinsichtlich der Ernährung zunächst aufgeschoben wird. Wieviel Rohkosternährung und wie Sie diese durchführen, das entscheiden Sie, sobald sie eine gewisse Sicherheit "im Kopf" erreicht haben, selbst und für sich selbst.

Für den Fall, daß Ihre Entscheidung sein wird "mehr rohes Obst und Gemüse: ja - vollständige Verbannung des Kochtopfs: nein", werde ich Ihnen über in Büchern, zum Teil von Ärzten, belegte Erfahrungen berichten, wie man auch dann den Körper noch erheblich entlasten und große Erfolge erzielen kann. Trotzdem ist meine persönliche Meinung dazu: Wenn man schon krank ist, sollte man hier keine Kompromisse machen. Andererseits: Wenn ich sehe, wie wenige Menschen überhaupt zu einem kritischen Überdenken und evtl. Umstellung ihrer Ernährungsgewohnheiten bereit sind, dann ist eine solche Kompromißform auch schon ein großer Fortschritt.

Ich möchte zu allen meinen Aussagen es dem Leser möglichst leicht machen, zu einem eigenen Urteil darüber zu gelangen. Wobei ich mir natürlich wünsche, daß es sich nicht um ein vorgefaßtes negatives Pauschalurteil in der Art "das kann ja jeder behaupten" oder "das steht im Widerspruch zu allgemein Anerkanntem" handelt, sondern daß es erst nach einem echten, persönlichen Sich-damit-befassen zustande kommt.

Zwecks größtmöglicher Klarheit teile ich alles, soweit es geht, in "Rubriken" ein. Fast jeder Abschnitt ordnet sich einer der folgenden Arten von Aussagen unter und wird dann entsprechend gekennzeichnet:
 


Erfahrungen:


 


Nicht nur meine, aber immer von Menschen persönlich erlebt. Nicht hierzu gehören Ergebnisse statistischer Erhebungen und mit analytischen Methoden (durch Zerlegungen der Dinge in Einzelnes) gezogene Schlüsse. Letztere sind die Methoden der Wissenschaft. Weil dort zu sehr Logik (auf vereinfachten Annahmen basierend) im Spiel ist, rechne ich sie nicht zu den Erfahrungen. Siehe dazu Kapitel 1.
 
 


Erklärungen:


 


Zum Beispiel dafür, daß bestimmte Nahrungsmittel krank machen. Im Gegensatz zu den Erfahrungen sind die Erklärungen nicht unbedingt konkret erfahrbar. Wenn man aber diesen Gedanken folgen will und kann, werden Dinge plausibel. Die Erklärungen selbst sind nicht als absolute Wahrheiten anzusehen, eher als Denkmodelle.
 
 


Vorschläge:


 


Zu Vorgehens- und Verhaltensweisen, etwa bei der Diabetesbehandlung unter Rohkost. Sie haben meist als Ziel eine bessere Gesundheit, aber auch praktische Durchführbarkeit, Genuß und Aufwandminimierung spielen eine Rolle. Die Vorschläge sollen als Beispiele angesehen werden, wie man es machen kann. Jeder muß seinen eigenen Weg finden, unter Berücksichtigung seiner persönlichen Bedingungen.
 
 


Erwartungen und Probleme:


 


Mögliche Folgen, meist aus der Ernährungsumstellung. Wie immer im Leben, gibt es keine Garantie für das Eintreten oder Nichteintreten bestimmter Folgen. Die aufgeführten Erwartungen beruhen auf Erfahrungen oder sind aus "ganzheitlicher" Sicht sehr plausibel. Mögliche Probleme erwähne ich, soweit sie mir bekannt sind. Das heißt nicht, daß sie häufig vorkommen.
 
 


Grundsätzliches:


 


Vor allem diese Abschnitte möchten den Leser zum Nachdenken anregen. Da der Autor eine Vorliebe dafür hat, intensiv über Dinge aus grundsätzlicher Sicht nachzudenken, wird hier ein Schwerpunkt auf diese geistigen Grundlagen gelegt. Dies ist vielleicht der größte Unterschied zu anderen Publikationen über Rohkost und verwandte Ernährungsarten. Ziel ist, hinter dem zu stehen, was man tut, mit einer inneren Sicherheit, so daß man weder ein "schlechtes Gewissen" noch das Gefühl, etwas zu entbehren, hat.
 
 


Dialog:


 


In diese Rubrik gehören Beiträge von Lesern, Aufforderungen dazu, und Antworten von mir darauf (was aber nicht heißen soll, daß ich immer das letzte Wort haben muß).
 

Das Nach-und-nach-Erscheinen dieser losen Reihe "Die Heilkraft der Rohkost am Beispiel Diabetes" hat den Vorteil, daß in ihrer Entstehungszeit ein Dialog zwischen Autor und Lesern stattfinden kann. Davon soll nach Möglichkeit reger Gebrauch gemacht werden, zumal der Autor alles andere als allwissend ist!

Ich lade Sie, lieber Leser, also herzlich ein, mitzumachen und mir Beiträge zuzusenden: Fragen, Anregungen, eigene Erfahrungen, Bestätigungen, Einwände und so weiter. Bitte teilen Sie mir dazu auch immer mit, ob ich Ihren Namen und evtl. Ihre Adresse angeben soll/darf.

Falls Sie Diabetiker sind, eine Umstellung auf Rohkost vornehmen und dann Veränderungen (evtl. Heilung) beim Diabetes und/oder seinen Folgen feststellen: Bitte teilen Sie dies anderen Diabetikern mit, schicken Sie Berichte oder Leserbriefe zur Veröffentlichung an den "Insuliner" (Typ 1) oder andere Diabeteszeitschriften! Bei anderen Krankheiten können Sie natürlich analog vorgehen. Damit würden Sie der Verbreitung der Rohkostidee einen großen Dienst erweisen.

Wenn Sie mir ebenfalls eine Mitteilung schicken könnten (für die Verwendung im Dialogteil oder auch rein persönlich), würde ich mich sehr freuen. Gerade bei Diabetes (u. a.) sind Erfahrungsberichte über die Wirkung der Rohkost auf die Krankheit (Heilung?) und ihre Folgen (Rückgang?) Mangelware. Machen Sie mit, lassen Sie die Natur mit ihren Heilkräften bei sich wirken, beobachten Sie, und teilen Sie anderen Kranken die Erfahrungen und Ergebnisse mit! Wenn Sie mir berichten, kann ich in einem der folgenden Kapitel darüber schreiben (mit oder ohne Namens/Adreßangabe, nach Ihrem Wunsch). Sie könnten damit so manchem anderen von Diabetes (u. a.) Betroffenen sehr helfen!

Das freie Kopieren und Weitergeben dieser Beiträge unter dem Titel "Die Heilkraft der Rohkost am Beispiel Diabetes" ist von mir ausdrücklich gewünscht. Bitte tun Sie es, wenn möglich. Ich bitte Sie dabei nur darum, keine textlichen Veränderungen, Auslassungen oder Hinzufügungen vorzunehmen, außer sie sind deutlich als nicht von mir stammend gekennzeichnet.

Wolfgang Friedrich                                        Februar 2000
 
 


Kapitel 1       Was gilt mehr: persönliches Erleben oder Wissenschaft?
 
 


Gesundheitliche Lebensgeschichte des Autors
(Erfahrung, Erklärung)


 







Seit 1953 auf dieser Welt, galt meine Vorliebe schon als Kind rohem Obst und Gemüse, aber auch die sonstigen Vor-, Nach- und Zwischenspeisen mochte ich gern. Fleisch ekelte mich an. Wenn ich Erwachsene fragte, warum man Fleisch essen muß und warum das "wichtige" Essen immer gekocht wird, bekam ich die üblichen Antworten. Als gehorsames Kind habe ich sie schließlich akzeptiert. Leider, denke ich heute.

Gänge zu Ärzten und (vor allem) Zahnärzten quälten mich, auch bereits lange im Voraus. Im Innern rebellierte alles dagegen. Andererseits bewunderte ich auch sehr die "offensichtlich" umfassenden Kenntnisse und die große Macht der Ärzte zu heilen: Denn sonst würden sie ja nicht mit solcher Selbstsicherheit ihre oft stark eingreifenden, verletzenden Methoden anwenden, und sonst würde ihr Tun auch nicht allgemein so viel Anerkennung finden, so ungefähr dachte ich. (Erst heute, nach so vielen Jahren, habe ich mich "freigeschwommen" und entdecke neben Positivem, sorry, auch in großem Umfang Anmaßung und Ignoranz bei Ärzten und blinden Glauben und Gehorsam bei Patienten.)

Ähnlich war auch mein Verhältnis zu Impfungen. Das persönliche Empfinden lehnte sich dagegen auf, der Verstand ließ sich mit den üblichen Argumenten beruhigen. (Meine, über viele Jahre klar gewordene und immer wieder bestätigte Meinung zur "Inneren Stimme" ist: Diese ist viel mehr wert als alle Ergebnisse des Verstandes, alles Angenommene, Aufgezwungene. Jedenfalls, wenn es die ureigene, ursprüngliche Innere Stimme ist. Eigentlich könnten Erwachsene von Kindern viel mehr lernen als umgekehrt.)

Alpträume und Kopfschmerzen waren in meiner späteren Kindheit nicht selten. Ab der Schulzeit gab es Magenschmerzen (teils sehr heftig), Verdauungsstörungen, Hitzezustände, Gesichtsakne, verklebte Kopfschuppen. Diagnostiziert wurden Magenschleimhaut-, dann Blinddarmentzündung (führte zur Operation).

Im Sommer 1989, 36-jährig (zu der Zeit erlebte ich einen ziemlichen Berufs- und Hitzestreß in schlecht belüfteten Räumen) brach der Diabetes Typ 1 aus. Der herbeigerufene Notarzt ignorierte zunächst die von meinen Eltern geäußerte Vermutung, es könne sich um Diabetes handeln. Erst bei seinem zweiten Besuch, viele Stunden später, ich lag bereits im Koma, machte er den entsprechenden Test und dann war es auch schon fast zu spät (Blutzucker 1100 mg/dl). Nach Krankenhaus (Intensivstation) und Diabetesklinik begann ich gleich, "intensiv" zu spritzen. Ich benutzte von Anfang an und benutze heute noch das gentechnisch hergestellte Humaninsulin: in der NPH-Aufbereitung für die Basalversorgung, und normal (relativ schnell wirksam) für die Mahlzeiten und zur Korrektur erhöhter Werte. Mehrmals täglich muß der Blutzucker gemessen und Insulin gespritzt werden.

Der Zucker verhielt sich zunächst relativ unauffällig, abgesehen von schwankenden Werten und einem uneinheitlichen Insulinbedarf. Doch im Laufe der Zeit kamen erhebliche migräneartige Befindlichkeitsstörungen hinzu, zuerst nur im Zusammenhang mit Unterzuckerungen, dann immer häufiger und langanhaltender. Die Toleranz niedriger Werte wurde dabei immer schlechter, so daß ich am Ende kaum noch Werte unter 100 oder 120 mg/dl messen konnte. Schließlich wurden diese Kopfschmerzen, die ich schon damals als eine Insulinvergiftung interpretierte, praktisch Dauerzustand. Es war unerträglich. Lange konnte dies auf keinen Fall mehr weitergehen, ich war mit meinen Kräften am Ende!

Heute schätze ich den damaligen Zustand ein als eine Vergiftung hauptsächlich durch Stoffe aus der erhitzten Nahrung plus dem gespritzten Insulin plus evtl. freigewordene Gifte aus dem Zahnfüllmaterial Amalgam.

Buchstäblich im letzten Moment kam die Rettung: Meine Mutter entdeckte das Buch "Willst Du gesund sein? Vergiß den Kochtopf!" von Helmut Wandmaker. Wir verschlangen es beide voller Interesse und begannen gleich, unsere Ernährung umzustellen. Wir mieden alles Erhitzte und Bearbeitete, ernährten uns nur von rohem Obst, Gemüse und in kleinen Mengen Trockenfrüchten und Nüssen.

Sofort nach der Umstellung (Mai 1996) erlebten wir beide die ersten gesundheitlichen Verbesserungen und ein lange nicht mehr gekanntes körperliches und geistiges Wohlbefinden. Das Entscheidende für mich: Die Kopfschmerzen hörten sofort auf und kamen bis heute (Februar 2000) nicht wieder!

Die in den Rohkostbüchern (s. Liste unten) beschriebenen Erfolge dieser Ernährung kann ich somit nur bestätigen. Einiges wird gleich besser, anderes erst nach einer gewissen Zeit, zum Teil nach Jahren. Der Blutdruck sinkt deutlich. (Ein auch nur leicht erhöhter Blutdruck gilt heute als ein wesentlicher Risikofaktor für diabetische Folgekrankheiten). Die Verdauung normalisiert sich nach und nach immer mehr. Das ist besonders bedeutsam, denn der Darm wird bekanntlich nicht nur von Rohköstlern als über Gesundheit und Krankheit entscheidend angesehen. Ich bezweifle nicht mehr, daß die meisten Krankheiten, "Alterserscheinungen" und "Wehwehchen" bei Rohkost verschwinden. Man muß es nur wollen und zum natürlichen Mißtrauen gegenüber Gewohntem, Medien, Medizin, Ärzten und Zahnärzten zurückfinden, dann funktioniert nach meiner Erfahrung vieles wieder wie in der Jugend.

Einige Rohköstler berichten vom Verschwinden aller Hautunreinheiten allein durch die Rohkost. Das war bei mir nicht der Fall. Erst als ich 1998 alles Amalgam entfernen ließ (Warnung: Nur von entsprechend geschulten Zahnärzten mit bestimmten Vorsichtsmaßnahmen machen lassen, erhebliche Vergiftungsgefahr!), heilte die Akne spontan aus und kam auch nicht wieder. Für mich ein eindeutiges Zeichen, welches Giftpotential Amalgam (auch nach vielen Jahren noch) enthält. Die Kopfschuppen dagegen verschwanden allein durch die Rohkost.

Was geschah aber nun mit meinem Diabetes? Der Insulinbedarf sank in Stufen, was bei mir Hoffnungen auf Heilung nährte. Dies geschah aber leider bis heute nicht. Diabetische Folgekrankheiten im üblichen Sinne waren bisher bei mir weder vor noch nach der Ernährungsumstellung feststellbar.

Ein paar Worte noch zur Spritzerei, hauptsächlich für die Insulinabhängigen unter den Lesern: Die Insulinempfindlichkeit stieg nach der Verbannung des Kochtopfs enorm. Für Obst-BE's brauche ich jetzt 35-40% des früher dafür nötigen Insulins, im gleichen Verhältnis sank auch der Basalbedarf. (1 BE [Brot- oder Berechnungseinheit] sind 12 Gramm Kohlenhydrate.) Das Insulin (beide Sorten: "Basal" und "Normal") hat bei solch kleinen Mengen eine kürzere Wirkdauer. Dreimal Basal täglich sind daher jetzt unabdingbar. Außerdem muß ich in Vierteleinheitsschritten dosieren können, was nur bei U40-Insulin möglich ist. Wollen wir hoffen, daß uns dieses erhalten bleibt. (Das heute weltweit übliche U100-Insulin ist um den Faktor 2,5 konzentrierter.)

Meinen HbA1c (Erklärung für die Nichtdiabetiker: er gilt als ein Blutzuckergedächtniswert, als ein Maßstab für die "Qualität" der Diabeteseinstellung der letzten zwei Monate) zwischen 7% und 8% konnte ich zunächst nur halten, indem ich die Zahl der täglichen Messungen von 3 auf 5 erhöhte. Nach zwei Jahren Rohkost ging er dann erstmals auf 6,5% herunter, ohne daß ich meine Insulinstrategie geändert hätte, und blieb seitdem immer unter 7%!
 
 

Ist Wahrheit relativ oder absolut?
(Grundsätzliches)


 


Ich vermute, auch Sie, lieber Leser, werden sich fragen: Sind die Behauptungen der Rohköstler über die enorme Heilkraft ihrer Ernährung nun wahr oder falsch? Wer hat recht? Wo sind die Beweise?

Ich denke aber, so einfach ist das mit der Wahrheit nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn es um die Wahrheit von behaupteten (zukünftigen) Wirkungen von (jetzigen) Entscheidungen geht. Und mit solcher Art Wahrheiten haben wir es hier ja zu tun. Es geht dabei ja im Grunde immer um Entscheidungen zwischen Gut und Schlecht, also Wertungen. ("Ist es gut, wenn ich meine Ernährung auf Rohkost umstelle? Das heißt, werde ich dadurch gesund oder gesünder und bleibe ich gesund?")

Auch wenn ich behaupte, daß alles wahr ist, bedeutet das noch lange nicht, daß dies von Ihnen als Wahrheit angenommen wird, stimmt's?

Nein, Wahrheit entsteht erst durch Erkenntnis derselben: also etwas sehr Persönliches. Erst die Bereitschaft eines Menschen, bestimmte Dinge erkennen zu wollen, ermöglicht die echte Auseinandersetzung damit und dann vielleicht das Finden einer Wahrheit.

Eigenartigerweise haben wir alle mehr oder weniger "verlernt", selbst nach Wahrheit zu suchen. Wir sollten doch eigentlich bei Entscheidungen die ureigene Instanz, die Innere Stimme, das persönliche Gewissen niemals übergehen. Können Sie mir da zustimmen?

Denn gibt es wirklich irgendein anderes, "besseres" Kriterium für die Unterscheidung zwischen Gut und Schlecht als das eigene Empfinden, welches mit hartem, vergangenen oder noch gegenwärtigen, persönlichen Leid verknüpft sein kann? Auch echtes Mitgefühl (Mitfreude, Mitleid) für andere, soweit es so etwas noch gibt, ist Bestandteil des eigenen Empfindens.

Stattdessen ist allgemein eine große Neigung vorhanden, Persönliches als "klein" einzustufen, welches gewissermaßen einer "großen Wahrheit" unterzuordnen wäre.

Zugegeben, rein logisch bekommt diese Haltung ein gewichtiges, kaum zu übergehendes, Pro-Argument: Jeder Mensch ist anders als jeder andere, jeder lebt auch in einem anderen Umfeld, also muß man davon ausgehen, daß auch das persönliche Empfinden für Gut und Schlecht etwas sehr Individuelles ist.

Diese (meistens wohl als trivial eingeschätzte) Grundbeobachtung halte ich für sehr richtig und wichtig. Und trotzdem kann ich den üblicherweise sofort daraufgesetzten Schluß nicht nachvollziehen: Wenn persönliche Wertungen der Dinge unterschiedlich sein können, "muß" es (quasi zum Ausgleich) eine einheitliche übergeordnete Wertung (z. B. in der Form von Gesetzen oder auch Religion) geben, die für jeden gleich gilt. Weicht das persönliche Empfinden von dieser Wertung ab, dann hat sich das Individuelle dem Allgemeinen eben unterzuordnen.

Nach meiner festen Überzeugung steckt in dieser Folgerung ein entscheidender, in seiner Bedeutung niemals zu überschätzender, Denkfehler: Wir meinen, die Dinge um uns herum hätten eine von uns, von unserer persönlichen Wahrnehmung (Sicht), unabhängige Existenz mit festen, vordefinierten Eigenschaften. Setzen wir dies voraus, dann ist der genannte Schluß tatsächlich zumindest sehr plausibel. Andererseits: Fehlt diese Voraussetzung, dann fehlt auch für die Konsequenz (Existenz einer einheitlichen Wertung von Dingen, Ereignissen, Vorgängen, Entscheidungen) jede Grundlage.

Ich weiß, den meisten unter Ihnen, liebe Leser, wird es, wie übrigens mir im Grunde auch, sehr schwerfallen, sich dies vorzustellen. Bedeutet es doch, eine praktisch immer und überall stillschweigend gemachte Grundlage des Denkens in Frage zu stellen.

Etwas Ähnliches kennen wir doch alle von der Physik, zumindest vom Hörensagen: Seit Einstein, dessen Name wohl auch bei Leuten, die nichts mit Naturwissenschaften zu tun haben, ein Begriff sein dürfte, gilt dort, daß Phänomene relativ sind, das heißt sie hängen vom Standpunkt des Beobachters ab. Auch diese Entdeckung stellte Dinge in Frage, die immer stillschweigend als selbstverständlich vorausgesetzt wurden.

Ich erwähne diese etwas analoge Situation in der Physik nicht, um einen Zusammenhang damit herzustellen. Ich meine nur, dieses Beispiel könnte es vielleicht dem einen oder anderen unter Ihnen leichter machen, anzuerkennen, daß es eine ähnliche Situation auch bei der Frage nach der Wahrheit gibt.

Die Ergebnisse dieser, zugegeben schwierigen und ungewöhnlichen, Gedankengänge möchte ich kurz wie folgt zusammenfassen:

Wahrheit ist relativ. Das soll heißen: Es gibt kein vom jeweiligen Individuum unabhängiges allgemeingültiges Kriterium für Gut und Schlecht. Der Einzelne ist nicht nur Beobachter, sondern auch (je nach Fall mehr oder weniger) Betroffener. Betroffenheit bedeutet Wertung, und diese Wertung (Wahrheit) stimmt nicht notwendig mit der Wertung (Wahrheit) eines anderen Betroffenen überein.

Wahrheit kann auch absolut sein. Der Grund ist der Gleiche: Ich bin nicht nur Beobachter, sondern evtl. auch Betroffener. Die Betroffenheit, positiv oder negativ, kann unterschiedlich stark sein. Sie kann aber so stark sein, daß ich mich ihr nicht entziehen kann. (Konkret ausgedrückt: Ein Ereignis, z. B. eine sehr schmerzhafte Körperverletzung oder der Beginn einer schweren Krankheit, kann sehr hartes Leid für mich bedeuten.) Dann handelt es sich für mich um eine absolute Wahrheit (Wertung).

Für diejenigen unter Ihnen, denen es beim Verstehen helfen kann, noch einmal eine physikalische Analogie aus der Relativitätstheorie: Obwohl die Geschwindigkeit eines Objekts und sogar die Zeit immer von einem Bezugspunkt und dessen Bewegung abhängen, also relativ sind, benutzen wir die Größen Geschwindigkeit und Zeit sowohl im täglichen Leben als auch in der Physik recht ungeniert, also ziemlich absolut: Die Bedeutung dieser Größen wird durch ihre Relativität nicht geschmälert.
 
 

Was soll man nun essen?
(Vorschlag)


 


Nach diesem, wie ich meine, notwendigen Stoff für die grauen Zellen braucht Ihr Körper vielleicht zwischendurch etwas konkretere Nahrung? Gut.

Was die beste Ernährung charakterisiert, darüber gibt es für mich nicht mehr den geringsten Zweifel: Sie besteht aus möglichst frischen pflanzlichen Lebensmitteln (im vollen Saft), welche roh verzehrt werden.

Im Grunde ist damit bereits alles gesagt. Ein bißchen konkretere Angaben kommen gleich trotzdem noch. Ich möchte es damit aber für dieses erste Kapitel auch bewenden lassen.

Meist wird empfohlen, (reifes) Obst an die erste Stelle zu setzen, dann "Grünes" (Blätter, Gemüsefrüchte inkl. Avocados, Wurzeln, Knollen; Wildpflanzen werden dabei oft Kulturgemüse vorgezogen). Zur Ergänzung kann man auch ein paar Trockenfrüchte nehmen (am besten in Wasser eingeweicht), sowie in kleinen Mengen Nüsse und Körner. Bei Trockenfrüchten und Nüssen sorgsam darauf achten, daß sie naturbelassen sind (biologischer Anbau, nicht behandelt, nicht geröstet, nicht erhitzt). Körner und Nüsse sind aber schwer verdaulich und belastend, vor allem wenn sie trocken oder alt sind. Bei Nußkernen hilft Einweichen in Wasser (1-2 Tage), Körner sollte man nur in gekeimten Zustand (Sprossen, Keimlinge) verzehren. Ansonsten ist Getreide, abgesehen von frischem Zuckermais, für Rohkost weniger geeignet.

Die verschiedenen Rohkost-Autoren vertreten innerhalb dieses Rahmens etwas unterschiedliche Richtungen, die dann fast immer als die "Allein-Seligmachenden" deklariert werden. Daraus, daß praktisch jeder dieser Autoren große Heilungserfolge mit seiner Methode vorweisen kann, folgere ich für mich persönlich, daß man hier frei ist. Persönliche Vorlieben können und sollen also bestimmend sein, sind vielleicht auch erst zu entwickeln (ich weiß, nicht jedem schmeckt Rohkost von Anfang an so gut wie z. B. mir).

Bitte glauben Sie mir meine und anderer Rohköstler Erfahrung: Der Geschmackssinn verändert sich, wird intensiver. Der Genuß kommt nicht zu kurz, im Gegenteil: Ungeahnte Gaumenfreuden können sich auftun, wenn man nach und nach seine Lieblingsfrüchte entdeckt. Gerade auch die tropischen Früchte bieten eine nie geglaubte Vielfalt an Geschmachksrichtungen. Sogar viele von der Kochkost her bekannten Geschmäcker und Gerüche kann man wiederentdecken, aber jetzt ohne Verdauungsprobleme, Müdigkeit usw. und ohne Reue!

Und auch vor den von manchen Wissenschaftlern, offiziellen Stellen und Medien behaupteten angeblichen Mängeln, die bei reiner Rohkost auftreten sollen, braucht man keine Angst zu haben: Die Erfahrungen der Rohköstler sprechen für sich! Außerdem sollte man, wenn schon, dann fair vergleichen: Wieviele Normalköstler ohne Mangelerscheinungen gibt es? Ich vermute, nur sehr wenige. Gerade die Möglichkeit der Erzeugung von Mängeln durch die Normalkost (auch wenn sie "vollwertig" ist) wird bei den wissenschaftlichen Untersuchungen ignoriert.
 
 

Relative Wahrheiten bei Roh- und Normalköstlern
(Erklärung)


 


So schwer verständlich und auch schmerzlich die Erkenntnisse über die Relativität der Wahrheit auch sein mögen, so erhellend können sie auch beim Verständnis von Phänomenen wirken, sobald man sie einmal akzeptiert und verinnerlicht hat. Und, wie ich hoffe, später deutlich machen zu können, ist es mit ihrer Hilfe sogar möglich, Ordnung ins Weltbild zu bekommen, die dem, der dazu bereit ist, innere Sicherheit für sein Verhalten, etwa für das Durchhalten der Rohkost, gibt. Diese Ordnung wird allerdings keine fremde, übergeordnete, sondern eine vertraute, persönliche sein.

Nehmen wir also das bekannte Phänomen: Wenn ein Rohköstler einem Normalköstler von den erstaunlichen Vorzügen und der natürlichen Heilkraft der reinen Rohkost berichten will, stößt er fast immer auf harte Ablehnung. Spontan, ohne Bedenkzeit, bekommt er in vielen Fällen schon eine wahre Flut von Gegenargumenten zu hören, angefangen bei solchen, die nur die Undurchführbarkeit der Rohkost bezogen auf die persönliche Situation des Normalköstlers belegen sollen, bis hin zu solchen, die die Schädlichkeit der reinen Rohkost an sich zu beweisen versuchen, wobei auch Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen herangezogen werden.

Andererseits geht der Rohköstler, wenn der andere (von dem wir jetzt mal annehmen wollen, daß er ein überzeugter Normalköstler ist) ihm die Vorzüge seiner Ernährungsart darlegen will, meist auch nicht darauf ein, sondern betrachtet Rohkost als die einzig gültige Ernährung. Er hat ja ebenfalls eine Flut von Argumenten parat, denn er ist, angeregt durch die Freude über seine positiven Gesundheitsergebnisse, zum Spezialisten geworden, hat sich eingehend mit natürlich-ganzheitlicher Ernährung und Lebensweise beschäftigt.

Beide erleben möglicherweise die schroffe ablehnende Haltung des jeweils anderen als sehr verletzend, können sie nicht verstehen. Beide hoffen im Grunde auf eine höhere "Instanz" (vielleicht ein Gericht oder Gott), die sagt, welche Ernährungsart die Richtige ist. Dabei stellt sich jeder von beiden natürlich vor, daß diese Instanz den jeweils anderen zurechtweist.

Die Forderung der Existenz einer solchen Instanz entstammt der geläufigen, gemäß dem vorletzten Abschnitt "Ist Wahrheit relativ oder absolut?" fehlerhaften Denkweise, die immer ein für alle gleich gültiges "Entweder - Oder" haben will.

Beziehe ich jedoch die Relativität der Wahrheit in mein Denken ein, dann kann ich mir das Phänomen der schroffen Unversöhnlichkeit der beiden Kontrahenten wie folgt erklären: Für jeden von Ihnen ist die von ihm behauptete Qualität seiner Ernährung wahr. Die Relativität der Wahrheit erlaubt also zwei unvereinbare Haltungen bei zwei Menschen, ohne daß notwendig einer von beiden ein Lügner sein muß.

Wohlgemerkt: Ich sage dies, obwohl ich eindeutig ein Rohköstler bin. Es schmerzt mich ungemein, daß viele Menschen das Anteilhaben an der umfassenden Heilkraft der Natur durch Rohkost so schroff von sich weisen, nichts damit zu tun haben wollen. Andererseits ist dies Phänomen an sich, wie gesagt, verstehbar - was nichts daran ändert, daß ich der Überzeugung bin, daß diese Menschen einem Irrglauben aufgesessen sind oder sich einfach nur aus Bequemlichkeit etwas vormachen.
 
 

Offene Sicht
(Grundsätzliches)


 


Das Beispiel demonstriert also sehr gut, daß die Relativität der Wahrheit zweier gegensätzlicher Meinungen nicht unbedingt bedeutet, daß diese so etwas wie "gleichwertig" oder "unentschieden" sein müssen. Es kann auch sein, daß es bei den Befürwortern der "schlechten" Meinung (die im Beispiel in der Überzahl sind) an Bewußtsein mangelt, daß sie ihre (geistigen) Augen nicht offen haben. (Diese Wertung geschieht aus der Sicht eines bestimmten [dritten] Beobachters, ist also natürlich ebenfalls relativ.)

Apropos: Wer Augen hat (und benutzt), zu sehen, der ahnt vielleicht hier schon die große Chance:

Wenn ich erkannt habe, daß Wahrheit relativ ist, macht es nichts aus, daß für mich vielleicht die Notwendigkeit einer ausschließlich natürlichen Nahrung sogar eine absolute Wahrheit ist. Ich brauche nicht gegen den eingefleischten Normalköstler zu kämpfen, brauche ihn nicht der Lüge oder sonstiger böser Absichten zu bezichtigen. Ich brauche die Wahrheit nicht durchzusetzen, weil ich weiß, daß dies prinzipiell nicht geht. Wohl aber möchte ich den Keim der (meiner) Wahrheit überall dorthin tragen, wo ein entsprechender Boden ist, wo vielleicht schon nach diesem Keim gesucht wird. - Sehen Sie, lieber Leser, die Chance zur echten Ordnung, zum absoluten Frieden unter den Bewußten? Ordnung OHNE Gesetze, Frieden OHNE Waffen - im Grunde ist dies das ganze Geheimnis des Paradieses!

Voraussetzung ist, daß alle Beteiligten, ich hatte sie soeben "Bewußte" genannt, eine "offene" Sicht haben, also sich der Relativität der Wahrheit wirklich bewußt sind, sie verinnerlicht haben. Dies hindert sie aber nicht, ganz und gar zu ihrer jeweiligen Wahrheit zu stehen, im Gegenteil: Durch Beschäftigen mit den Wahrheiten anderer, durch das Versuchen, sie zu verstehen, wird die eigene Wahrheit immer wieder hinterfragt, gegebenenfalls angepaßt und korrigiert, also immer mehr gefestigt. So kann es, bezogen auf eine bestimmte Fragestellung, tatsächlich einmal zu einer gemeinsamen Wahrheit kommen, der alle Beteiligten zustimmen können. Aber das ist dann ein erreichtes Ziel, ein Meilenstein, also alles andere als eine nur auf Vorannahmen gegründete "Selbstverständlichkeit", die man "durchsetzen" muß.
 
 

Das Verhängnis
(Grundsätzliches)


 


Welches sind nun aber die Auswirkungen des betrachteten Denkfehlers auf unsere Wirklichkeit? Anders ausgedrückt: Ist es denn nun so schlimm, anzunehmen, es gäbe für alles eine einheitliche, "übergeordnete", "gültige" Wertung?

Ja, ich behaupte, diese falsche Basisannahme, die in den Köpfen der meisten fast unverrückbar fest sitzt, hat schlimme, sehr schlimme Auswirkungen: Leid, Zerstörung und Chaos.

Weniger zu beanstanden wäre ja noch eine Haltung, die zwar eine einzige allein "gültige" Wertung annimmt, aber bescheiden genug ist, um anzuerkennen, daß unser Wissen darüber sehr beschränkt ist. Diese Wertung, diese Wahrheit hätte allein Naturgesetzcharakter, nicht Menschengesetz, und wäre auch nicht von Menschen komplett analysierbar.

Aber das ist ja gerade das Problem: Der menschliche Verstand, der doch eigentlich die Möglichkeit zu mehr Erkenntnis, zu Weitblick bietet und damit zu einer bescheidenen Einstufung der eigenen Möglichkeiten führen müßte, funktioniert leider in den meisten Fällen andersherum: Er ermöglicht es den meisten Menschen offensichtlich, sich sicher zu fühlen, Dinge nicht mehr zu hinterfragen, die Augen praktisch geschlossen zu haben: Intelligenz führt oft zu maßloser Selbstüberschätzung, weit weg von offener Sicht und Bescheidenheit.

Das wirklich Schlimme dabei ist: Jeder projiziert seine eigene Vorstellung auf die angenommene allgemeine "Wahrheit". Das muß zu Konflikten führen, weil nun mal nicht alles gleich ist. Menschen sind nicht gleich, sie unterscheiden sich insbesondere in ihrer Empfindlichkeit bestimmten Dingen gegenüber, und damit in ihrer persönlichen Wertung, in ihrer manchmal ziemlich absoluten Wahrheit.

Wenn solch ein Konflikt zu Tage kommt, und die Beteiligten keine "Bewußte" (d. h. sich der Relativität der Wahrheit nicht bewußt) sind, keine offene Sicht haben, dann meint jeder von ihnen aufgrund der erwähnten Projektion, seine Ansicht sei die einzig richtige. Jeder fühlt sich nun stark, erst recht, wenn sich Gruppen bilden (aufgrund anscheinend gleicher Ansichten). Kampf und Krampf sind die Folge. Ich brauche es hier nicht weiter zu beschreiben, denn wir hören es täglich aus den Lautsprechern, lesen es aus den Schlagzeilen, erleben es auch manchmal selbst.
 
 

Diabetes Typ 2: Das Problem
(Erklärung)


 


Nach so viel Grundsätzlichem zurück zur konkreten harten Wirklichkeit. Wenden wir uns daher der häufigsten Art der Zuckerkrankheit zu, dem Diabetes Typ 2 oder auch "Altersdiabetes". Letztere Bezeichnung deutet darauf hin, daß diese Krankheit sich meist, aber nicht immer, erst in einem fortgeschrittenen Alter (ab ca. 40 Jahren) äußert. (Ich benutze "sich äußert", weil, wie ich meine, der Grundstein für diese, wie auch für viele andere Krankheiten, viel früher gelegt wird. Und zwar durch die andauernde Zufuhr unnatürlicher, erhitzter Nahrung.)

Die erhöhten Blutzuckerwerte, das gemeinsame Merkmal von Diabetes Typ 1 und 2, kommen unterschiedlich zustande. Bei Typ 1 werden die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse (sog. Inselzellen) durch einen entzündlichen Prozeß zerstört, Folge ist ein absoluter Insulinmangel, der, einmal angefangen, sich meist rasch bis zur "Insulinmenge Null" weiterentwickelt, Insulingaben von außen werden zur Lebenserhaltung absolut erforderlich.

Den verschiedenen Formen von Typ 2 ist dagegen gemeinsam, daß, wenigstens für eine anfängliche längere Zeit, kein absoluter Insulinmangel vorliegt. In den meisten Fällen liegt dagegen eine "Insulinresistenz", eine verminderte Wirksamkeit des Insulins vor. Der körpereigene Mechanismus zur Blutzuckerregulierung versucht, dies durch eine erhöhte Insulinproduktion auszugleichen. Unnatürlich hohe Insulinspiegel sind die Folge, welche im allgemeinen vor dem erhöhten Blutzucker meßbar werden. Das Ganze geht oft mit einer oder mehreren der folgenden Krankheiten einher: Übergewicht, erhöhte Blutfette, erhöhter Blutdruck. Dieser Krankheitskomplex wird auch "Metabolisches Syndrom" genannt. Da viele Betroffene sich anfangs lange Zeit nicht krank fühlen, wird ihre Krankheit oft erst spät entdeckt.

Fast immer setzt bei Typ 2 nach einigen Jahren ein "Sekundärversagen" der Inselzellen ein, das heißt, letztere versiegen aufgrund der ständigen Überlastung nach und nach. Dann wird, wie bei Typ 1, die künstliche Zufuhr von Insulin zwingend.

Wie bei Typ 1 ist auch bei Typ 2 die Gefahr groß, diabetische Folgekrankheiten (auch Folgeschäden oder Spätkomplikationen genannt) zu erleiden. Oft liegen solche schon bei Entdeckung des Typ-2-Diabetes vor. Ausgehend von Mikroschäden (kleine Blutgefäße, Nerven) stehen am Ende Schreckensbilder wie: Amputation, Blindheit, Nierenversagen/Dialyse! Aber auch Durchblutungsstörungen, Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall kommen bei Diabetikern häufiger als üblich vor.

Das Gefährliche sind nach meiner Überzeugung einmal (allgemein anerkannt) der im Schnitt zu hohe Blutzuckerspiegel und zum anderen (allgemein ignoriert) das die meiste Zeit zu viele Insulin im Blut. Ich schätze diese Faktoren ein als vergleichbar mit den bekannten anderen Risikofaktoren für Krankheit, wie z. B. Rauchen oder Übergewicht. Von einzelnen (ein oder zwei) dieser Faktoren würde, für sich allein genommen, nach meiner Meinung kaum eine Gefahr ausgehen. Anders aber (praktisch also bei allen Nicht-Rohköstlern), wenn einer von ihnen zu dem
 


        Haupt-Krankheits-Risiko-Faktor: Kochkost


 


hinzukommt. Denn dann trifft er (z. B. der erhöhte Blutzucker) auf viel funktionslosen Müll, funktionsunfähige, degenerierte, entartete Zellen, Ablagerungen überall im Körper auf. Man kann sich unschwer vorstellen, daß es dann zu allen möglichen unnatürlichen Reaktionen und Problemen kommt und sich das Risiko potenziert.

Franz Konz zitiert in seinem "Großem Gesundheits-Konz" (s. die Literaturangaben am Ende dieses Kapitels) medizinische Publikationen und wissenschaftliche Abhandlungen mit den Ergebnissen: Nichtvorliegen eines Vorteils von Insulingaben gegenüber reiner Diät; Schädlichkeit von zu viel Insulin im Blut; Widersinn der Verabreichung von die Insulinproduktion forcierenden Tabletten und/oder Insulin bei Insulinresistenz. (Siehe dazu die Randziffern 2109, 2164, 2441, 3746, 3752 und 6600 bei Konz.) Leider hat sich dies bei den übrigen Medizinern, vor allem in der Praxis, nicht durchgesetzt. Tabletten und/oder Insulin sind immer noch Standardtherapie bei Diabetes Typ 2. (Siehe auch den Abschnitt "Wissenschaft" unten.)

Dies alles bestärkt mich in meiner Meinung, daß die Schulmedizin keine angemessene Therapie für den Altersdiabetes zu bieten hat. Ihre Maßnahmen können weder den Diabetes heilen noch seine Komplikationen verhindern oder aufhalten.

Sicher, auf den positiven Einfluß von Bewegung und Diät (fett- und kalorienreduziert) wird von Diabetesinstitutionen und -ärzten hingewiesen. In einigen Fällen wird dies vor einer medikamentösen Therapie auch versucht, manchmal mit Erfolg. Jedoch scheint es nur sehr selten zu gelingen, auf lange Sicht damit allein den Zucker in den Griff zu bekommen. Anscheinend fehlt es an Durchhaltevermögen oder diese Diät ist eben noch nicht die Richtige.

Eine Diät, die nur die einzelnen Inhaltsstoffe in den verschiedenen Nahrungsmittel analysiert, vergleicht und danach wertet, kann nach meiner Überzeugung keinen echten Erfolg bringen.

Aber es gibt auch positive Beispiele. Bei der Trennkost (nach Dr. William Howard Hay, geb. 1866) werden Nahrungsmittelzusammenstellungen danach unterschieden, ob sie das Verdauungssystem be- oder entlasten. Hält man sich an die von Dr. Hay aufgestellten Regeln, dann ergibt sich, obwohl erhitzte Nahrung noch zugelassen wird, schon eine erhebliche Entlastung für Magen und Darm.

Der Arzt Dr. Ludwig Walb hat die Trennkost in Europa bekannt gemacht und die Wirksamkeit, u. a. bei Diabetes, in klinischen Studien belegt. Dr. Thomas Heintze führt in seinem Buch "Trennkost aus ärztlicher Sicht" (Niedernhausen 1996, Falken Verlag) zwei Beispiele von mit Trennkost behandelten Typ-2-Diabetikern aus Dr. Walbs Klinik an. Der eine Patient (6 Jahre Diabetes, mit Insulin behandelt) kam nach 4 Monaten von der Insulinspritze los. Der andere war durch den Diabetes bereits auf einem Auge blind und auf dem anderen war die Sehstärke 50%. Nach einiger Zeit Trennkost hat sich die Sehleistung erheblich gebessert und er konnte wieder seinem Beruf nachgehen. Allgemein konnte Dr. Walb bei 210 mit Trennkost behandelten Diabetikern feststellen: Deutliche Senkung der Blutzuckerwerte, deutlich geringerer Insulinbedarf, wesentliche Besserung bei Folgeschäden (z. B. konnten bei 5 Patienten Amputationen verhindert werden).

Fragen Sie sich nicht auch: Wenn schon Trennkost so viel helfen kann, müßte dann nicht die den Verdauungstrakt noch viel mehr entlastende reine Rohkost noch viel größere Erfolge bringen? - Ich denke das jedenfalls auch.
 
 

Beobachtungen eines insulinspritzenden Diabetikers
(Erfahrung)


 


Bevor ich meinen Therapievorschlag für Typ-2-Diabetes darlege, möchte ich ein paar bei mir selbst beobachtete Zusammenhänge weitergeben, die erwarten lassen, daß diese Therapie sehr erfolgreich sein könnte. Ein Teil meiner Beobachtungen kann so nur ein absolut insulinpflichtiger Diabetiker machen, der gleichzeitig die reine Rohkost wenigstens zeitweise praktiziert, weil:

- nur ein insulinpflichtiger Diabetiker den Insulinverbrauch seines Organismus direkt feststellen kann (die Techniken dazu: genaue Dosierung des Insulins mit der Spritze, Messung des Blutzuckers mit Teststreifen);

- nur ein bereits längere Zeit praktizierender Rohköstler den Zustand eines reinen Darms (d. h. [fast] frei von Gärung, Fäulnis und Ablagerungen, als "Schnellbahn" für das Obst geeignet) hat und diesen in die Vergleiche einbeziehen kann.

Ein Teil dieser Beobachtungen werden Sie, lieber Leser, wahrscheinlich nirgends sonst lesen können, geschweige denn, von einem Arzt, von einem Diabetes- oder Ernährungsexperten, oder in einer Klinik zu hören bekommen (der Parameter "reine Rohkost" ist dort unbekannt). Ich biete Sie Ihnen an, und es ist Ihnen überlassen, davon Gebrauch zu machen. Meine Meinung ist, daß wenigstens jeder, der Diabetes oder ein Risiko dazu hat, diese Zusammenhänge kennen sollte.

Hier also die Abhängigkeiten, die zwar sicherlich, wie alle (Kausal-)Regeln, in dem Vielparametersystem Realität nicht absolut, zu jeder Zeit, bei jedem und unter allen Bedingungen bestätigt werden können (jeder, der Insulin dosieren muß, kennt das), die aber als Grundlage für die Wahl der richtigen therapeutischen Maßnahmen nach meiner Meinung sehr von Nutzen sind. Außerdem können sie die Motivation zur Rohkost als Bestandteil der Therapie erhöhen:

1. Der Insulinbedarf ist generell desto geringer, je mehr sich der Darm gereinigt hat. Und zwar gilt dies auch bei gleicher Nahrung. (Konkretes Beispiel: Vergleich eines reinen Obsttages noch zu Kochkostzeiten mit einem reinen Obsttag nach längerer Zeit der Rohkost.) Bei mir liegt der Insulinbedarf im Schnitt jetzt bei 35-40% der früher nötigen Menge. Die Insulinempfindlichkeit nimmt also deutlich zu, die Insulinresistenz deutlich ab.

2. Die "energiereichen" Bestandteile der erhitzten Nahrung (Kohlenhydrate, Fett, Eiweiß) brauchen immer viel Insulin, und zwar die Kohlenhydrate (vor allem Zucker) spontan, Fett und Eiweiß erst später, verteilt auf eine längere Zeit.

3. Werden Kohlenhydrate und Fett zusammen gegessen, dann verzögert sich die Insulinforderung der Kohlenhydrate (allgemein bekanntes Fakt: Unterzuckerungsgefahr), sie kommt dann aber später nach.

4. Körner und Nüsse brauchen immer viel Insulin (nicht unbedingt gleich, aber später, für längere Zeit), auch wenn sie nicht erhitzt sind.

5. Blätter und Gemüse fordern im allgemeinen praktisch kein Insulin, außer wenn sie Zucker enthalten (frische Erbsen, frischer Mais) oder wenn sie Stärke enthalten und erhitzt wurden (Kartoffeln, Möhren).

6. Obst, auch roh, braucht VIEL Insulin, wenn es im Rahmen einer Normalkost (Kochkost) gegessen wird. Dagegen braucht rohes Obst im Rahmen einer reinen Rohkost nur WENIG Insulin (nur spontan). Und zwar nach meiner Erfahrung: Je reiner der Darm durch eine längere Zeit ausschließlicher Rohkost wird, desto geringer wird der Insulinbedarf für Obst.

Wie ich meine, kristallisiert sich aus diesen Erfahrungen heraus, daß der Zustand des Darmes einen sehr großen und direkten Einfluß auf den Zucker/Insulinstoffwechsel und ggf. den Diabetes hat. Auch dies hört man vermutlich so in keiner Diabetesschulung. Für Rohköstler ist dies jedoch nichts Besonderes, sehen sie doch den Darm sowieso als den Ort an, an dem, je nachdem, sowohl Gesundheit als auch fast alle Zivilisationskrankheiten anfangen.
 
 

Diabetes: Erweiterte natürliche Therapie
(Vorschlag)


 


Mit "natürlicher Therapie" meine ich das, was die Basis für jede ernsthafte Bemühung um das Gesundbleiben oder -werden sein sollte: Leben auf eine natürliche Art, wozu vor allem eine Ernährung aus reiner Rohkost gehört. Wenn ich "natürliche Art" allgemeiner zu definieren versuche, dann fallen mir z. B. folgende Stichworte ein: Offenheit, Hinterfragen des eigenen Tuns, Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Achtung auch vor Fremdem, Schöpfen aus den Gaben der Natur (Nahrung, Licht, Luft, Ruhe, Energie) und Schonung derselben. Diese natürliche Basis ist der krankheitsunabhängige Teil, auf den ein bewußt lebender Mensch nicht verzichten sollte, eigentlich nicht nur bei Krankheit und für immer.

Für die Umstellung auf Rohkost erachte es ich schon bei Gesunden, und daher erst recht bei Kranken, für notwendig, daß man sich vorher eine Vorstellung darüber verschafft, was einen erwartet. Dazu unbedingt die Abschnitte "Umstellungsprobleme und Reinigungskrisen" und "Der Einstieg" am Ende dieses Kapitels beachten.

"Erweitert" bedeutet, daß die Therapie angepaßt und ergänzt wird um spezifische Maßnahmen, die zur Heilung oder Linderung der jeweiligen Krankheit, hier Diabetes, angebracht erscheinen.

Nochmal zur Deutlichkeit: Meine Vorschläge für Diabetes, die ich gleich beschreiben werde, sind nicht mit ärztlichen Anweisungen zu vergleichen. Ich bin kein Arzt, kann auch nicht mit "Beweisen" der Wirksamkeit dienen. Ich kann auch nicht dazu raten, die Umstellung ohne ärztliche Kontrolle vorzunehmen. Solch ein Entschluß könnte nur in Erkenntnis der vollen Eigenverantwortung gefaßt werden. Allerdings befürchte ich, daß, wenn man sich selbst bei der Rohkost noch nicht absolut sicher ist oder die Umstellung zusammen mit einem Arzt versucht, der von Rohkost nicht viel hält, man wahrscheinlich bei den ersten Umstellungsproblemen schon aufgeben wird. (Wie schon in der Einleitung gesagt: Rohkost beginnt im Kopf und funktioniert nur, wenn man voll dahinter steht.)

Ich gehe im Folgenden einmal davon aus, daß Sie Diabetes haben, so gesund wie möglich werden wollen und keine Berührungsängste mit der reinen Rohkost haben. Über jeden meiner Vorschläge bitte ich Sie, zusammen mit einem Arzt oder evtl. auch selbstverantwortlich zu entscheiden und ihn ggf. an Ihre spezielle Situation anzupassen. Im Falle der Selbstverantwortung setze ich auch voraus, daß Sie Ihre bisherige Therapie in Grundlagen und Praxis selbständig beherrschen, wozu, wenn Insulin von außen Teil der Therapie ist, auch flexible Dosisanpassung sowie Korrektur zu hoher oder zu niedriger Blutzuckerwerte gehören. Wenn Sie bereits eine sog. intensivierte Insulintherapie (ICT) durchführen, um so besser. Die Technik des Blutzuckermessens sollte Ihnen auch dann vertraut sein, wenn Sie kein Insulin benötigen. - Nun also die Vorschläge, dargestellt in den Punkten 1-7:

1. Für eine unbedingte Voraussetzung halte ich die ständige Blutzuckerkontrolle. Immer genug Teststreifen vorrätig haben und diese, wenigstens in der Umstellungszeit, häufig benutzen! Auf hohe Zuckerwerte muß reagiert werden, um eine Entgleisung zu vermeiden. Falls bzw. solange Sie Tabletten oder Insulin nehmen, müssen Sie außerdem immer auf evtl. heftige Unterzuckerungen vorbereitet sein (den Blutzucker besonders oft messen!). Sie wissen ja: Je länger Sie Rohkost praktizieren, desto höher wird erwartungsgemäß die Insulinempfindlichkeit. Allerdings weiß man nie vorher genau, wann und in welchem Maße der nächste Schub bei der Verringerung des Bedarfs kommt.
Apropos Unterzuckerungen: Zur Behebung derselben nehme ich immer nur Obst, nicht den unnatürlichen Fabrikzucker! Aber das muß jeder selbst entscheiden (Traubenzucker wirkt noch schneller als Obst). Ausgenommen sind natürlich Notfälle, bei denen die Unterzuckerung so stark ist, daß Gefahr von Bewußtlosigkeit o. ä. besteht.
2. Falls Ihr Zucker bisher nicht medikamentös behandelt wird, also vielleicht nur mit Diät und Sport, haben Sie es besonders einfach: Sie stellen wie ein Gesunder auf Rohkost um und beobachten gemäß Punkt 1 Ihren Blutzucker. Es ist eigentlich zu erwarten, daß Sie besonders schnell zur kompletten Heilung gelangen. Tritt dennoch ein erhöhter Blutzuckerwert auf, muß mit dem nächsten Essen gewartet werden, bis er wieder im Normbereich ist. Falls nötig, weniger Obst essen oder auf mehrere kleine Mahlzeiten verteilen. Wenn öfter oder dauernd (auch nur leicht) erhöhte Werte auftreten, vorerst schwer verdauliche Rohkost (Körner und Nüsse) ganz meiden. - Die Gefahr von Unterzuckerungen besteht bei Ihnen nicht.
Im Weiteren setze ich voraus, daß Ihr Diabetes bisher mit blutzuckersenkenden Tabletten und/oder Insulin behandelt wird.
3. Die Schonung des Verdauungssystems sehe ich als vorrangigstes Ziel der Therapie an. Wenn man auf eine Regeneration von funktionsfähigen Inselzellen der Bauchspeicheldrüse hofft (von vornherein ausschließen sollte man das eigentlich nie, auch bei Typ 1 nicht), verschafft man dem Organismus durch diese Entlastung vielleicht die nötige Zeit und Kraft für diese Aufbauaktionen. Die Nahrung soll auch so wenig wie möglich insulinfordernd sein. Niedrige Insulinspiegel im Blut, bei normnahen Blutzuckerwerten, sind natürlich und wirken gegen diabetische Folgekrankheiten. Wenn die Bauchspeicheldrüse noch eigenes Insulin produziert, wird diese so ebenfalls geschont und kann sich erholen und vielleicht sogar regenerieren. Darum empfehle ich unbedingt, wenigstens solange, bis ein stabiler Zustand (evtl. Heilung) erreicht ist, eine besonders "strenge" Rohkost, bestehend nur aus Obst, Salaten, Gemüse, alles frisch, saftig und natürlich roh! Keine Nüsse, Körner o. ä., weil diese schwer verdaulich sind und viel (basales = länger wirksames) Insulin verlangen.

4. Aller Anfang ist schwer. Daher schlage ich für den Umstellungsbeginn vor: Am Tag vor der Umstellung ab mittags nichts mehr essen, damit der Darm bis zum nächsten Morgen einigermaßen frei wird. (Obst sollte man nie nach anderer Nahrung, insbesondere nicht nach Kochkost, zu sich nehmen.) Ich hoffe, Sie kommen tabletten/insulinmäßig mit dem Auslassen von Mahlzeiten zurecht. (Für die fehlende Mahlzeit keine Tablette nehmen, kein schnellwirksames Insulin außer zur Korrektur erhöhter Werte. Auch das basale Insulin für die Nacht schon deutlich reduzieren, Blutzuckerkontrollen!) Mit einer reinen Obstmahlzeit am Morgen beginnt dann die "strenge" Rohkostzeit. Wenn sich Unverträglichkeiten gegen bestimmte Obstsorten bemerkbar machen, diese zunächst weglassen bis der Körper sich daran gewöhnt hat.

5. Die Diabetesbehandlung während der Umstellungszeit ist sicher etwas schwierig, aber es sollte sich lohnen, vielleicht können Sie ja danach Tabletten und Insulin endgültig ad‚ sagen!

a) Blutzuckersenkende Tabletten würde ich vom ersten Tag an weglassen.
b) Alles Insulin, inklusive Basal, sicherheitshalber schon am ersten Tag deutlich reduzieren (2/3 ?).
c) Immer wieder messen wegen der Unterzuckerungsgefahr. Aber auch stark erhöhte Werte immer vorsichtig mit schnellwirksamem Insulin korrigieren (falls Sie Insulin spritzen).
d) In den folgenden Tagen und Wochen immer mit plötzlich weiter abnehmenden Insulinbedarf rechnen!
e) Für Mahlzeiten ohne Obst (Blätter/Gemüse inkl. Tomaten, Gurken, Avocados) nie (Normal- oder Misch-)Insulin zuführen!
f) Falls Sie es gewöhnt sind, die BE's zu zählen: Bei der Rohkost zählt, abgesehen von wenigen Ausnahmen (frische Erbsen, frischer Zuckermais) nur das Obst. Die BE's normal gemäß Tabelle berechnen, aber: Je sauberer der Darm durch die anhaltende Rohkost wird, desto weniger Mahlzeiteninsulin wird für diese BE's nötig sein. Also den Faktor Insulinmenge pro BE als eine Variable betrachten, die immer wieder zu korrigieren (in der Tendenz: verkleinern) ist.
6. Wenn bzw. solange der Zucker- und Insulinstoffwechsel künstlich beeinflußt wird, liegen auch unter Rohkost unnatürliche Verhältnisse vor, die dem Körper eine erhöhte Entgiftungsaktivität abverlangen. Man merkt es zeitweise am häufigeren Wasserlassen, insbesondere bei Unter- oder Überzuckerungen. In solchen Fällen (gemessener unnormaler Wert oder Austrocknungsgefühl) viel trinken, wenn möglich. Nicht trinken sollten Sie kurz vor, während oder in der Stunde nach einer Mahlzeit. Trinken Sie nur reines Wasser (keine Kohlensäure, wenig Mineralien).

7. Dies alles so lange durchhalten, bis ein stabiler Zustand eintritt. Falls dann, wie ich es Ihnen von Herzen wünsche, kein Insulin mehr nötig ist, können Sie die Blutzuckerkontrollen allmählich seltener werden lassen. Sollten Sie sich später entschließen, die Ernährung zu liberalisieren, z. B. durch Zulassen von Nüssen oder sogar gelegentlichen Ausnahmen (Kochkost, Stärkeprodukte), müßte der Zucker wieder häufiger kontrolliert werden.

Vielleicht dauert es nur Tage, vielleicht Wochen, Monate oder gar Jahre, bis kein Insulin mehr gespritzt werden muß, wer will das vorhersagen? Das ist halt alles Neuland, es gibt kaum Erfahrungen darüber, weil es insgesamt sehr wenige reine Rohköstler gibt.

Ich weiß, der von mir vorgeschlagene plötzliche Übergang zur strengen Rohkost wird einigen von Ihnen recht hart erscheinen. Vielen wäre eine allmähliche Umstellung lieber.

Aber Sie sollten sich fragen: Haben Sie wirklich die Zeit für eine langsame Umstellung, was ja hieße, daß der Organismus noch eine Weile mit Kochkost belastet würde? Zu bedenken ist: Auch schon eine einzige tägliche Kochmahlzeit blockiert die Darmreinigung und Entgiftung. Das Risiko für (Voranschreiten der) Folgeschäden bleibt dann hoch. Vor allem, wenn den Inselzellen eine Chance zur Erholung/Regeneration gegeben werden soll, ist ihre Schonung unbedingt nötig. Die Zeit drängt besonders in folgenden Fällen:
 

- Neuer Typ-1-Diabetes mit noch Eigenproduktion (Remissionsphase). Hier kann es um Tage gehen!

- Mehrjähriger, inzwischen medikamentös behandelter Typ-2-Diabetes. Es ist damit zu rechnen, daß das "Sekundärversagen" der Bauchspeicheldrüse eingesetzt hat und vielleicht schon ziemlich fortgeschritten ist.


Sie sollten es umgekehrt machen: Beginnen Sie mit der strengen Therapie. Wenn dann ein echter Erfolg, evtl. Heilung, eingetreten ist und sich stabilisiert hat, können Sie ja immer noch eine Lockerung bei der Ernährung ins Auge fassen, falls Sie dann noch das Bedürfnis dazu haben (dann aber mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen). Diese Aussicht sollte Ihnen die strenge Therapiephase doch eigentlich schmackhaft machen können.
 
 

Unheilbare Krankheit
(Erklärung, Vorschlag)


 


Wenn eine Krankheit sich als unheilbar erweist, insbesondere auch nach einer längeren Zeitspanne mit ausschließlicher Rohkosternährung, dann bedeutet dies leider, daß der Betreffende sich (nicht unbedingt freiwillig) so weit von der Natur entfernt hat, daß zur Aufrechterhaltung des Lebens auf Dauer unnatürliche Maßnahmen nötig sind.

Ein kleiner Teil der Diabetiker (meist wohl Typ 1) wird vermutlich auch mit Rohkost nicht von der Spritze oder Pumpe loskommen. Vielleicht wird sich auch nicht mehr jeder Falls von Krebs, Leukämie, Aids, Alzheimer, Herzkrankheit, verminderter oder verlorengegangener Seh- oder Hörfähigkeit, Epilepsie, Mukoviszidose, um nur ein paar Krankheiten zu nennen, komplett heilen lassen. Das soll heißen, trotz der unter Rohkost zu erwartenden erheblichen Verbesserungen und Erleichterungen bleiben manchmal Organschäden, die weiter behandelt werden müssen. Außerdem ist im Grunde jedes dauernd einzunehmende Medikament sowie sind alle Fremdkörper, die in den Körper anläßlich Krankheit oder Unfall für dauernd eingebracht wurden inklusive Zahnfüllungen, -kronen, -brücken, -ersatz, ähnlich wie eine unheilbare Krankheit zu bewerten, soweit man keine Chance sieht, diese Dinge unter Rohkost doch wieder loszuwerden.

Allen diesen Fällen ist gemeinsam, daß unnatürliche Verhältnisse vorliegen, die die Kräfte des Organismus verstärkt und dauernd fordern. Unter Zivilisationskost merkt mancher vielleicht viele Jahre lang nichts davon, weil dies in der ohnehin schon stark zehrenden Vermüllung des Körpers untergeht. Unter Rohkost wird es dagegen eher deutlich, weil der Organismus nun dauernd um Selbstreinigung und Entgiftung bemüht ist. Krisen können öfter einmal vorkommen (vgl. auch den Abschnitt "Umstellungsprobleme und Reinigungskrisen" unten).

Aber dies sollte nie als Grund vorgeschoben werden, um auf Rohkost zu verzichten. Im Gegenteil: Gerade wegen der ständigen Zusatzbelastung des Körpers durch die unheilbare Krankheit sollte man bei dem gewichtigen Faktor Ernährung eine Entlastung durch eine besonders konsequente Rohkost erwägen!

Die winkende Belohnung möchte ich wie folgt beschreiben: Wenn auch keine richtige natürliche Gesundheit, bei dem die Natur alles alleine regelt, erreicht werden kann, so kann man sich bei Rohkost dennoch auf den ständigen Selbstheilungswillen des Körpers verlassen. Eine die meisten Kochköstler (auch die sich-noch-gesund-fühlenden) erwartende Zeit ausgearteter Zivilisationskrankheit (inklusive diabetischer Folgekrankheit) mit Siechtum und Ausgeliefertsein: davor braucht man als Rohköstler nach meiner Überzeugung keine Angst zu haben. Im allgemeinen, denke ich, wird man kein oder nur ein leichtes Voranschreiten der Grundkrankheit beobachten können.

Wenn es einem einmal nicht so gut geht, dann läßt man dem Körper mit Bettruhe und Fasten seine Ruhe zur Regeneration. Dann geht die Krise erfahrungsgemäß auch schnell wieder vorbei. Wenn Organdefekte, künstlicher Ersatz oder Medikamente massive Probleme machen, braucht man auch mal einen Arzt oder Zahnarzt. Hierin liegt ein gewisses Dilemma. Die Hauptverantwortung sollten wir als Rohköstler aber niemals aus der Hand geben!

Daß Medikamente bei Rohkost überhaupt noch nötig sind, betrachte ich als Ausnahmefall. Dann nehme ich aber an, daß, wie beim Insulin, erheblich niedriger zu dosieren ist. Da die Abwehrleistung unter Rohkost erheblich größer ist, muß man leider damit rechnen, daß Unnatürliches, was der Körper nicht tolerieren mag, nun noch stärker bekämpft wird. Dies betrifft vor allem auch in den Körper fest eingebrachte Fremdsubstanzen, z. B. bei den Zähnen. Vorgänge wie Karies können sich evtl. beschleunigen, vor allem an Stellen, die durch Fremdmaterial isoliert sind (unter Kronen usw.). Hier sollte man also lieber rechtzeitig nach besseren Lösungen suchen, wobei es wohl keine Patentrezepte gibt.

Ich selbst habe mich übrigens eigenverantwortlich dafür entschieden, nach der Entfernung alles Amalgams die Zahnlöcher offen zu lassen. Meine Erfahrungen damit nach fast zwei Jahren diesen Zustands sind gut. Ich habe nichts Künstliches mehr im Mund, verwende keine Zahnpasta und habe so annähernd natürliche Mundverhältnisse. Die Zähne sind kariesfrei bis auf früher entstandene Unterhöhlungen (z. B. zwischen den Zähnen). Da dort Essensreste sich festsetzen können und dann keine "Luft" heran kann, kann sich immer mal etwas Karies bilden. Der Blutzucker mischt hier nach meiner Erfahrung auch mit. Aber ich habe den Eindruck, daß sich das auch immer wieder selbst repariert. Ich helfe mir damit, nach dem Essen möglichst schnell die Löcher mittels Zahnstocher wieder frei zu machen. Ich bin der Überzeugung, daß so meine Zähne auf jeden Fall länger halten werden, als es bei irgendeiner Füllung der Fall wäre.
 
 

Diabetes Typ 2, "Remissionäre" und andere Kranke: Heilung
(Erwartung)


 


Niemals sollten wir aber den Fehler machen, von vornherein von Unheilbarkeit auszugehen! Die Wissenschaft mag sagen, was sie will, aber als konkret Betroffener würde man sich eine große Chance freiwillig vertun! Wer sich mehr Klarheit über die Einordnung wissenschaftlicher Aussagen im allgemeinen verschaffen möchte, der lese einmal in Ruhe den nächsten Abschnitt.

In der Rohkostliteratur, z. B. im "Großen Gesundheits-Konz", auch in den Rohkostzeitschriften (siehe die Listen unten) finden wir viele Fälle kompletter Heilung von den unterschiedlichsten Krankheiten dokumentiert. Dies ist doch genug Anlaß für viel Optimismus!

Dokumentierte Heilungen von Diabetes durch Rohkost habe ich leider noch nicht entdeckt, wohl aber hatte Dr. Walb bereits große Erfolge bei Diabetes durch Trennkost zu verzeichnen (siehe oben unter "Diabetes Typ 2: Das Problem"), so daß der Schluß auf noch bessere Ergebnisse bei einer die Bauchspeicheldrüse noch viel mehr schonenden strikten Rohkost, wie oben unter "Diabetes: Erweiterte natürliche Therapie" beschrieben, sehr naheliegt.

Die größten Erfolgsaussichten bei der Zuckerkrankheit bestehen natürlich, wenn die Bauchspeicheldrüse noch eigenes Insulin produziert. Dies ist bei Typ 2, wenigstens in den ersten Jahren, der Fall, aber auch bei "Remissionären". Damit meine ich Typ-1-er in der Remissionsphase und alle, bei denen der Ausbruch eines Typ-1-Diabetes, aus welchem Grund auch immer, erst erwartet wird. Das heißt, die Bauchspeicheldrüse produziert wenigstens noch ein bißchen Insulin.

Aber auch in den anderen Fällen sollte man nie voreilig sagen: "Meine Krankheit wird sowieso nicht mehr geheilt, also brauche ich mich nicht auf Rohkost zu beschränken." Damit würde man sich nicht nur eine eventuelle Chance auf Heilung, sondern auch die fast sichere Aussicht auf wesentliche gesundheitliche Verbesserung, ein Aufhalten der drohenden Krankheitsfolgen und ein allgemein besseres Wohlbefinden vergeben.
 
 

Wissenschaft
(Grundsätzliches)


 


Ein letzter Ausflug in die geistigen Grundlagen soll nun die Titelfrage dieses Kapitels weiter beleuchten. Nachdem bisher viel über die "subjektive" Seite, nämlich das persönliche Erleben und die oft untrennbar damit verbundene persönliche Wertung, gesagt wurde, kommen wir jetzt zur "objektiven" Seite, nämlich der Wissenschaft.

Wissenschaft umgibt sich ja im allgemeinen mit dem Anstrich von Absolutheit. Sie vermeidet zwar das direkte Einteilen in Gut und Schlecht, erhebt aber doch oft den Anspruch, Aussagen über die Zukunft machen zu können. Diese haben dann meistens die Form "wenn ... dann ..." oder "um zu ... muß man ...". Zum Beispiel: "Wenn die Lohnerhöhungen dieses Jahr einen Prozentsatz X nicht überschreiten, wird die Wirtschaft um Y Prozent wachsen." - "Um das Risiko für Spätkomplikationen gering zu halten, muß ein Diabetiker seinen HbA1c-Wert unter 7,5% halten." (Sie erinnern sich: HbA1c ist ein aus dem Blut bestimmbarer Laborwert, der als ein Langzeitblutzucker gilt.)

Der Eindruck von Absolutheit wird wohl dadurch mitbewirkt, daß in den Wissenschaften konsequenter als woanders Logik benutzt wird. Experimente werden genau beschrieben, um sie wiederholen zu können. Statistische Untersuchungen werden protokolliert, um später weitere Schlüsse daraus ziehen zu können.

Dies hört sich alles gut an. Doch steckt der Denkfehler offensichtlich (wie ich meine) hier genauso drin wie überall. Nur, daß bei der allgemeinen Anerkennung, die Wissenschaft genießt, die Auswirkungen hier eine besonders hohe Durchschlagskraft haben.

Eine Ausnahme könnten nur besonders "reine", d. h. sich als von der Wirklichkeit unabhängig betrachtende, Wissenschaften, bilden. Ich denke hier vor allem an die Mathematik, mit der ich mich übrigens viele Jahre intensiv beschäftigt habe. Hier handelt es sich fast um reine Logik, die auf ein paar plausible Grundannahmen, bezogen auf eine Gedankenwelt von Zahlen und anderen Objekten sowie deren Beziehungen, angewandt wird. Solange man in dieser Gedankenwelt bleibt, ist dies ungefährlich. Aber bekanntlich werden Methoden der Mathematik natürlich in anderen Wissenschaften angewandt. Die heutige computerisierte Welt wäre ohne Mathematik undenkbar.

Ich bin allerdings der Meinung, daß aus der Verwendung mathematischer Methoden allein noch kein Problem erwächst (die theoretisch vorhandene Möglichkeit dazu wäre ein Widerspruch in der üblichen Mathematik selbst). Ließe man bei den Schlußfolgerungen die nötige Sorgfalt und Bescheidenheit walten, könnte eigentlich nichts passieren.

Im Gegensatz zu den "reinen" sind die übrigen Wissenschaften, die sich also mit wirklichen (zeitlichen) Dingen beschäftigen, durch den Denkfehler gewissermaßen verseucht.

Wurde ein bestimmtes Phänomen analysiert und verstanden, was für sich allein genommen eigentlich ein positives Ereignis ist (sein könnte), dann folgen erfahrungsgemäß leider Schritte in etwa wie folgt:

1. Der entdeckte (Kausal-)Ablauf (um einen solchen handelt es sich ja meistens) reizt die menschliche Phantasie zu Spekulationen über dessen weitreichende Gültigkeit und Anwendbarkeit. Übersehen wird dabei, daß der Ablauf nur unter Laborbedingungen mit vielen künstlich konstant gehaltenen Parametern bestätigt wurde. In der Wirklichkeit dagegen trifft jeder Ablauf auf die Konkurrenz vieler anderer (bekannter, meist jedoch unbekannter) Abläufe.

2. Die Spekulationen treffen auf Interesse, wandern und wachsen dabei. In den Medien trifft man dann auf neue Verhaltensregeln (z. B. bei der Ernährung) oder es werden dort neue nützliche Maschinen, oder Abhilfe bei großen globalen Problemen (wie Energie- oder Nahrungsmangel, Überbevölkerung, Treibhauseffekt), oder neue, endlich den Durchbruch bringende, Medikamente oder Hilfsmittel (Beispiel: unblutige Blutzuckermessung!) für bestimmte Krankheiten angekündigt, und zwar fertig (serienreif) in ein paar Jahren. Aus Erfahrung wissen wir jedoch, wie wenig im allgemeinen von diesen Ankündigungen bleibt, wenn wir es wirklich einmal nach "ein paar Jahren" nachprüfen.

3. Aufgrund der vielversprechenden Aussichten wird viel in entsprechende Projekte investiert. Es wird weiter geforscht und entwickelt. Wenn dann tatsächlich ein Produkt entsteht, das den Prüfungen durch entsprechende Stellen standhält, folgt dann die Phase der (Massen-)Produktion und Anwendung. Wenn es um neue Verhaltensmaßregeln geht, werden die evtl. "Gesetz", womit entsprechende frühere "Gesetze" umgeworfen werden. Ignoriert oder verdrängt werden allgemein Vorbehalte aus offener Sicht, wie:

a) Der Nutzen einer neuen Maschine wird oft überschätzt, die durch ihre Massenproduktion oder -nutzung evtl. entstehenden Probleme oft unterschätzt.

b) Lösungen großen Stils beinhalten meist die Gefahr, auch Probleme im großen Stil zu schaffen oder zu verschlimmern (Verbrauch an Energie oder anderen Ressourcen, Umweltbelastung). Es wird häufig recht bedenkenlos von der Zukunft genommen, um in der Gegenwart zu haben. Die Probleme erzwingen immer häufiger und schneller die Suche nach neuen Lösungen, die dann ihrerseits das Problemkonto weiter erhöhen: der inzwischen hinlänglich bekannte Teufelskreis.

c) Im Gegensatz zu naturheilkundlichen Mitteln nehmen mit wissenschaftlichen Methoden entwickelte Medikamente oft recht schnell die Hürde der Zulassung und halten Einzug in die Schulmedizin. Über die Langzeitwirkung und Folgen (Nebenwirkungen) kann es aber erst nach vielen Jahren Sicherheit geben. Die Patienten testen also unfreiwillig die Mittel aus.

d) Gerade auch bei den Verhaltensvorschriften ist immer wieder zu beobachten, daß ein einzelner (neu entdeckter) Aspekt hier gewissermaßen zum Maßstab aller Dinge gemacht wird. Dies hat sicherlich den Vorteil, daß die Vorschrift einfach formuliert und im Gedächtnis behalten werden kann. Was den Nutzen einer solchen Vorschrift angeht, sind aber Zweifel angebracht, zumal wenn damit frühere Regeln einfach umgeworfen werden, ganz zu schweigen von den noch unerforschten Aspekten, die auch einwirken, ohne daß man sie kennt! Ein Beispiel: Man hat entdeckt, daß eine bestimmte Krankheit oft mit dem Mangel an einem bestimmten Vitamin oder Mineral einhergeht. Also empfiehlt man nun Nahrungsmittel, die dieses enthalten oder sogar entsprechende Pillen. Unberücksichtigt bleibt dabei z. B. der Aspekt der unterschiedlichen Aufnahmemöglichkeit dieses Vitamins oder Minerals aus den verschiedenen Nahrungsmitteln oder gar der Pillen durch den Organismus: Die Aufnahme kann leicht oder schwer oder unmöglich sein, sie kann den Körper viel Kraft und andere Stoffe kosten, sie kann (z. B. bei Pillen) zwangsweise geschehen mit der Gefahr der Überdosierung. Hier wird doch niemand ernsthaft behaupten können, diese Dinge seien komplett erforscht.

Ich will es zum Schluß noch einmal ein wenig anders ausdrücken. Ich bitte Sie, einmal intensiv darüber nachzudenken:
Wissenschaft wird als "absolut", "objektiv" angesehen. Alle Erfahrung zeigt aber, daß kaum etwas so sehr der Zeitlichkeit unterliegt wie wissenschaftliche Erkenntnisse. Zu jeder Studie, die ein "Fakt", das man auch nur im geringsten anzweifeln kann, "belegt", folgt oder gab es bestimmt schon eine andere mit dem gegenteiligen Ergebnis. Eine wissenschaftliche Erkenntnis gilt solange als unumstößlich, bis etwas anderes bewiesen und anerkannt wird.
Mein persönliches Fazit ist:

Wenn es um mich hart betreffende Dinge, wie körperliche Unversehrtheit und Gesundheit geht, können Wissenschaft, Gesetze, Normen, Nichtabweichung vom Üblichen nicht die obersten Kriterien sein. Aussagen über die Zukunft beruhigen bei diesen stark der Zeitlichkeit unterliegenden Kriterien nicht, weil sie nach meinem Empfinden viel zu unsicher sind.

Persönliche Erfahrungen und Erlebnisse, obwohl zur Vergangenheit geworden, können mir dagegen auch für die Zukunft Richtschnur sein. Das gilt besonders, wenn es sich um Erfahrungen und Erlebnisse mit der Natur und dem eigenen Körper handelt. Die Natur hat der Zeitlichkeit einiges entgegenzusetzen. Ihre Abläufe und Regeln halte ich für viel stabiler als alles von Menschen Gemachte.

Trotzdem gehe ich natürlich auch an wissenschaftlichen Ergebnissen nicht achtlos vorbei. Ich versuche, sie zu verstehen, auch, wie sie entstanden sein können. Ich versuche ferner, ihre Bedeutung abzuschätzen und sie dementsprechend bei Entscheidungen mit zu berücksichtigen. Oberste Instanz bleibt aber immer mein eigenes Empfinden, meine eigene Wertung.
 
 

Umstellungsprobleme und Reinigungskrisen
(Problem)


 


Wenn man jahrelang durch die dauernde Zufuhr unnatürlicher (erhitzter) Nahrung gegen die Natur gelebt hat, hat sich im Körper, gleichgültig, ob man nun dick oder dünn ist, viel Müll (funktionslose Fremdsubstanzen) angesammelt. Dieser kann sich an den verschiedensten Orten (Darm, Fettdepot, Gefäße usw.) ablagern, in den Körperflüssigkeiten herumschwimmen, diese verdicken, die Bahnen verstopfen, er kann Nahrung für unterschiedlichste Zellentartungen bilden, Tumore können sich entwickeln und wachsen, oftmals werden Organe geschädigt, arbeiten mangelhaft und sind überdimensioniert. Wenn sich auch viele dabei in keiner Weise krank fühlen, befindet sich der Körper dennoch in einem sehr schlechten Zustand. Darum ist es eigentlich selbstverständlich, daß man nicht erwarten kann, daß durch eine Umstellung auf Rohkost mit einem Schlag alle Probleme vorbei sein werden.

Typischerweise erleben viele dennoch gleich zu Beginn der Rohkost große Erfolge, vor allem bei Befinden, Energie und geistiger Frische. Die überflüssigen Pfunde purzeln anfangs ziemlich schnell. Dies alles zeigt, daß die Natur, da sie nun endlich wieder zum Zuge kommen kann, sofort mit den lange aufgeschobenen dringenden Reinigungs-, Entgiftungs- und Heilungsprozessen beginnt.

Dazwischen gibt es in der ersten Zeit aber auch Phasen, die von Krankheitssymptomen gekennzeichnet sind, zum Beispiel: Verstopfung, Durchfall, Fieber, Erkältungssymptome. Litt man an Krankheit(en), dann stellen sich oftmals die gleichen Symptome ein, die vorher im Rahmen dieser Krankheit(en) auftraten. Diese sogenannten Reinigungs- oder Entgiftungskrisen sind Phasen besonders heftiger Auseinandersetzung des Körpers mit angesammelten Abfällen und Giften, so daß er jetzt signalisiert: "Ich brauche jetzt die volle Kraft, so daß ich Dir vorübergehend weniger Aufmerksamkeit widmen kann. Bitte unterstütze mich, indem Du Dich ins Bett legst und außer viel Wasser nur wenig zu Dir nimmst."

Im Unterschied zu früher, wo alle sich durch Symptome äußernden Entgiftungsversuche des Körpers letztlich erfolglos blieben, weil die Vergiftung durch die denaturierte Nahrung unablässig weiterging, sind diese Krisen jetzt Schritte auf dem Weg zur Gesundung.

Hat der Organismus auch unter Rohkost noch dauerhaft mit unnatürlichen Bedingungen zu kämpfen (z. B. Insulin, andere Medikamente, integrierte Fremdkörper, Schädigungen durch Krankheit), sind solche Krisen, wie bereits im Abschnitt "Unheilbare Krankheit" ausgeführt wurde, auch später, nach vielen Rohkostjahren, noch möglich.

Ein anderer Typ von Umstellungsproblem können anfangs auftretende Unverträglichkeiten mancher Rohkostnahrung (z. B. bestimmte Obstsorten oder Möhren) sein. Dies ist dann wohl darauf zurückzuführen, daß diese Nahrung in Magen oder Darm mit einem dort noch befindlichen Substanzmilieu aus anderer Nahrung und Verdauungssäften sowie Altablagerungen zusammentrifft und es dann zu heftigen chemischen Reaktionen kommt. Je mehr der Darm sich im Laufe der Zeit reinigt, desto mehr werden dann auch solche Unverträglichkeiten verschwinden.

Viele Rohkost-Autoren empfehlen sowieso Fasten und Darmspülungen als Vorbereitung für den Einstieg in die Rohkost.

Auf natürliche Weise mit Gesundheitskrisen umzugehen, heißt, nicht gegen den Körper zu arbeiten, sondern seine dringlichen Signale ernst zu nehmen: Gönnen Sie ihm Ruhe, legen Sie sich ins Bett, fasten Sie, trinken Sie viel Wasser. Ein natürliches und bewährtes Mittel, um frei werdende Gifte zu binden, ist Heilerde (einzunehmen). Sonst besteht nämlich die Gefahr sogenannter Rückvergiftungen: Die jetzt aus den Ablagerungen usw. freigesetzten Gifte kommen in Umlauf und können evtl. zu heftigen, bisweilen sogar gefährlichen Reaktionen führen. Die Erde sorgt dafür, daß sie auf normalem Wege über den Darm ausgeschieden werden.

Die Wirksamkeit der Heilerde kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen: Als ich noch das Amalgam im Mund hatte, konnte meine Gesichtsakne durch einen Löffel Heilerde, aufgelöst in etwas Wasser, zwei- bis dreimal täglich eingenommen, abklingen und kam solange nicht wieder, bis ich die Erde wieder absetzte. Die sehr plausible Erklärung dafür ist, daß das ständig aus dem Amalgam freiwerdende Gift ohne Erde im Körper zirkulierte und sich über die Haut einen Weg nach draußen suchte, während es mit Erde im Verdauungskanal gebunden werden konnte und normal ausgeschieden wurde.

An dieser Stelle muß ich aber eines klarstellen: Jemand, der sich auf Rohkost umstellt, kann alles andere erwarten als ein Leben voller Probleme und Krisen! Im Gegenteil, er wird wahrscheinlich eine nie gekannte oder wenigstens längst vergessene Lebensfreude und -energie erlangen, sich über die vielen Verbesserungen freuen und eventuelle Probleme nur als Ausnahmen erleben. Ich erwähne die ganzen möglichen Probleme nur, damit der Umsteller, falls einmal ein solches auftritt, nicht gänzlich unvorbereitet ist, sich schnell darauf einstellen kann und nicht die Rohkost gleich wieder in Frage stellen muß. Die Probleme werden nicht dauernd, nicht gehäuft und nicht alle auf einmal eintreten. So eine Krise ist, wenn sie mal vorkommt, auch meist nur von kurzer Dauer (anders als bei Kochkost). Es gibt auch einige Rohköstler, die überhaupt keine merklichen Umstellungs- oder Reinigungskrisen erfahren.
 
 

Der Einstieg
(Vorschlag)


 


Um aber ganz sicher zu gehen, möchte ich jedem, der sich für Rohkost interessiert, die untenstehende Rohkost-Literatur empfehlen. Bitte studieren Sie mindestens eines, besser zwei der Bücher gründlich, bevor Sie mit einer Umstellung beginnen. Lassen Sie auch die Zeitschriften nicht außer acht. Sie bekommen auf diese Weise viele Tips, können eine konkrete Vorstellung entwickeln und erlangen letztlich mehr Sicherheit für Ihre Entscheidung. Auch auf eventuelle Überraschungen sind Sie dann noch besser vorbereitet. Letztere werden zwar meist von schöner Art sein, aber wenn mal eine unangenehme dabei sein sollte, dann sind Sie dadurch schon genug gefestigt, um mit ihr umgehen zu können.

Was man in diesen Büchern durchweg vergeblich sucht, ist praktische Hilfestellung bei Krankheit, wenn die auch unter Rohkost (zunächst?) bleibt und weiter "unnatürlich" therapiert werden muß. Insbesondere gilt dies auch für Diabetes. Man steht ja dann vor der Aufgabe, einen Kompromiß aus natürlichem Leben einerseits und unnatürlichen lebenserhaltenden Maßnahmen andererseits zu finden, der in möglichst geringem Maße den Körper belastet und an ihm zehrt. Diese Lücke möchte ich unter anderem mit meinen Ausführungen ein wenig schließen helfen, indem ich vor allem geistige, im Fall Diabetes dazu auch konkrete,
Hilfestellung anbiete.

Ob Sie dies alles annehmen, genug Offenheit zur Aufnahme und Verarbeitung neuer Gedanken aufbringen, oder nicht, das liegt ganz bei Ihnen! Ich rate Ihnen: Versuchen Sie es, profitieren Sie davon!
 
 

Erste Erfolge bei Typ-2-Diabetes
(Erfahrung)


 


Ganz aktuell, kurz vor Fertigstellung dieses Kapitels, erhielt ich den erfreuten Anruf einer Diabetikerin, die mir über erste Erfolge nach einer Umstellung auf eine Fast-Rohkost mit noch einer Kochmahlzeit am Tag berichten konnte.

Sie hatte durch Zufall eine Ausgabe einer Diabeteszeitschrift mit einem Beitrag von mir in die Hände bekommen und sich daraufhin Informationen über Rohkost und Diabetes bei mir angefordert. Durch ihre Aufgeschlossenheit der Rohkost gegenüber blieben wir in Kontakt und tauschten Erfahrungen aus.

Sie hat mir erlaubt, an dieser Stelle über ihren Fall zu berichten. Dies möchte ich dann auch gern tun.

Seit 9 Jahren besteht ein mit Tabletten und Insulin behandelter Diabetes Typ 2. Wegen einer Polyneuropathie an den Füßen (diabetische Folgekrankheit) wurde vor drei Monaten auf nur noch Insulin mit intensivierter Therapie (ICT) umgestellt. Der gewünschte Erfolg stellte sich jedoch nicht ein: die Blutzuckerwerte abends und morgens blieben viel zu hoch (im Schnitt etwa 200 bzw. 160 mg/dl).

Seit etwa drei Wochen vor dem erwähnten Telefonat praktiziert sie nun eine Fast-Rohkost mit nur noch mittags Pellkartoffeln. Der letzte Schritt, bei dem sie Brot bzw. Körner zu abend ersetzte durch eine reine Obstmahlzeit (mit gleicher BE-Menge), brachte sofort eine Wende.

Die Werte abends und morgens waren ab diesem Tage im Normbereich (durchschnittlich 125 und 90 mg/dl). Der Arzt war verblüfft, denn Obst läßt doch im allgemeinen den Zucker recht schnell und stark ansteigen?? Inzwischen konnten auch die Insulinmengen für die Abendmahlzeit und für die Nacht etwas reduziert werden. Bei der Polyneuropathie scheint sich auch schon eine leichte Besserung abzuzeichnen.

Ich bin optimistisch, daß sie nach dem Erleben dieser ersten Erfolge bald den letzten Schritt zur reinen Rohkost auch noch gehen wird. Auf die weitere Entwicklung bin ich sehr gespannt. Ich hoffe, dann an dieser Stelle (in einem Kapitel 2) darüber weiter berichten zu können.

Die sieben Regeln aus dem Abschnitt "Beobachtungen eines insulinspritzenden Diabetikers" können nach dieser Erfahrung, so denke ich, um eine weitere ergänzt werden:

8. Der Insulinbedarf für eine reine Obstmahlzeit reduziert sich auch im Rahmen einer Koch- bzw. Mischkost etwas, falls der letzte Verzehr erhitzter Nahrung hinreichend lange (im konkreten Fall über 6 Stunden) zurückliegt.

 

Rohkostbücher:

Aterhov (Arshavir ter Hovannessian): Unsere natürliche Nahrung - Rohkost (engl.: Raw Eating), Teheran 1963-1967, 130 Seiten. Die 1992 im Waldthausen Verlag erschienene deutsche Ausgabe ist vergriffen und wird nicht mehr aufgelegt. Ein Reprint einer früheren DDR-Ausgabe ist jetzt erhältlich bei: Wort & Bild, Werbung u. Marketing, Postfach 1116, 28870 Ottersberg.

Helmut Wandmaker: Willst Du gesund sein? Vergiß den Kochtopf! Ritterhude 1989-1991, Waldthausen Verlag und Goldmann Verlag, 620 Seiten.

Franz Konz: Der große Gesundheits-Konz, Bund für Gesundheit, Heinsberg, 1995-1996-1998-1999, 1500 Seiten.

Helmut Wandmaker: Rohkost statt Feuerkost. Wahre Gesundheit durch natürliche Nahrung. München 1996, Goldmann Verlag, 220 Seiten.

Guy-Claude Burger: Die Rohkosttherapie, München 1997, Wilhelm Heyne Verlag, 400 Seiten.
 
 

Rohkostzeitschriften:

Im Jahr 1997 erschien erstmalig die Zeitschrift "Natürlich Leben", in der zunächst alle Rohköstler ein Forum fanden. Leider zerstritten sich in der Folge die redaktionell beteiligten Vertreter verschiedener Rohkostrichtungen so stark, daß das gemeinsame Wirken an einer Zeitschrift aufgegeben wurde. Heute gibt es drei deutschsprachige Zeitschriften, von denen jede nur eine Richtung vertritt: Fast ein Wahnsinn, wenn man bedenkt, wie wenige echte Rohköstler es überhaupt gibt. Außerdem sollte man von einer Zeitschrift heute Meinungsvielfalt und Diskussionsbereitschaft erwarten können.

Trotz dieser schlechten Situation empfehle ich die Blätter wegen der dort zu findenden wertvollen Erfahrungs- und Heilungsberichte.

Die "Natürliche Gesundheitslehre" (Obstrohkost, Helmut Wandmaker) wird vertreten durch: "Wankmaker aktuell" (2-monatlich), Helmut-Wandmaker-Stiftung, Hauptstraße 4, D-25782 Tellingstedt, Tel. 04838-78047.

Das Blatt für die "Klassische Naturheilkunde" (Obst und Wildkräuter, Franz Konz) ist: "Natürlich Leben" (2-monatlich), Bund für Gesundheit e. V., Talstraße 36, D-52525 Heinsberg, Tel. 02452-22678.

Die Zeitschrift der "Instinctos" (instinktive Nahrungsauswahl, Fleisch zugelassen, Guy-Claude Burger) ist: "Instincto Magazine". Info und Bestellung bei Orkos, Tel. 0033-1-64602121. Orkos ist ein Versand naturnah erzeugter, biologischer Tropen- und anderer Früchte.


 
         Zum Band 2 von 'Die Heilkraft der Rohkost am Beispiel Diabetes'

 
 
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