Der Barometermacher auf der Zauberinsel

Zauberposse mit Gesang und Tanz in 2 Aufzügen
Parodie des Märchens "Die Prinzessin mit der langen Nase" aus Christoph Martin Wielands "Dschinnistan"

Die Handlung

Durch Zufall landet der Barometermacher Quecksilber auf der Zauberinsel, und durch Zufall erhält gerade er von der Fee Rosalinde drei Zaubergaben, die diese alle hundert Jahre einem Menschen verleihen muß: einen Stabe, der alles, das mit ihm berührt wird, zu Gold macht, ein Horn, das ein Heer herbeiruft, sobald es geblasen wird, und eine Schärpe, die einen zu jeden beliebigen Ort bringt. Hocherfreut über seinen plötzlichen Reichtum begibt sich Quecksilber auf die Ostseite der Insel, ins Reich des Fürsten Tutu, um dessen Tochter Zoraide zu seiner Frau zu machen. Doch die machtbesessene Zoraide hat es nur auf die Zaubergaben abgesehen und macht diese Quecksilber durch List abspenstig. Quecksilber kann aber mit Hilfe der Kammerzofe Linda, mit der ihn bereits zarte Bande verbinden, das Blatt wenden: Die Fürstenfamilie ißt unwissend verzauberte Feigen, die die Nase stark vergrößern. Da Prinz Tutu Einsicht zeigt, verhilft ihm Quecksilber wieder zu seinem früheren Aussehen. Aber Zoraide, die die Zaubergaben nur widerstrebend zurückgibt, muß zur Strafe für immer mit der großen Nase leben.

Interpretation

Innere und äußere Handlung haben das gleiche Ziel. Die Suche nach dem Glück (vgl Fortuna-Motiv) hängt am Erkennen des eigenen Selbst und hat nicht ihr Ziel im schönen Schein der Zauberwelt. Motive, Sprache, Figuren, Komik und Handlung sind noch ganz in der Weise des traditionellen Zauberstückes gestaltet. Neu ist, daß hier eine Moral (vgl Treue wird belohnt) strukturprägende und tragende Bedeutung erhält. Die Märchenhandlung und die Selbsterkenntnis im Sinne der biedermeierlichen Glücksauffassung verlaufen parallel. Erst als der Held der machtgierigen Prinzessin abschwört, vermag er sich der Zaubermittel zu bedienen. Zoraide, die im originalen Märchen vorkommt, wird von Raimund als Teufelin dargestellt, während die von ihm erfundene Zofe Linda Quecksilber ihr Herz schenkt: "[...] wenn Sie mich heiraten, so werden Sie recht glücklich werden, und Sie werden auf alle Hörner vergessen!" Hier sind die autobiographischen Einflüsse deutlich erkennbar. Zoraide steht für Luise Gleich, die Raimund mehr als einmal die Hörner aufgesetzt hat; Toni Wagner, die das nie tun würde, wird von Linda dargestellt.

Aufbau und Thematik

Ursprünglich sollte Karl Meisl für Raimund dieses Benefizstück schreiben. Da er aber mit dem Stück nicht recht voran kommt, schreibt es Raimund selbst. Er verlegt die Märchenhandlung mittels parodistischer "Verwienerung" in eine Wiener Spielwelt. Aus der Hauptfigur des Märchens, dem Prinzen, wird bei Raimund ein im bürgerlichen Leben gescheiterter und zugrundegegangener Barometermacher, der weit weg von der Heimat sein Glück machen will. Die komische Figur (vgl Hanswurst des Wr. Volkstheaters) wird zur Hauptfigur. Den Märchennamen des Tutu erhält der Fürst, den Raimund mit Phlegma-Komik zur Karikatur eines schläfrigen Herrschers macht (vgl österreichischer Kaiser Franz). Neu an Personen kommen hinzu: Linda, die weibliche Parallele zur lustigen Person (vgl Colombine) und Gegenspielerin von Zoraide und Hassar, deren Vertrauter. In der Zauber- und Geistersphäre hinzugekommen sind die Fee Rosalinde, die Nymphe Lidi und der menschenfeindliche Waldbewohner Zadi.

Nach der flüchtigen Exposition folgt eine vierteilige Kettenhandlung um die beiden Handlungskerne des Verlustes und der Wiedergewinnung der Zaubergaben. Raimund vernachlässigt die dramatische Gliederung in Akte und stülpt diese gleichsam über die Kettenstruktur, in der die einzelnen Glieder Teilganze sind. Ihm kam es weniger auf das Erreichen einer dramatischen Spannung an, sondern lenkt den Blick auf die Ausführung.