Raimunds schauspielerische Entfaltung legt den Grundstein für die Theatralik und Dramaturgie seiner Zauberspiele, deren Spielweise er als Theaterdichter, Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor bestimmte. Raimund dichtet und spielt mit dem Publikum, klammert es nicht aus. Er sieht das "Theatermachen" einerseits durchaus vom Handwerklichen, sein Kunstideal ist sichtlich gespalten: das eigene Schaffen gilt ihm als Handwerk, andererseits spricht er stolz von seiner Kunst.

In den 22 Jahren seiner Karriere kann man Raimund in über 170 Rollen sehen. Oft steht er jeden Tag auf der Bühne und spielt ein buntes Repertoire: Als Gedächtnis- und Konzentrationsleistung ist dies beispielhaft. Auch will ihn das Publikum in denselben Rollen öfter sehen, denn Raimund ist als genialer Improvisierer bekannt, der bei jeder Vorstellung neue Wortwitze, neue Späße anhängt.

Dem kommerziellen Theaterwesen seiner Zeit steht Raimund als Schauspieler und Schriftsteller zwiespältig gegenüber: er möchte gehaltvolle, gute, doch zugleich unterhaltende Kassenstücke schreiben; er will sich nicht der Diktatur des Lachtheaterpublikums unterwerfen, andererseits kann er aber auch nicht am Zuschauer "vorbeispielen". Als Künstler und als Geschäftsmann ist Raimund vom Publikum abhängig. Dennoch will sein Theater zugleich eine ästhetische und moralische Anstalt sein.