Für die verschiedenen Quodlibets (Zusammenstellungen beliebter Szenen),
in denen Raimund auftritt, hat er einzelne Szenen aus fremden Stücken
bearbeitet, für seine Darstellung eingerichtet und zu einer Einheit
miteinander verschmolzen. In Raimunds Nachlaß finden sich Einlagen zu
Theatermanuskripten, die verschollen sind. Dazu kann man auch die Theatergesänge
fremder Stücke zählen, die Raimund als Träger der Hauptrolle singt.
Alle aufgefundenen Gedichte (Gelegenheitsgedichte) sind meist als biographische
Aussagen gewertet worden. An die Dunkelheit (1825), An die
Ungetreue (1825), An Gutenstein (1827), Der Menschenfeind
(1828), An Gutenstein (1833) und Das letzte Lied (1836)
korrespondieren die Stimmungen des einsamen Ichs mit dem Geschehen der
Natur. Der Skeptiker, den die Menschenwelt tausendfähig betrügt, flüchtet
zur Natur als dem einzigen Hort des wahren Lebens. Gutenstein stellt
für Raimund das Ideal der unvergänglichen Natur im Gegensatz zur zerbrechlichen
seelischen Konstitution des Menschen dar.
Tatsächliche Realität und dichterischer Traum werden im Bild eins;
Naturschönheit und Schönheit des Gemüts entsprechen einander. Raimund
vermag Traum und Wirklichkeit nicht miteinander in Einklang zu bringen,
auch nicht als Dichter, der die "Liebe seiner Nation" ähnlich wie Schiller
als Bildner des Volks erringen will, aber in den Augen der Umwelt "Lokalgröße",
Mundartenschriftsteller bleibt.