Die unheilbringende Zauberkrone
Untertitel: König ohne Reich, Held ohne Mut, Schönheit ohne Jugend

Original Zauberspiel in zwei Akten

Inhalt

Der Feldherr Phalarius kann und will sich nicht damit abfinden, daß nicht er für seine Kriegstriumphe, sondern der unerfahrene Königssproß Kreon die Krone von Agrigent erhält. Als er Rache schwört, erscheint Hades, der sich beklagt, außer einer Krone nichts zu besitzen, und diese dem Feldherren nun anbietet. Phalarius nimmt sie freudig an, weil er so in der Lage ist, Kreon zu töten und die Stadt zu vernichten. Lucina, die Schutzgöttin von Agrigent, gelingt es Kreon zu retten, aber nicht die Eumeniden um Hilfe zu bitten, denn Hades hat zuvor die Pforte, die zu ihnen führt, mit drei Siegeln verschlossen. Er will diese erst öffnen, wenn Lucina folgende drei Dinge bringt: eine Krone von einem König, der noch nie ein Reich besessen hat, einen Lorbeerkranz eines Helden, der trotz seiner Feigheit eine Heldentat vollbracht hat und ein Diadem, das eine 60jährige als Preis für ihre Schönheit erhalten hat.

Lucina benutzt den armen Dichter Ewald und dessen Zimmervermieter, den einfältigen Schneider Simplicius Zitternadel, um ihr Ziel zu erreichen. Ewald begibt sich nach Massana, um den kranken König mit Hilfe einer Zauberfackel vor Hades zu retten, was dessen größter Wunsch ist, und erhält dafür die Königskrone. Inzwischen ist Simplicius an einen verwunschenen See gelangt. Wer aus diesem trinkt, muß ebenso viel Blut vergießen, wie er getrunken hat. Lucina bringt Ewald nach Kallidalos, wo die Wahl zum schönsten Mädchen stattfindet, und er verliebt sich dort sogleich in die schöne Atritia. Um ihre Hand zu erhalten, will er im Gegenzug dafür sorgen, daß ihr alter Vormund Aloe die Schönheitskonkurrenz gewinnt, was auch geschieht.

In der Zwischenzeit ist es Simplicius, der durch das verzauberte Wasser stark und furchtlos geworden ist, gelungen, einen wilden Eber, der die ganze Stadt bedrohte, zu erlegen. Er erhält dafür den Lorbeerkranz. Lucina hat also die Bedingungen erfüllt, worauf sie die drei Eumeniden um Hilfe bitten kann. Diese begeben sich zu Phalarius und fordern die Krone des Hades zurück. So kann Kreon erneut den Thron besteigen und wieder Frieden in sein Land bringen. Ewald vermählt sich mit Artritia und erhält ein Amt bei Hofe, während Simplicius mit den erhaltenen 1000 Goldstücken endlich eine eigene Werkstatt einrichten kann.

Interpretation

Der ursprüngliche Titel in Raimunds Konzept lautete Die unheilbringende Krone, den er - vermutlich unter dem Druck der Zensur, die eine Anspielung auf das österreichische Kaiserhaus vermutete - ändern mußte. Das siebente dramatische Werk Raimunds schließt thematisch an Moisasurs Zauberfluch an. Der Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen ist hier am großartigsten, aber auch am verworrensten durchgeführt: parallel müssen gleich drei Bedingungen erfüllt werden. Der Tod selbst tritt gegen das Leben an, und Hades schließt mit Lucina einen regelrechten Pakt, der an den von Gott und Teufel in Goethes Faust erinnert: arme Menschen sind hier wie dort die Versuchsobjekte der überirdischen Gewalten.

Der Schneider mit dem signifikanten Namen Simplicius Zitternadel ist die komische Figur des Stückes, doch scheinen seine Späße inmitten der von barocken theatralischen Pathos erfüllten Umgebung recht merkwürdig. Sie gelingen nicht so recht, wozu auch die hemmende Gegenwart seines Gefährten, des bläßlich gezeichneten Dichters, der immer in den höheren Sphären der Kunst schwebt, beiträgt. Alles ist maßlos, die Überfülle und mangelnde Einheit der Handlung verwirrt und läßt nicht zum Genuß der großartigen Einzelheiten kommen. Ein weiterer Grund für die ablehnende Haltung der Kritik ist die gekünstelte Sprache. Positiv wurden nur das Ineinanderspiel von Tragik und Komik aufgenommen, trotzdem wurde das Stück von Publikum und Kritik gleichermaßen abgelehnt. Dem schon öfter gemachten Vorwurf, die Zauberkrone nehme ebenso wie die gefesselte Phantasie und Moisasurs Zauberfluch nicht auf die Interessen des Publikums Rücksicht, begegnet Raimund schließlich mit einem ironischen Gleichnis(vgl. Abdankung):

"Ein Schneider auf dem Dorf, wer ihn nur sieht, will lachen,
Erdreistet sich gar einen Hermelin zu machen?
Und doch es mußt geschehen, ich durft es nicht vermeiden,
Aus Purpurstoff konnt ich doch keinen Schlafrock schneiden?"