SPSen von GE Fanuc für schwimmende Ölplattform
(Bericht erstellt im November 1999)

Die holländische Firma Bluewater Engineering baut derzeit ein Turmsystem in Abu Dhabi, das Teil einer schwimmenden Ölplattform sein wird. Erst einmal fest verankert, wird die Plattform frei um diesen Turm kreisen können. Dadurch bleibt der Turm ständig über eine Pipeline mit der Quelle verbunden, während der Rumpf der Plattform durch freie Rotationsbewegungen den Wellengang auffangen kann. Steuerung und Notabschaltung sollen über zwei SPS der Serie 90-70 erfolgen, die sich in ständiger Bereitschaft befinden.

Bluewater Engineering ist für den Entwurf, den Bau und die Installation des Turms sowie für den Entwurf und die Lieferung der Befestigungen und des Verankerungssystems zuständig. Der Turm soll nach Singapur transportiert werden, wo er im Rumpf eines bereits existierenden Tankers mit dem zukünftigen Namen P-38 des brasilianischen Ölkonzerns Petrobras installiert wird. Der P-38 wird gegenwärtig für seine neue Funktion als Ölplattform umgerüstet.

Betrieb der Plattform
Nach Fertigstellung wird der P-38 vor der Küste von Rio de Janeiro endgültig festgemacht. Der Turm wird an eine schwimmende Einheit angeschlossen, mit der die Ölzufuhr aus der Quelle sichergestellt wird. Das Konzept des P-38 ermöglicht dem Rumpf uneingeschränkte und wetter-unabhängige Bewegungsfreiheit rund um den stationären Turm. An Bord der Plattform wird das Öl in Tanks zwischengelagert, bevor es auf Pendeltanker umgeladen wird. Der Gasanteil wird getrocknet und zur Erzeugung und Nutzung von Strom an Bord oder für Hubanwendungen verwertet. Bei ausreichenden Mengen soll der Strom ggf. auch exportiert werden. Der Wasseranteil wird sorgfältig gereinigt und zurück in das Meer gepumpt.

Aufbau des Turms
Die Turmkonstruktion hat an der Basis einen Durchmesser von 17 Metern und ist insgesamt 63 Meter hoch. Für das Turm-Informationssystem (TIS), das in explosionsgeschützten Gehäusen auf dem Turm untergebracht ist, wurden SPSen von GE Fanuc ausgewählt. Die TIS-Software wurde von Bluewater Engineering entworfen und vom System Integrator Imtech Control Systems integriert. Das TIS umfasst die Kontrolle der hydraulischen Druckventile, die Meldung von Feuer oder Gas sowie Funktionen für eine Notabschaltung.
Im Falle einer unvermeidbaren Kette von Ereignissen, die den Betrieb gefährden könnte, verschließt das Notabschaltsystem in gesicherter Reihenfolge alle Ventile. Das System befindet sich auf dem stationären Turm, während der Rest des Steuerungssystems auf der Schiffsbrücke um den Turm "kreist". Zur Sicherstellung der Kommunikation werden die Verbindungen nicht fest verdrahtet sondern erfolgen über Funk. Zudem dürfen diese Funkverbindungen über das Modem im Turm nicht in ein Funkloch geraten, während das an die SPS auf der Brücke angeschlossene Modem kreist. Die SPS im Turm verfügt über zwei diametral entgegengesetzt angeordnete Modems mit automatischer Verbindungsumschaltung, so dass das Modem auf der Brücke sich zu jeder Zeit in Funkreichweite befindet.

Verbindung von SPS zu SPS
Zur Sicherstellung der Systemredundanz in dem Turm existieren SPS und Doppelmodem in zweifacher Ausführung. Im unwahrscheinlichen Fall einer Störung veranlasst ein automatischer Selbsttest die Umschaltung auf die Bereitschaftseinheit. Ein ununterbrochenes "Herzklopfen", das zwischen der SPS auf dem Turm und der Brücke übertragen wird, stellt die automatische Umschaltung der Modems oder SPS bei zeitweiligem Ausfall dieses Signals sicher. Eine weitere Sicherheitsmaßnahme des Notabschaltsystems besteht bei Ausfall der Funkverbindung in der Verwendung von elektrischen Signalen zwischen dem Turm und der Brücke, die über einen Schleifringkörper ständig miteinander verbunden sind.

 
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