Pflaum: 1st Class
Know-how beim Hallenbau
T&G-Partner PLC electric realisiert
CIMPLICITY-Visulalisierung bei Pflaum
Bausysteme
(Bericht
erstellt im Juli 2001)
Ein
Vorzeigebeispiel österreichischer Ingenieursleistung steht beim
Paneelelement- Hersteller Pflaum in Traun bei Linz. Im Mai 2001 wurde
hier Österreichs erste vollautomatische Anlage für die
kontinuierliche Produktion von Steinwolle/Stahlblech- Paneelen in
Betrieb genommen. In dieser Anlage steckt enorm viel Eigenleistung und
20 Jahre Produktionserfahrung der Pflaum & Söhne Bausysteme GmbH.
Die tatsächliche Investitionssumme von 40 Mio. Schilling entspricht
daher einem reellen Einkaufswert von rund 80 Mio.
Für die Steuerungstechnik und
Visualisierung zeichnet die in Pasching, OÖ, beheimatete PLC electric
Austria Steuerungstechnik GmbH (siehe
Kasten unten) verantwortlich. Die Visualisierung wurde mit der GE Fanuc
Software CIMPLICITY 5.0 Plant Edition realisiert. Die
richtungsweisende Paneel-Fertigungsstraße wird, wenn sie auf vollen
Touren läuft, 2.500 m2 montagefertige Paneele pro Tag
produzieren. Das damit ermöglichte Jahresvolumen von 1 Mio. m2
(!!) ist mehr als der 5fache Wert der bis dato beim Pflaum verwendeten
Steinwoll-Produktionsanlage. Geschäftsführer Peter Pflaum jun.:
„Mit dieser Anlage beginnt eine neue Ära für unser fast 50 Jahre
altes Familienunternehmen. Sie erlaubt uns eine aggressive Expansion
am europäischen Markt.“
Pflaum
& Söhne Bausysteme GmbH
Das 1954 als Spenglerei gegründete
Unternehmen beschäftigt sich seit 1972 mit der PU-Formschäumung.
Heute werden Sandwichpaneele mit einem Isolierkern aus
Polyurethanschaum (PU), Brandschutzpaneele mit Steinwoll-Kern und
Linear-Fassadensysteme hergestellt. Die Vorteile der Paneelsysteme
sind neben ausgezeichneter Wärmedämmung und hohem Brandschutz (bis
Klasse F180), die hohe Vorfertigung (Farbbeschichtung innen und außen)
und die rasche und kostengünstige Montage. Eingesetzt werden die
Pflaum-Paneele u.a. beim Bau von Möbelmärkten und anderen Verkaufsmärkten,
im Industriehallenbau und bei öffentlichen Bauten. Die insgesamt 130
Mitarbeiter der Pflaum & Söhne GmbH erwirtschafteten mit diesen
Produkten im Geschäftsjahr 2000 einen Umsatz von rund 280 Mio.
Schilling, davon 67 % aus dem Export.
Richtungsweisende Paneel-Fertigungsstraße
Die neue Fertigungsstraße für die
Paneele wurde in einer erstaunlich kurzen Zeit von nur einem Jahr
entwickelt und fertiggestellt. Geistiger Vater der Anlage ist
Senior-Chef Peter Pflaum. Nach seinem offiziellen Ausstieg aus dem
Unternehmen im Vorjahr widmete er sich vollständig der Realisierung
dieser maschinen- und steuerungstechnischen Meisterleistung.
Maschinenbautechnisch wurde die Anlage teilweise aus fertigen Modulen
und kundenspezifisch bei Pflaum selbst entwickelten Bauteilen
zusammengefügt. So wurden z.B. die beiden Blechzuführungseinheiten,
das Plattenband (Verklebung & Trocknung) und das
Abstapelungssystem vollständig bei Pflaum konstruiert und gebaut. Die
Rollformer wurden zugekauft.
Das wirklich revolutionäre an dieser
über 80 Meter langen Fertigungsanlage ist, dass sie kontinuierlich
arbeitet und der Produktionsfluss weder für das Andocken neuer
Blechrollen noch für das Ablängen (Sägen) und Abstapeln
unterbrochen werden muss. Noch dazu ist die Anlage steuerungstechnisch
so ausgelegt, dass gleichzeitig zwei verschiedene Aufträge bearbeitet
werden können, d.h. während noch ein Auftrag durchläuft, stellt
sich die Anlage im Zuführungsbereich vollautomatisch auf einen neuen
Auftrag um und beginnt diesen zu fertigen.
Um diese Leistungsmerkmale zu
erreichen, mussten für die Steuerungstechnik und Visualisierung äußerst
hohe Ansprüche erfüllt werden. Um jederzeit bis zum letzten
Reed-Kontakt die Kontrolle über die Anlage zu haben, wurde mit
CIMPLICITY ein Visualisierungssystem geschaffen, dass diesen
Anforderungen gerecht wird.
Visualisierung mit CIMPLICITY
Maximilian
Mittendorfer, PLC-Geschäftsführer:
"Unsere zentrale Anliegen bei der Realisierung der Visualisierung
waren die komfortable Bedienung sowie die deutliche Darstellung der
Funktion aller Einzelkomponenten. Wir beschränkten uns dabei auf die
funktionale Seite, um die Übersichtlichkeit zu wahren."
Die Visualisierung hat auf der
Panel-Produktionsanlage reine Überwachungsfunktion, gesteuert wird
direkt vom PPS-System und den SPSen. Das PPS-System wurde in Visual
Basic von Pflaum selbst programmiert. Neue Aufträge werden via Stückliste
in das System geladen und die Anlage stellt sich automatisch darauf
ein. Manueller Eingriff ist selbstverständlich auch möglich.
CIMPLICITY macht die komplexe Anlage überschaubar,
ja „angreifbar“. Das Blockschema (= CIMPLICITY Start-Screen) zeigt
die verschiedenen Produktionsbereiche, wobei jeder Block durch eine
separate Bildschirmansicht visualisiert werden kann. Diese Ansichten
der Anlage zeigen alle wichtigen Anlagenzustände nahezu in Echtzeit,
d.h. die Visualisierung ist so animiert,
dass Bewegungen der Stationen direkt mitverfolgt werden können.
Die Staplerstation stellte hohe
Anforderungen an die Visualisierung, da viele Bewegungen in mehreren
Ebenen gleichzeitig stattfinden. Am Oberteil des Staplers sitzen
Fahrwerk und Hubwerk, der Unterteil führt das Wenden der Platten
durch und besitzt zwei seitliche Verfahrwege, die den Abtransport der
fertigen Plattenstapeln ermöglichen.
Die CIMPLICITY-Detailansichten der
Produktionsbereiche zeigen auch alle Elemente, die für den
Anlagenbediener an der Maschine selbst nicht sichtbar sind. So z.B.
die Bewegung der Haltenadeln für den Steinwolle-Transport oder den
Betriebszustand sämtlicher Lichtschranken und Endschalter während
des Produktionsvorgangs.
Am Plattenband (Trockenstation) wird
mit Druckaufnehmern der Verklebungsdruck kontrolliert. Die Druckwerte
und sämtliche Temperaturmesswerte werden von CIMPLICITY
protokolliert und so wird die Produktqualität überwacht und
gesichert. Das Update der Visualisierung erfolgt im Sekundentakt. Das
ist nahezu Echtzeit. Die Protokollierung (Logging) erfolgt für die
verschiedenen Werte in unterschiedlichen Rhythmen, entweder jede
Sekunde, alle 10 sec oder länger. Da CIMPLICITY hervorragende
Trending-Funktionen bietet, können aus den gespeicherten Daten rasch
wertvolle Informationen für die Optimierung der Anlage gewonnen
werden.
Martin Kottrasch, PLC: "CIMPLICITY
ist ein hervorragendes Werkzeug für die Umsetzung solcher komplexen
Visualisierungen. Mit der in CIMPLICITY 5.0 enthaltenen
Linked-Objects-Funktion ist es möglich, ein Bauteil nur einmal zu
definieren, um dann in allen anderen Darstellungen einfach nur mehr
auf dieses Bauteil zu verweisen. Wird das Bauteil geändert, ändert
es sich automatisch in allen verlinkten Ansichten. Die Arbeitsschritte
sind sehr funktionell angelegt: Zeichnungen anbinden, Punktlisten
importieren, Alarmklassen definieren, fertig."
Bei Pflaum laufen zwei 2 Runtime Server
CIMPLICITY 5.0, Servicepack 2. Insgesamt gibt es auf dem Server 35.000
I/Os für die gesamte Anlagenkommunikation. Auf dem Client Runtime
Server sind 75 I/Os eingerichtet, wobei die Viewer-Funktionalität
betont wird.
Alarmsystem und Protokollierung
CIMPLICITY managed das komplette
Alarmhandling mit detaillierten Fehlermeldungen. Es wurden drei
Alarmklassen definiert: kritische Alarme, schwere Alarme und leichte
Alarme. Bei kritischen oder schweren Alarmen wird die Anlage
automatisch sofort gestoppt und der Alarm auf dem Bedienpaneel
angezeigt. Die Touchpanels besitzen, zwecks Übersichtlichkeit, nur
sehr wenige Bedien- und Visualisierungstasten.
Sämtliche Betriebszustände werden in
regelmäßigen Abständen gespeichert, und natürlich werden Alarme
protokolliert und können später für statistische Auswertungen
herangezogen werden. Weiters dienen sie letztendlich der laufenden
Optimierung der Anlage und der Produktionsüberwachung
(Produkthaftungsgesetz).
Die Bedienelemente für die
Visualisierungsschirme wurden auf einem Master-Screen nur einmal
definiert, um sie dann auf alle Screens anzuwenden (Linked-Objects-Funktion).
Sämtliche aufgerufene Detailinformationen werden in Pop-up-Fenster über
dem jeweiligen Bereichsbildschirm angezeigt. Die Bedienung kann in der
Steuerungswarte via Maus oder mittels Touch-Screen erfolgen.
Zur
besseren Übersichtlichkeit für den Bediener können auch alle
Betriebsmittelkennzeichnungen ausgeblendet werden. Martin Kottrasch:
"Wir haben auch auf eine plastische Visualisierung geachtet.
Runde Maschinenteile sind wirklich als rund zu erkennen. Die fotoähnliche
Ansicht erleichtert die Bedienung. Wenn notwendig wurden mehrere
Ansichten, also animierter Grundriss und Aufriss visualisiert. Mit
CIMPLICITY war das fast ein Kinderspiel."
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