Rauchgasreinigung:
Schont Budget und Umwelt
CIMPLICITY
vereinfacht Bedienung von verfahrenstechnischen Anlagen
(Bericht
erstellt im November 2001)
Die
Steuerung von verfahrenstechnischen Anlagen in mehreren Schritten
stellt üblicherweise hohe Anforderungen an Betreiber und
Bedienungspersonal. CIMPLICITY 5.0 ermöglicht die Integration von
Steuerung und Überwachung (Visualisierung), womit diese Anforderungen
bestens gelöst werden können. Praktisch
umgesetzt wurde dieses Konzept in der Rauchgasreinigung für Müllverbrennungsanlagen,
die vom niederösterreichischen Unternehmen Seiler gebaut wurden. Die
Elektro- und Steuerungstechnik wurde dabei von der Rudolf Berthold
GmbH, einem GE Fanuc Solution Provider, realisiert.
Für
die Krankenhäuser Dubrava in Zagreb, Hajnowka in Polen und das New
General Hospital in Nicosia wurden von Seiler in den Jahren 2000 und
2001 komplexe Rauchgasreinigungsanlagen realisiert. Je nach Projekt
wurden dabei Investitionen zwischen
2 und 23 Mio. ATS (145.000 und 1,67 Mio. EUR) getätigt, um die Müllbeseitigung
der Spitäler kostengünstiger und umweltfreundlicher zu gestalten und
letztlich die Anlagen auch EU-konform auszurichten. Kosteneinsparungen
ergeben sich durch Nutzung
der Abwärme, Entfall der aufwendigen Mülltrennung und -lagerung und
dem Wegfall der Entsorgungskosten.
Diese
Rauchgasreinigungsanlagen umfassen Gaskühlung, Wäscher,
Aerosolabscheidung, Wiedererwärmung und einen Adsorber mit By-pass.
Zur Abwasserbehandlung ist eine chemisch-physikalische Reinigung
vorgesehen.
Steuerung
und Bedienung der Rauchgasreinigung
Die
Berthold GmbH mit Sitz in Pottendorf, NÖ, zeichnete bei den Rauchgasreinigungsanlagen
für das komplette elektrotechnische Engineering verantwortlich.
Bedienebene, Visualisierung und Steuerungstechnik inkl. Schaltschrank
wurden von Berthold geplant und realisiert – einschließlich
Inbetriebnahme und Bedienerschulung vor Ort.
Zentrales
Produkt für Bedienung und Überwachung der Anlage ist CIMPLICITY HMI
von GE Fanuc. Die Verbindung zur Steuerung erfolgte bei diesen Anlagen
über den seriellen Modbus RTU. Sämtliche Anlagenparametrierungen können
am CIMPLICITY-Visualisierungssystem über Zugangsberechtigung
gesichert vorgenommen werden.
Ing. Walter Kick,
Projektleiter bei Berthold für die Rauchgasreinigung: „Wir setzen
CIMPLICITY schon seit Jahren erfolgreich ein. Das Preis-/Leistungsverhältnis
passt gut und wir ersparen uns viel Entwicklungsaufwand bei der
Erstellung der Applikationen. Dies vor allem seit der Einführung von
CIMPLICITY 5.0, das durch den Einsatz der Objekte und Klassen die
Arbeit wesentlich vereinfacht. Da wir als Solution Provider von GE
Fanuc fungieren und eng mit T&G, dem österreichischen GE Fanuc
Masterdistributor, zusammenarbeiten,
setzen wir CIMPLICITY standardmäßig für solche Anwendungen ein.“
Auch
für Steuerungen, Schaltschränke, Industrie-PCs und sämtliche
E/A-Einbaukomponenten im Schaltschrank wurden ausschließlich
Komponenten von namhaften und international anerkannten Herstellern
eingesetzt. Wird bei Anlagen eine extrem hohe Systemverfügbarkeit
gefordert, so werden komplette ausfallsichere Redundanzlösungen
implementiert.
Alle
Antriebe und Aggregate können für Service- und Prüfzwecke getestet
und manuell gefahren werden. Die Anlagen werden zweisprachig ausgeführt,
wobei die Sprachumschaltung online und im laufenden Betrieb erfolgen
kann.
Walter Kick: „Auch hier
nutzen wir die Flexibilität von CIMPLICITY. Nicht nur wir können die
Bedienung in verschiedenen Sprachen programmieren, die
Sprachtexte können auch vom Kunden selbst und ohne Programmänderungen
konfiguriert werden.“
Arbeitsweise der
Rauchgasreinigung
Die
aus dem Wärmetauscher der Verbrennung kommenden Rauchgase werden in
einem ersten Schritt in einer Quenche mit Wasser auf die erreichbare Kühlgrenztemperatur
abgekühlt, d.h. im Normalfall auf etwa 60-65°C. Anschließend werden
die sauren Schadgase in einem mit alkalischer Waschflüssigkeit
beaufschlagten Absorber ausgewaschen und neutralisiert. Nach Verlassen
des Absorbers werden die Rauchgase erwärmt (um Kondensation zu
vermeiden) und über einen Aktivkoksadsorber geführt. An Aktivkoks können
sowohl Schwermetalle wie auch Dioxine und Furane adsorbiert und somit
aus den Rauchgasen abgeschieden werden.
Durch
das Vorhandensein von sehr hohen Salzfrachten sowie nicht
adsorbierbaren Kohlenwasserstoffverbindungen ist der Einsatz eines
Nassionisators erforderlich. Die Firma Seiler hat diesen sogenannten
„Gegenstrom-Ionisationswäscher“ zur Abscheidung von Feinststäuben,
Aerosolen, Salzen und Rauch entwickelt. Die
nach der Kühlung noch im Rauchgas enthaltenen Partikel werden in
mehreren Ionisationsebenen elektrisch geladen. Die geladenen Teilchen
erfahren dadurch eine Ablenkung aus der Strömungsrichtung, hin zu der
kontinuierlich mit Flüssigkeit bespülten Abscheideplatteneinheit und
werden mit der Waschflüssigkeit in den Umwälzbehälter abgeleitet.
Der
Ionisationswäscher besteht aus einer Serie von parallel geschalteten,
senkrecht angeordneten Abscheideplatten. Zwischen den Platten sind
jeweils 6 Sprühdrähte in horizontaler Richtung gespannt. Diese Drähte
sind mit federbelasteten Haken an dem unter Hochspannung stehenden Sprühgitter
aufgehängt. In Strömungsrichtung verändern sich die
Drahtdurchmesser. Die Sprühebenen sind in 2 in Serie getrennt
angespeisten Gruppen geschaltet. Die gleichmäßige Bespülung der
Abscheideplatten erfolgt über oben offene Verteilerrinnen die mit der
Plattenoberkante verschweißt sind. Die Anspeisung dieser
Verteilerrinnen erfolgt von beiden Seiten her über jeweils zwei
Rohre. Der Zulauf an Waschflüssigkeit kann durch Kugelhähne genau
einreguliert werden. Die Waschflüssigkeit läuft über die
Abscheideplatten, wird im Umwälzbehälter aufgefangen und mittels
einer Umwälzpumpe im Kreislauf wieder den Verteilerrohren zugeführt.
Ein Teilstrom der Waschflüssigkeit wird ständig entnommen und durch
frische ersetzt, um eine Anreicherung an Schadstoffen zu vermeiden.
Der verbrauchte Anteil an Waschflüssigkeit wird zur Reinigung
ausgeschleust.
Zwischen
dem eigentlichen Ionisationswäscher und dem Umwälzbehälter ist ein
Strömungsgleichrichter eingebaut der das von unten her eintretende
Rauchgas gleichmäßig über den gesamten Querschnitt verteilt.
Ein,
in Abhängigkeit vom Unterdruck drehzahlgeregeltes, Saugzuggebläse fördert
die Rauchgase durch die Anlage. Die aus Rauchgas abgeschiedenen
Schadgase und Schadstoffe finden sich naturgemäß in der verbrauchten
Waschflüssigkeit. Diese wird entsprechend den jeweiligen Vorschriften
behandelt, bevor sie in das Kanalnetz eingeleitet oder anderweitig
entsorgt wird. Dies geschieht in der Fällung, Flockung und
Filtration. Das Abwasser wird dabei einer mehrstufigen Reinigung
unterzogen, um die immer schärfer werdenden Einleitvorschriften für
Kanäle oder Vorfluter einhalten zu können.
Chemischer
Prozess der Wasserreinigung
Die folgende
Beschreibung gilt für eine heute übliche Standardausführung: Durch
pH-Wert-Verschiebung in den alkalischen Bereich werden die im
Rauchgaswaschwasser enthaltenen Schwermetalle in Hydroxide übergeführt.
Nicht als Hydroxid fällbare Schwermetalle (z.B. Hg) werden als
Sulfide gefällt. Bei der anschließenden Flockung werden die
gebildeten Hydroxid- bzw. Sulfidkristalle durch Zusatz von Polymeren
koaguliert und so sedimentier- und filtrierbar gemacht. Die Filtration
erfolgt mittels einer Kammerfilterpresse. Die im Abwasser enthaltenen
halogenierten Kohlenwasserstoffe (AOX) werden an Aktivkohle
adsorbiert.
In
der Oxidationsstufe werden mit Hilfe von H2O2
die im Abwasser verbliebenen organischen Verbindungen zu leicht
abbaubaren Verbindungen oxidiert, bzw. gespalten. Abschließend wird
das Abwasser neutralisiert und über einen Endkontrollschacht abgeführt.
Im Endkontrollschacht werden die Parameter
Temperatur, Leitfähigkeit und pH-Wert gemessen. Falls
erforderlich, kann noch ein Selektivionentauscher nachgeschaltet
werden, dies kann z.B. bei hohen Quecksilberbelastungen der Fall sein.
Fazit:
Mit weltweit bewährten Qualitätsprodukten und österreichischem
Know-how gelang es komplexe Rauchgasreinigungsanlagen für Müllverbrennungsanlagen
in Krankenhäusern zu realisieren, die international Beachtung finden
und den höchsten Umweltauflagen standhalten.
Seiler
Verfahrenstechnik GmbH
Mitarbeiter:
9, Umsatz 2000: 52 Mio. ATS, Gründung: 1994
Die SEILER
Verfahrenstechnik GmbH plant und baut Anlagen für den Umweltschutz
wie Nasselektrofilter, Abgaswäscher, SCR Denoxanlagen, Adsorber,
Dioxinabscheider, Wasseraufbereitungen und komplette Müllverbrennungsanlagen
im In- und Ausland.
A-2500
Baden, Goethegasse 12-14
Tel.
+43-2252-46111, Fax +43-2252-41010
e-mail: office@.seiler.co.at,
Homesite: www.seiler.co.at
Rudolf
Berthold GmbH
Mitarbeitern:
8, Umsatz: zwischen 18 und 25 Mio. ATS
– je laufenden Projekten,
Gründung: 1989
Die Rudolf
BERTHOLD GmbH hat sich auf den Gebieten der Mess-, Regel- und
Steuerungstechnik für die Industrieautomation spezialisiert. Berthold
ist nach ISO 9001 zertifiziert und nach EMAS begutachtet. Lösungen
für namhafte Unternehmen wurden bisher u.a. in den Bereichen
Messdatenerfassung und Protokollierung, Visualisierung und
Steuerung von Prozessen und Produktionsmaschinen, Versandautomation, berührungslose
Identifikationssysteme sowie mit Audio-, Video- und Zutrittsanlagen
realisiert.
A-2486
Pottendorf, Bahnstrasse 37
Tel.:
+43/2623/74010-19, Fax.:
+43/2623/74010-25
e-mail:
office@berthold.at,
Homesite: www.berthold.at
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