Neue Lackieranlage
bei Rover wird mit CIMPLICITY HMI überwacht
(Bericht
erstellt im März 2000) Als die Rover-Gruppe beschloss, den
neuen Rover 75 auf den Markt zu bringen, mussten einige
der existierenden Produktionseinrichtungen in Oxford
modernisiert werden. Eine dieser Einrichtungen war die
Lackieranlage.
Es war offensichtlich, dass die existierende Einrichtung weder quantitativ noch
qualitativ auf die Produktion des Rover 75 ausgelegt war.
Folglich wurde für das neue Modell eine völlig neue
Lackieranlage entworfen und gebaut. Als Haden Ducost
Systems, einer von GE Fanucs autorisierten
Systempartnern, das Automatisierungskonzept für die
Überwachung der Karosserien und die Prozesssteuerung entwickelte, war CIMPLICITY für den Softwareanteil
vorgesehen. CIMPLICITY HMI bietet zur Überwachung der
gesamten Lackieranlage Statistik- und Echtzeit-Grafiken
sowie leistungsfähige Analysewerkzeuge zur Auswertung
von protokollierten Daten.
Kundenspezifische
Lösungen
In dem Markt von heute ist es besonders wichtig,
jeden Wagen individuell nach spezifischen Kundenwünschen
bauen zu können. Folglich verlässt jeder Rover 75 das
Band mit einer individuell vorgegebenen Farbe und
Lackierung. Für die unbearbeiteten Stahlkarosserien
stehen in der Lackieranlage insgesamt 99 verschiedene
Farben zur Verfügung. Da das Ausspülen der Schläuche
bei jedem Farbwechsel unwirtschaftlich wäre, werden die
Karosserien so gesteuert, dass immer nur eine Farbe auf
einmal gespritzt wird. Bis die Wagen die Lackieranlage
durchlaufen haben, sind die Leisten und Zierblenden vom
Steuerungssystem für die weitere Montage vorbestellt
worden. So sind alle Teile bereits verfügbar, wenn die
Karosserien zur Endmontage gelangen.
Überwachung und
Steuerung der Lackieranlage
Die gesamte neue Infrastruktur wurde von der Firma
Dürr (UK) als Fertiglösung entworfen und gebaut. Durch
den Einsatz moderner Fließbett-Technologie ist die
Schadstoffemission im neuen Werk praktisch gleich null.
Es werden überwiegend Materialien auf Wasserbasis
eingesetzt und die gesamte Anlage besticht durch einen
sehr niedrigen Energieverbrauch. Der Ablauf wurde darauf
optimiert, den Platzbedarf für die Karosserien und den
Farbwechsel so gering wie möglich zu halten. Dies
erfordert allerdings ein kompliziertes
Beförderungssystem und eine zuverlässige elektronische
Überwachung und Steuerung. Mit dem Entwurf und der
Einrichtung des Überwachungssystems FVMS (Facility
and Vehicle Monitoring System) wurde die Firma Haden
Ducost beauftragt. FVMS verbindet zwei Systeme
miteinander, die auf der Software CIMPLICITY HMI
basieren. Das Anlagen-Überwachungssystem FMS steuert die
Förderanlagen, die Belüftungssysteme, die Öfen usw.,
während das Fahrzeug-Überwachungssystem VMS die
Position und den Status der individuell gekennzeichneten
Karosserien überwacht. Darüber hinaus liefert
CIMPLICITY HMI auch äußerst leistungsfähige
Statistiken auf der Grundlage von Datenbankeinträgen
(SQL-Server).
In einem Steuerungsraum
außerhalb der Lackieranlage ist ein Bediener in der
Lage, das ganze System zu überwachen oder einzelne
Prozesse zu starten bzw. zu unterbrechen. Zudem
ermöglichen verteilt im ganzen Werk 15 Bedienpanels
über Lichtstifte den Zugriff auf Prozessdaten und zum
Teil auch die Eingabe von Daten. So können direkt von
der Produktion Daten an die Qualitätssicherung
übermittelt werden. Wichtige Informationen liefert die
CIMPLICITY Software darüber hinaus auch als Laufschrift
auf 32 großen Deckenanzeigen in der Lackieranlage. Diese
Funktion kann beispielsweise zur Anzeige von
Einzelproblemen oder Systemfehlern bzw. von
Produktionsstatistiken oder Meldungen aus dem
Steuerungsraum eingesetzt werden.
Systemarchitektur
Die Überwachungs- und Steuerungssoftware verteilt
sich auf insgesamt 5 Server, die alle unter Windows NT
laufen. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV)
sichert die Verfügbarkeit des Systems. Die
CIMPLICITY-basierten Systeme FMS und VMS, die
SQL-Datenbank, die Qualitätssicherungsdatenbank und die
CIMPLICITY-Software zur Anzeige der Laufschriftmeldungen
laufen jeweils auf einem Server. Im Steuerungsraum
können bis zu vier Arbeitsstationen zur Anzeige von bis
zu 500 verschiedenen HMI-Masken über die
Überwachungssysteme FMS und VMS eingesetzt werden, wobei
sich beide Systeme von jeder Arbeitsstation aus aufrufen
lassen. CIMPLICITY HMI steuert die Datenkommunikation im
gesamten Netzwerk des Werkes, das 15 Arbeitsstationen, 75
SPSen mit über 31.000 Ein-/Ausgängen, 32 Deckenanzeigen
und 30 Kameras umfasst.
Fahrzeugüberwachung
(VMS)
Mit VMS wird jede einzelne
Karosserie innerhalb des Werks von 30 Spezialkameras
überwacht, mit denen die Strichcodes an den Karosserien erfasst werden. Die noch unbehandelte Karosserie
durchläuft in der Lackieranlage 13 verschiedene
Prozesse, darunter einige zur Vorbereitung auf die
eigentliche Lackierung. Die Karosserien werden zunächst
entfettet, gespült, phosphatiert und
elektrotauchlackiert, danach folgen Nahtabdichtung und
Unterbodenschutz. Anschließend werden die Wagen nach
geplanter Farbe auf den Förderbändern zum Lackieren,
Trocknen, Klarlackauftrag und Polieren eingereiht. In
zahlreichen Phasen wird jeder einzelne Wagen von
Technikern sorgfältig untersucht, um ggf.
Nachbesserungen durchführen zu können. Über die
Bedienpanels in der Lackieranlage werden
Statusinformationen und die Daten für die
Qualitätskontrolle an das Fahrzeug-Überwachungssystem
zurückgegeben.
Der gesamte Ablauf wird
mit CIMPLICITY HMI überwacht. Der Bediener im
Steuerungsraum verfügt über eine Hauptmaske, in der
alle Ablaufinformationen im Überblick angezeigt werden.
Systeminformationen wie bspw. Daten über bestimmte
Fahrzeuge oder Prozesse lassen sich per Mausklick einfach
abfragen. So kann der Bediener für jedes einzelne
Fahrzeug anhand seiner eindeutigen Kennzeichnung den
bisherigen Weg durch die Lackieranlage zurückverfolgen
oder auch Produktionsstatistiken (Farbe, Stil usw.)
abrufen. Von manchen Bedienpanels ist es sogar möglich,
die Reihenfolge der Fahrzeuge oder den Ablauf durch
Bedienereingaben umzustellen.
Einrichtungsüberwachung
(FMS)
Dieses System steuert und überwacht die Geräte und
Ausrüstungen in der Lackieranlage. Es liefert
Statusinformationen und protokolliert zu Statistik- und
Analysezwecken alle Ereignisse in einer Datenbank. Eine
Hauptmaske liefert den Gesamtüberblick, aus dem per
Mausklick detaillierte Einzelinformationen zu
Teilsystemen abgefragt werden können. Dabei kann es sich
auch um Istwert-Anzeigen, Statistiken oder
Echtzeit-Kurven handeln. Alle Alarm- und Warnmeldungen
werden dem Bediener im Steuerungsraum angezeigt, der somit eine zentrale Funktion bzgl. der
Wartung oder Instandsetzung übernimmt. Dank einer
Funkverbindung zu verschiedenen Stellen im Werk und zu
den Deckenanzeigen kann er den Wartungsdienst jederzeit
über notwendige vorbeugende Wartungsmaßnahmen oder
dringende Reparaturen informieren.
Eine weitere Funktion der
Einrichtungsüberwachung ist die Steuerung der
Belüftungssysteme, die den Luftaustausch sowie die
Temperatur und die Feuchtigkeit der Frischluft regeln.
Dies ist besonders wichtig, um die Fahrzeuglackierung
möglichst frei von Schadstoffen zu halten und für die
Belegschaft von Rover eine saubere Arbeitsumgebung
sicherzustellen. Zu den Hauptaufgaben des FMS-Pakets
gehört ferner die Steuerung der Öfen, die in
verschiedenen Phasen zum Trocknen oder Einbrennen der
Lacke eingesetzt werden. Diese Öfen haben bis zu neun
Leistungsstufen, bei denen jeweils die Solltemperatur mit
einer sehr geringen Toleranzbreite geregelt werden muss.
FMS überwacht die Temperaturregelung und speichert alle
Istwerte zu Analysezwecken ab. Bei unzulässigen
Abweichungen vom Sollwert werden von CIMPLICITY HMI
automatisch entsprechende Alarmmeldungen an den
Steuerungsraum übertragen.
Systemvorteile
Alan Lashbrook, System- und Projektmanager für Haden
Ducost, erläutert einige der Vorteile aus der
Software-Verwendung von CIMPLICITY HMI: "Die
Fähigkeit der CIMPLICITY Software, enorme Mengen von
Produktionsdaten zu speichern, liefert der
Geschäftsleitung ein sehr mächtiges Werkzeug, um
einerseits den Werdegang einzelner Fahrzeuge
zurückzuverfolgen und andererseits die Effizienz der
Lackieranlage auszuwerten. Als Systemintegratoren in
diesem Projekt können wir nur feststellen, dass die
CIMPLICITY-Masken problemlos zu entwickeln waren und dem
Bediener sehr übersichtliche und selbsterklärende
optische Überwachungsfunktionen bieten."
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