Rübig
- Den Prozess im Griff
(Bericht
erstellt im Oktober 2000 von Ing. Reznicek/MEGATECH)Weltweit stehen Plasmanitrier-
und Wärmebehandlungsanlagen des Oberösterreichischen
Unternehmens Rübig GmbH & Co. KG im Einsatz.
Höchste Qualität prägen Rübig-Anlagen dieser
Anspruch gilt natürlich auch für zugekaufte Komponenten
und Systeme. Bei der Prozessüberwachung setzen die
Welser Anlagenbauer auf CIMPLICITY von GE Fanuc.
Bis zu 25
MICROPULS®-Plasmaanlagen zum Plasmanitrieren,
Plasmanitrocarburieren, Plasmanitrieren & Oxidieren
verlassen im Jahr die Montagehalle der Rübig GmbH &
Co. KG in Wels. Und werden weltweit ausgeliefert, stolz
erzählt F&E-Mitarbeiter Dipl. Ing. Andreas
Gebeshuber im MEGATECH-Gespräch von Kunden in den USA,
Kanada, Korea, China und Japan. Die 1991 gegründete
Firmensparte Anlagenbau stellt neben
Wärmebehandlungsanlagen auch noch Beschichtungs- sowie
Metallreinigungsanlagen her. Bei den Plasmanitrieranlagen
zählt der Betrieb mit derzeit 59 Mitarbeitern zur
Weltspitze.
Neben dem Bereich Anlagenbau gehören noch die beiden
Firmen Rübig Vakuumhärterei und Rübig Gesenkschmiede
(mit Werkzeugbau) zur Unternehmensgruppe. Letzterer ist
der Ursprungsbetrieb, gegründet wurde die Schmiede im
Jahr 1946. 40 Jahre später, also 1986, entstand dann die
Härterei mit eigenem Werkstofflabor. Die Erfahrungen im
Bereich der Wärmebehandlung aus der eigenen
Lohnhärterei sind bis heute die Basis beim Bau und bei
der Weiterentwicklung der Plasmaanlagen.
"Durch die Installation einer
MICROPULS®-Plasmaanlage können unsere Kunden sowohl
technisches Know-how aus unserer Forschungs- und
Entwicklungstätigkeit als auch unsere Erfahrung in der
Lohnbehandlung nutzbringend einsetzen", erörtert
Dipl. Ing. Andreas Gebeshuber den Vorteil, Hersteller und
zugleich Anwender zu sein.
Seit heuer verwenden die Rübig-Techniker zur
Überwachung und Steuerung des Plasmanitrierverfahrens
das Prozessvisualisierungssystem CIMPLICITY von GE Fanuc.
Das Plasmanitrieren
In dem aus hochwarmfestem Stahl oder Inconel
gefertigten Vakuumrezipienten wird mittels Vakuumpumpen
eine sauerstofffreie Atmosphäre erzeugt. Die zu
behandelnden Teile werden anschließend unter Schutzgas
(N2) konvektiv erwärmt. Bei einer bestimmten, vom
Bediener vorgegebenen Temperatur kann ein gepulstes
Glimmentladungsplasma gezündet werden. Dafür ist jede
MICROPULS®-Plasmaanlage mit einem speziell von Rübig
selbst entwickelten Generator ausgerüstet. Dieser
erzeugt Gleichstrompulse im µs-Bereich. Die maximale
Spannung beträgt 1.000 V bei Strömen bis zu 360 A
auch bipolar.
Im Prinzip baut Rübig Standardanlagen, fertigt aber
immer wieder auch kundenspezifische Lösungen. Die
kleinste Anlage weist einen Innendurchmesser des
Rezipienten von 400 mm bei einer Höhe von 600 mm auf,
die größten Durchmesser betragen 1.000 mm bei 6.000 mm
Höhe bzw. 1.800 mm bei 2.100 mm Höhe.
Als Sonderanfertigungen wurden aber auch schon Anlagen
mit 1.200 mm Durchmesser und 2.400 mm Höhe sowie mit
einem Durchmesser von 2.400 mm und einer Höhe von 1.700
mm produziert.
Bei Wärmebehandlungsverfahren ist der Erfolg sehr stark
von der genauen Kenntnis der Bauteiltemperatur abhängig.
Ein spezieller, bei Rübig entwickelter Trennverstärker
erlaubt die Messung der Temperatur direkt im und am
Bauteil mittels eines Thermoelements ohne keramische
Isolation. Die Plasmaspannung kann mit dieser Elektronik
vom mV- Signal des Thermoelementes getrennt werden.
Gesenke, Sinterräder, Matrizen, Nockenwellen, Formteile,
Extruder-Schnecken, Bohrer kurzum alle Stahl-,
Guss- und Sinterbauteile, die erhöhtem Verschleiß
ausgesetzt sind erhalten durch das
Plasmanitrierverfahren eine hohe Randhärte und
Abriebfestigkeit, die Nitrierhärtetiefen können bis zu
1 mm betragen.
Durch das Plasmanitrieren mit anschließendem Oxidieren
PLASOX® erhalten Werkstücke erhöhten
Korrosionsschutz sowie optisch attraktive Oberflächen
mit besonders guten Gleiteigenschaften. Angewendet wird
dieses Verfahren beispielsweise bei der Fertigung von
Kolbenstangen, Waffenteilen oder Teilen mit besonderen
optischen Eigenschaften.
- Die Vorteile von
PLASNIT® und PLASOX® zusammengefasst:
- äußerst
umweltfreundlich;
- sehr niedrige
Behandlungstemperatur möglich;
- gezielter
Schichtaufbau;
- passive Schichten
können mittels "Sputtern"
(Plasmareinigen) beseitigt werden;
- wirtschaftlich
aufgrund von vollautomatisierten Anlagen;
- Teile müssen nicht
bewegt werden;
- Aus diesen Gründen
lassen sich MICROPULS®-Plasmaanlagen in
mechanische Fertigungslinien leicht integrieren.

Handhabung mit
CIMPLICITY
Die MICROPULS®-Plasmaanlagen sind mit eigenständigen
Steuerungen ausgestattet. Die Handhabung der Anlage
erfolgt mittels einer Prozessvisualisierungssoftware.
"Bis Ende letzten Jahres lieferten wir unsere
Anlagen mit einem System auf DOS-Basis aus. Die
Visualisierung war aufwändig, und die Bedienerführung
erwies sich nach heutigem Stand der Technik
als nicht mehr zeitgemäß. Der Anlagennutzer musste alle
Funktionen über die Tastatur ausführen, die Bedienung
per Maus war nicht möglich", erinnert sich Dipl.
Ing.
Gebeshuber. Seit heuer liefert Rübig seine Anlagen mit
der Prozessvisualisierung von GE Fanuc aus, dem Produkt
CIMPLICITY Version 4.02. "Aber auch bereits im
Betrieb stehende Anlagen können mit dem neuen System
aufgerüstet werden, die Steuerungselemente bleiben ja
die gleichen, wird tauschen nur das Bedienungselement und
installieren das neue Betriebssystem sowie die
Software", ergänzt Dipl. Ing. Gebeshuber.
Gegebenenfalls muss die Hardware aufgerüstet werden.
Womit wir schon bei den Anforderungen an das neue
Prozessvisualisierungssystem wären. Ing. Harald Taschek,
Geschäftsführer der Taschek und Gruber
Automatische DatenverarbeitungsGmbH erinnert sich an den
Beginn der Zusammenarbeit mit Rübig: "Die Anbindung
an die vorhandene Steuerung und die Verwendung von
Mode-Bus waren unter anderem Teil der Vorgaben. Zunächst
testeten die Techniker von Rübig unser System ausgiebig,
bis sie sich dann für CIMPLICITY entschieden. Dabei
waren die Offenheit, die benutzerfreundliche Bedienung,
der weltweite Support und nicht zuletzt die
Unterstützung durch unser Haus jene Kriterien, die für
unser Produkt sprachen."
Und Dipl. Ing. Gebeshuber hakt nach: "Die
benutzerfreundliche Bedienerführung ist nicht nur für
unsere Kunden wichtig, auch wir schätzen die einfache
und bequeme CIMPLICITY-Programmierung." Und die ist
schließlich das "Um-und-auf" der
Anlagensteuerung. "CIMPLICITY erweist sich als ein
sehr einfach zu erlernendes System, und ist
Microsoft-Produkten sehr ähnlich, grafische Bibliotheken
erleichtern die Erstellung von Bildschirmoberflächen.
Wir liefern im Prinzip nur den Rahmen der
Prozess-Steuerung, die Programmierung und Gestaltung der
Bedieneroberfläche obliegt den Technikern von Rübig,
die ihr Know-how einbringen, und so die Funktionalität
optimieren", ergänzt Ing. Taschek.
CIMPLICITY läuft unter Windows NT. Dadurch lässt sich
das System einfach in ein Netzwerk einbinden bzw.
fernwarten. Bei Rübig wurde mit dieser Funktionalität
etwa auch eine in den Innenraum des Rezipienten
fokussierte Kamera in das System integriert. Somit kann
der Bediener den Nitriervorgang beobachten, und dadurch
die Prozessparameter für die jeweilige Charge
optimieren.
Die wichtigste Funktion allerdings ist die Anbindung an
die Access-Datenbank. Damit können Rezepte erstellt,
bearbeitet und natürlich gespeichert werden.
Selbstverständlich ist auch eine umfangreiche
Chargenprotokollierung im System inkludiert.
Automatisierung
"made by Rübig"
Die Automatisierungstechniker von Rübig
sind mittlerweile schon sehr geübt im Umgang mit
CIMPLICITY. Geschult wurden sie zunächst bei T&G
Automation, mittlerweile lernen neue Mitarbeiter den
Umgang mit der Prozessvisualisierungssoftware schon im
Haus. Auch die Kundenunterweisungen werden selbst
durchgeführt. "Die Techniker von Rübig haben die
Bildschirmoberflächengestaltung sehr gut und
übersichtlich gelöst", lobt Ing. Taschek die
Applikation. Was auch dem Laien gleich auffällt
die gesamte Anlage wurde symbolisch übersichtlich
angelegt, weiß hinterlegte Felder geben die Sollwerte,
grau hinterlegte die Istwerte der jeweiligen Parameter
an: Temperatur, Druck (Vakuum-System), Gasmenge, Energie
in Form von Spannung und Stromstärke sind die
wichtigsten, laufend zu messenden bzw. abzugleichenden
Größen.
Natürlich werden alle Prozesse und die zugehörigen
Daten automatisch aufgezeichnet und dokumentiert.
So wird beispielsweise vermerkt, welche Alarme wann
auftraten. Auch lassen sich Reports und Auswertungen
direkt von CIMPLICITY weg erstellten.
Derzeit stattet Rübig nur die Plasmanitrieranlagen
serienmäßig mit CIMPLICITY aus. Aufgrund der positiven
Erfahrungen bei diesen Anlagen will man aber bereits in
naher Zukunft auch die Beschichtungsanlagen mit der
Prozessvisualisierungssoftware von GE Fanuc ausliefern.
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