Die Wahrheit über
Client-Server-Architektur
bei SCADA Software
(Bericht
erstellt im Juni 2001)
Sämtliche
Anbieter von Bedien- und Visualisierungs-Software bieten das
Systemmerkmal einer Client-Server-Architektur an. Auf den ersten Blick
handelt es sich um ein Merkmal mit Mee-too-Charakter.
Werden die einzelnen Softwareprodukte dahingehend einmal
genauer untersucht, dann stellt sich eine ganz andere Situation dar.
Glaubt man den Aussagen der Anbieter
von Bedien- und Visualisierungs-Software, dann besitzt jedes auf dem
Markt angebotene Produkt, das Systemmerkmal
„Client-Server-Architektur”. Deshalb macht es auf den ersten Blick
keinen großen Sinn, einen Beitrag hierüber zu schreiben. Werden
jedoch die angebotenen SCADA Softwareprodukte genauer unter die Lupe
genommen, dann bekommen wir ein ganz anderes Ergebnis. Die angebotenen
Softwareprodukte unterscheiden sich sehr stark in Bezug auf die
Client-Server-Architektur. Die Unterschiede gehen soweit, dass von
echten und pseudo-Client-Server-Architekturen gesprochen werden kann.
Dabei kann es für den Anwender zu unerfreulichen Auswirkungen, wie
z.B. einem erhöhten Zeitaufwand oder sehr großen Preisunterschieden
kommen.
Client-Server-Architektur
Das Grundprinzip der Client-Server-Architektur stammt aus der Zeit
der UNIX Technologie. Dabei beinhaltet das System einen oder mehrere
Server, an denen beliebig viele Viewer ohne großen Aufwand
angeschlossen werden können. Mit Einführung des PCs in die
Fabrikautomation, wurde diese Philosophie in
die angebotenen SCADA Softwareprodukte integriert. Dabei
besteht die Client-Server-Architektur aus Windows-basierten
Hochleistungsservern und flexiblen Viewern. Diese effiziente
Architektur ist skalierbar von einer Einzelknoten HMI Steuerung bis zu
einem voll vernetzten Mehrknotensystem. Der oder die Server erfassen
und verteilen die Systemdaten, die sie von den in der Applikation
eingesetzten Steuerungen (SPS und/oder CNC) erhalten. Sie greifen auf
all die benötigten Daten zu und bieten den Benutzern
Echtzeitansichten der überwachten Prozesse. Über die Viewer können
die Anwender die vom Server verteilten Daten betrachten, mit diesen
Daten interagieren und Steuerungsvorgänge auslösen.
Für die SCADA Softwareanbieter wurde dieses Systemmerkmal
schnell zu einen Muss, da die Anwender eine Client-Server-Architektur
von der einzusetzenden Software erwarteten. Die Vorteile liegen klar
auf der Hand. Eine echte Client-Server-Architektur ermöglicht, dass
ein Automatisierungssystem schneller und einfacher zu implementieren,
zu betreiben und auszubauen ist. Dabei kann das System anfangs klein
sein und anschließend problemlos mit weiteren Servern und Viewern
erweitert werden. Dies erfolgt bspw. in der Praxis bei
Wartungsaufgaben.
Echte oder pseudo-Architektur?
Im Prinzip besitzen alle angebotenen SCADA Softwareprodukte eine
Client-Server-Architektur. Allerdings muss hier eine Unterscheidung
zwischen echten- und pseudo-Architekturen gemacht werden. Bis auf zwei
SCADA Software Produkte (u.a. CIMPLICITY HMI von GE Fanuc), besitzen
derzeit alle Softwareprodukte eine
pseudo Client-Server-Architektur. Es stellt sich nun die Frage, in
welchen Punkten sich echte und pseudo Architekturen unterscheiden. Das
System mit einer echten Client-Server-Architektur ist wie folgt
aufgebaut. Es existiert je nach Größe der Applikation ein oder
mehrere Server. Daran sind eine mehr oder weniger große Anzahl von
Viewer angebunden. Diese Viewer sind mit der SCADA Software
konfiguriert und besitzen keine eigene Datenbasis der Applikation. Sie
erhalten sämtliche Daten von dem oder den Servern. Im Gegensatz dazu
wird bei einer pseudo-Client-Server-Architektur die Datenbasis der
Server auch auf den Viewern konfiguriert. Kommt es, wie es in der
Praxis häufig der Fall ist, zu einer Änderung des
Automatisierungssystems, dann sind die Auswirkungen recht
unterschiedlich. Mit einer echten Client-Server-Architektur kann eine
Systemänderung recht einfach und schnell durchgeführt werden. Es
muss nur der oder die Server modifiziert werden, wobei die Änderung
über einen der angeschlossenen Viewer erfolgen könnte. Die Änderung
kann nur von berechtigten Personen durchgeführt werden, die einen
gesicherten Benutzernamen und Passwort besitzen. Somit ist eine
100%-ige Datensicherheit garantiert und alle
Änderungen können genau nachverfolgt werden. Da alle Viewer auf eine
Datenbasis, nämlich die des Servers zurückgreifen, besitzen alle
Viewer zu jeder Zeit den aktuellsten Ist-Zustand des Systems. Bei
einer pseudo-Architektur erfolgt ein komplizierter und zeitintensiver
Prozess der Neukonfiguration sämtlicher im System arbeitenden Server
und Viewer. Gleiches gilt bei der Erweiterung des Systems um weitere
Viewer. Bei einer echten Client-Server-Architektur muss der neue PC
nur mit der Software konfiguriert werden. Bei der pseudo-Architektur
muss zudem die aktuellste Datenbasis auf den Viewern konfiguriert
werden.
Applikations-Erweiterung kann zur
Kostenexplosion führen
Eine
Erweiterung der bestehenden Applikation kommt in der Praxis sehr häufig
vor. Entweder werden weitere Viewer eingesetzt oder die Anzahl der
vorhandenen E/A-Punkte erhöht sich. Gerade deswegen entscheiden sich
die Anwender für eine Client-Server-Architektur, da diese ihnen die
notwendige Flexibilität bei einer Erweiterung bietet. Allerdings
sollten die Anwender schon bei der Softwareauswahl darauf achten,
welche Kosten mit einer evtl. Erweiterung verbunden sind. Je nachdem
ob eine echte oder pseudo-Architektur eingesetzt wird , kann dies zu
erheblichen Kostenunterschieden führen. Bei einer echten
Client-Server-Architektur, wie sie GE Fanuc mit CIMPLICITY HMI bietet,
werden den Anwendern nur die zusätzliche E/A-Punkte berechnet, die im
Server anfallen. Die E/A-Erweiterung ist für sämtliche Viewer oder
zusätzliche Viewer kostenfrei. Bei einer pseudo-Architektur hingegen,
werden alle zusätzlichen E/A-Punkte im Server als auch bei allen
Viewern in Rechnung gestellt. D.h., je mehr Viewer der Anwender
einsetzt, umso kostenintensiver wird die pseudo Architektur im
Vergleich zu einer echten Architektur. Ein simples Beispiel soll dies
verdeutlichen. Eine Applikation besteht aus 75 E/A-Punkten. Es wird
ein Server sowie ein Viewer eingesetzt. Die Lizenz für den Server
beträgt EURO 1.000 und für den Viewer EURO 500. Die Anzahl der
E/A-Punkte erhöht sich mit dem Faktor 10 auf 750. Nehmen wir an, dass
sich die Preise für Server und Viewer auch um den Faktor 10 erhöhen
dann ergeben sich folgende Kosten: echte Architektur: EURO 10.500
(Server: EURO 10.000 und Viewer 500) und pseudo-Architektur: EURO
15.000 (Server: EURO 10.000 und Viewer 5.000). Der Unterschied beträgt
EURO 4.500. Der Kostenunterschied kann noch dramatischer ausfallen,
wenn mehrere Viewer eingesetzt werden. Nehmen wir nun einmal an, es
wurden anstelle eines Viewers zehn Viewer in der Applikation
eingesetzt. Je zusätzlichen Viewer beliefen sich die Kosten auf EURO
500. Dann ergeben sich
bei
einer E/A-Erweiterung folgende Kosten: echte Architektur EURO 15.000
(Server: EURO 10.000 und 10 Viewer: EURO 5.000) und pseudo-Architektur
EURO 60.000 (Server: EURO 10.000 und 10 Viewer: EURO 50.000). Der
Kostenunterschied beträgt jetzt EURO 45.000. Das Beispiel zeigt, dass
es bei einer Applikationserweiterungen, je nach eingesetzter HMI/SCADA
Software, zu erheblichen Kostenunterschieden kommen kann.
Anbindung an das Internet
Das Internet hat mittlerweile auch Einzug in die Automatisierung
genommen. Die Vorteile des Internets sind bekannt. Jedoch stellt sich
dem Anwender die Frage, wie er die beste Internetanbindung seiner
Applikation erzielt. Eine echte Client-Server-Architektur, wie sie
CIMPLICITY von GE Fanuc besitzt, bietet die idealen Voraussetzungen
zur Nutzung des Internets. Beinhaltet etwa eine Applikation mehrere
Server, so muss nur ein weiterer Web-Server mit der
Visualisierungs-Software integriert werden. Der Web-Server verhält
sich gegenüber den bestehenden SCADA Servern nur wie ein weiterer
Viewer. Die SCADA Server liefern die von den Steuerungen gewonnenen
und aufgearbeiteten Daten an den Web-Server weiter. Es können nun
beliebig viele Web-Viewer auf die Daten zurückgreifen. Die Sicherheit
erfolgt durch die Standardmechanismen der unterschiedlichen Web-Server
(Microsoft Personal Web Server, Microsoft Internet Information Server,
Netscape Fast Track oder Apache) und durch individuelle Benutzernamen
und Passworte. Die Datenübertragung erfolgt ereignisgesteuert, wobei
die HTML-Seiten direkt aus den SCADA Bildern erzeugt werden.
Fazit
Nicht jede SCADA Software mit angebotener
Server-Client-Architektur, bietet auch die Vorteile einer echten
Server-Client-Architektur. Planen Anwender eine neue Applikation oder
soll die alte Applikation modifiziert werden, dann lohnt sich ein ganz
genauer Vergleich der angebotenen Software Produkte. Mit einer echten
Server-Client-Architektur ist nicht nur eine einfachere und sichere
Arbeit gewährleistet, sondern es ist auch mit erheblich geringeren
Kosten bei einer Erweiterung der Applikation zu rechnen. Als weiterer
Vorteil spielt die einfache und effektive Internetanbindung eine nicht
ganz unerhebliche Rolle. Deshalb ist allen Anwendern zu raten: vor dem
Softwarekauf zu prüfen, ob die angebotene SCADA Software eine echte
oder psuedo-Client-Server-Architektur besitzt.
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