Steyr Daimler Puch Fahrzeugtechnik fährt sehr gut mit Gebäudeleittechnik
(Bericht erstellt im März 1999)

Das Unternehmen Steyr Daimler Puch hat im Werk Graz die Gebäudeleittechnik eingeführt. Die ersten Erfahrungen mit dem Steuerungs- und Visualisierungskonzept von GE Fanuc sind sehr positiv.

Die Einführung der Gebäudeleittechnik wird derzeit in vielen Unternehmen intensiv diskutiert. Mit der Einführung einer Gebäudeleittechnik verfolgen die Unternehmen primär das Ziel der Kosteneinsparung. Aber auch andere Gesichtspunkte wie z.B. die ökologische Verantwortung gegenüber der Umwelt spielen eine gewichtige Rolle. Neben diesen Zielen war für das Unternehmen Steyr Daimler Puch die Erweiterung der Produktionsanlagen ein entscheidender Faktor, die Gebäudeleittechnik in dem Werk Graz einzuführen. Steyr Daimler Puch stellt seit 1957 Vierradfahrzeuge her. Derzeit werden u.a. der Jeep Cherokee und der Mercedes G auf W 210 im Werk Graz produziert. Die Produktionsstätte in Graz umfasst 30 Gebäude auf einem ca. 70 ha großen Gelände. Die Datenkommunikation zwischen den einzelnen Gebäuden erfolgt über Ethernet TCP/IP. Die Anlagenbetreuung, wie z.B. die Instandhaltung erfolgte in der Vergangenheit durch Kontrollgänge. Durch die Einführung der Gebäudeleittechnik und der damit verbundenen zentralen Überwachung sollen bei Anlagenstörungen, d.h. nur bei effektivem Bedarf, gezielt gehandelt werden. Steyr Daimler Puch ließ sich verschiedene Gebäudeleittechnik-Konzepte ausarbeiten. Dabei sollten die Konzepte folgende Anforderungen erfüllen:

  • Die infrastrukturelle Steuerung soll Heizung, Wasser, Lüftung, Klima und Strom zeitabhängig und bedarfsgerecht steuern, inkl. eines Lastspitzenmanagement.
  • Die Steuerung und Bedienung soll über eine Leitzentrale erfolgen.
  • Die vorhandenen Hardwaresysteme der Produktionsstätten sollen in die Gebäudeleittechnik-Software integriert werden.
  • Das Konzept sollte offen gestaltet werden, so dass eine freie Produktauswahl zukünftig möglich ist.
  • Die Gebäudeleittechnik soll mittel- bzw. langfristig erweiterbar sein.

Neben einigen DDC Anbietern präsentierten GE Fanuc mit seinem Partnern ein Steuerungskonzept, welches die Produkte CIMPLICITY HMI (Visualisierungs- und Bedienersoftware) SPS Series 90-30 und Genius Bus (Feldbus) beinhaltete. Eine Leitzentrale ist dabei mit 50 Unterstationen verknüpft, die sich über die 30 Werkshallen verteilen. In den Unterstationen sind GE Fanuc Series 90-30 Steuerungen installiert die über einen Schnittstellenwandler mit den jeweiligen Steuerungen verbunden sind. Werden mehrere Series 90-30 Steuerungen benötigt, sind diese über den GE Fanuc Feldbus Genius verknüpft. Die so in der dezentralen Peripherie erfassten Daten werden in die Leitzentrale übermittelt. Dort erfolgt dann die Visualisierung bzw. die Steuerung der peripheren Prozesse. Für diese Vorgänge wurden ein Leitrechner (Server), ein Zellenrechner (Client) und Steuerungen an das bestehende Ethernet TCP/IP angeschlossen. Die SPS liest und verarbeitet digitale und analoge Ein- und Ausgänge der angeschlossenen Peripherie. Der Server übernimmt die Datensätze der SPS (Unterstation) und verarbeitet, archiviert, steuert, visualisiert, protokolliert und alarmbereitet diese Datensätze. Der Client kann über die Ethernet Schnittstelle die aktuellen Daten sowie die gespeicherten Protokolle vom Server abrufen. Durch eine Runtime Anwendung besitzt der Client die gleiche Funktionalität wie der Server.

Nach eingehender Prüfung aller Konzepte entschied sich Steyr Daimler Puch für das Konzept basierend auf GE Fanuc Produkten. Ausschlaggebend für diese Auswahl waren die folgenden Aspekte:

  • Die hohe Funktionalität der Visualisierungs- und Bedienersoftware CIMPLICITY HMI sowie deren übersichtliche Grafik und deren leichte Handhabung.
  • Die Flexibilität der SPS-Series 9030, d.h. die Steuerung kann ggf. auch Produktionsfunktionen übernehmen.
  • Das Konzept ist sehr offen konzipiert, wodurch Steyr Daimler Puch große Freiräume bei zukünftige Produkt-Entscheidungen besitzt.
  • Die Integration des vorhandenen Ethernet TCP/IP in das Konzept.

Seit eineinhalb Jahren betreibt Steyr Daimler Puch die Gebäudeleittechnik in ihrem Grazer Werk. Dabei werden sukzessive 28 Unterstationen in den 30 Gebäuden installiert. Jeden Monat werden über zwanzig Werte wie z.B. der Verbrauch von Gas, Strom und Wasser abgelesen und automatisch in der Leitzentrale geloggt. Aufgrund der gewonnenen Daten ist somit eine bessere Kontrolle gegenüber der Vergangenheit möglich. Der Hauptnutzen der Gebäudeleittechnik bei Steyr Daimler Puch liegt allerdings in der zentralen Steuerung der gegenwärtig 7301 Datenpunkte in den 30 Gebäuden. Eine Person kann mit der Bediener- und Visualisierungssoftware CIMPLICITY HMI bei voraussehbaren Situationsveränderungen agieren bzw. bei auftretenden Störungen reagieren. Durch das Softwarefeature "Werkskalender" kann aktiv der Energieverbrauch optimiert werden. Der Werkskalender ist ein Modul, in dem Schaltzeiten für bestimmte Anlagen eingegeben werden. Eingetragen werden die Schaltzeiten in einem Jahreskalender. Die Anlagen können je nach Produktionstag zeitgesteuert ein- bzw. ausgeschalten werden. So wird beispielsweise die Heizung vor Wochenenden für die genutzte Anlage am Freitag Abend heruntergefahren und am Sonntag Abend wieder heraufgefahren. Mehrere Anlagen können dabei zu einer Gruppe verknüpft und als Gruppe gesteuert werden. Des weiteren ist das Kopieren von Standardwochen in der Software möglich, welches die Bedienung wesentlich erleichtert. Sollte der Werkskalender einmal ausfallen, wird die Anlagenschaltung von der lokalen Zeitsteuerung übernommen.

Bei auftretenden Störungen von einzelnen Anlagen bzw. Anlagenteilen wie z.B. Abweichungen von Sollwerten (Celsius oder Bar) oder Totalausfällen, werden diese über die Alarmfunktion von CIMPLICITY HMI im PC visualisiert. Der Bediener erkennt anhand verschiedener Farben die entsprechenden Zustände (grün = Normalzustand, gelb = Warnzustand, rot = Störzustand, pink = Kommunikationsfehler) der dargestellten Ebenen. Dabei gibt es drei verschiedene Ebenen: die Übersicht sämtlicher Hallen, Hallendetailbild und Anlagendetailbild. Der gestörte Teil (z.B. Halle) blinkt bei Störung rot auf. Des weiteren werden Fehler in einem separaten Alarmfenster angezeigt. Neben dem Datum und der Uhrzeit wird die Ursache und der Zustand (Warnung, Alarm, Kommunikationsfehler, Alarm beendet) der gestörten Anlage aufgelistet. Durch diese beiden Alarmfunktionen wurde die Lokalisierung von Störungen, die Fehlerdiagnose und die Einleitung von Gegenmaßnahmen wesentlich vereinfacht. Ein weiterer Vorteil der Software liegt im flexiblen Umgang mit Störungen. So können etwa Störsignale gewichtet werden. An Wochenenden werden grundlegende Störungen über einen Alarmhinweis inkl. Anweisung an den Portier weitergegeben, der entsprechend definierte Maßnahmen einleiten kann.

Neben den beschriebenen Funktionen wurde mit CIMPLICITY HMI ein Lastspitzenmanagement eingeführt. Durch dieses Lastspitzenmanagement wird vermieden, dass ein vorher definierter Stromverbrauchswert überschritten wird. Da dieser Wert als Berechnungsgrundlage für die nächsten Jahre dient, können erhebliche Kosten eingespart werden. Weitere Softwarefeatures wie das Aufbereiten von Statistiken ermöglicht Steyr Daimler Puch ein optimales Gebäudemanagement. Zu seinen Erfahrungen befragt, antwortete Wolfgang Beitel, Leiter der Gebäudeleittechnik bei Steyr Daimler Puch "Der Umfang an Möglichkeiten wie z.B. der Werkskalender oder die Scriptfunktionalität, den CIMPLICITY HMI uns bietet, ist schon ein großer Vorteil. Durch die Windows Oberfläche ist die Bedienung kinderleicht und selbst die Pflege und zukünftige Erweiterungen können bei uns selbst im Hause durchgeführt werden." Aufgrund der offenen Systeme besitzt Steyr Daimler Puch die Möglichkeit, ihre Gebäudeleittechnik an die wechselnden Gegebenheiten kostengünstig anzupassen. Ein weiterer Vorteil des GE Fanuc Konzeptes, mit dem die Grazer Leitzentrale in eine geregelte Zukunft steuert.

 
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